Pleitewelle bei Strom-Anbietern: Energie-Versorger melden Insolvenz an

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Der Strompreis an der Börse ist in den vergangenen Wochen regelrecht explodiert. Nachdem zunächst einige Anbieter wie immergrün einem Teil ihrer Kunden kurzfristig kündigte, rollt nun die Pleitewelle in der Strombranche.
Stromzähler
StromzählerBildquelle: Pixabay

In den vergangenen Wochen haben gleich mehrere Stromanbieter die Segel gestrichen. Nachdem zunächst vor einiger Zeit Otima Energie AG und Smiling Green Energy angezeigt haben, dass sie zahlungsunfähig sein, trifft es nun die Lition Energie aus Berlin. Dahinter verbirgt sich ein Anbieter, der immerhin 20.000 Kunden mit Strom und Gas bedient hat und 40 Mitarbeiter beschäftigte. Zuvor hatte Lition noch Schreiben mit einer Preiserhöhung verschickt. Diese hätte zum 1. November gegriffen.

„Bis zuletzt haben wir versucht, einen Weg für den  nachhaltigen  Fortbestand unserer Firma zu finden“, heißt es auf der Webseite des Anbieters. „Schweren Herzens müssen wir leider mitteilen, dass auch Lition diese Energiekrise nicht überleben kann und Insolvenz anmelden musste. Entsprechend wurde die Strombelieferung zum Ablauf des 27. Oktober 2021 für Kunden in der Regelzone von TransnetBW bzw. zum Ablauf des 28. Oktober 2021 in den übrigen Regelzonen eingestellt.“

Für die Kunden bedeutet die Insolvenz jetzt aber nicht, dass sie ohne Strom und im Dunkeln dastehen. Denn auch wenn die Stromanbieter aufgrund ihrer Insolvenz keinen Strom mehr liefern, kommt er weiter aus deiner Steckdose. Denn der lokale Stromversorger beliefert dich automatisch – allerdings im Rahmen der Grundversorgung, die zumeist recht teuer ist. Du kannst sie aber binnen 14 Tagen wieder kündigen.

Allerdings dürften mögliche Bonuszahlungen und möglicherweise schon (zu viel) gezahlte Abschläge verloren sein. Erfahrungsgemäß sind die Quoten bei einem Insolvenzverfahren so gering, dass es sich kaum lohnt, die Beträge zur Tabelle anzumelden. Deswegen solltest du dich auch niemals für einen Stromanbieter entscheiden, der mehr als einen Monat im Voraus Geld von dir haben möchte.

Abmahnung für immergrün

Energieversorger wie ‚immergrün‘ oder ‚Wunderwerk‘ hatten nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW ihren Kunden nicht nur kurzfristig gekündigt. In anderen Fälle hatte sie eine drastische Erhöhung der Abschlagszahlungen von teilweise über 100 Prozent bereits zum nächsten Monatsanfang mitgeteilt. Den Kölner Strom- und Gasanbieter „immergrün“ hat die Verbraucherzentrale NRW erst in jüngster Vergangenheit wegen unzulässiger Preiserhöhungen abgemahnt.

„Uns liegen zahlreiche Beschwerden vor, bei denen einseitig erklärte, drastische Erhöhungen der Abschläge aus unserer Sicht jeglicher Grundlage entbehren und juristisch unzulässig sind“, so  Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. „Wir empfehlen den Betroffenen daher Ruhe zu bewahren, den unrechtmäßigen Forderungen zu widersprechen und den erhöhten Abschlag nicht zu bezahlen.“

Die Abschlagszahlung richtet sich nach dem Verbrauch im vorhergehenden Abrechnungszeitraum, bei der üblichen Jahresabrechnung also an dem Vorjahresverbrauch. Eine einseitige, unterjährige Erhöhung ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW nur nach einer rechtmäßigen Preiserhöhung möglich. Man hoffe, dass die Bundesnetzagentur als zuständige Aufsichtsbehörde „den offensichtlichen Regelverstößen der betroffenen Unternehmen einen Riegel vorschiebt und sie auf ihre Marktfähigkeit hin prüft.“

In den vergangenen Wochen haben wir dir in verschiedenen Ratgebern gezeigt, wie du deine Stromrechnung reduzieren kannst und den Verbrauch mindern. Außerdem haben wir dir in einem ausführlichen Ratgeber gezeigt, was du beim Stromanbieterwechsel beachten musst.

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