Noise-Cancelling ohne Silikonstöpsel gibt es bei Apple jetzt zum Kampfpreis: Erstmals haben beide Varianten der Standard-AirPods eine aktive Geräuschunterdrückung an Bord. Ich habe die AirPods 5 mit kabellosem Ladecase im Alltag getestet. Mein Eindruck: So gut waren offene AirPods noch nie. Doch eine altbekannte Schwäche bleibt leider auch mit der neuen AirPods-Variante ungelöst.
Zwei Varianten: Das ist der Unterschied
Apple verkauft die AirPods 5 in zwei Versionen. Das Basismodell kostet 149 Euro, sein Ladecase lädst du ausschließlich per USB-C. Für 169 Euro bekommst du ein Case, das sich zusätzlich kabellos per Qi oder am Apple-Watch-Ladegerät aufladen lässt. Dieses Bundle wiegt 43 Gramm, ein einzelner Ohrhörer kommt auf gerade einmal 4 Gramm.
Dazu kommen eine Lautstärkeregelung per Wischgeste am Stiel und eine Stunde mehr Akkulaufzeit. Geräuschunterdrückung, Klang und Wasserschutz sind bei beiden Modellen gleich. Aufpassen solltest du, dass dein Ladecase nicht zu Boden stürzt. Auf steinigem Untergrund können ansonsten auf der glatten, glänzenden Oberfläche fiese Kratzer und Macken entstehen.
Einrichtung: Deckel auf, fertig
Dass das Zusammenspiel zwischen Produkten von Apple in der Regel auf erstklassigem Niveau funktioniert, dürfte weithin bekannt sein. Und das ist bei den AirPods 5 nicht anders. Zu merken schon bei der Einrichtung: einfacher geht es kaum. Sobald du das Case neben deinem iPhone öffnest, erscheint auf dem Display ein Hinweis zum Koppeln. Ein Fingertipp genügt, und die AirPods sind verbunden. Auf iPad und Mac stehen sie danach ebenfalls bereit, der Wechsel zwischen den Geräten klappt ohne erneutes Koppeln. Stark!
Direkt im Anschluss lassen sich zwei praktische Funktionen aktivieren: Die personalisierte Lautstärke passt die Wiedergabe automatisch an deine Umgebung und deine Hörgewohnheiten an. Die Konversationserkennung senkt die Medienlautstärke mit einer kleinen Verzögerung automatisch, sobald du ein Gespräch beginnst. Die In-Ears abnehmen musst du dafür nicht mehr. Vielleicht wirkt es für deinen Gesprächspartner etwas merkwürdig, wenn du die Kopfhörer beim Gespräch in den Ohren lässt. Verständigen könnt ihr euch aber ohne Probleme.
Praktisch im Alltag: Auf Wunsch liest Siri eingehende Nachrichten, etwa aus WhatsApp, automatisch vor. Antworten kannst du direkt per Sprache. Wenn du regelmäßig viele Nachrichten in WhatsApp-Gruppen bekommst, kann dieses Feature aber auch nerven. Abhilfe schafft ein Stummschalten besonders kommunikationsfreudiger WhatsApp-Gruppen.
Drei Hörmodi, 3D-Audio und Live-Übersetzung
Im Alltag hast du die Wahl zwischen drei Hörmodi. Du kannst zwischen Geräuschunterdrückung, Transparenzmodus und adaptivem Audio wechseln. Im adaptiven Modus entscheiden die AirPods selbst, wie viel von der Umgebung du hörst. Personalisiertes 3D-Audio, für das dein iPhone deine Ohren einmalig vermisst, sorgte im Test für einen noch räumlicheren Klang als das Standardprofil.
Ebenfalls an Bord ist eine Live-Übersetzung. Sie trägt noch den Beta-Status und ist nur mit einem kompatiblen iPhone mit Apple Intelligence nutzbar. Die Übersetzung aus dem Deutschen ins Englische klappte im Test etwas besser als umgekehrt. Je kürzer und einfacher deine Sätze, desto besser klappt die Übersetzung. Etwas gewöhnungsbedürftig: Es dauert ein paar Sekunden, nachdem man zu sprechen begonnen hat, bis die Übersetzung startet.
Solltest du die Ohrhörer einmal verlegen, hilft dir die „Wo ist?“-App bei der Suche. Einen Lautsprecher im Ladecase, der beim Aufspüren piept, hat allerdings nur die teurere Variante.
Klang: Warm, klar und mit Druck
Klanglich hat Apple hörbar nachgelegt. Die AirPods 5 klingen detailreich, klar und angenehm warm. Vor allem der Bass ist für offene Ohrhörer überraschend präsent. Stimmen und Höhen bleiben dabei sauber und werden nicht vom Tieftonbereich überlagert. Für Musik und Podcasts im Alltag ist das mehr als ausreichend.
Geräuschunterdrückung: gut – für offene Ohrhörer
Die aktive Geräuschunterdrückung ist die größte Neuerung und funktioniert erstaunlich effektiv. Gleichmäßige Geräusche wie das Brummen im Bus oder eine aktive Lüftung reduziert sie deutlich. Klar hervorheben muss man aber auch: Mit geschlossenen In-Ears wie den AirPods Pro 3 können die AirPods 5 nicht mithalten. Weil die passive Abschirmung durch Silikonaufsätze fehlt, dringen höhere Frequenzen, Stimmen und manche Umgebungsgeräusche weiterhin durch. Wer sich konsequent von der Außenwelt abschirmen will, benötigt ein Pro-Modell, das bei Apple für 249 Euro erhältlich ist.
