Nach DHL-Vorfall: Raketenabwehrsystem für Paket-Flieger wird offiziell

3 Minuten
Die Air Force One des amerikanischen Präsidenten hat es. Und auch die neuen A350-Flugzeuge der deutschen Bundesregierung sind entsprechend ausgestattet. Die Rede ist von Raketenabwehrsystemen. Jetzt will auch FedEx eine entsprechende Technologie für den Einsatz an Frachtflugzeugen testen.
Boeing 777 von FedEx Express rollt am Boden.
FedEx Express will ein Raketenabwehrsystem für seine Flugzeuge testen.Bildquelle: FedEx

Mehr als 430 Flugzeuge unterschiedlicher Typen sind aktuell für den Paketdienstleister FedEx Express weltweit im Einsatz. Damit betreibt das US-Unternehmen mit Hauptsitz in Memphis, Tennessee, die größte Frachter-Flotte weltweit. Zum Vergleich: DHL bringt es nur auf rund 150 Maschinen, UPS fliegt mit rund 280 Maschinen um die Welt. Auch Amazon ist immer häufiger mit eigenen Maschinen im Einsatz. Inzwischen sind rund 70 Flugzeuge für Amazon Air im Einsatz. Doch zurück zu FedEx Express. Ein neu veröffentlichtes Dokument der US-Luftfahrtaufsicht Federal Aviation Administration (FAA) zeigt, dass das Unternehmen darüber nachdenkt, zumindest einen Teil seiner Flotte gegen Gefahren von außen abzusichern. An einem Airbus A321-200 will FedEx Express ein Raketenabwehrsystem installieren.

Immer wieder Zwischenfälle wegen Raketenbeschuss

Auf den ersten Blick mag das martialisch klingen. Tatsächlich ist es aber eher ein nachvollziehbarer Schachzug, um das Leben der eigenen Besatzungen und nicht zuletzt auch die Flugzeuge selbst (samt Fracht) zu schützen. Denn die Vergangenheit dokumentiert viele Fälle, die zeigen, wie gefährlich (un)beabsichtigt abgefeuerte Raketen für die zivile Luftfahrt sein können. Im Januar 2020 wurde etwa eine Boeing 737 von Ukraine International Airlines kurz nach dem Start am Flughafen von Teheran von zwei iranischen Flugabwehrraketen getroffen und stürzte ab. Mehr als 170 Menschen an Bord starben.

Unvergessen auch das Unglück des Fluges von Malaysia Airlines 17 im Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Fast 300 Menschen verloren ihr Leben, als eine Rakete das Flugzeug in Reiseflughöhe über der Ukraine traf. Mutmaßlich durch eine Buk-Rakete russischer Streitkräfte. Im November 2003 wiederum gelang es den Piloten eines DHL-Fliegers nur mit viel Mühe, ihren Jet wieder am Flughafen von Bagdad zu landen. Vorausgegangen war der Beschuss durch eine irakische Rakete. Sie zerfetzte die linke Tragfläche des Jets kurz nach dem Start.

Derartige Zwischenfälle möchte FedEx Express offenbar vermeiden. Für den Fall, dass Flugzeuge des Unternehmens über oder in potenziell gefährliche Gebiete fliegen, soll ein laserbasiertes Raketenabwehrsystem helfen, für den entsprechenden Schutz vor wärmesuchenden Raketen zu sorgen. Das FedEx-Raketenabwehrsystem richte Infrarotlaserenergie auf eine anfliegende Rakete, um die Verfolgung der Hitze des Flugzeugs durch die Rakete zu unterbrechen, beschreibt das FAA-Dokument die Funktion des von FedEx Express beantragten Schutzsystems.

Unbeabsichtigte Aktivierung des Raketenabwehrsystems muss ausgeschlossen sein

Rund einen Monat lang besteht ab sofort die Möglichkeit, bei der FAA mögliche Bedenken gegen eine etwaige Zulassung anzumelden. Danach möchte die Behörde entscheiden, ob sie das Raketenabwehrsystem genehmigt. Klar festgelegt ist dabei, dass verschiedene Vorkehrungen getroffen sein müssen, die verhindern, dass sich das Lasersystem versehentlich aktiviert; auch am Boden. Denn eine unbeabsichtigte Verletzung von Menschen, zum Beispiel bei anderen Flugzeugbesatzungen oder auch bei Wartungsarbeiten, müsse ebenso ausgeschlossen sein, wie die Beschädigung von anderen Flugzeugen oder Infrastruktur an Flughäfen. Entsprechend hoch sind die Auflagen der FAA.

Wichtig zu wissen: Stand heute gehört noch kein Airbus A321-200 zur Flotte von FedEx Express. Das zeigt, dass das Logistikunternehmen darauf abzielen könnte, zeitnah bei Airbus entsprechende Maschinen zu ordern. Alternativ ist aber auch der Kauf eines einzelnen Testmusters möglich, um an dieser Maschine das Raketenabwehrsystem zu testen. Im Anschluss könnte FedEx Express dann bei der FAA beantragen, das getestete Material auch auf andere Flugzeuge der eigenen Flotte zu übertragen. Das dürfte dann aber weitere Genehmigungsverfahren nach sich ziehen.

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2 KOMMENTARE

  1. Heinz Multhaup

    Klasse.

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  2. Frei

    Warum fliegen zivile Flieger von FedEx & Co über Kriegs- / Krisen- Gebiete?
    Um Kerosin für Umwege zu sparen!
    Hier wird die Profitgier wichtiger als die Sicherheit für Menschen in dem Flieger.
    Und wenn einer getroffen wird, dann wird es jahrelang politisch ausgeschlachtet.

    Oft provoziert solche Vorfälle die USA selbst!
    Auch mit Militär- / Spionage- Flugzeugen die im Schatten oder in der Nähe von zivilen Flugzeugen fliegen.
    Und nicht alle Flugabwehr-Systeme könne dabei so genau unterscheiden.

    Militärflugzeuge können auch mit „elektronischen Kampfmittel“ solche Raketen ablenken / stören, was solche Unfälle begünstigt!
    U.U. könnten auch mit gezielten Störungen die Raketen sogar zu den zivilen Flieger umgelenkt werden.

    Es müsste weltweit gelten, Militärflieger dürfen nicht näher als x Meilen an Zivilflugzeuge,
    um solche „Kollateralschäden“ auszuschließen! Bei Zuwiderhandlung müssten die Betreiber voll haften!
    Der Böse dabei ist die USA!

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