Beim Mova Z60 Ultra Roller Complete (Test) war die Wischwalze das große Argument: laufend mit frischem Wasser befeuchtet, ausfahrbar, Ecken kein Problem. Beim V70 Ultra Complete ist sie wieder weg. Mova kehrt zu zwei rotierenden Wischpads zurück, zum identischen Preis von 1.399 Euro (UVP). Auf dem Papier ist das ein Rückschritt. In der Praxis auch?
Design und Einrichtung des Mova V70 Ultra Complete
Der Roboter ist 8,8 cm hoch. Das ist der sichtbarste Fortschritt gegenüber dem Z60 Ultra Roller Complete, der selbst mit abgesenktem Navigationsturm auf 9,6 cm kommt. Acht mm klingen nach nichts, entscheiden aber darüber, ob der Roboter unter das Sideboard fährt oder davor stehen bleibt. Möglich macht das ein versenkbarer DToF-Sensor, der im offenen Raum ausfährt und sich vor flachen Möbeln absenkt. Die Bestmarke hält weiterhin Roborock mit 7,98 cm beim Saros 20 Neo (Test). Warum die Wischtechnik über die Bauhöhe entscheidet, habe ich hier ausführlicher erklärt.
Unter dem Roboter sitzt eine zweigeteilte Hauptbürste. Jede der beiden Walzen ist nur an einer Seite verankert, das freie Ende lässt lange Haare abrutschen, statt sie aufzuwickeln.
Die Basisstation misst 42,0 × 45,8 × 47,0 cm. Der eigentliche Unterschied steckt innen. Denn Mova verzichtet komplett auf den Staubbeutel. Die Station sammelt den Schmutz in einem Behälter, den du herausnimmst, ausleerst und komplett abspülen kannst. Bis zu 100 Tage ohne manuelles Entleeren verspricht der Hersteller. Natürlich hängt das davon ab, wie häufig du den Putzbot fahren lässt. Für dich heißt das konkret: kein Nachkauf von Einwegbeuteln, dafür alle paar Wochen zwei Minuten am Waschbecken.
Den Weg geht auch Ecovacs beim Deebot X12S OmniCyclone (Test). Dort musst du den Behälter allerdings ausklopfen statt ausspülen. Gegen Schimmel und Geruch trocknet der V70 den Behälter automatisch nach. Und sonst? 4,0 Liter Frischwasser, 3,5 Liter Abwasser, eine Moppwäsche über ein um 40 Grad abgeschrägtes Waschbrett und eine Sterilisation mit 100 Grad heißem Wasser integriert Mova. Getrocknet wird mit 70 Grad warmer Luft. Außerdem wird die Reinigungslösung automatisch dosiert, und zwar aus zwei Behältern.
Beim Zubehör bleibt Mova seiner Linie treu, und das ist ein echter Vorteil. Im Lieferumfang stecken ein Liter Reinigungslösung, 200 ml Lösung gegen Tiergeruch, eine Ersatzhauptbürste, eine Ersatzseitenbürste, zwei Filter und sechs Wischpads. Die Inbetriebnahme klappt in der Movahome-App. Der komplette Einrichtungsvorgang dauert nur wenige Minuten. QR-Code scannen, Station anschließen und den Roboter zum Mapping losschicken. Bei der Kartierung hinterlässt der Sauger einen guten Eindruck. Räume werden korrekt getrennt und auch die Bodenverlegerichtung erkennt er.
Funktionen der Movahome-App
Die App sieht der Dreame-Home-App weiterhin zum Verwechseln ähnlich. Du stellst Saugstufe, Wasserdurchflussrate und Reihenfolge der Räume ein, speicherst mehrere Etagen und legst Sperrzonen und Zeitpläne an.
Neu ist die Objektverwaltung. Die KI erkennt nach Herstellerangaben über 300 Hindernisse, und du kannst je Objekt einen Sicherheitsabstand festlegen oder gezielt einen Bereich reinigen lassen. Für Teppiche arbeitet ein Ultraschallsensor: Je nach Einstellung hebt der Roboter Mopp, Seitenbürste und Hauptbürste an, lässt die Mopps in der Station, umfährt den Teppich ganz oder erhöht die Saugleistung.
Was fehlt, ist das Gleiche wie beim Vorgänger. Alexa und Google Home sind dabei. Ein eigener Sprachassistent sitzt im Roboter. Matter und damit Apple Home unterstützt auch der V70 Ultra Complete nicht.
So gut saugt und wischt der Mova V70 Ultra Complete
Auf dem Papier setzt Mova eine neue Marke: 40.000 Pa. Das sind 12.000 Pa mehr als im Z60 Ultra Roller Complete und 4.000 Pa mehr als beim bisherigen Spitzenwert, den sich DJI Romo P2 und die Saros-20-Reihe teilen. Nur: Pascal ist ein Unterdruckwert, kein Reinigungsergebnis. Was zählt, ist das Zusammenspiel aus Bürsten, Luftführung und Fahrverhalten.
| Testvolumen (g) | Ansaugvolumen (g) | Effizienz (%) | |
|---|---|---|---|
| Haferflocken (Fliesen) | 10 g | 9,7 g | 97 % |
| Haferflocken (Teppich) | 10 g | 9,2 g | 92 % |
| Sand (Teppich) | 10 g | 9,1 g | 91 % |
Insgesamt kann der V70 Ultra Complete auf glatten Oberflächen wie Hartböden überzeugen. Ob der Roboter dabei groben oder feinen Schmutz aufsaugen soll, spielt dabei keine Rolle. In Ecken sieht die ganze Geschichte auch gut aus. Hier sinkt die Effizienz wie bei jedem Saugroboter, allerdings nicht so erheblich wie bei den meisten Modellen.
