Huawei P40 lite im Test: Gutes Rundum-Paket mit entscheidender Schwäche

9 Minuten
Selbst Huawei-Fans rätseln, ob sie sich das Huawei P40 lite auch ohne Google Services kaufen sollen. Unser Test zeigt, was das neue Mittelklasse-Smartphone abseits der Goolge-Anwendungen drauf hat.
Huawei P40 lite
Huawei P40 lite im TestBildquelle: Artem Sandler / inside digital

Die lite-Geräte von Huawei erfreuten sich hierzulande stets einer großen Beliebtheit und galten als chinesisches Gegenstück zur A-Serie von Samsung. Beim neuen Huawei P40 lite könnte dieser Vergleich jedoch nicht mehr ohne weiteres möglich sein. Denn im Gegensatz zu der aktuellen A-Riege, kommt das P40 lite wegen des USA-China-Handelskriegs ohne Google-Services. Doch ist es tatsächlich ein großes Handicap und wie schlägt sich der Mittelklasse-Promi sonst? Wir haben das Smartphone auf Herz und Nieren geprüft.

Hardware des Huawei P40 lite

Beim Huawei P40 lite handelt es sich um ein günstigeres Mittelklasse-Modell. Wer High-End-Funktionen erwartet, dürfte also schwer enttäuscht werden. So ist beispielsweise die Displayauflösung auf einem in dieser Preiskategorie durchschnittlichen Niveau (1.080 x 2.310 Pixel) und der Fingerabdrucksensor befindet sich seitlich im Power-Button und nicht unter dem Display. Auch beim Prozessor setzt Huawei nicht auf den neuesten Kirin 990-Chip, sondern auf die Mitte 2019 erschienene Kirin-810-Mittelklasse-Technik.

Das alles muss allerdings nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten, denn im Vergleich zu anderen Mittelklasse-Geräten kann das Huawei P40 lite mit diesen Werten durchaus mithalten. Beim Arbeitsspeicher ist es dem ab Werk teureren Kontrahenten Samsung Galaxy A51 mit 6 zu 4 GB Arbeitsspeicher sogar überlegen, doch auch einige tatsächliche Nachteile sind mit von der Partie. So fehlt die LED-Benachrichtigungsleuchte und der 128 GB große Hauptspeicher lässt sich nur mit einer speziellen NM-Karte erweitern. Dafür ist der Klinkenanschluss mit an Bord – das kann selbst das aktuelle Flaggschiff Huawei P40 Pro nicht von sich behaupten.

Software Android Android 10
Prozessor Kirin 810
Display 6,4 Zoll, 2.310 x 1.080 Pixel
Arbeitsspeicher 6 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 8000x6000 (48,0 Megapixel)
Akku 4.200 mAh
induktives Laden
USB-Port
IP-Zertifizierung (kein Schutz)
Gewicht
Farbe
Einführungspreis 299 €
Marktstart

 

Akku des Huawei P40 lite

Mit seinen 4.200 mAh scheint das Huawei P40 lite zunächst sehr gut aufgestellt zu sein. Der Schein trügt jedoch. 4.200 mAh waren vor ein paar Jahren zwar noch ein ausgezeichneter Wert, heute sieht die Sache allerdings anders aus. Etwas über 4.000 mAh sind bereits eher Durchschnitt und bei dem 6,4-Zoll-Display des P40 lite vergleichsweise schnell aufgebraucht. Besonders interessant ist an dieser Stelle, dass das Huawei P40 lite dem P40 Pro bei gleicher Akkukapazität im Akkutest von GFXBench unterlegen ist. Und das obgleich das Display des Pro-Modells mit 6,58 Zoll spürbar größer ist, während der Prozessor seinerseits eine höhere Leistung erbringt.

