Groß ist das Update vorwiegend in der Breite: Weil die Neuerungen über die Samsung-Health-App auf dem Smartphone kommen, profitiert eine ganze Reihe von Wearables, die teils schon seit 2021 auf dem Markt sind. Aber nicht jedes Endgerät profitiert sofort. Der Rollout soll erst im Laufe des Oktobers abgeschlossen sein.
Schlaf-Coach: Drei Nächte statt einer ganzen Woche
Neuerung 1: Schlaf-Coaching ausgeweitet. Den Schlaf-Coach gibt es in Samsung Health schon länger, bisher war der Einstieg aber zäh. Du musstest sieben Nächte innerhalb eines Monats aufzeichnen, bevor das Programm überhaupt starten konnte. Nach dem jüngsten Update reichen bereits drei Nächte aus den vergangenen zwei Wochen.
Zum Start beantwortest du einen kurzen Fragebogen: Wie regelmäßig schläfst du, wie oft wachst du nachts auf, wie viel Kaffee und Alkohol trinkst du und wie zufrieden bist du mit deinem Schlaf? Aus deinen Antworten und den Messdaten ordnet dich die App einem sogenannten Schlaftier zu und erstellt ein persönliches Coaching-Programm, das vier bis acht Wochen läuft.
Neu ist, dass sich das Programm unterwegs anpasst. Ändert sich dein Schlafverhalten oder dein Alltag, justiert Samsung Health die wöchentlichen Empfehlungen nach. Dabei fließt auch ein, wie zufrieden du täglich mit deinem Schlaf bist. Das Konzept stützt sich laut Samsung auf Erkenntnisse aus der verhaltensbezogenen Schlafforschung. Im Alltag bedeutet das tägliche Checklisten mit Gewohnheiten: eine Stunde vor dem Zubettgehen keinen Bildschirm mehr, abends kein Koffein, morgens ein paar Dehnübungen an der frischen Luft.
Neue Grafik zeigt deine Schlafbalance
Auch die Auswertung wird übersichtlicher. Eine neue fünfeckige Grafik namens Sleep Balance fasst fünf Werte zusammen: Schlafdauer, Schlafregelmäßigkeit, nächtliche Wachzeit, Schlafzufriedenheit und den Energiewert. So siehst du auf einen Blick, wo es hakt. Dazu kommen tägliche Kurzauswertungen am Morgen sowie Wochen- und Abschlussberichte.

Ein Haken für Besitzer eines Fitness-Armbands: Den Energiewert gibt es laut Samsung nur mit einer Galaxy Watch 4 oder neuer sowie mit dem Galaxy Ring. Ein Galaxy Fit-Armband reicht dafür nicht aus.
Lauf-Coach: Mehr Luft nach oben für Fortgeschrittene
Neues auch vom Lauf-Coach in Samsung Health. Er erstellt dir wie bisher einen Trainingsplan, entweder auf Basis eines 12-Minuten-Lauftests oder deiner bisherigen Laufdaten. Neu sind zwei zusätzliche Trainingsstufen, insgesamt sind es jetzt zwölf statt zehn. Die neuen Stufen richten sich an Läufer mit mittlerem und fortgeschrittenem Niveau. Wer bislang schnell am oberen Ende der Skala angekommen war, kann sich jetzt höhere Ziele setzen.

Außerdem lassen sich Trainingsdaten in vorgefertigte Vorlagen für soziale Netzwerke exportieren, etwa um eine neue Bestzeit oder einen besonders schönen Streckenabschnitt zu teilen. Wer seine Erfolge also gerne öffentlich zur Schau stellt, wird das neueste Health-Update von Samsung ebenfalls lieben.
Strava-Routen direkt in Samsung Health
Für viele Läufer und Radfahrer dürfte aber die erweiterte Strava-Anbindung die praktischste Neuerung sein. Deine Lieblingsstrecken aus Strava für Laufen, Trailrunning und Radfahren kannst du jetzt direkt in Samsung Health importieren. Umgekehrt überträgst du Trainingseinheiten an Strava und lädst Routen auf deine Geräte. Wer beide Dienste nutzt, muss Strecken also nicht mehr doppelt pflegen.
Diese Geräte und Voraussetzungen brauchst du
- Schlaf-Coach: Galaxy Watch4 und neuer, Galaxy Fit3 und neuer sowie Galaxy Ring, dazu ein Android-Smartphone ab Version 11 und einen Samsung-Account.
- Energiewert: Galaxy Watch4 und neuer oder Galaxy Ring, Android ab Version 10.
- Lauf-Coach: Android-Smartphone ab Version 10 und ein Samsung Account. Vor dem Start musst du einen Lauftest absolvieren.
Wie immer gilt: iPhone-Nutzer bleiben außen vor, Samsung Health setzt ein Android-Smartphone voraus. Das Update kommt über den Galaxy Store oder Google Play, ein Blick in die App-Updates lohnt sich also in den kommenden Tagen.
Wer braucht das wirklich?
Am meisten profitieren Nutzer, die ihren Schlaf verbessern wollen, aber bisher an der langen Einstiegsphase gescheitert sind. Drei Nächte sind schnell gesammelt. Gleichzeitig ist das jedoch eine dünne Datengrundlage. Eine einzige schlechte Nacht kann das Bild verzerren. Dass sich das Programm wöchentlich nachjustiert, gleicht dieses Problem zumindest teilweise aus.
Erwarte aber bitte keine Wundertipps. Kein Handy vor dem Schlafen, kein Kaffee am Abend: Das ist bekanntes Basiswissen, das du auch nach dem neuesten Google Health-Update beherzigen solltest. Der Mehrwert liegt in der Struktur, den Checklisten und dem sichtbaren Fortschritt. All das funktioniert aber nur, wenn du dranbleibst. Bei echten Schlafproblemen ersetzt die App keinen Arzt, darauf weist Samsung beim Energiewert auch selbst hin.
Die neuen Lauf-Coach-Stufen sind für ambitionierte Hobbyläufer interessant, Einsteiger merken davon kaum etwas. Und der Strava-Import ist primär für alle ein Gewinn, die bisher zwischen beiden Plattformen hin- und hergewechselt sind. Letztlich ist das Update keine Revolution, aber ein sinnvoller Feinschliff, der viele Geräte erreicht und mit Sicherheit viele Nutzer zufriedener bei der Nutzung ihres Galaxy-Endgeräts macht.

Ich halte das Update für absolut sinnvoll, aber ehrlicherweise nicht für überaus spektakulär. Die größte Verbesserung ist die niedrigere Einstiegshürde beim Schlaf-Coach: Wer bisher eine ganze Woche Messdaten sammeln musste, hat oft vorher die Lust verloren. Die Tipps selbst sind allerdings Klassiker, die du auch ohne App kennst. Der Mehrwert liegt in der Struktur und im täglichen Abhaken. Für Läufer ist der Strava-Import das eigentliche Highlight, sofern Samsung offenlegt, ob dafür ein Abo nötig ist.
