Mein Schiff, Aida & Co.: Kostenfalle Internet bei Kreuzfahrt & Fähre

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Das Smartphone ist ein ständiger Begleiter. Auch auf Fähren oder Kreuzfahrten ist das oftmals nicht anders. Doch Vorsicht: Hier lauern enorme Kostenfallen, die zu hohen Rechnungen führen können – und das sogar, wenn man mit der Fähre oder dem Kreuzfahrtschiff die EU gar nicht verlässt. Dabei kann es schnell um hohe vierstellige Summen gehen.
Die AidaAura - ein Kreufahrtschiff der Aida-Flotte
Bildquelle: Pixabay

Auf nahezu allen größeren Schiffen ist der Handyempfang heutzutage möglich. Dabei empfängt das Handy aber nicht etwa das Signal eines Handynetzes vom Festland, sondern ein sogenanntes Schiffsnetz. Die Reedereien haben zusammen mit darauf spezialisierten Firmen auf ihren Schiffen eigene Netze installiert. Sie funktionieren wie normale Handynetze, entsprechend buchen sich auch deutsche Handys im Roaming-Verfahren automatisch dort ein. Das Problem: Die Kosten für die Nutzung sind enorm hoch. Der Spitzenpreis liegt bei 6,83 Euro pro Minute für Telefonate und 25 Euro pro Megabyte. Das kann eine böse Überraschung nach dem Urlaub geben.

Warum ist das Benutzen des Handys bei einer Kreuzfahrt so teuer?

Die Netze an Bord eines Schiffes werden über Satellit versorgt. Das ist entsprechend teuer. Hinzu kommt, dass die Anbieter natürlich auch die Technik an Bord der Schiffe refinanzieren wollen und zusätzlich einen Gewinn erwirtschaften. Am Ende entstehen so hohe Minutenpreise und Kosten für die mobilen Daten, wie sie die meisten Kunden auf einer Fähre oder Kreuzfahrt nicht erwarten. Wenn das Handy unbemerkt online geht, können schnell hohe Rechnung zustande kommen. Ob diese hohen Preise wirklich zu rechtfertigen sind, darf aber bezweifelt werden.

Kostet die Nutzung eines Schiffsnetzes auch innerhalb der EU?

Es gibt zwar die EU-Roaming-Verordnung, doch diese bezieht sich nur auf normale Handynetze an Land. Die Bordnetze der Schiffe sind davon ausgenommen. Denn eingeschaltet werden dürfen die Netze eigentlich nur in internationalen Gewässern und somit auf hoher See. Hier greifen die Regeln des EU-Roaming nicht – auch wenn das Schiff zwischen zwei EU-Ländern fährt. Bei Flusskreuzfahrten gelten diese Warnhinweise natürlich nicht – sie finden innerhalb eines Landes und in unmittelbarer Nähe zum Festland statt.

Achtung: Nicht jede Reederei hält sich daran, das Handynetz an Bord in den nationalen Gewässern auszuschalten. Das kann dazu führen, dass das Handy das teure Netz auch nutzt, wenn das Schiff im Hafen liegt. Hier wären dann aber schon die lokalen Handynetze zu vertretbaren Roaming-Gebühren verfügbar – im EU-Ausland sogar ohne Aufpreis.

Wie kann ich die Kostenfalle Schiffsnetz definitiv unterbinden?

Die sicherste Methode, nicht in die Kostenfalle Schiffsnetz zu geraten, ist, das Handy auszuschalten. Das wollen aber viele Nutzer nicht, da sie das Handy auch zum Fotografieren nutzen. Grundsätzlich sollte aber das Daten-Roaming abgeschaltet werden. Denn jedes einzelne Kilobyte geht richtig ins Geld. Weiterer Tipp: Die automatische Netzwahl abschalten. Das Handy nutzt dann nur den eigenen Mobilfunkanbieter oder nach einer ausdrücklichen manuellen Suche einen entsprechend ausgewählten Anbieter aus dem Urlaubsland. So kann der Handykunde verhindern, dass sich das Smartphone automatisch in das Bordnetz einbucht.

So kann Datenroaming beim Huawei Mate 10 pro eingeschaltet werden

Wer nur im Bordnetz eingebucht ist, aber keine Dienste nutzt – etwa, weil er noch einen wichtigen Anruf erwartet – zahlt dafür nichts. Erst, wenn der Anruf angenommen wird, fallen Kosten für das Gespräch an. Dass eingehende Gespräche kostenpflichtig sind, ist im international Roaming üblich. Auch abgehende Gespräche sind natürlich kostenpflichtig. Wichtig: Es gelten auch hier die Hinweise zur Aktualisierung von Daten im Hintergrund.

Ein Schiff in einem Hafen
Bildquelle: inside handy / Thorsten Neuhetzki
Kunden von O2 sind seit Mai 2018 nach Angaben des Anbieters zumindest vor unbeabsichtigten Datenkosten geschützt. Der Anbieter sperrt das Daten-Roaming auf Schiffen und in Flugzeugen für alle privaten o2 Kunden, die Sprachtelefonie ist weiterhin möglich. Wer dennoch Daten nutzen will, muss sich explizit freischalten lassen.

