Oppo Find X3 Lite: Die Huawei-Alternative im Test

9 Minuten
Das Oppo Find X3 Lite ist das günstigste Gerät der Reihe und will mit einem 90 Hertz Bildschirm, 5G und schnellen Ladezeiten überzeugen. Doch der Preisbereich ist hart umkämpft. Lohnt sich das neue Smartphone? Wir machen den Test.
Das Oppo Find X3 Lite im Test bei inside digital
Das Oppo Find X3 Lite im Test bei inside digitalBildquelle: Timo Brauer

Nach Samsung, Apple und Xioami ist Oppo der viert-größte Smartphone-Hersteller der Welt und hat erst vor wenigen Wochen Huawei überholt. Dazu ist man mittlerweile die Nummer eins im chinesischen Markt. In der Find X Reihe befinden sich die Vorzeige-Geräte des Herstellers und sie sind mit der P-Serie von Huawei vergleichbar. Während das Find X3 Pro ein absolutes Flaggschiff mit ausgezeichneter Kamera und Top-Specs darstellt, ist das Oppo Find X3 Lite eher budgetorientiert, bietet aber trotzdem ein paar Funktionen des teureren Modells.

Positiv überrascht

Optisch macht das Smartphone wirklich viel her. Es ist angenehm leicht, besitzt dünne Ränder und eine schicke matte Rückseite aus Kunststoff. Diese ist angenehm rau, so in etwa wie sehr feines Schleifpapier, wodurch das Smartphone ausgezeichnet in der Hand liegt. Fingerabdrücke fallen überhaupt nicht auf. Das Kamera-Modul ist hingegen glänzend gehalten und stellt einen schönen Kontrast zur restlichen Rückseite dar. So gut verarbeitet ist eine Kunststoff-Rückseite überhaupt kein Problem, und widerstandsfähiger als Glas. Der Rahmen hingegen hätte bei einem Smartphone in dieser Preisklasse gerne aus Metall sein können.

Insgesamt kann das Äußere jedoch überzeugen und ist überhaupt kein Vergleich mehr zum direkten Vorgänger. Dieser steckte noch in einem billig wirkendem glossy Plastikgehäuse. Das Design des Oppo Find X3 Lite ist jedoch nicht neu: In China verkauft Oppo das Smartphone bereits seit Ende 2020 unter dem Namen „Reno 5″.

Das Zubehör des Oppo Find X3 Lite fällt großzügig aus: So finden wir neben dem Smartphone selbst, eine einfache Silikonhülle und kabelgebundene Kopfhörer in der Box. Außerdem gibt es ein relativ dickes USB-C Kabel und ein starkes 65 Watt Netzteil im Lieferumfang.

Schneller und recht kompakter Bildschirm

Das Oppo Find X3 Lite ist mit Abstand das kompakteste Modell der Reihe. Mit einer Bildschirmdiagonale von 6,4 Zoll und sehr dünnen Rändern kommt das Smartphone relativ klein daher. Beim verbauten Panel handelt es sich um ein Modell mit AMOLED-Technik und einer schnellen Bildwiederholrate von 90 Hertz. Es überzeugt mit kräftigen Farben, echtem Schwarz und guten Blickwinkeln. Mit einer Helligkeit von rund 1070 Nits im Test kann der Bildschirm auch bei direktem Sonnenlicht noch gut abgelesen werden. Die hohe Bildwiederholrate macht sich im kompletten System bemerkbar und sorgt für ein flüssiges Erlebnis beim Scrollen. Unterschiede zu noch schnelleren Bildwiederholraten (120 oder 144 Hertz) fallen nur in spezifischen Anwendungen wie einigen Spielen auf.

Sehr gut gefällt uns, dass man im Gegensatz zu den beiden teureren Modellen der Find X3 Serie auf gebogene Ränder verzichtet wurde. Bei den anderen beiden Modellen sorgen diese für unschöne Reflexionen und gelegentliche Fehleingaben am Rand. Diese Probleme treten beim Lite-Modell nicht auf.

