Neue FritzBox für DSL- und Glasfaser exklusiv bei 1&1: So schlägt sie sich im Test

12 Minuten
Mit der FritzBox DSL/Fiber 7-90 startet Fritz! eine neue Router-Generation. Neues Gehäuse, neuer Name, DSL und Glasfaser in einem Gerät. Doch 429 Euro sind eine Ansage. Ab sofort ist sie verfügbar. Wir haben die Box getestet.
Der 1&1 Homeserver Pro steht auf einem Tisch
FritzBox DSL/Fiber 7-90 alias 1&1 Homeserver ProBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Sie sieht ein bisschen aus wie ein Buch. Sie steht im Regal wie ein Buch. Und sie soll alles können, was ein Router an DSL und Glasfaser können muss. Die FritzBox DSL/Fiber 7-90 ist die erste Box mit dem neuen Namensschema von Fritz!. Vorn steht die Anschlussart, dann die WLAN-Generation, am Ende die Geräteklasse. Die 7 steht für Wi-Fi 7, die 90 für die Oberklasse. Später sollen Modelle mit 60 für die Mittelklasse und 30 für den Einstieg folgen.

Exklusiv-Start bei 1&1

Bekommen kannst du die neue FritzBox zunächst nur bei einem Anbieter. 1&1 vermarktet sie als 1&1 HomeServer Pro, in Schwarz oder Weiß, und hat sich für mindestens sechs Monate Exklusivität unter den deutschen Netzbetreibern gesichert. Im Fritz-Shop soll sie zum Jahresende stehen, die Shopseite nennt derzeit das erste Quartal 2027. Wenn man die Exklusivität auch hier ernst nimmt, wird es aber wohl Ostern werden. Der geplante Preis: 429 Euro. Bei 1&1 hingegen ist der neue Router zum Marktstart kostenlos!

1&1 nennt die Box das neue Fritz-Flaggschiff. Fritz! selbst sieht das anders. Im Testleitfaden, den der Hersteller Testgeräten beilegt, bleibt die FritzBox 5690 Pro das Flaggschiff. Warum das auf dem Papier so ist, haben wir im großen Vergleich aufgeschrieben. Jetzt zeigt sich, was davon in der Praxis übrig bleibt.

Getestet haben wir ein Vorabgerät in der 1&1-Variante mit FritzOS 8.47. Das ist eine interne Version, die laut Fritz! dem Stand von FritzOS 8.50 entspricht. Die Box läuft seit einigen Tagen an einem Telekom–Glasfaseranschluss mit 300 MBit/s. Die Wohnung erstreckt sich über zwei Etagen, dazwischen liegen Stahlbeton und Fußbodenheizung. Für WLAN ist das ziemlich der ungünstigste Fall. Umso interessanter der Test. Den DSL-Teil konnten wir an diesem Anschluss nicht prüfen.

Einrichtung: Ein Aufkleber zu wenig

Im Karton liegen Netzteil, LAN-Kabel, ein vier Meter langes DSL-Kabel und ein ebenso langes Glasfaserkabel. Dazu ein TAE-Adapter für ein analoges Telefon und drei wiederverwendbare Klettkabelbinder. Mit ihnen bündelst du die Kabel, bevor sie gemeinsam aus dem Gehäuse laufen. Das funktioniert. Schöner wäre ein Kabelschlauch. Den musst du selbst kaufen, er kostet aber nur wenige Euro und es sieht  dann noch mal deutlich aufgeräumter aus.

Die 7-90 ersetzt im Test-Setup eine FritzBox 5690. Der Tausch lief weitgehend problemlos. Allerdings will die Telekom wissen, welches Modem an ihrem Glasfaseranschluss hängt. Die neue Modem-ID musst du deshalb online hinterlegen, und dafür brauchst du die IDs der alten und der neuen Box. Beide stehen bei Fritz! auf der Geräterückseite. Das ist unpraktisch. Steht die Box schon verkabelt im Schrank oder hängt an der Wand, musst du sie dafür wieder hervorholen. Dabei legt Fritz! das individuelle WLAN-Kennwort und Netzname ohnehin auf einem kleinen Beileger bei. Die Modem-ID hier noch zusätzlich aufzudrucken wäre ein sinnvoller Nutzen mit vermeintlich wenig Aufwand.

