OnePlus 7 im Test: So viel besser ist der Nachfolger des OnePlus 6T

9 Minuten
OnePlus hat zum ersten Mal in seiner kurzen Geschichte nicht ein, sondern gleich zwei Flaggschiffe auf einen Schlag vorgestellt. Dabei ist das Highlight der neuen Generation sicherlich das OnePlus 7 Pro, jedoch versuchen die Chinesen auch für den sparsamen Kunden etwas in petto zu haben. Somit muss das günstigere OnePlus 7 im Test beweisen, ob es auch genug bietet, um mit den günstigen Flaggschiff-Ablegern der Konkurrenz mithalten kann. 
Die Rückseite des OnePlus 7
Die Rückseite des OnePlus 7Bildquelle:

Snapdragon 855, 6 oder 8 GB Arbeitsspeicher und die neueste Software von OnePlus zeichnen das kleine Flaggschiff OnePlus 7 aus. Die Preise für das Modell liegen je nach Speicherausstattung bei knapp über beziehungsweise satt unter der 600-Euro-Grenze. Damit bewegt man sich weit unterhalb dessen, was beispielsweise Samsung oder Apple für ihre Flaggschiffe aufrufen. Kostete das Samsung Galaxy S10e zum Start knapp 750 Euro, lag man beim Apple iPhone Xr bei mindestens 850 Euro. Ist das OnePlus 7 also ein Schnäppchen? Der Test des OnePlus 7 zeigt es.

OnePlus 7 im Hardware-Test

Das OnePlus 7 hat ein Problem: Es besteht in Teilen aus dem OnePlus 6T und muss sich somit den Vorwurf gefallen lassen, dass OnePlus Teilerecycling betreibt. Das muss jedoch keine Disqualifikation nach sich ziehen. Unter anderem wurde das Display des OnePlus 6T noch einmal verbaut. Damit kommt ein Full-HD+-Panel zum Einsatz, das solide Leistung abliefert und im Test des OnePlus 6T gefallen konnte. Das Gehäuse ist ebenfalls leicht mit dem des OnePlus 6T verwechselbar.

Im Inneren wurde jedoch einiges geändert. Der neueste Prozessor von Qualcomm und die Speicherausstattung sind ein echtes Argument für das günstige Flaggschiff. Auch die Software mit dem neuen Zen-Modus, neuem Android 9 und einigen Verbesserungen sprechen für das OnePlus 7. Die technischen Daten sind also solide. Ausstattungshighlights gibt es auch zu vermelden. Der Fingerabdrucksensor unter dem Display ist nun größer und Bluetooth 5.0, USB Typ-C mit 3.1-Standard sowie Dual-Band-WLAN sind immer noch up to date. Alle Daten zum OnePlus 7 sind im ausführlichen Datenblatt übersichtlich aufgelistet.

Die Teilwertungen im Überblick:

  • Design und Verarbeitung: 4 von 5 Sternen
  • Display: 3 von 5 Sternen
  • Ausstattung und Leistung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 4,5 von 5 Sternen
  • Software und Multimedia: 4,5 von 5 Sternen
  • Akku: 4 von 5 Sternen
ModellBenchmark-Wert
AnTuTu
Benchmark-Wert
Geekbench
Akkutest GFX-Bench
(Displaytime-Minuten, hochgerechnet)
OnePlus 7368.873Multi-Core: 11.150
Single-Core: 3.478
473,5
Samsung Galaxy S10322.666Multi-Core: 10.437
Single-Core: 4.524
285,3
Google Pixel 3a158.175Multi-Core: 5.182
Single-Core: 1.639
348,3
Referenz-Modelle
OnePlus 7 Pro373.849Multi-Core: 10.929
Single-Core: 3.428
258,5
Motorla Moto G7 Power258.397Multi-Core: 4.460
Single-Core: 1.242
423,5

Hardware-Test – Das Fazit

Im Standardtest der Hardware ergeben sich starke Werte. Die echten Highlights bleiben jedoch aus. Der neue Prozessor bringt das OnePlus 7 auf den neuesten Geschwindigkeits-Stand und die starke Ausstattung im Bereich Konnektivität lässt kaum Wünsche offen. Trotzdem gibt es in vielen Bereichen noch bessere Handys auf dem Markt. Interessant sind die ermittelten Akkuwerte, die trotz unverändertem Akku gegenüber dem Vorgänger stark ausfallen. Enttäuscht hat hingegen das Display. OnePlus hat es aus dem Vorgänger übernommen. Für die echte Oberklasse bietet es etwas zu wenig Auflösung für die Größe und auch die Helligkeitsregelung kann nicht immer überzeugen.

