HBO Max im Test: Lohnt sich das Abo zum Start in Deutschland?

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HBO Max ist in Deutschland gestartet. Ein weiterer Streaming-Dienst, der Einzug in deinen Alltag halten will. Ob er sich neben Netflix, Sky, Amazon Prime und Apple TV behaupten kann, wird sich zeigen. Wir haben HBO Max am Starttag am TV ausprobiert und sind über einige Details gestolpert.
„A Knight of the Seven Kingdoms”-Autor George R.R. Martin vor dem HBO Max-Logo in Berlin

„A Knight of the Seven Kingdoms”-Autor George R.R. Martin vor dem HBO Max-Logo in Berlin

Die Zersplitterung des Streaming-Marktes in Deutschland hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die US-Dienste Apple TV, Disney+, Netflix, Paramount+ und Prime Video buhlen bereits um die Gunst der Kunden. Hinzu kommen RTL+ und Sky. Vor allem Letzterer leidet unter dem Start von HBO Max: Viele einst von HBO lizenzierte Serien hat HBO-Eigentümer Warner von Sky abgezogen – auch ein Grund, warum der Start des neuen Streaming-Dienstes im Jahr 2026 ein wenig spät wirkt. Ohne diese Inhalte hätte HBO Max wohl kaum eine Chance. Doch wie schlägt sich der neue Streamer? Wir haben es getestet – am Starttag und auf einem LG Smart-TV sowie auf einem Magenta TV One. Auf beiden war die notwendige App wie erwartet verfügbar. Die Registrierung erfolgt praktisch per Handy: Am TV erscheint ein QR-Code, der dich aufs Smartphone schickt. Dort gibst du deine Daten ein, wählst den Tarif und legst eine Zahlart fest.

Bezahlmethoden eingeschränkt, Tarife schon mit Preiserhöhung

Genau hier fällt HBO Max negativ auf – zumindest, wenn man eine Aversion gegen digitale Bezahlformen hat: Zur Auswahl stehen nur Klarna, PayPal und Kreditkarte. Weitere Optionen wie Lastschrift oder Überweisung fehlen. Auch Prepaid-Karten im Handel gibt es zum Start nicht – und ob das nachgereicht wird, bleibt offen. Bekannt ist dazu aktuell nichts. Positiv aber: Nach dem ersten Setup klappt der Login auf weiteren Geräten ohne Probleme. Bei uns funktionierte das auch auf einem MagentaTV-Endgerät (auf Android-TV-Basis) direkt nach Installation aus dem Google Play Store.

Beim Buchen von HBO Max wirst du natürlich automatisch mit dem Tarif-Thema konfrontiert. Zum Start gibt es drei Monatsabos, dazu ein optionales Sportpaket. Die Preissteigerung ist bereits angekündigt.

  • Basis mit Werbung: Full HD, 2 parallele Streams, 5,99 Euro/Monat (bis Ende 2026), danach 6,99 Euro ab 1. Januar 2027
  • Standard ohne Werbung: Full HD, 2 parallele Streams, bis zu 30 Downloads, 11,99 Euro/Monat (bis Ende 2026), danach 12,99 Euro ab 1. Januar 2027
  • Premium: 4K UHD, bis zu 4 parallele Streams, Dolby Atmos (sofern verfügbar), bis zu 100 Downloads, 16,99 Euro/Monat (bis Ende 2026), danach 17,99 Euro ab 1. Januar 2027
  • Sport als Add-on: 3,00 Euro/Monat (mit Werbung)

Einen (günstigeren) Jahrestarif gibt es zum Start nicht.

waipu.tv bietet dir Bundle-Pakete in Kombination mit HBO Max bereits ab 17,99 Euro. Du hast die Wahl zwischen günstigen Abos mit Werbung oder höherpreisigen Optionen, die es dir ermöglichen, deine Inhalte in 4K-Qualität zu genießen.

Was du bei HBO Max zum Start erwarten kannst

Inhaltlich spielt HBO Max seine zwei großen Stärken aus: HBO-Serien und den Warner-Katalog. Wenn du wegen Prestige-Serien kommst, findest du zum Start viele bekannte HBO-Titel, etwa Game of Thrones (komplett) sowie Klassiker wie Die Sopranos oder Friends. Dazu kommen neuere Aushängeschilder wie The White Lotus, Succession oder The Last of Us. Auch House of the Dragon und Euphoria gehören als große Marken in dieses Umfeld – teils liefen neue Staffeln in Deutschland zuletzt bei Sky/WOW – und tun dies vorerst auch weiterhin.