FritzBox DSL/Fiber 7-90 steht in einem Bücherregal
FritzBox DSL/Fiber 7-90 steht in einem Bücherregal Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Die Einstellungen des alten Routers haben wir per Sicherungsdatei übernommen. Fast alles war nach dem Wechsel da. Nur die DECT-Telefone mussten wir erwartungsgemäß neu anmelden. Nach dem Hinterlegen der Modem-ID bei der Telekom und dem Einspielen des Updates war die Box online. Da wir parallel die Sicherung eingespielt haben, können wir allerdings nicht sagen, ob das auch ohne übernommene Zugangsdaten geklappt hätte, ist aber für den Test auch nicht wesentlich.

Ein Detail am Rande: Unter den Glasfaseranbietern ist in der Oberfläche das Profil „1&1 und Drillisch“ vorausgewählt. Profile für Telekom, O2, NetCologne und weitere sind aber hinterlegt, ein weiteres Branding zeigt die 1&1-Variante nicht. Und die Box startet flott, nach unserer Beobachtung in unter einer Minute. Nicht unrelevant, wenn du mal neu starten musst oder ein Stromausfall war.

Das Gehäuse: Hier steckt der Fortschritt

Fritz!-Chef Jan Oetjen hat es bei der Vorstellung des neuen Routers auf der IFA selbst gesagt: Der größte Teil der anderthalb Jahre Entwicklung steckt im Gehäuse, nicht in der Funktechnik. Das merkt man. Aber nicht, weil die Funktechnik schlecht wäre. Die Anschlüsse sitzen unten hinter einer Abdeckung, die zugleich der Standfuß ist. Sie geht mit etwas Kraft ab. Kein Selbstläufer. Aber auch nichts, was du jeden Tag machst. Ein kleiner Haken im Gehäuse hält die Kabel fest, solange die Abdeckung ab ist. Dann Abdeckung drauf. Fertig.

Beim Test der 5690 hatten wir noch davor gewarnt, dass sich bei der Wandmontage schnell ein Bogen im Glasfaserkabel bildet. Genau dieses Problem löst die 7-90. Das Kabel läuft geschützt unter der Abdeckung weg. Platz ist genug: Vier normale LAN-Kabel, Strom, Glasfaser und Telefon passen gleichzeitig durch den seitlichen Auslass. Wesentlich mehr Kabel wirst du an dieser Box nicht anschließen. An der Wand passt sie laut Fritz! auf die Bohrlöcher der 7590 AX.

Aber eine Schwäche hat das Konzept. Der USB-Anschluss sitzt ebenfalls unter der Abdeckung, direkt am Kabelauslass. Für einen Stick musst du also den Fuß abnehmen. Das stört wenig, niemand steckt dort ständig Sticks um. Ein dauerhaft eingesteckter USB-Speicher kommt den Kabeln aber in die Quere. Denn der USB-Port ist unmittelbar am Kabelauslass. Den USB-Stick wirst du womöglich brauchen. Dazu gleich mehr.

Bedient wird die Box physisch mit nur einer Taste und einer LED. Die LED übernimmt, was früher auf mehrere verteilt war. Grün heißt online. Weiß heißt online ohne WLAN. Langsames oranges Blinken heißt: keine Internetverbindung. Rot steht für einen Fehler. Schnelles grünes Blinken bedeutet laut Handbuch gleich vier Dinge: eine Geräteanmeldung, ein Update, das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen oder einen Neustart. Schick ist das. Selbsterklärend nicht. Weniger ist nicht immer mehr.

Gekühlt wird die Box passiv, wie alle FritzBoxen. Im Normalbetrieb sind die Seiten nicht einmal lauwarm, nur im oberen Drittel der Tastenseite leicht warm. Richtig warm wird es oben an den Lüftungsschlitzen. Die Wärme zieht also nach oben ab. Ins Bücherregal, wie auf den Produktfotos, kannst du die Box deshalb stellen. Aber nur, wenn über ihr Luft bleibt. Direkt unter den nächsten Regalboden geklemmt ist keine gute Idee, ein paar Zentimeter Platz sollten schon bleiben. Ohnehin empfehlen wir weiterhin, den Router möglichst nicht einzuengen, damit das WLAN seine Eigenschaften ausspielen kann.

WLAN im Test: Nah dran stark, durch Beton wackelig

Die 7-90 funkt auf drei Bändern mit Wi-Fi 7. Auf 6 GHz funkt sie mit zwei Datenströmen und bis zu 5.760 MBit/s. Auf 5 GHz sind es vier Datenströme und ebenfalls bis zu 5.760 MBit/s. Auf 2,4 GHz sind es zwei Datenströme und bis zu 688 MBit/s. Dazu kommt MLO, also die Möglichkeit, Daten über mehrere Bänder gleichzeitig an ein Endgerät zu schicken, das ebenfalls MLO unterstützt. Zum Vergleich: Die 5690 Pro nutzt auf 2,4 und 6 GHz jeweils vier Datenströme.

