Videotelefonie & UHD-Streams: Internet-Crash zu Weihnachten?

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Dieses Weihnachten wird wohl so viel Videotelefonie gemacht, wie noch nie. Gleichzeitig dürften viele neue Fernseher mit UHD in Betrieb gehen und die Streams aus dem Netz kommen. Werden die Netze dem Stand halten oder gibt es den Internet-Crash?
Samsung-Fernseher in einem Wohnzimmer
Bildquelle: Samsung

70 Prozent der in diesem Jahr verkauften Fernseher sind UHD-Geräte. Das ergab eine Auswertung der Verkaufszahlen durch die GfK. Ein nicht unerheblicher Anteil davon dürfte wohl in den vergangenen Wochen über die realen und virtuellen Ladentheken gegangen sein.

Wahrscheinlich, dass sich zumindest jene Familien, die sich nicht gegenseitig besuchen, an Weihnachten die Streaming-Dienste intensiver nutzen als je zuvor. Für die Netze wird das kritisch. Ein UHD-Stream über einen klassischen DSL-Anschluss mit 16 Mbit/s ist kaum möglich. Und auch bei schnelleren Anschlüssen können Peaks – also Trafficspitzen – von 50 bis 100 Mbit/s auftreten, die in Summe die Infrastruktur der Netzbetreiber belasten könnten.

Hinzu kommen Videotelefonate zu Mama und Papa, Oma und Opa aber auch zu Freunden in der ganzen Welt. Insbesondere diese Besuche fallen in diesem Jahr aus. Möglich, dass an Heiligabend so viele Videotelefonate über Skype, WhatsApp, Zoom & Co. stattfinden, wie noch nie.

Vodafone: Wir sind darauf eingestellt

Sind die Netze dafür ausgelegt? „Ja, wir sind darauf eingestellt“, heißt es auf unsere Anfrage von Vodafone. Im Festnetz kalkuliere man jedes Jahr mit einem Zuwachs von bis zu 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und rüste die Netze entsprechend nach. Im November habe man beispielsweise 37 Prozent mehr Datenverkehr gehabt als im November 2019. Damit befinde man sich genau innerhalb dieses Planungskorridors.

Allerdings könne man nur für das eigene Netz die Aufrüstungen vornehmen. Ein entscheidender Knackpunkt könnten aber möglicherweise Netzknotenpunkte oder aber die Server der Diensteanbieter sein, sofern diese nicht ausreichend aufgerüstet wurden.

Internet ist robust und anpassungsfähig

Der weltgrößte Internetknoten De-CIX in Frankfurt vermeldete vor einigen Tagen, dass der Datenverkehr durch Videokonferenzen um 120 Prozent gestiegen sei. Auch stelle er eine generelle Verschiebung der Hauptnutzungszeit fest: Die lag vor Corona unter der Woche in den Abendstunden, während sie sich seit März gleichermaßen über den Tag erstreckt. Die Netzauslastung an den Wochentagen ähnelt somit erstmals der am Wochenende.

„Die Auswirkungen des gestiegenen Verkehrsaufkommens können gut abgefangen werden: entweder durch vorhandene Reservekapazität, oder die schnelle Schaltung zusätzlicher Bandbreite“, resümiert Christoph Dietzel vom De-CIX mit Rückblick auf das vergangene Jahr. „Das Internet ist robust und anpassungsfähig genug, um der Pandemie zu trotzen – auch im Falle eines erneuten ‚harten“ Lockdowns‘“. Dieser war zum Zeitpunkt seiner Äußerungen noch nicht beschlossen.

Unterm Strich scheinen die Netzbetreiber und Knotenpunkte also entspannt an das digitalste Weihnachten aller Zeiten heranzugehen. Und – wie man bei Vodafone betont – die Netze werden auch an Weihnachten rund um die Uhr überwacht um rechtzeitig reagieren zu können, sollte es zu Störungen kommen.

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