Für den Mittelklasse-Bereich bleibt die technische Ausstattung des Huawei P40 lite unterm Strich dennoch auf einem guten, wenngleich nicht ausgezeichnetem Niveau. So konnte das Smartphone im Test folgende Einzelwertungen erreichen:

  • Gehäuse: 3,5 von 5 Sternen
  • Display: 3,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 3 von 5 Sternen
  • Kamera: 3,5 von 5 Sternen
  • Software: 4 von 5 Sternen
  • Akku: 3,5 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Sternen

Hässliches Entlein oder schöner Schwan?

Das Design des Huawei P40 lite sieht auf den ersten Blick ziemlich ansprechend aus. Anstelle eines breiten Stegs, findet sich auf der Frontseite ein kaum sichtbares Kameraloch. Dadurch wird das Gehäuse-Display-Verhältnis noch etwas besser – so zumindest die Theorie. In der Praxis findet sich jedoch im unteren Bereich ein relativ breiter Gehäuse-Streifen, der die Bemühungen teilweise wieder zunichte macht.

Auf der Rückseite findet sich indes lediglich der Huawei-Schriftzug sowie ein LED-Blitz und eine aus dem Gehäuse herausstehende Quad-Hauptkamera. Das Gehäuse selbst besteht dabei aus vierseitig gebogenem Glas, fühlt sich jedoch eher wie Plastik an. Unangenehm ist die Berührung jedoch nicht und auch bei den verfügbaren Farben gibt es nichts zu meckern. Erhältlich ist eine pink-blaue Version, die eher für das weibliche Publikum gedacht ist, eine schwarze Variante sowie ein grünes Modell.

Nun zur Handlichkeit: Wer eher mit kleinen Händen gesegnet wurde, dürfte mit dem Huawei P40 lite seine Probleme haben. Das Gerät ist vergleichsweise breit (76,3 Millimeter) und zusätzlich auch recht dick (8,7 Millimeter). Das sind beides keine besonders guten Eigenschaften für Menschen ohne Pranken. Eine Bedienung mit einer Hand ist somit nicht uneingeschränkt möglich, mit ein wenig Übung sollte jedoch auch diese Hürde bewältigt werden können; auch weil die Positionierung der physischen Tasten durchaus gut gelungen ist.

Software des Huawei P40 lite

Zumindest im Alltag kann sich die Leistung des Mittelklasse-Smartphones sehen lassen. Die Bedienung erfolgte stets genauso flüssig, wie es auch bei High-End-Geräten der Fall wäre. Lediglich bei besonders leistungsstarken Programmen wie detaillierten 3D-Spielen dürfte das P40 lite an seine Grenzen stoßen. Darüber hinaus kommt das Huawei-Mobiltelefon ab Werk mit dem Betriebssystem Android 10 sowie der hauseigenen Benutzeroberfläche EMUI 10. Das bedeutet, dass die neuesten Features jeweils mit an Bord sind. An dieser Stelle ein kleiner Tipp für Nutzer der älteren Versionen: Die neue Gestensteuerung kann in den Einstellungen durch die altbekannte Drei-Knöpfe-Leiste ausgetauscht werden. Dasselbe gilt auch für den App-Drawer.

Negativ fielen dagegen die angerundeten Ecken auf, die wir bereits beim Huawei P40 Pro kritisiert haben. Auch beim kleinen Bruder sorgt die breite Kurve dafür, dass in einigen Apps Inhalte abgeschnitten werden. Darunter ist auch die Standard-Tastatur SwiftKey.

Huawei P40 lite Software
Huawei P40 lite: Tastatur wird abgeschnitten

Kastriertes Android

Sobald man das Huawei P40 lite auf der Seite des Herstellers aufruft, erscheint ein längerer Warntext. Dabei wird grundsätzlich erläutert, dass das neue Modell zwar das Betriebssystem Android 10 verwendet, der Zugang zu Google Apps und Google-Services jedoch verwährt bleibt. Diese Tatsache lässt sich auf den Handelsstreit zwischen den USA und China zurückführen, infolgedessen Google keinen Handel mehr mit Huawei betreiben darf.