Tragekomfort: Sitzt – aber nicht bei jedem
Die offene Bauweise der AirPods 5 ist ein großer Pluspunkt für alle, die Silikonstöpsel als unangenehm empfinden. Die AirPods 5 sitzen leicht im Ohr und erzeugen keinen Druck im Gehörgang. In meinen Ohren saßen sie erstaunlich fest: Selbst bei kräftigem Kopfschütteln fielen sie nicht heraus. Auch nicht beim Joggen.
Das gilt aber nicht für jeden. Apple bietet weiterhin nur eine Größe und keine austauschbaren Aufsätze an. Sitzen die Ohrhörer bei dir zu locker, kannst du nichts anpassen. Gerade bei intensivem Sport droht dann doch ein Verrutschen oder im schlimmsten Fall das Herausfallen aus dem Ohr. Am besten selbst ausprobieren.
Positiv: Mit IP57 sind die AirPods 5 besser gegen Staub und Wasser geschützt als die AirPods 4 mit IP54. Schweiß und Regen sind damit kein Problem.
Akku: Die größte Schwäche
Also alles gut? Technisch schon. Doch bei der Ausdauer enttäuschen die AirPods 5 ein wenig. Mit aktivem ANC halten die Ohrhörer nur rund vier Stunden (Basismodell) oder fünf Stunden (Wireless-Case) durch. Wenn du dein Ladecase voll aufgeladen mit auf die Reise nimmst, kannst du die Laufzeit auf bis zu 20 beziehungsweise 22 Stunden erweitern.
Wir haben die In-Ears während unseres Testzeitraums problemlos für drei bis vier Tage nutzen können, ehe eine Aufladung notwendig wurde. Heißt: Für den Arbeitsweg reicht die Laufzeit locker aus. Und auch im Zug oder im Flugzeug auf Kurz- und Mittelstrecken musst du kaum mit Einschränkungen rechnen. Auf Langstreckenflügen wird es unter Umständen aber knapp. Denn die Gesamtlaufzeit fällt auch im Vergleich zu vielen Konkurrenten eher überschaubar aus.
Android-Nutzer verzichten auf vieles
Dass die AirPods 5 nur mit iPhones funktionieren, ist übrigens ein Irrglaube. Per Bluetooth lassen sie sich auch mit Android-Smartphones verbinden. Dann fallen aber zahlreiche Komfortfunktionen weg, darunter die Kopplung per Pop-up, der Gerätewechsel und die KI-Funktionen wie die Live-Übersetzung. Auch die Mikrofonqualität kann außerhalb des Apple-Ökosystems schlechter ausfallen.
Multipoint für zwei gleichzeitig verbundene Geräte unterstützen die AirPods 5 nicht. Zudem fehlen Gesundheitsfunktionen: Herzfrequenzmessung und Hörgesundheitsfunktionen bietet Apple nur bei den AirPods Pro 3. Reichen dir die Hörgesundheitsfunktionen, kannst du auch zu den schon etwas älteren AirPods Pro 2 greifen. Wer seine Kopfhörer fürs Fitness-Tracking oder zur Unterstützung des Hörvermögens nutzen will, ist mit dem Pro-Modell besser bedient.
Fazit: Die besten offenen AirPods mit Akku-Bremse
Die AirPods 5 sind für iPhone-Nutzer, die keine Silikonstöpsel mögen, die beste Wahl bei Apple. Die Einrichtung ist kinderleicht, der Klang überzeugt, das ANC ist für die Bauweise beeindruckend und der Funktionsumfang groß. Den Kauf vermiesen können dir nur die eher mäßige Akkulaufzeit und eine Passform, die nicht jedem Ohr gerecht wird. Wer Android nutzt oder maximale Ruhe sucht, greift besser zu einer Alternative. Nutzer eines iPhones sollten das gebotene Klangerlebnis aber auf jeden Fall ausprobieren.
Vorteile Apple AirPods 5
- Für offene Bauweise starkes Noise-Cancelling
- Warmer, ausgewogener Klang mit kräftigem Bass
- Druckfreier Tragekomfort ohne Silikonaufsätze
- Einfache Einrichtung, viele Funktionen
- IP57-Schutz gegen Staub und Wasser
Nachteile Apple AirPods 5
- Kurze Akkulaufzeit mit ANC
- Nur eine Größe, Passform nicht für jedes Ohr
- ANC schwächer als bei geschlossenen In-Ears
- Viele Funktionen nur mit Apple-Geräten
- Keine Gesundheitsfunktionen
Ehrlich gesagt war ich bisher kein Freund von Kopfhörern im Ohr. Für Musik habe ich mich immer auf meine Over-Ears von Sennheiser verlassen. Die AirPods 5 haben mich jetzt aber eines Besseren belehrt. Sie sitzen so leicht und druckfrei, wie ich es nie erwartet hätte. Dazu kommt ein Klang, den ich offenen Ohrhörern kaum zugetraut habe: warm, klar und mit kräftigem Bass. Nur beim Akku muss man Abstriche machen. Trotzdem wäre ich zum ersten Mal bereit, umzusteigen. Beeindruckend!