„Das OnePlus 7 ist ein tolles Budget-Oberklasse-Smartphone. Ein Wechsel von den Vorgängern lohnt sich jedoch nicht.“ Kurzfazit zum OnePlus 7
  • Hardware-Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen

Testbericht zum OnePlus 7: Die Stärken und Schwächen des Günstig-Flaggschiffs

Mit den harten Fakten schafft OnePlus eine Vorbenotung von 4 von 5 Sternen. Ein starker aber nicht begeisternder Wert. Technische Daten sind aber nur ein Teil eines Smartphones. Leidenschaft, Bildqualität und Alltagstauglichkeit zeigen sich im folgenden Teil des OnePlus 7 im Test.

Design und die Verarbeitung: Schick, schlank, schäbig

Das OnePlus 7 gleicht beim Äußeren dem OnePlus 6T enorm. Das hat sehr positive Auswirkungen. Eine komplett Notch-lose Front ist zwar mit der integrierten Frontkamera nicht zu machen, aber der Einschnitt war schon beim OnePlus 6T einer der elegantesten am Markt. Wer ihn nicht mag, kann ihn aber auch ausblenden. Das Design mit dem Fingerabdrucksensor unter dem Displayglas ist auf der Front also immer noch modern und geht als Oberklasse durch.

Am Rahmen gibt es dagegen kleine Änderungen zum OnePlus 6T. OnePlus hat die Farbgebung etwas angepasst. Zum einen gibt es das neue OnePlus 7 nur noch in einer Farbe und zum anderen wird der Rahmen nun in Silber und nicht mehr – wie beim Vergleichsmodell der früheren Generation – in Schwarz eingefärbt. Das schicke matte Schwarz und das glänzende Schwarz des OnePlus 6T werden gegen ein glänzendes Grau ausgetauscht. Eine andere Farbe gibt es nicht. Für Fans matter Smartphones ein echter Rückschritt. Gerade die Empfindlichkeit gegenüber Fingerabdrücken ist enorm und ohne Putztuch oder schützende Hülle trägt man immer einen Schmierfinken mit sich herum. Wer das nicht macht, muss mit einem schäbigen Look rechnen.

Die Verarbeitung und die Haptik können dagegen kaum beanstandet werden. Das OnePlus 7 liegt toll in der Hand und mit den abgerundeten Längsseiten des Rückens kann es immer fest gegriffen werden. OnePlus übernimmt auch die abgeschrägten kurzen Rahmenseiten des OnePlus 6T. Der Design-Kniff ist unnötig und bewirkt nur, dass der USB-Stecker auf einer Seite weiter aus dem Gehäuse heraussteht als auf der anderen Seite.

Die Kamera: Verbessert aber nicht Top

Für viele Nutzer ist neben dem Preis und der Größe des Handys vor allem die Kamera entscheidend beim Kauf. Während sich die Kamera-Könige mit der Sensor-Anzahl, ToF-Technologie und einer schwindelerregenden Bildqualität bekriegen, müssen die Oberklasse-Smartphones unterhalb der 800 Euro-Grenze meistens Abstriche im Bereich der Sekundärkamera machen. Ausgeglichen wird das in der aktuellen Generation oft durch eine Hauptkamera mit einer wahnwitzigen Auflösung. Auch beim OnePlus 7 kommt ein solcher Sensor zum Einsatz. Der Sony IMX 586 besitzt 48 Megapixel und rechnet diese zu einem 12 Megapixel großen Bild zusammen. Der zweite Sensor unterstützt ihn lediglich und bietet keine eigenständigen Funktionen.

Wie gut sind die Bilder mit dem OnePlus 7?

Hand mit unscharfen und scharfen Finger-Zwischenräumen
Bokeh des OnePlus 7 im Detail

Die Fotos des OnePlus 7 sind bei gutem Licht erwartungsgemäß scharf, farbintensiv und mit einer guten Balance versehen. Kleine Lens-Flares kann das OnePlus 7 jedoch nicht verhindern. Dazu sitzt bei Macro-Fotografie die Schärfe nicht automatisch gut. Hilft man im manuellen Modus nach, trifft man die richtigen Stellen. Verlässt man sich auf die Automatik, versucht sie oft den Hintergrund zu schärfen.

Das verhalten könnte man verstehen, wenn man der Kamera ein Bewusstsein für das eigene Bokeh unterstellt. Das ist nämlich unruhig und vertrüge etwas mehr cremigkeit. Kanten werden hier eher verwackelt als „entschärft“ dargestellt. Die Trennung des Objekts vom Hintergrund gelingt der Software, trotz zusatz-Kamera oft nicht optimal. So bleiben Hintergründe in Zwischenräumen des Objekts gerne scharf. Der Übergang von scharfen zu unscharfen Bildanteilen wirkt dabei oft unnatürlich scharf.

Geht die Sonne unter oder dimmt man das Licht, wird aus dem OnePlus 7 nicht gerade ein Night-Shot-Biest. Die Bilder sind oft etwas zu hell gezogen und rauschen dann etwas zu stark. Insgesamt hängt man hier gehörig hinter der Konkurrenz mit High-End-Kameras hinterher. Ohne den Vergleich mit den Königen am Markt steht die Kameraleistung solide da. Aber solide genügt im Oberklassebereich nicht mehr.