In der Nähe der Box liefert die 7-90 richtig ab. Wir haben mit dem Messprogramm iperf3 gegen ein NAS gemessen, das per 2,5-Gigabit-Anschluss an der Box hängt. Mit einem Galaxy S24 Ultra kamen wir aus fünf Metern bei freier Sicht im Download auf durchschnittlich 1,77 GBit/s, in der Spitze auf 1,9 GBit/s. Im Upload waren es 1,1 GBit/s, in der Spitze 1,3 GBit/s. Aus zwei Metern stieg der Download auf 2,1 GBit/s. Mit einem Smartphone! Viel mehr wäre in unserem Aufbau ohnehin nicht drin. Über den 2,5-Gigabit-Port des NAS gehen real etwa 2,3 bis 2,4 GBit/s. Das WLAN reizt den schnellen LAN-Port also fast aus.

Beim Kopieren großer Dateien per Windows-Freigabe vom Rechner aufs NAS und zurück erreichten wir 1,5 bis 1,6 GBit/s. Nicht bei jedem Durchlauf. Die Box wählt die Frequenzbänder selbst, und je nach Band schwankt das Ergebnis. Dazu bremsen beim Kopieren die Festplatten. Unterm Strich bleibt deutlich mehr, als eine klassische Gigabit-LAN-Verkabelung ermöglicht hätte.

Spannender ist die Frage, was durch die Decke kommt. Ein Stockwerk über der Box, getrennt durch Stahlbeton und Fußbodenheizung, bekommt das S24 Ultra eine MLO-Verbindung über 5 und 6 GHz. Die Signalstärke liegt bei minus 70 dBm auf 5 GHz und minus 80 dBm auf 6 GHz. Das ist schwach. Brutto zeigt das Smartphone 288 MBit/s, im Speedtest kommen 30 bis 40 MBit/s an. Da der Anschluss 300 MBit/s liefert, bremst hier eindeutig das WLAN. Und die Verbindung bricht immer wieder ab.

2,4 GHz-Band schwächer als nötig

Wie gut die Verbindung unter schwierigen Bedingungen klappt, hängt stark vom Endgerät ab. Ein Poco F7 Ultra kann zwar Wi-Fi 7, aber kein 6-GHz-Band. Ihm fehlt damit die zweite Verbindung, und es verliert das Netz häufiger als das Samsung.

Ist das schlecht? Für diese Wohnung nicht. In früheren Tests mussten Mesh-Geräte hier nah am Treppenhaus stehen. Standen beide in der Wohnung wie im obigen Messfall, gab es oft gar keine Verbindung. Die 7-90 schafft es von innen durch die Decke. Wackelig, aber sie schafft es. Den per LAN angebundenen Repeater, der im Alltag im Obergeschoss hängt und für den Test abgeschaltet war, ersetzt sie trotzdem nicht.

Im Keller bestätigt sich, was wir im Vergleich anhand der Datenblätter vermutet hatten. Gegenstelle ist dort ein Fritz!Repeater 600, der nur auf 2,4 GHz funkt. Die Verbindung liefert in der Regel einstellige MBit/s, ähnlich wie zuvor mit der 5690. Beide nutzen auf 2,4 GHz nur zwei Datenströme. Die 5690 war dort schon schwächer als die FritzBox 6690 Cable. Brauchst du gute 2,4-GHz-Verbindungen am Rand deines Netzes, etwa für Smart-Home-Geräte im Keller, solltest du das wissen.

Einen Pluspunkt gibt es trotzdem. Die Verbindung wirkt stabiler. Mit der 5690 fror das WLAN am Poco öfter ein, bis wir es am Smartphone aus- und wieder eingeschaltet haben. Mit der 7-90 ist das in fünf Tagen nicht passiert.

Stromverbrauch: Mehr als versprochen, aber im Rahmen

Fritz! nennt eine mittlere Leistungsaufnahme von 11,5 bis 12,5 Watt und spricht von der energieeffizientesten FritzBox, die das Unternehmen in der Klasse DSL plus Glasfaser je entwickelt hat. Klingt gut. Die Klasse hat allerdings genau zwei Mitglieder: die 7-90 und die 5690 Pro.

Gemessen haben wir mit einer Messsteckdose von Fritz!. Im Alltag, mit Repeater und gut 20 verbundenen WLAN-Geräten, die meist im Leerlauf sind, zieht die Box rund 12,7 Watt aus der Steckdose. Unter Last steigt der Verbrauch – wenig verwunderlich. Bei den iperf3-Messungen waren es im Download 15 bis 15,8 Watt, im Upload 13 bis 14 Watt. Auffällig: Ein Speedtest ins Internet trieb den Verbrauch beim Upload auf bis zu 14,9 Watt, der reine WLAN-Upload ins Heimnetz blieb darunter. Das Senden über die Glasfaser kostet offenbar zusätzlich Strom.

