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Internet per Satellit als DSL-Alternative? Starlink & Co. im Vergleich

6 Minuten
Noch immer ist Deutschland in vielen Teilen nicht so mit DSL oder gar Glasfaser ausgestattet, wie es sein sollte. Doch dank Satellit gibt es inzwischen an jedem Ort Alternativen – auch ohne LTE. Doch nicht jeder Satelliten-Dienst eignet sich für jeden Nutzer.
Konnect Satelliten-Internet
Konnect Satelliten-InternetBildquelle:

Grundsätzlich musst du, wenn du dich für Internet per Satellit entscheidest, zwischen zwei Arten unterscheiden. Die eine Variante ist Internet per Satellit über geostationäre Satelliten. Die andere ist eine Variante über sogenannte Low-Orbit-Satelliten. Letztere nutzt beispielsweise Starlink und ist noch vergleichsweise neu. Hier kreisen die Satelliten in wenigen hundert Kilometern zu tausenden über der Erde. Geostationäre Satelliten hingegen funktionieren wie TV-Satelliten und stehen fest an einem Punkt in 36.000 Kilometern Höhe. Das hat Auswirkungen auf die Nutzung.

Eutelsat, Astra & Co: Das sind die Vor- und Nachteile

Internet per Satellit steht im Verruf, oft überbucht und somit langsam zu sein. Außerdem seien die Latenzzeiten, also die Reaktionszeiten oft sehr hoch. Das stimmt – aber nur in Teilen. Bei geostationären Satelliten, muss eine Internetseite, die du anforderst, etwa 128.000 Kilometer durchs All zurücklegen. Deine Anforderung wird 36.000 Kilometer ins All geschickt, von dort „ins Internet“ zum Server. Die Antwort vom Server zu dir muss die gleiche Strecke wieder zurück. Das kostet Zeit.

Außerdem sind die Kapazitäten auf einem Satelliten begrenzt. Deswegen bieten auch die meisten Anbieter von Internet per Satellit keine Flatrate an, sondern lediglich Volumentarife. Oder aber sie begrenzen die Flatrate durch eine Fair-Use-Policy, bei der letztlich allabendliches Streaming nahezu unmöglich ist. Auch sind die Downloadraten bei bezahlbaren Tarifen oft nur auf dem Niveau von 15 bis 50 Mbit/s.

Der Vorteil von Internet per Satellit ist, dass es – theoretisch – überall funktioniert und zumindest bei den monatlichen Kosten nicht wesentlich teurer ist als ein VDSL-Anschluss. Das Theoretische bei der Nutzung bezieht sich darauf, dass du natürlich eine Satellitenschüssel anbringen können musst. Die normale, bestehende TV-Sat-Schüssel funktioniert nicht. Bei den geostationären Diensten sieht die Satellitenanlage aber ähnlich aus und muss auch ähnlich ausgerichtet werden. Sprich: Du benötigst freie Sicht in Richtung Süden. Im Zweifel dürfen nicht einmal Bäume im Weg stehen. Denn was eine TV-Empfangsanlage noch kompensieren kann, geht mit deiner sendefähigen Internet-Anlage möglicherweise nicht mehr. Ist die Schüssel aber einmal ausgerichtet, solltest du keine Probleme haben.

Einschränkungen gibt es außerdem in der unmittelbaren Nähe von Flughäfen, da du den Funkverkehr stören könntest. Hier darfst du die Anlagen nicht betreiben.

Eine Besonderheit in Sachen Datenrate sind die beiden Satelliten Eutelsat Konnect (7 Grad Ost) und das inzwischen von Viasat betriebene Ka-Sat auf 9 Grad Ost. Sie sind mit sogenannten Beams ausgestattet und versorgen so mit jedem Beam nur wenige hundert Kilometer auf der Erde. Der Vorteil: Die Frequenzen können über Europa verteilt mehrfach genutzt werden, was die Kapazität des Satelliten massiv erhöht.

Hier bekommst du Internet per Satellit über geostationäre Satelliten

Die Satelliten werden in der Regel von Astra und Eutelsat betrieben – zwei Giganten im Satelliten-Business. Vermarktet werden sie aber beispielsweise von Anbietern wie Eusanet (mit echter Flatrate), skyDSL (bietet Mietkauf der Schüssel & Flatrate an) oder Filiago. Die Tarife sind vielfältig und komplex. Die Kollegen von teltarif.de pflegen dazu eine umfangreiche Tariftabelle. Du solltest bei der Auswahl darauf achten, dass der Anschluss deinen Bedürfnissen gerechnet wird.