Videos mit 240 Bildern in der Sekunde

Die Videosektion besitzt zwei kleine Highlights: 4K-Videos können mit 60 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden und die Zeitlupenfunktion schafft bis zu 480 Bilder pro Sekunde. In dieser Einstellung nimmt jedoch die Bildqualität stark ab. Abhilfe schafft hier nur viel Licht. Dann kann man brauchbare Zeitlupenvideos filmen. Die 4K-Videos können sich durchaus sehen lassen. Die Schärfe zieht bei Bewegungen schnell nach und die Belichtung wird flott angepasst. Die Automatik versucht jedoch oft zu vermitteln, damit keine Informationen im Bild verloren gehen. Im Endeffekt ist dann aber auch nichts wirklich korrekt belichtet. Das ist für Laien gut, ambitionierte Kollegen stört dieses Verhalten jedoch.

Was alle Nutzer stören wird, ist die Abspielmöglichkeit der 240-Bilder/Sekunden-Videos. Kurzerhand auf den PC gezogen und schon kann es losgehen? Mitnichten. Der Microsoft-eigene Standard-Player auf Windows spielt diese Videos nicht ab. Somit muss ein Drittanbieter-Player installiert werden.

Qi, IP und Klopfen – Hier spart OnePlus

OnePlus spart bei einigen Bauteilen. Bei manchen ist es verständlich und man kann auch mit Blick auf den Preis darüber hinwegsehen. Doch es gibt einige Kleinigkeiten, bei denen man sich wünscht, OnePlus würde 20 Euro mehr verlangen, aber hier nicht sparen. Qi, das kabellose Laden, ist so ein Punkt. Die Spule unter dem gläsernen Rückdeckel würde das OnePlus 7 nur unwesentlich dicker machen, aber in Zeiten von Reverse-Charging wirkt der Verzicht altbacken.

Die IP-Zertifizierung wurde ebenso eingespart. Hier muss jedoch genau hingesehen werden. Die Zertifizierungen der Konkurrenz haben nämlich kaum Vorteile für den Nutzer. Sie sind meist mit vielen Einschränkungen verbunden und kaum in die Praxis übertragbar. Dazu kommt, dass Wasserschäden kaum als Garantiefall anerkannt werden. Somit kann man, wieder mit Blick auf den Preis, tatsächlich auf dieses Marketing-Element verzichten. Im Alltag hatte das OnePlus 7 mit simulierten Regentropfen jedenfalls keine Probleme.

Noch etwas teurer dürfte für OnePlus die Integration des Klopfmotors des OnePlus 7 Pro sein. Diese Sparmaßnahme ist jedoch wirklich schade, war doch der schlappe Vibrationsmotor des OnePlus 6T schon lange ein Kritikpunkt. Beim großen Modell hat sich OnePlus dieser Kritik gestellt und ein kleines Highlight daraus gemacht. Im OnePlus 7 bleibt der Vibrationsmotor ein Motörchen.

OnePlus 7 im Test: Das Fazit

Testsiegel des OnePlus 7 mit 4 von 5 Sternen

Das OnePlus 7 ist beim Gehäuse und der Verarbeitung ein leicht angepasster Klon des OnePlus 6T. Das ist zum einen positiv, weil OnePlus die Haptik, die Qualität der Verarbeitung und die Stärken des Vorgängers übernommen hat. Zum anderen lohnt es sich kaum vom Vorgänger umzusteigen. Unter anderem auch wegen des Displays. Hier hat sich OnePlus auf die faule Haut gelegt und einfach das Panel des Vorgängers verbaut. Beim Design ist der Umstieg übrigens auch für Nutzer des OnePlus 6 nicht zu empfehlen. Schon das Frühjahresmodell 2018 sah so aus.

Bei den inneren Werten sieht es etwas anders aus. Der neue Prozessor schießt das OnePlus in neue Geschwindigkeits-Sphären und die aktualisierte Software setzt neue Impulse. OnePlus hat bei der Kamera ebenfalls zugelegt, jedoch kommt sie bei weitem nicht an die High-End-Boliden von Samsung oder Huawei heran. Dazu fehlt ihr der Funktionsumfang des OnePlus 7 Pro. Das alles reicht insgesamt nicht, um eine Empfehlung für einen Wechsel zwischen dem OnePlus 6 und 6T auf das OnePlus 7 zu rechtfertigen.

OnePlus 7: Preise vergleichen

Für Einsteiger in das OnePlus-Universum sieht das anders aus. Das OnePlus 7 ist ein solides Stück Oberklassentechnik. Schnell, vergleichsweise günstig und mit edler Anmutung ist es eine echte Alternative zu Galaxy S10e, Huawei P30 und iPhone XR.

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1 KOMMENTAR

  1. *Spar* haha, ein Grund one+ nicht mehr zu unterstützen, war wahrscheinlich auch nur das Sprungbrett um die Preispolitik in die Höhe schießen zu lassen.

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