Wie intensiv die Netze jedes Jahr zum Jahreswechsel genutzt werden, dazu veröffentlichen Telekom, Vodafone und O2 überraschend detaillierte Zahlen. Nur 1&1 geht – wie üblich bei Zahlen rund um das eigene Mobilfunknetz – in die Defensive und nennt keine Werte. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Diesmal fallen die Unterschiede zwischen Daten, Upload und Telefonie besonders auf. Die drei Netzbetreiber schauen dabei auf ähnliche Zeitfenster (meist 20 bis 3 Uhr) – aber nicht auf identische Metriken. Trotzdem lässt sich ein klarer Trend ablesen: Daten wachsen schnell, Telefonie bleibt eher stabil oder verschiebt sich in kurze Spitzen rund um Mitternacht. Und: Der Upload ist so wichtig wie nie.
So verlief der Jahreswechsel 2025/2026
Ein grober Überblick über das, was die Unternehmen selbst berichten (jeweils Silvesternacht 31.12.2025/01.01.2026, Vergleich zum Vorjahr):
- Telekom: über 3,9 Millionen Gigabyte zwischen 20 und 3 Uhr (Vorjahr: 2,9 Millionen Gigabyte, + fast 35 Prozent)
- Vodafone: 4,5 Millionen Gigabyte zwischen 20 und 3 Uhr (Vorjahr: 3,0 Millionen Gigabyte, + 50 Prozent)
- O2 (Telefónica): 5,7 Millionen Gigabyte zwischen 20 und 3 Uhr (Vorjahr: 5,5 Millionen Gigabyte)
Wie Vodafone den Rekord erklärt
Vodafone verkauft den Datenrekord als „nie dagewesen“ im deutschen Mobilfunknetz und verweist auf neue Nutzungsmuster: mehr Video-Telefonie, mehr Social Media, sogar mehr KI-Anfragen. Gleichzeitig liefert Vodafone selbst einen handfesten Grund, der mit Nutzerzahlen zu tun hat: Seit diesem Jahr surfen laut Unternehmen zusätzlich 12 Millionen 1&1-Kunden im Vodafone-Netz. Wie groß deren Anteil war, verrät man aber nicht. Das erklärt, warum der prozentuale Zuwachs (50 Prozent) im Vergleich zu früheren Jahren besonders hoch ausfällt. Der Rekord ist also nicht automatisch ein Beweis dafür, dass jeder einzelne Vodafone-Kunde plötzlich viel mehr verbraucht.
Spannend ist auch der Blick auf die Uhr: In der ersten Stunde nach Mitternacht nennt Vodafone 650.000 Gigabyte Daten (Vorjahr: 500.000). Bei der klassischen Telefonie meldet Vodafone in dieser Stunde 7,5 Millionen Gespräche (Vorjahr: 5,3 Millionen) und über das gesamte Fenster fast 20 Millionen Telefonate (Vorjahr: 14 Millionen).
Telekom: Daten wachsen kräftig, Telefonie bleibt stabil
Die Telekom sieht ebenfalls deutlich mehr Datenverkehr: Zwischen 20 und 3 Uhr liefen mehr als 3.900 Terabyte durchs Netz, nach 2.900 Terabyte im Vorjahr. Telefonie wird dort als relativ stabil beschrieben: insgesamt 12 Millionen Telefonate, ähnlich viele wie beim letzten Jahreswechsel – in normalen Nächten seien es etwa 5 Millionen.
Interessant fürs Nutzungsverhalten: SMS sind nicht tot – zumindest nicht in der Silvesterstunde. Die Telekom nennt allein zwischen 0 und 1 Uhr 800.000 SMS (60 Prozent mehr als „normalerweise“ in dieser Stunde). Außerdem meldet sie gut 62.000 Notrufe, leicht unter Vorjahr, mit einem Peak kurz nach Mitternacht.
O2: Der Upload wird zum eigentlichen Stresstest
O2 (Telefónica) legt den Fokus bei der eigenen Auswertung noch stärker auf das, was viele Netze an Silvester besonders fordert: den Upload. Direkt nach Mitternacht sei das Upload-Aufkommen kurzzeitig 2,6-mal so hoch wie üblich. Konkret nennt O2 für die 15 Minuten vor dem Jahreswechsel 21.000 Gigabyte Upload und für die ersten 15 Minuten danach 55.000 Gigabyte. Der Grund: Offenbar verschicken viele Menschen über soziale Netzwerke und Messenger Fotos und Videos von sich und dem Feuerwerk.
Bei den Gesamtdaten ordnet O2 ähnlich ein wie die Konkurrenz: In der ersten Stunde des neuen Jahres flossen 885.000 Gigabyte (Vorjahr: 865.000), im Zeitfenster 20 bis 3 Uhr waren es 5,7 Millionen Gigabyte (Vorjahr: 5,5 Millionen). Das geringe Wachstum dürfte sich auch hier mit der Verschiebung von fast zwölf Millionen 1&1-Kunden von O2 zu Vodafone erklären. Telefonie taucht bei O2 eher als „kurzer Gruß“ auf: mehr als sieben Millionen Gespräche in der Stunde nach Mitternacht, im Schnitt 78 Sekunden.
Auch beim Städteranking ähneln sich die Muster, obwohl die Betreiber unterschiedlich messen: Berlin ist überall der Hotspot – Vodafone nennt dort 180.000 Gigabyte zwischen 20 und 3 Uhr, O2 nennt 65.500 Gigabyte in der ersten Stunde nach Mitternacht. Angesichts dessen, dass Berlin die bevölkerungsreichste Stadt in Deutschland ist, verwundert dieser Fakt kaum.
