Die Frau hatte nur ihren entlaufenen Hund gesucht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten versuchten Totschlag vor. Nach Angaben eines Gerichtssprechers kommt sogar versuchter Mord infrage. Der letzte Verhandlungstag ist für den 26. November angesetzt. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
So weit würden die wenigsten gehen. Wer sein Haus vor Einbrechern schützen will, greift meist zu deutlich harmloseren Mitteln, wie sie in vielen Siedlungen zu sehen sind. Doch auch die haben einen Haken, den kaum jemand kennt. Und der beginnt nicht erst beim Einbrecher.
Welche Maßnahmen zum Bumerang werden
Von einem Grundstück darf keine Gefahr für andere ausgehen. Juristen nennen das Verkehrssicherungspflicht, und einbetonierte Glasscherben oder versteckt gespannter Draht sind das genaue Gegenteil davon. Verletzt sich jemand, droht eine Strafanzeige wegen Körperverletzung nach § 223 oder § 229 StGB. Zusätzlich kann der Verletzte Schadensersatz und Schmerzensgeld nach § 823 BGB verlangen.
Dass ein Einbrecher selbst Hausfriedensbruch begeht (§ 123 StGB) und kaum Anzeige erstatten wird, schützt dich nicht. Die Staatsanwaltschaft kann nach § 230 StGB auch von sich aus ermitteln. Treffen kann es zudem genauso den Zusteller oder das spielende Kind.
Gerichte sehen das streng. Das Verwaltungsgericht Minden untersagte Nato-Draht gegen überfliegende Bälle, weil Kinder weder die Gefahr noch ein Verbotsschild zuverlässig einordnen können (2003, Az. 11 L 603/03). Ein „Betreten verboten“ am Tor hilft dir also nicht weiter. Das Verwaltungsgericht Koblenz nannte kaum sichtbaren Stacheldraht auf einem Zaun eine Falle (2006, Az. 7 K 2595/05).
Pauschal verboten ist Stacheldraht aber nicht. Das Verwaltungsgericht München ließ stumpfen Draht stehen, der kaum verletzen konnte (2016, Az. M 11 K 15.2011). Entscheidend ist also die konkrete Verletzungsgefahr. Was an Einfriedung erlaubt ist, regelt zudem oft der Bebauungsplan, auch bei Elektrozäunen.
Und was hatte die Frau in Sachsen-Anhalt ausgelöst? Eine selbstgebaute Schussanlage auf dem Grundstück in einem Ortsteil von Gommern. Der Angeklagte hat zum Prozessauftakt eingeräumt, sie gebaut und installiert zu haben. Neben versuchtem Totschlag ist er auch wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt.
Abschrecken statt verletzen: Was Überwachungskameras leisten
Die legale Alternative zur Glasscherbe setzt auf Licht und Lärm statt auf Schmerz. Hier haben Überwachungskameras einen echten Vorteil. Das Tapo C675D KIT (Test) löst im Alarmmodus rot-blau blinkende Warnleuchten und eine Sirene aus und schickt parallel eine Meldung aufs Smartphone. Die kabelgebundene Tapo C575D (Test) bringt Sirene und Warnlicht ebenfalls mit.

Wer vor allem auf Licht setzt, greift zu einer Flutlicht-Kamera. Die Reolink Solar Floodlight Cam (Test) schaltet bei erkannter Bewegung zwei Strahler mit laut Reolink bis zu 1.000 Lumen ein. Im Test leuchteten sie einen Raum problemlos aus. Dazu kommt laut Hersteller eine 110-dB-Sirene. Alle drei Kameras bieten außerdem Zwei-Wege-Audio, über das du ungebetene Gäste direkt ansprechen kannst. Beim C675D KIT war das sogar die klarste Audioqualität, die ich bislang bei einer Überwachungskamera erlebt habe.
Der entscheidende Unterschied zum Stacheldraht: Trifft der Alarm statt des Einbrechers ein Kind, passiert nichts außer einem Schreck. Gleichzeitig hast du im Ernstfall Aufnahmen für die Polizei. Bei den genannten Tapo-Modellen funktioniert die lokale Personenerkennung zudem ohne Abo. Selbstverständlich ist das nicht, wie die Ring Outdoor Cam Pro (Test) zeigt, die wichtige Funktionen hinter einer Abo-Schranke sperrt.
Und was ist mit Zaun und Mauer? Eine Einfriedung ohne Verletzungsgefahr, etwa ein ortsüblicher Zaun oder eine Hecke, bleibt im Rahmen des Bebauungsplans in aller Regel unproblematisch. Welche mechanischen Sicherungen an Tür und Fenster sinnvoll sind, verraten dir die polizeilichen Beratungsstellen in einer kostenlosen Einbruchschutzberatung. Ergänzen lässt sich das mit smarten Bewegungsmeldern wie dem Bosch Bewegungsmelder II (Test). Weitere Bausteine stellen wir in unserem Ratgeber zum Einbruchschutz im Smart Home vor.
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