Wie finde ich heraus, welches Netz an Bord meines Schiffes ist?

Information, welcher Betreiber ein Netz an Bord eines Schiffes hat, ist oft schwer zu finden. Sie sind entweder bei den Reedereien oder bei den Anbietern zu bekommen. Nicht jedes Mobilfunkunternehmen hat ein Roaming-Abkommen mit allen Schiffsnetz-Betreibern.

AIDA

Alle AIDA-Schiffe sind nach Angaben der Reederei mit dem Netz von Maritime Communications Partner (MCP), inzwischen als Telenor Maritime bezeichnet, ausgestattet. Telenor Maritime betreibt auch die Netze auf den Fähren von Finnlines, Stena Line, DFDS Seaways, Color Line sowie die Kreuzfahrt-Schiffe von Carnival Cruises. Auf dem Handydisplay sieht der Kunde das durch Kennungen wie 90112, MCP oder MCP Maritime Com.

TUI Cruises / Mein Schiff

TUI Cruises mit den „Mein Schiff“ Kreuzfahrtschiffen hat sich für den Partner Cellular at Sea entschieden. Dahinter steht Wireless Maritime Services (WMS). Zu erkennen ist dieses Netz an der Display-Kennung „cellularatsea”, “wmsatsea”, “NOR-18” oder “901-18“.

MSC Kreuzfahrten

MSC Kreuzfahrten hat sich als Partner On Waves / Siminn, ein isländisches Unternehmen, herausgesucht. Die Kennung hier: On-Waves, IS-08 oder 274-08.

Costa Crociere

Wer seine Kreuzfahrt über Discounter wie Lidl Reisen oder Aldi gebucht hat, landet mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem Schiff der Costa Crociere. Die Costa-Schiffe sind mit dem italienischen Netz TIM-Maritme ausgestattet. Das heißt aber nicht, dass die italienischen Roaming-Kosten gelten.

Was kostet Internet und Telefonieren an Bord eines Schiffes?

Entscheidend für die Kosten, die am Ende über die monatliche Rechnung des deutschen Handys abgerechnet werden, ist die Kombination aus Betreiber des Schiffsnetzes und deutschem Anbieter. Exemplarisch sind hier die Kosten für die drei Netzbetreiber und die wichtigsten Schiffsnetzanbieter dargestellt.

 TelekomVodafoneO2
MCP / Telenor Maritim
Anruf ankommend 1,99 € / Minute1,82 € / Minute1,59 € / Minute
Anruf nach Deutschland3,99 € / Minute6,09 € / Minute2,01 € / Minute
SMS0,99 €0,55 €0,99 €
Daten0,99 €/ 50 kB1,18 € / 50 kB 2,50 € / 100 kB
Cellular at Sea / AT&T Maritime Services
Anruf ankommend 1,99 € / Minute1,82 € / Minute2,54 € / Minute
Anruf nach Deutschland3,99 € / Minute6,09 € / Minute1,97 € / Minute
SMS0,99 €0,55 €0,99 €
Daten0,99 €/ 50 kB1,18 € / 50 kB2,50 € / 100 kB
On Waves /SIminn
Anruf ankommend 1,99 € / Minute1,82 € / Minute1,34 € / Minute
Anruf nach Deutschland3,99 € / Minute6,09 € / Minute2,42 €/ Minute
SMS0,99 €0,55 €0,99 €
Daten0,99 €/ 50 kB1,18 € / 50 kB 2,50 € / 100 kB
TIM Maritim
Anruf ankommend 1,99 € / Minute1,82 € / Minute5,16 € / Minute + 0,74 € / Verbindung
Anruf nach Deutschland3,99 € / Minute6,09 € / Minute4,46 € / Minute + 0,74 € / Verbindung
SMS0,99 €0,55 €0,99 €
Daten0,99 €/ 50 kB1,18 € / 50 kB 2,50 € / 100 kB

Die Preise für weitere Handynetze auf Schiffen sind beim eigenen Mobilfunkanbieter zu erfahren.

Gibt es günstige Alternativen für Internet auf einer Kreuzfahrt?

Vor allem Kreuzfahrt-Reedereien bieten inzwischen WLAN auf ihren Schiffen an. Die Nutzung ist in jedem Fall günstiger als das Datenroaming über das Handy. Dieses schlägt in der Regel mit etwa 25 Euro pro Megabyte oder aber 25.600 Euro pro Gigabyte zu Buche, was wohl niemand bereit ist, zu zahlen.