Im Alltag liegt die Box damit leicht über der Herstellerangabe, unter voller Last rund ein Viertel darüber. Das ist fair, denn Fritz! gibt einen Mittelwert an, keinen Höchstwert. Zum Vergleich: Die reine Glasfaser-Box 5690 kommt laut Hersteller mit 8 Watt aus.

Kaum interner Speicher, alter USB-Port

Eine Überraschung steckt in der Oberfläche. Aber keine positive. Der interne Speicher für FRITZ!NAS ist winzig: 2,8 MB belegt, 36,5 MB frei. Knapp 40 MB also. Das reicht für nichts, was man Netzwerkspeicher nennen möchte. Willst du Fotos, Filme oder Dokumente über die Box teilen, brauchst du einen USB-Speicher. Und der hängt dann an USB 2.0, dauerhaft direkt am Kabelauslass.

Kabel und USB-Stick in der FritzBox DSL/Fiber 7-90
Kabel und USB-Stick in der FritzBox DSL/Fiber 7-90 Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

USB 2.0 klingt schlimmer, als es ist. FritzBoxen sind als Netzwerkspeicher traditionell keine Sprinter, weil oft nicht die Schnittstelle bremst, sondern der Router selbst. Nutzer von FritzBoxen mit USB 3.0 berichten per Windows-Freigabe häufig von Werten um 30 bis 40 MB/s. Das entspricht ungefähr dem, was auch USB 2.0 in der Praxis schafft. Zum Teilen von einzelnen Dokumenten oder Fotos reicht das. Für große Backups ist ein echtes NAS ohnehin die bessere Wahl. Auch die 7690 hat übrigens nur USB 2.0; allein die 5690 Pro bietet USB 3.1.

Zwei weitere Dinge fehlen. Die 7-90 hat nur einen Anschluss für ein analoges Telefon, die 7690 hat zwei. Und die Matter-Bridge, die Fritz! mit FritzOS 8.50 für die 5690 Pro bringt, ist für die 7-90 laut Hersteller aktuell nicht vorgesehen. Smart-Home-Geräte bindet sie per DECT ULE und Zigbee ein.

Fazit: Gut, aber teuer

Ist die FritzBox DSL/Fiber 7-90 ein guter Router? Ja. Das Gehäuse ist durchdacht. Das WLAN ist in der Nähe sehr schnell. Die Verbindung läuft stabil. Ist sie 429 Euro wert? Das hängt davon ab, wofür du zahlen willst. Für ein uneingeschränktes Ja ist sie aufgrund der Alternativen zu teuer.

Testsiegel "Zuhause Empfehlung" für Fritz!Box DSL/Fiber 7-90
Testsiegel Bildquelle: inside digital

Die 7-90 ist eine gute, aber teure FritzBox für alle, die heute noch DSL haben und in den nächsten ein bis drei Jahren Glasfaser erwarten. Wer auf das neue Gehäuse und die Kabelführung verzichten kann, bekommt mit der 5690 Pro für 339,99 Euro, also rund 90 Euro weniger, das auf dem Papier stärkere WLAN. Gerade dort, wo die 7-90 im Test schwächelt, nämlich auf 2,4 GHz am Rand des Netzes, hat die Pro doppelt so viele Datenströme. Willst du die 7-90 aber jetzt über 1&1 beziehen, machst du sicherlich nichts falsch. Vor allem, solange das Einführungsangebot gilt.

Wer aber vor allem eine starke DSL-Box sucht, ist auf dem Papier auch mit der FritzBox 7690 für 279,99 Euro gut bedient. Sie lässt sich nach dem möglichen Wechsel auf Glasfaser über ihren 2,5-Gigabit-Anschluss hinter einem Glasfasermodem weiterbetreiben. Dafür brauchst du allerdings ein zusätzliches Gerät, und auf das 6-GHz-Band musst du verzichten.

Die 7-90 kaufst du also nicht in erster Linie wegen der Funktechnik. Du kaufst sie, weil sie aufgeräumt aussieht, sichtbar stehen darf und dein Glasfaserkabel schützt. Wenn dir das 429 Euro wert ist: gute Wahl. Bekommst du ihn bei 1&1 kostenlos, ist die FritzBox DSL/Fiber 7-90 faktisch alternativlos.

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