Ein Fingerabdrucksensor ist im Display eingelassen. Die Positionierung hätte hierbei ein wenig höher ausfallen können. Dennoch funktioniert der Sensor für ein In-Screen-Modell zuverlässig und schnell. Im Vergleich zu Sensoren auf der Rückseite oder im Rahmen hat die Technik jedoch das Nachsehen.

Die technischen Daten des Oppo Find X3 Lite

Wie bereits im Vorgänger steckt auch im Oppo Find X3 Lite ein Snapdragon 765G Prozessor von Qualcomm. Auch wenn der Prozessor mittlerweile anderthalb Jahre alt ist, bietet er für ein Mittelklasse-Smartphone weiterhin mehr als genug Leistung. So laufen auch anspruchsvollere Apps ohne Ruckler und Spiele lassen sich in den höchsten Grafik-Einstellungen zocken. Der Arbeitsspeicher ist für ein Mittelklasse-Smartphone mit 8 Gigabyte sehr großzog bemessen. Dadurch können zahlreiche Apps parallel verwendet werden und bleiben im Hintergrund startklar. Im Benchmark erreicht das Oppo Find X3 Lite einen Antutu-Score von 338.532 Punkten. Ein solider Wert, der sich auch im Alltag widerspiegelt.

Woran sich einige Nutzer stören könnten, ist der nicht erweiterbare Speicherplatz. Das ist besonders tragisch, da es das Smartphone nur in einer Version mit 128 Gigabyte internem Speicher gibt. Benötigst du mehr Platz, musst du dich zwangsläufig nach einem anderen Smartphone umschauen.

Die Unterseite des Oppo Find X3 Lite mit USB-C Port und Kopfhöreranschluss
Keine Speichererweiterung – Dafür jedoch ein Kopfhörer-Anschluss

Dual-SIM wird hingegen unterstützt – Ebenso wie der neue Mobilfunkstandard 5G. Bei der WLAN-Technik gibt es jedoch einen Rückschritt. Bot der Vorgänger noch den neuen Wi-Fi 6 Standard, muss man beim Oppo Find X3 Lite mit dem alten Wi-Fi 5 vorlieb nehmen. Warum Oppo den Funktionsumfang hier künstlich beschneidet, ist unklar. Bei der Übertragungsrate schafft das Smartphone im Test so gerade einmal 250 Mbit/s – Im Alltag dürfte das jedoch ausreichen. Bluetooth und NFC sind selbstverständlich ebenfalls an Bord.

Oppo Find X3 Lite
Oppo Find X3 Lite
Software Android 11
Prozessor Qualcomm Snapdragon 765G
Display 6,43 Zoll, 1.080 x 2.400 Pixel
Arbeitsspeicher 8 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 9248x6936 (64,1 Megapixel)
Akku 4.300 mAh
induktives Laden
USB-Port 2.0 Typ C
IP-Zertifizierung IP52 (Schutz gegen Spritzwasser (Regen))
Gewicht 172 g
Farbe Schwarz, Silber, Blau
Einführungspreis 449 €
Marktstart März 2021

Android 11 & ColorOS

Oppos eigene Software-Oberfläche nennt der Hersteller ColorOS und ist in Version 11.2 vorinstalliert. Selbstverständlich werden alle Google-Dienste unterstützt und auch der Play Store ist vorhanden. Sogar der Google News Feed ist standardmäßig aktiv und links vom Homescreen zu finden.

Aufgeräumt und erweiterbar

Auf den ersten Blick wirkt die Oberfläche relativ aufgeräumt und vom Bedienkonzept an normales Android angelegt. Auf Wunsch lassen sich jedoch zahlreiche Einstellungen treffen, um das Nutzererlebnis zu personalisieren. So kann der App-Drawer ausgeschaltet werden, um alle Apps auf dem Homescreen zu haben, oder eine Seitenleiste mit Schnellzugriffen eingeblendet werden. Weitere Extras sind ein Game-Space, in dem Spiele abgelegt und auf dem Home-Bildschirm ausgeblendet werden können. Auch eine Bildschirm-Videoaufnahme-Funktion, ein paar zusätzliche Gesten und die Möglichkeit Apps zu klonen wurden hinzugefügt. Mit letzterer lassen sich Apps wie Instagram oder WhatsApp zweimal installieren, um zwei Accounts auf einem Smartphone zu nutzen.