Huawei Warntext
Huawei P40 lite: Warntext

Für Nutzer bedeutet dies, dass sie weder beliebte Services wie Gmail oder Google Maps nutzen, noch Anwendungen aus dem Play Store herunterladen können. Zwar existieren natürlich einige Lösungen, diese setzen jedoch jeweils gewisse technische Kenntnisse beim Nutzer voraus. Allen anderen bleibt lediglich Huaweis eigene AppGallery, die aktuell nicht gerade vor Anwendungen überquellt, oder der Umweg über die Websites der App-Entwickler, auf denen oftmals die APK-Dateien zum Downloaden und Installieren vorgefunden werden können.

Zudem kann man natürlich oftmals auch zu Software-Alternativen von Huawei selbst greifen. So findet sich in der AppGallery zwar keine Spur von den Browsern Mozilla Firefox oder Chrome, dafür steht Huaweis eigener Browser bereit. Dieser ist jedoch – genauso wie ein Großteil der anderen Huawei-Apps – sehr wissbegierig. Wieso der Browser ohne die Berechtigung Anrufe zu tätigen und zu verwalten gänzlich den Dienst quittiert, ist uns beispielsweise ein Rätsel.

Huawei P40 lite: Die Kamera

Hält man das Huawei P40 lite in den Händen, sieht die Hauptkamera dank der vier separaten Objektive ziemlich beeindruckend aus. Und auch der Blick in die technischen Daten unterstreicht diesen Eindruck. So verfügt der Hauptsensor über eine Auflösung von 48 Megapixeln (f/1.8) und die Ultraweitwinkel-Kamera über 8 Megapixel (f/2.4). Hinzu kommt eine Makrokamera mit 2 Megapixeln (f/2.4) sowie ein Tiefensensor mit ebenfalls 2 Megapixeln (f/2.4). Ein Teleobjektiv sucht man hingegen vergebens, was sich auch direkt in der Qualität der Bilder wiederspiegelt, falls man dennoch den digitalen Sechsfach-Zoom nutzen will.

Smartphone-Kamera
Huawei P40 lite: Zoom

Dasselbe gilt auch für den Bildstabilisator. Auch dieser ist beim Huawei P40 lite nur als Software vorhanden. Somit brauchte es im Test gerne mal mehrere Versuche, bis ein scharfes Foto entstand. Das gilt insbesondere für Makro-Aufnahmen.

Keine Weltklasse-Kamera

Die Bedienung der Kamera-App ist derweil überaus intuitiv und leicht. Mit einem Klick können Fotografen beispielsweise zur Ultraweitwinkelkamera wechseln. Ob dies jedoch im Regelfall eine gute Idee ist, ist fraglich. Denn im Gegensatz zum Teleobjektiv verzerrt der Weitwinkel-Sensor das Bild enorm, was zu langgezogenen Körperteilen führen kann (siehe Galerie). In puncto Nachtaufnahmen und beim Farbraum kann man hingegen nicht viel meckern. Unterm Strich ist die Qualität der Fotos für ein 300-Euro-Smartphone okay. Dem ersten Eindruck sowie den beinahe schon lyrischen Lobpreisungen auf der Huawei-Homepage wird die Kamera jedoch nicht gerecht.

Kurzer Hinweis: Im Test des Huawei P40 lite wurde die Qualität der Kamera unter realitätsnahen Bedingungen getestet. Das bedeutet, dass jeweils die Standard-Einstellungen beziehungsweise die künstliche Intelligenz der Kamera zum Einsatz kamen. Mit dem Pro-Modus, mit dem die einzelnen Einstellungen manuell angepasst werden können, lässt sich etwas mehr aus der Kamera herausholen.

