In einem Städte-Ranking, das die Webseite PrivacyTutor zur Streaming-Qualität in Deutschland erstellt hat, ist der Sieger überraschend: Recklinghausen. Auffällig ist dabei vor allem die hohe Kabelabdeckung: 87,52 Prozent. Glasfaser (FTTB/H) liegt dort bei 39,39 Prozent. Gleichzeitig werden im Schnitt 161,5 Mbit/s Download genannt – also Werte, die für Streaming zunächst mehr als ausreichend wirken. Das passt zur typischen Stärke von Kabelinternet: hohe Downstream-Raten, die beim Videostreaming entscheidend sind. Für viele Haushalte fühlt sich das im Alltag „schnell“ an, weil 4K-Streams, App-Downloads und Updates meist problemlos laufen – solange die Leitung stabil bleibt.
Glasfaser heißt nicht automatisch, dass bei dir alles perfekt läuft
Der Haken: Kabel ist ein geteiltes Medium. Du teilst dir einen Teil der Kapazität mit anderen Haushalten im Segment. Wenn abends viele gleichzeitig streamen, zocken und laden, können die real verfügbaren Reserven schwanken. Das merkst du nicht immer beim normalen Surfen, aber bei parallelen Streams oder großen Downloads deutlich eher.
Im gleichen Vergleich wird sichtbar, dass eine hohe Glasfaserabdeckung nicht automatisch einen Spitzenplatz garantiert. Ingolstadt wird beispielsweise mit 99,85 Prozent FTTB/H ausgewiesen, liegt insgesamt aber nicht ganz vorne. Der Grund: Die gemessenen Durchschnittswerte beim Download fallen niedriger aus (105,6 Mbit/s). Das aber kann auch mit der gebuchten Datenrate der Kunden zu tun haben. In Ingolstadt ist mit der Com-IN schon sehr lange ein Glasfaseranbieter aktiv; die gebuchten Datenraten dürften daher möglicherweise etwas niedriger sein als heute üblich.
Das ist kein Argument gegen Glasfaser – im Gegenteil. Glasfaser ist technisch meist die stabilere Basis, weil du nicht im gleichen Maß von Segmentauslastung abhängig bist. Aber Stadtdurchschnitte sagen wenig über deinen Haushalt: Ob du tatsächlich einen Glasfaser-Tarif nutzt, wie die Hausverkabelung aussieht und ob dein Router oder WLAN mithält, spielt mindestens genauso stark hinein.
Mehrere UHD-Streams: So wird Bandbreite plötzlich knapp
Richtig spannend wird es, wenn in deinem Haushalt nicht nur ein Stream läuft. Viele Streaming-Dienste empfehlen für 4K (UHD) mindestens 25 Mbit/s pro Stream. Das ist zumindest ein brauchbarer Richtwert. Zwei UHD-Streams brauchen schnell rund 50 Mbit/s, drei etwa 75 Mbit/s – und das ohne Reserve. In der Praxis kommen noch Protokoll-Overhead, kurze Bitraten-Spitzen, weitere Geräte im WLAN, Hintergrund-Updates oder Cloud-Backups dazu.
Und dann ist da der Klassiker: Das (überlastete) WLAN. Wenn der Fernseher im 2,4-GHz-WLAN hängt, der Router weit weg steht oder das Mesh schlecht platziert ist, bricht die nutzbare Datenrate oft deutlich stärker ein als der Anschluss selbst. Dann wirkt „das Internet“ langsam, obwohl die Leitung am Router eigentlich genug liefern würde. Wenn du Nachbarn hast, die das gleiche machen, wird es noch schlimmer.
Was du an deinem Anschluss konkret prüfen solltest
- Wenn UHD im Mehrpersonenhaushalt ruckelt, hilft es, die komplette Kette zu prüfen – nicht nur den Tarif:
- Miss per LAN-Kabel am Router (das zeigt, was wirklich aus der Leitung kommt – ohne WLAN-Einfluss).
- Teste zu unterschiedlichen Uhrzeiten, vor allem abends (bei Kabel sind Schwankungen dann oft am sichtbarsten). Aber am besten nicht mit dem Handy!
- Plane bei mehreren 4K-Streams Reserve ein (nicht nur „25 Mbit/s mal Anzahl“, sondern plus Puffer).
- Prüfe das Heimnetz: Router-Standort, 5-GHz/6-GHz-WLAN, Mesh-Knoten – und ob der TV wirklich über das bessere Band funkt.
Was du konkret machen solltest, wenn deine Streams immer wieder ruckeln, haben wir in einem ausführlichen Ratgeber für dich zusammengestellt. Die Kurzfassung: Möglichst LAN nutzen, kein WLAN. Und wenn WLAN, dann kein 2,4 GHz. Und mindestens 50 Mbit/s-Anschlüsse nutzen.
Generell gilt auch unsere langfristige Empfehlung, dass du auf Glasfaser setzen solltest. Auch wenn dein DSL- oder Kabelanschluss heute noch ausreicht – nach allem, was Experten prognostizieren, werden die meisten Haushalte in einigen Jahren auf Glasfaser angewiesen sein. Dabei geht es nicht nur um den Downstream, sondern auch um den Upstream und die Latenz.