Und die Ecken? Das Verkaufsargument des V70 heißt MaxiReachX und besteht aus zwei Mechaniken. Die Seitenbürste schwenkt bis zu 12 cm aus dem Gehäuse und soll dabei in Spalten ab 3,8 cm Höhe hineinreichen, also unter Sockelleisten und niedrige Einbauschränke.
Der rechte Wischmopp soll zusätzliche 16 cm seitlich herausfahren. Bei dieser 16-cm-Angabe lohnt der Blick ins Kleingedruckte. Mova misst nicht, wie weit der Mopp über die Gehäusekante hinausragt, sondern den Abstand zwischen den Mittelpunkten der beiden Wischpads im ausgefahrenen Zustand. Das ist eine andere Bezugsgröße als die 18 cm, die Dreame beim X60 Pro Ultra Complete (Test) angibt, und als die 12,4 cm Ausfahrweg beim DJI Romo P2. Die Werte sind also nicht direkt vergleichbar, auch wenn die Zahl größer klingt.
Und die Wischleistung? Hier legt Mova zwei Werte vor, die über dem bisherigen Klassenbesten liegen. Der Anpressdruck beträgt 15 N. Bislang standen 14 N beim Roborock Saros 20 Neo (Test) und beim Saros 20 Sonic (Test) an der Spitze. Der Wischmotor dreht mit bis zu 300 Umdrehungen pro Minute, was Mova gegenüber den 180 U/min der Vorgängergeneration als 50 Prozent mehr Leistung verkauft.
Auch wenn der Mova-Roboter mit Wischpads wischt, kann sich die Nassreinigung sehen lassen. Frische Flecken werden weggeschrubbt und nicht verschmiert. Eingetrocknete Flecken bekommt er auch weg, braucht dafür aber mehrere Durchläufe.
Zur Orientierung nutzt der V70 den versenkbaren DToF‑Laser. Für Hindernisse kommen Kameras, eine LED-Beleuchtung für dunkle Ecken und die Objekterkennung hinzu. Beim Z60 Ultra Roller Complete habe ich es im Test nicht geschafft, dem Roboter mit Kabeln oder Tisch- und Stuhlbeinen einen Fehler zu entlocken. Ganz so fehlerfrei ist der V70 nicht: Tisch- und Stuhlbeine nimmt er einige Male mit. Bei Kabeln und weiteren flachen Gegenständen zeigt sich der Roboter stark und umkurvt diese berührungslos.
Beim Klettern gibt Mova den höchsten Wert an, der mir bislang untergekommen ist: bis zu 9 cm für eine Doppelstufe, eine Einzelstufe darf bis zu 5 cm hoch sein. Ein spezielles System hebt dafür das Fahrgestell mit ausklappbaren Beinen an. Zur Einordnung: Roborock schafft mit Kletterarm 8,8 cm in Summe, DJI nennt 8,5 cm. Der Unterschied klingt nach Haarspalterei, ist für Altbauwohnungen mit hohen Türschwellen oder einem Podest aber genau die Grenze, an der ein Roboter entweder durchkommt oder nicht.
Mova setzt auf einen 6.400-mAh-Akku. Die Akkuleistung des Mova V70 Ultra Complete ist beeindruckend. Denn unter Vollast verliert der Roboter in 30 Minuten gerade einmal 14 Prozent. Damit schafft er problemlos Wohnungen weit über der 100‑m²‑Marke.
Fazit: Nur DJI ist besser
Der Mova V70 Ultra Complete ist der zweitbeste Saugroboter, den ich bislang getestet habe. Vor ihm steht nur der DJI Romo P2 (Test), und das im Wesentlichen wegen dessen Navigation, an die im Moment niemand herankommt. Außerdem missfällt mir weiterhin, dass die App wie eine Dreame-Kopie wirkt.
Bemerkenswert ist, wie deutlich Mova das eigene Flaggschiff überholt. Der Z60 Ultra Roller Complete war vor knapp einem Jahr noch „fast der beste Saugroboter“, hatte aber mit 9,6 cm Bauhöhe, 28.000 Pa und einem Dock von 54,5 cm Breite an mehreren Stellen Luft nach oben. Der V70 schließt Lücken, und zwar zum selben Preis von 1.399 Euro UVP.
Die Schwächen bleiben dabei dieselben wie beim Vorgänger. Matter fehlt weiterhin, Apple Home ebenso. Und günstig ist der Roboter nicht: 1.399 Euro liegen über den 1.349 Euro (UVP), die DJI für den Testsieger aufruft.
Vorteile:
- Gute Saugleistung
- Solides Wischergebnis
- Sehr gute Akkulaufzeit
- Mopp und Seitenbürste fahren weiter aus als bei Konkurrenzmodellen.
- Reinigungslösung, Ersatzbürsten und sechs Wischpads liegen bei
- Mit 8,8 cm flacher als das eigene Vorgänger-Flaggschiff
Nachteile:
- Kein Matter und keine Apple-Home-Anbindung
- App wirkt weiterhin wie eine Kopie der Dreame-Home-App
- Roboter ist mit 35 cm Durchmesser groß für enge, dicht möblierte Wohnungen
- Teurer als der aktuelle Testsieger
