Gefahr durch 5G: Gewaltiges Chaos wegen Mobilfunk-Frequenzen

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5G als Gefahr für die Flugsicherheit? Unvorstellbar, könnte man meinen. Doch ein Blick in die USA zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. Dort sorgt der Start von neuen 5G-Netzen derzeit für heftige Turbulenzen. Zahlreiche Flugzeuge dürfen nicht mehr abheben.
Menschen stehen im Flughafen-Terminal und warten vor einem Flugzeug auf den Abflug.
Von 5G-Frequenzen kann Gefahr für die Flugsicherheit ausgehen, wie ein Blick in die USA zeigt.Bildquelle: L.Filipe C.Sousa / Unsplash

Damit ein Flugzeug sicher starten und landen kann, ist die Besatzung an Bord auf eine sichere Kommunikation mit der Flugsicherung angewiesen. Auch die empfindlichen Instrumente im Cockpit dürfen durch nichts gestört werden. Deswegen ist es auch nicht erlaubt, das Smartphone in der Kabine während des Starts und der Landung zu verwenden. Doch jetzt offenbart der neue Mobilfunkstandard 5G, dass die Sicherheit für Flugzeuge unter gewissen Umständen nicht gewahrt ist. Zumindest dann, wenn bestimmte 5G-Frequenzen zum Einsatz kommen; zu erleben in diesen Tagen in den USA.

5G-Probleme betreffen nicht den deutschen Luftraum

Um es direkt vorwegzunehmen: Das 5G-Frequenz-Chaos betrifft nicht den deutschen Luftraum. Auch nicht den europäischen. Denn hierzulande und in anderen EU-Staaten kommen für die Verbreitung von 5G andere Frequenzen zum Einsatz. Sie kommen den empfindlichen Instrumenten an Bord von Großraumjets nicht in die Quere; funken sie doch maximal bis 3,8 GHz. Anders sieht es in den USA aus. Dort haben die Mobilfunknetzbetreiber AT&T und Verizon Frequenzen im C-Band ersteigert – bei bis zu 3,98 GHz. Und das liegt – so warnte in den vergangenen Tagen wiederholt die US-amerikanische Luftfahrtaufsicht FAA – gefährlich nahe an den Frequenzen von 4,2 bis 4,4 GHz, die in den USA unzählige Flugzeuge für die Kommunikation und den Instrumentenanflug nutzen.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres warnte die FAA vor möglichen Störungen in Flugzeugen, die durch 5G-Antennen verursacht werden könnten. Rund um Flughäfen seien die amerikanischen Mobilfunk-Netzbetreiber deshalb angehalten, den Betrieb von 5G-Netzen im C-Band einzuschränken. Das solle etwaige Probleme bei Anflügen mit geringer Sicht bei verschiedenen Warnsystemen wie dem TCAS (Traffic Alert and Collision Avoidance System), Funk-Höhenmessern und anderen hochempfindlichen Instrumenten im Cockpit zahlreicher Flugzeugmuster ausschließen. Diese Sonderregelung zur Errichtung von 5G-Pufferzonen soll für zunächst sechs Monate gelte. Und zwar rund um zahlreiche US-Flughäfen. Die getroffenen Maßnahmen sollen verhindern, dass Tausende Maschinen nicht wie geplant abheben und landen können. Dazu zählen unter anderem die internationalen Drehkreuze in New York, Dallas, Houston, San Francisco und Los Angeles.

Boeing 787 können massive Probleme drohen

Besonders erschreckend klingt eine Warnung der FAA von Mitte Januar. Flugzeuge vom Typ Boeing 787 könnten bei nassen oder schneebedeckten Start- und Landebahnen mit erheblichen Problemen konfrontiert sein, wenn am örtlichen Flughafen 5G-C-Band-Dienste zum Einsatz kommen. Sicherheitsexperten hätten festgestellt, dass 5G-Interferenzen zu Störungen am Funkhöhenmesser der auch als „Dreamliner“ bekannten Flugzeuge führen könnten. Im Extremfall sei es möglich, dass die Triebwerks- und Bremssysteme nicht in den Landemodus übergehen und ein Abbremsen der Maschine deswegen nicht stattfinde oder sich stark verzögere.

Zahlreiche Fluggesellschaften kündigten aufgrund der FAA-Warnungen in den vergangenen Tagen an, Flüge in die USA entweder komplett zu streichen oder auf andere Flugzeugmuster umzustellen, die nicht von den Frequenzproblemen betroffen sind. Tim Clark, Chef von Emirates, bedauert die für viele Passagiere entstandenen Unannehmlichkeiten, erklärt aber auch, kein Risiko eingehen zu wollen. „Sicherheit wird immer unsere oberste Priorität sein und wir werden an dieser Front niemals spielen.“ Es seien aber langfristige Lösungen notwendig, um das Frequenzproblem dauerhaft aus der Welt zu schaffen. Zuvor hatte Clark beim TV-Sender CNN von einer „kriminellen und absolut verantwortungslosen“ Lage berichtet.

Weitere Flugausfälle möglich

Betroffene Flugzeuge, deren Instrumente anfällig für Interferenzen bei 5G-Verbindungen sind, sollen in den kommenden Wochen umgerüstet und unter anderem mit neuen Funkhöhenmessern ausgestattet werden. Das betrifft nicht nur Passagier-, sondern auch Frachtmaschinen zahlreicher Fluggesellschaften. Es ist mit weiteren Ausfällen und Verspätungen im Flugbetrieb zu rechnen.

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1 KOMMENTAR

  1. Frei

    Bis jetzt las ich über Unverträglichkeiten nur bei dem USA- Hersteller Boeing.
    Dem europeischen Hersteller Airbus scheinen G5 Frequenzen weltweit nichts auszumachen.

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