  • Geeignet für: Schnelles Surfen, Downloads im normalen Rahmen, preissensible Kunden, Homeoffice, nomadische Nutzung (je nach Anbieter)
  • Nachteile & nicht geeignet für: Dauerhaftes Streaming, Gaming, viele Downloads, Internet jenseits von 100 Mbit/s, Aufbau ohne freie Sicht nach Süden, Uploads oft langsam

Starlink & Co: Vorteile der neuen Low-Orbit-Satelliten

Bei Starlink und anderen kommenden Sat-Diensten wie OneWeb muss deine Satellitenschüssel hingegen freie Sicht nach oben haben. Das Aufstellen auf dem Balkon mit der Hauswand neben der Schüssel oder sogar die Platzierung im Garten zwischen Busch und Haus kann schon problematisch sein. Idealerweise montierst du die Antenne tatsächlich aufs Dach. Dann aber hast du aufgrund der Vielzahl an Satelliten bei Starlink eine echte Datenflatrate und einen höheren Datendurchsatz, als andere Anbieter. Bedenken musst du, dass die Schüssel sich auch im Betrieb ständig bewegt, um sich ideal auf die Satelliten auszurichten.

Die Signallaufzeit ist bei Low-Orbit-Satelliten deutlich besser. Sie sind in gerade einmal etwa 300 Kilometer hoch. Das Internetsignal muss somit gerade einmal 1.200 Kilometer durchs All statt 128.000. Ping-Zeiten von 40 Millisekunden sind in der Praxis erreichbar, was sogar – je nach Spiel – für Onlinegaming ausreichen würde. Auch die Downloadraten sind mit 150 bis 250 Mbit/s höher als bei den bisherigen Anbietern. Gleiches gilt für den Upstream. Beides kann locker mit schnellem VDSL mithalten.

Alle weiteren Infos zu Starlink haben wir dir in einem ausführlichen Ratgeber zusammengefasst.

Mitbewerber Oneweb ist noch nicht in Deutschland aktiv.

  • Geeignet für: Schnelles Surfen, Downloads aller Art, Gaming (eingeschränkt), Streaming, schnellen Up- und Downstream.
  • Nicht geeignet für: Aufbau auf Balkonen, preissensible Kunden, mobile/nomadische Nutzung

Internet per Satellit: Welcher Satelliten-Dienst eignet sich für wen?

So gut Starlink in der Theorie klingt, so teuer ist der Dienst in der Praxis. Denn die monatlichen Kosten von 99 Euro zuzüglich Stromkosten von 20 bis 30 Euro dürften viele abschrecken. Die Hardware ist mit mehr als 600 Euro auch nicht günstig. Doch das ist sie auch bei den anderen Anbietern nicht, wenn man sie dort kauft. Einige Anbieter vermieten die Antennen aber auch oder subventionieren sie durch die Grundgebühr gegen.

Wer die Satelliten-Anlage nutzen möchte, um nomadisch ins Internet zu gehen, muss sich bei dem Anbieter seiner Wahl erkundigen, ob das möglich ist. Einige Anbiete begrenzen die Nutzung auf eine Ausleuchtzone, Starlink bietet nomadische Nutzung noch gar nicht an. Das macht auch die Kapazitätsplanung für die Anbieter einfacher. Eine nomadische Nutzung kommt beispielsweise für Camper infrage oder wird von Schaustellern, Zirkussen und Baustellenleitern benötigt.

Wenn du primär auf den Preis achten musst, empfehlen wir dir also einen Anbieter mit geostationären Satelliten. Sie liegen preislich auch dem Niveau von DSL. Willst du Internet per Satellit als echten Ersatz für VDSL nutzen, bleibt dir in der Praxis keine Alternative zu Starlink. Denn nur hier bekommst du echtes Highspeed-Internet und eine Flatrate. Es bleibt der saure Apfel des hohen Preises, in den du beißen musst. Und letztlich bleibt die Hoffnung, dass Internet per Satellit nur als Brückentechnik genutzt werden muss, bis in einigen Jahren auch bei dir Glasfasernetze ausgebaut wurden.

Eine Alternative zum Satelliten-Zugang können – je nach Situation vor Ort – aber auch Mobilfunk-Lösungen sein.

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1 KOMMENTAR

  1. Michael

    Habe schon über 3 Jahre satinternet. Leider nur 16mbit. Benutze es auf dem Campingplatz. Bin bis heute voll zufrieden,
    Vor allem bei Wind und Wetter keine größere Probleme gehabt. Jetzt überlege ich mir ob ich noch eine schnellere Bandbreite zu legen soll.

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