Internet auf der Aida

An Bord der ISchiffe von Aida Cruises gibt es eine Social Media Flat, die Facebook, Instragram, Twitter, WhatsApp und weitere Dienste beinhaltet und pro Tag abgerechnet werden. Je nach Länge der Reise kostet der Zugang zwischen 1,99 Euro und 6,99 Euro pro Tag. Es gibt Alternativ auch Aida Internetpakete oder sogar Flatrates. Der Preis dieser Internet-Flatrate richtet sich nach dem enthaltenen Datenvolumen und dem Aufenthaltsort des Schiffes, also ob es in Europa oder anderen Regionen der Welt fährt. Wer will, kann aber auch 39 Cent pro Minute für das Aida WLAN bezhalen. Aida Premium-Gäste bekommen ein Paket mit 250 MB Datenvolumen geschenkt. Aida hat dazu zahlreiche Informationen auf der eigenen Webseite veröffentlicht.

Internet bei TUI Cruises / Mein Schiff

Bei TUI Cruises gibt es Datenvolumen zwischen 100 MB und 15 GB. Für alle Gäste, die sich besonders gerne in den sozialen Netzwerken aufhalten, gibt es auf Mein Schiff 1, Mein Schiff 2, Mein Schiff 5 und Mein Schiff 6 eine Social Media Flatrate. Sie kann für die ganze Reise gebucht werden. Doch das Angebot hat Einschränkungen: Bei WhatsApp sind beispielsweise nur Textnachrichten möglich, bei Skype keine Telefonate. Es empfiehlt sich, die Datenpakete schon im Vorfeld zu buchen. Das ist billiger als an Bord. Möglich ist das über die Webseite von TUI Cruises.

Internet an Bord von MSC Kreuzfahrten

Auch MSC Kreuzfahrten bietet eigene Tarife für das WLAN an Bord an. Fast alle Pakete werden hier pro Kreuzfahrt abgerechnet und sind entsprechend der Länge der Reise günstiger oder teurere. Eine vollständige Liste der Tarife gibt es auf der Webseite von MSC Kreuzfahrten.

Internet an Bord von Costa

Die Reederei bietet drei Internet-Pakete an: Internet M (250MB) für 32 Euro, Internet L (500MB) für 47 Euro oder Internet XL (3 GB) für 109 Euro. Mit einer Social Media Flatrate lassen sich unbegrenzt die Netzwerke (Facebook, Facebook Messenger, Twitter, WhatsApp, iMessage, Threema, Snapchat, Instagram, Pinterest, Tumblr, Xing und LinkedIn) nutzen. Der 24-Stunden Tarif „Social 24h“ kostet 5 Euro, der Wochentarif „Social 7 days“ 19 Euro. Wer nur schnell zwischendurch seine E-Mails und Social Media Accounts checken möchte, der kann auch pro Minute bezahlen: 25 Cent werden fällig.

Hohe Rechnung nach Kreuzfahrt – Was nun?

Immer wieder gibt es Berichte über enorm hohe Rechnungen nach einer Überfahrt mit der Fähre oder gar einer Kreuzfahrt. Leider ist man als Kunde hier oft verloren und kann nur auf die Kulanz des eigenen Anbieters hoffen, die Rechnung zu mindern. Wenn auf der Handyrechnung Bezeichnungen wie MCP, Telenor Martime, Tim Maritim, Siminn, On Waves, WMS oder cellular@SEA auftauchen, steckt jedenfalls ein Schiffsnetz hinter den Kosten.

Wer sich allerdings gar nicht auf einem Schiff befunden hat, sondern beispielsweise nur im Hafen stand, der dürfte mindestens auf dem gerichtlichen Weg gute Chancen haben, die Rechnung nicht zahlen zu müssen.

5 Tipps für Kreuzfahrten und Fähren

Manuelle Netzwahl

Wer sicher gehen will, als Passagier nicht aus Versehen in einem teuren Schiffsnetz zu landen, sollte die automatische Netzwahl in seinem Handy ausschalten. Das Handy bucht sich dann immer nur in das zuletzt ausgewählte Netz ein.

Datenroaming ausschalten

Zusätzlich ist es hilfreich, Daten-Roaming am Handy auszustellen. Bucht man sich doch einmal in ein Handynetz an Bord eines Schiffes ein, so werden nicht gleich Daten übertragen.

WLAN vom Schiff nutzen

Viele Schiffe – auch Fähren – haben WLAN-Hotspots an Bord, die sich teils kostenlos in schlechter Qualität oder kostenpflichtig zu verschiedenen Tarifen buchen lassen. Über einen solchen WLAN-Zugang und die Internettarife informieren die Reederei und die Mitarbeiter an Bord.

Beim Landgang lokales WLAN und Roaming nutzen

Bei einer Kreuzfahrt sollte ein Landgang genutzt werden, um ein lokales WLAN-Netz zu suchen und zu nutzen. In vielen Ländern sind diese kostenfrei, zumindest aber günstiger als an Bord des Schiffes. Außerdem kann das lokale Handynetz im klassischen Roaming eine Alternative sein.

Mailbox ausschalten

Ankommende Anrufe, die auf der eigenen Mailbox landen, kosten, wenn sich das Handy in einem Schiffsnetz befindet. Dabei ist nicht nur das Abhören kostenpflichtig, sondern auch der ankommende Anruf an sich. Deswegen: Vor der Kreuzfahrt Mailbox ausschalten.

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