2 Jahre Update-Versprechen

Oppo verspricht die Find-Reihe mindestens zwei Jahre lang mit Android-Updates zu versorgen. Die wichtigen, monatlichen Sicherheitspatches sollen „beinahe monatlich“ erscheinen. Da der Hersteller erst seit einer Modellgeneration auf dem deutschen Markt vertreten ist, können wir hier noch keine Langzeit-Erfahrungen berichten. Das Find X2 Lite wartet bisher noch auf sein Android 11 Update, welches für das erste Quartal dieses Jahres angekündigt wurde. Die beiden teureren Modelle der Vorjahresgeneration haben das Update auf Android 11 bereits Mitte Dezember 2020 erhalten.

Akku & Ladedauer: Schnell, schneller, Oppo

Der fest verbaute Akku des Oppo Find X3 Lite misst 4.300 mAh und kommt im Benchmark auf eine ausgezeichnete Akkulaufzeit von 14 Stunden und 19 Minuten. Auch im Alltag kann sich die Laufzeit sehen lassen. Bei moderater Nutzung sind zwei Tage drin. Insbesondere positiv aufgefallen ist uns die gute Standby-Zeit trotz aktiviertem Always-On-Display. Dieses ist jedoch auch sehr dunkel eingestellt.

Extrem gut und in dieser Preisklasse ungeschlagen ist die Ladegeschwindigkeit. Verwendet man das mitgelieferte Original-Zubehör, dauert eine komplette Ladung gerade einmal 30 Minuten. Das ist ein absoluter Spitzenwert. Erreicht wird das über eine proprietäre Ladetechnik von Oppo. Verwendet man hingegen ein konventionelles Kabel oder Netzteil eines Drittherstellers landet man bei einer Ladedauer von rund 90 Minuten.

Kamera – Standardkost

Das Kamera-Modul des Oppo Find X3 Lite macht optisch einiges her – Liefert im Test jedoch nur Standardkost. Im Vergleich zu den beiden teureren Modellen, kommen bei der Lite-Version andere Sensoren zum Einsatz. Auf eine Tele-Kamera und optische Bildstabilisierung verzichtet der Hersteller.

  • Hauptkamera: 64 Megapixel; f/1,7
  • Weitwinkel-Kamera: 8 Megapixel; f/2,2
  • Monochromsensor: 2 Megapixel; f/2,4
  • Makro-Kamera: 2 Megapixel; f/2,4
  • Frontkamera: 32 Megapixel; f/2,4
Das Kamera-Modul des Oppo Find X3 Lite im Fokus
Das Kamera-Modul macht optisch etwas her

Beim Fotografieren mit der 64-Megapixel Hauptkamera werden Standardmäßig 4 Pixel zu einem kombiniert, um so ein lichtstärkeres 16-Megapixel Foto zu erhalten. Diese Technik nennt sich Pixel-Binning und ist mittlerweile bei allen Smartphones mit einer hochauflösenden Kamera gängig. Bei gutem Licht kann man manuell auf die volle Auflösung hochschalten. Dies bietet sich insbesondere beim Fotografieren von Text an.

Im Alltag erhält man mit der Hauptkamera scharfe Fotos mit ausgewogenen Farben. Im Vergleich zu teureren Smartphones ist jedoch wie zu erwarten ein Qualitätsunterschied zu erkennen, der insbesondere bei schlechteren Lichtbedingungen auffällt. Für ein Mittelklasse-Smartphone geht die Qualität jedoch in Ordnung.