Fazit zum Test des Huawei P40 lite

Das Huawei P40 lite ist ein klassisches Mittelklasse-Smartphone ohne große Stärken und mit nur einer großen Schwäche. Egal ob beim Gehäuse, beim Display, bei der Ausstattung, bei der Kamera oder beim Akku: Die lite-Version des Huawei P40 schlägt sich stets gut, allerdings auch nicht mehr als das. Angesichts des niedrigen Kaufpreises von 299 Euro sollte das im Regelfall ausreichen, damit das Modell ein Erfolg wird – zumal die Konkurrenz von Samsung preis-leistungstechnisch schlechter aufgestellt ist.

Die fehlenden Google-Services stellen einen sehr großen Nachteil des Huawei-Leichtgewichts dar. Grundsätzlich empfiehlt sich das Smartphone darum nur für diejenigen, die entweder sowieso nicht sonderlich viele Apps nutzen, oder aber ausreichend technisches Know-how vorweisen können, um das Software-Problem eigenständig beziehungsweise unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Tools lösen zu können.

Stärken des Huawei P40 liteHuawei P40 lite Testsiegel

  • gutes rundum-Paket
  • starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Klinkenanschluss

Schwächen des Huawei P40 lite

  • keine Google-Services
  • keine besonderen Highlights
  • „wissbegierige“ Huawei-Apps

Alternativen zum Huawei P40 lite

Die besten Alternativen zum Huawei P40 lite standen beinahe schon vor diesem Test fest. Besonders geeignet sind dafür die aktuellen Modelle der A-Serie von Samsung. Wenn der Preis die 300-Euro-Marke nicht überschreiten soll, verdienen das Samsung Galaxy A41 und das Galaxy A51 besondere Aufmerksamkeit. Ansonsten könntest du auch zum Samsung Galaxy A71 greifen. In puncto Preis-Leistung sind all diese Geräte dem Huawei P40 lite allerdings unterlegen. Denn aktuell erhalten Käufer im Huawei-Shop für 299 Euro nicht nur das Mittelklasse-Smartphone, sondern auch das Fitness Armband Huawei Band 4 Pro im Wert von rund 70 Euro.

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Bildquellen

  • Huawei P40 lite Datenbank: Huawei
  • Huawei P40 lite: Tastatur wird abgeschnitten: Artem Sandler / inside digital
  • Huawei P40 lite: Warntext: Huawei
  • Huawei P40 lite: Zoom: Artem Sandler / inside digital
  • Huawei P40 lite Testsiegel: inside digital
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1 KOMMENTAR

  1. Ich finde, dass es sich bei dem HUAWEI P40 Lite um ein solides Mittelklasse-Smartphone handelt . Das mit Android 10, 128 GB Speicher und 6 GB RAM ausgestattete Leichtgewicht lässt sich gut und überraschend lange bedienen. Optisch ist ein Kunststoff-Fokus zwar nicht zu leugnen, jedoch sind der 6,4 Zoll große Full Screen Display mit Punch-Hole-Design der Preisklasse entsprechend angemessen.
    Die Quadkamera (12-48MP) ermöglicht bei viel und auch bei wenig Tageslicht zwar keine „High-End“, aber durchaus detailreiche Aufnahmen. Zudem gibt es zahlreiche Sonderfunktionen (wie Nachtmodus, Panorama etc.), die den „Alltagsfotografen“ dieser Welt zufriedenstellende Ergebnisse liefern.
    Das HUAWEI P40 lite hätte mit Blick auf seine Leistung ein echter Verkaufsschlager werden können, käme es nicht mit Manko fehlender Google-Dienste um die Ecke. Diese Schwäche sollte nicht unterschätzt werden, da eine Vielzahl von Funktionen und Apps auf Google zurückgreift. Unmöglich ist die „Nachrüstung“ von Google-Diensten zwar nicht, es ist aber durchaus etwas herausfordernd und vor allem zeitaufwendig.
    Fazit: Unter Berücksichtigung von Preis-Leistung können Display, Performance, Kamera und Akkuleistung überzeugen. Für die Alltagsnutzung (ohne Google-Dienste) ist das HUAWEI P40 lite also klar zu empfehlen

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