Bei Filmen steckt viel Warner drin: Harry Potter und Phantastische Tierwesen, DC-Titel und moderne Blockbuster wie The Batman, Dune (2021) oder Barbie. Zusätzlich gibt’s Katalogware und Klassiker wie Casablanca.

HBO Max kündigt außerdem lokale Produktionen an, darunter neue deutschsprachige Projekte wie ein Prequel zu 4 Blocks. Das ist eher ein Ausblick als etwas, das du am ersten Abend „wegen Deutschland-Start“ sofort sehen kannst. Denn das Prequel kommt erst im Herbst. Das erste deutsche HBO Original startet am 20. Februar: Bangsters.

Bedienung am TV: Viel Schaufenster, wenig Einstellungen

Die Oberfläche war bei uns auf LG-TV und Android TV praktisch identisch: Startseite als Schaufenster, Suche und die Reiter Serien, Filme, HBO und Sport. Innerhalb von Serien und Filmen geht’s dann in Genres wie Crime, Drama oder Comedy. Sport ist dabei ein eigener Bereich und ein Extra, das du – wie erwähnt – zusätzlich buchen musst.

Was fehlt, merkst du schnell: In der App gibt es keine echten globalen Wiedergabeeinstellungen für Bild oder Ton. Sie dient in erster Linie der Navigation durch Inhalte. Auch bei der Suche ist HBO Max am TV altmodisch: Es bleibt bei der Onscreen-Tastatur. Eine Sprachsuche – wie man sie von manchen anderen Apps kennt – ist bei den Apps für LG und Android TV zum Start nicht integriert. Das ist am Fernseher spürbar unkomfortabel.

Dazu kommt ein Verwaltungsproblem: Wir konnten das Abo zwar auf dem LG-TV (nicht aber bei Magenta TV) für den nächsten Abrechnungszeitraum anpassen, aber nicht direkt kündigen. Wer raus will, muss den Umweg über die HBO-Accountverwaltung im Web gehen.

Bild und Ton: Premium mit UHD, Atmos bleibt kompliziert

Wir haben den Premium-Tarif genutzt. UHD-Inhalte inklusive Dolby Vision standen bei passenden Titeln zur Verfügung – und liefen stabil. Der Start eines Streams dauerte in unserem Test meist drei bis vier Sekunden. Das lag eher nicht an der Internetleitung und schien auch nicht an der Leistungsfähigkeit der HBO-Server zu liegen. Vielmehr wirkte es wie bewusstes Vorpuffern. Denn danach gab es bei uns keine Ruckler oder sichtbaren Qualitätseinbrüche – auch nicht in UHD.

Der größte Haken liegt beim Ton – genauer: bei der Erwartung. HBO Max zeigt häufig an, dass Dolby Atmos verfügbar ist. In der Praxis ist Atmos bei manchen Produktionen aber nur im englischen Originalton vorhanden. Beispiel: The Batman. Atmos wurde tatsächlich ausgegeben, sobald wir auf Englisch umgestellt haben. Auf Deutsch ist bei vielen Titeln „nur“ 5.1 üblich. Und wenn du gezielt „Deutsch plus Atmos“ suchst, hilft HBO Max dir nicht: Es gibt keine Filter- oder Suchfunktion, die genau diese Kombination auffindbar macht. Enttäuschend.

Übrigens: Beim Basis-Tarif mit Werbung ist das Werbeaufkommen zumindest zum Start noch überschaubar. Die Kollegen von heise bemerken in einem zweistündigen aktuellen Blockbuster gerade einmal eine Unterbrechung von einer Minute, vor einer Serienfolge waren es 30 Sekunden davor und ein- bis zweimal während der Folge. Kein Vergleich zu dem, was Amazon Prime seinen Nutzern inzwischen zumutet.