Anders verhält es sich bei den weiteren Kameras des Oppo Find X3 Lite. Die Ultraweitwinkel-Kamera ist vom Farbprofil überhaupt nicht auf die Hauptkamera abgestimmt und macht viel zu blasse Fotos, die zudem auf einem großen Monitor oder in ausgedruckter Form unscharf sind. Auf dem Smartphone-Display fällt letzteres jedoch weniger auf. Auch die Makro-Kamera entpuppt sich als Lückenfüller für das Datenblatt. Wenn man ein Foto mit der Hauptkamera macht und anschließend digital heranzoomt, erhält man in den meisten Fällen das bessere Ergebnis.

Fazit: Für wen eignet sich das Oppo Find X3 Lite?

Seit dem ersten Auspacken aus der Box konnte mich das Oppo Find X3 Lite mit seinem schicken Design und der handschmeichlerischen Rückseite begeistern. Die verbaute Technik konnte sich im Test ebenfalls beweisen, spielt aber in der Mittelklasse-Liga. Dafür ist die unverbindliche Preisempfehlung von 449 Euro jedoch ziemlich hoch.

So ist das relativ ähnlich ausgestattete OnePlus Nord bereits für gut unter 400 Euro erhältlich. Dafür muss man bei diesem Modell jedoch auch auf einen Kopfhörer-Anschluss und die super schnelle Ladetechnik verzichten.

Der direkte Vorgänger des Oppo Find X3 Lite ist jedoch bereits nach zwei Monaten knapp 200 Euro im Preis gefallen. Sollte sich der Preis dieses Mal ähnlich verhalten, ist das Smartphone einen Blick wert, wenn du auf der Suche nach einem hochwertigen Alltagsbegleiter bist und wenig Wert auf die Kamera legst. Insbesondere Huawei-Nutzer eines P20 Lite oder P30 Lite, die nun notgedrungen nach einem alternativen Hersteller suchen, können hier fündig werden.

Pros des Oppo Find X3 Lite im Test

  • schickes Design
  • top Akkulaufzeit
  • super kurze Ladezeit (von 0 auf 100 in 32 Minuten)

Contras des Oppo Find X3 Lite im Test

  • Zusatz-Kameras können nicht überzeugen
  • Nicht wasserdicht
  • Teuer

Alternativen

Durch den relativ hohen Startpreis ist die Suche nach vergleichbaren Alternativen nicht gerade einfach. Bezieht man sich auf den Startpreis von 449 Euro, bekommst du für gerade einmal 20 Euro mehr das Galaxy S20 FE. Hierbei handelt es sich um ein echtes Flaggschiff, mit Top-Specs und einer deutlich überlegenen Flaggschiff-Kamera. Jedoch sollte der Preis des Oppo Find X3 Lite relativ schnell sinken, während das Galaxy S20 FE auch in zwei Monaten noch ähnlich viel kosten wird.

Im Preisbereich von 300 bis 350 Euro gibt es einige vergleichbare Smartphones. Am ähnlichsten ist das bereits genannte OnePlus Nord. Die größten Unterschiede sind der fehlende Kopfhörer-Anschluss und eine langsamere Ladetechnik beim OnePlus-Smartphone.

Legst du mehr Wert auf die Kamera, könnte das gerade erst vorgestellte Redmi Note 10 Pro einen Blick wert sein. In diesem Smartphone steckt eine wirklich starke 108 Megapixel-Kamera von Samsung sowie eine brauchbare Ultraweitwinkel-Kamera – und das für einen Preis von rund 280 Euro. Dafür ist der Prozessor jedoch ein kleines bisschen schwächer und es gibt kein 5G. Das Display des Xiaomi-Smartphones fällt zwar mit 6,7 Zoll deutlich größer aus, bietet aber auch AMOLED-Technik und sogar eine 120 Hertz Bildwiederholrate. Außerdem lässt sich der interne Speicher per microSD-Karte erweitern.

Bildquellen

  • Oppo Find X3 Lite Anschlüsse: Timo Brauer
  • Oppo Find X3 Lite Kameras: Timo Brauer
  • Oppo Find X3 Lite im Test: Timo Brauer
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