Profile und Jugendschutz: stark umgesetzt

Bei den Nutzerprofilen macht HBO Max vieles richtig. Du kannst mehrere Profile anlegen, und ein Kinderprofil war bei uns direkt angelegt. Praktisch ist auch die Alterssteuerung: Du kannst das Kinderprofil nach FSK-Stufen begrenzen (zum Beispiel FSK 6 oder FSK 10). Noch wichtiger: Ein Kind kann das Kinderprofil, wenn ein Elterncode aktiv ist, nicht verlassen und zu den Erwachsenenfilmen wechseln. Denn es wird ein vierstelliger PIN benötigt, um wieder an Erwachseneninhalte zu kommen. Das ist ein sehr wirksamer Alltagsschutz – solange der PIN nicht weitergegeben oder erraten wird. Auch lässt sich das Profil mit dem PIN sperren, damit nicht heimlich vor dem Erledigen der Hausaufgaben geschaut wird.

Merkliste und Weiterschauen: praktisch, aber aufräumen nur mit Know How

Für den täglichen Gebrauch sind „Meine Liste“ und ein Bewertungssystem an Bord. Du kannst Titel vormerken und bewerten. Begonnene Inhalte tauchen in einer Weiterschauen-Leiste auf, was grundsätzlich sinnvoll ist. Der Haken: Diese Weiterschauen-Liste lässt sich so kompliziert bereinigen, dass wir in einer ersten Version dieses Tests davon ausgingen, dass sie sich gar nicht aufräumen lässt. Wenn du aber dort einen Titel auswählst und lange die OK-Taste der Fernbedienung drückst, erscheint ein Punkt zum Entfernen. In den Smartphone- und Tablet-Apps von HBO Max, die wir in diesem Test nicht weiter berücksichtigt haben, ist das deutlich einfacher. Gefällt dir ein Film oder eine Serie, kannst du direkt weitere ähnliche Empfehlungen bekommen.

Test-Fazit nach dem Starttag

HBO Max startet technisch solide: Installation, Anmeldung und Streaming liefen bei uns auf LG-TV und Android TV stabil, Premium liefert UHD samt Dolby Vision zuverlässig. Im Alltag bremsen aber unnötige Kanten: sehr eingeschränkte Zahlungsmethoden, keine Sprachsuche, keine globalen Audio-Defaults und eine Weiterschauen-Liste, die du nicht aufräumen kannst. Am meisten irritiert die Atmos-Kommunikation: „Atmos verfügbar“ heißt nicht automatisch „Atmos auf Deutsch“ – und das, obwohl die Tonspuren auf Blu-ray grundsätzlich zur Verfügung stehen.

Alles in allem werden die Inhalte entscheiden, ob und wie sich HBO Max durchsetzen kann. Hier hat man zumindest den Vorteil, dass man sich durch viele Jahre Sky-Kooperation bereits einen Namen gemacht hat. Nun müssen aber neue interessante Inhalte her. Ansonsten dürfte es aus Nutzersicht ganz sinnvoll sein, dass es keinen Jahrestarif gibt. So kannst du immerhin schnell wieder zu einem anderen Streaming-Dienst wechseln und musst nicht zig Dienste parallel bezahlen.

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Bildquellen

  • waipu.tv-und-hbo-max: waipu.tv / HBO Max
  • dieser-streaminganbieter-muss-sich-von-98-serien-trennen: Shutter Speed/Unsplash
  • „A Knight of the Seven Kingdoms”-Autor George R.R. Martin vor dem HBO Max-Logo in Berlin: HBO

3 Kommentare

  1. Daniel Cordsen
    Kleine Korrektur zum guten Beitrag. Die Weiterschauen Inhalte lassen sich in der HBO Max App ebenfalls manuell entfernen. Dazu einfach den gewünschten Titel länger mit der OK Taste der Fernbedienung gedrückt halten, bis auf dem Vorschaubild ein X erscheint (erst lädt ein Kreis, ehe das X erscheint). Dann kann man das entfernen bestätigen und der Titel wird aus dem Weiterschauen Bereich entfernt. Hab es gestern über meine Magenta One in der App von HBO Max herausgefunden, als ich Testweise was abspielte.
    • Thorsten Neuhetzki
      Danke für den Hinweis. Darauf bin ich nicht gekommen. Ich korrigiere das gleich. In den mobilen Apps gibts wenigstens nen richtigen Menüpunkt dazu
  2. Karsten Frei
    Schöne Sache, nur was kündige ich, um HBO Max zu abonieren? Um die tägliche 1,5-2 Stunden Fernseherzeit zu füllen, braucht man keine 6-7 Streaming Abos. Wenn Waipu Vertrag noch noch 6 Monate läuft, und WOW auch bis zum Sommer aboniert ist? Die Anbieter treiben die Konsumenten selbst ins Illegale.
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