Studie: Internet per Kabel wird dich künftig öfter enttäuschen

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Egal ob DSL, Kabel oder Glasfaser: Viele Internetanschlüsse wirken auf dem Papier schnell genug. Trotzdem kippt die Stimmung, wenn die Leitung schwankt, Termine platzen oder Störungen zur Routine werden. Eine aktuelle Studie zeigt, warum das Risiko dafür bei Kabelanschlüssen künftig steigen könnte.
Eine Kabel-Multimedia-Dose mit Ausgängen für Internet, TV und Radio
Eine Kabel-Multimedia-Dose mit Ausgängen für Internet, TV und RadioBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Eine vom Bundesverband Glasfaseranschluss – kurz BUGLAS – beauftragte Studie vergleicht Glasfaser, Kabel (HFC) und DSL aus Endkundensicht. Studienautor Jens Böcker hat sie jetzt in Berlin vorgestellt und dafür unter anderem 1.000 Nutzer online befragt. Die Ergebnisse sind auch dann relevant, wenn du dem Glasfaser-Hype skeptisch gegenüberstehst: Denn die Studie zeigt vor allem, wo im Alltag Reibungen entstehen – unabhängig davon, welche Technik in der Wand steckt. Und sie zeigt auch, warum weder DSL noch Kabelnetze in den nächsten Jahrzehnten ausreichen werden. Einen ersten Einblick in die Studie gab es schon im Herbst vergangenen Jahres.

Die Glasfaseranbieter versuchen seit Jahren, ihren Internetanschluss mit immer höheren Datenraten und dem Aushängeschild „Glasfaser“ an die Kunden zu bringen. Doch die Studie zeigt: Das ist wenig erfolgversprechend. Denn ein nicht unerheblicher Teil der Befragten weiß weder, welche Anschlusstechnologie zu Hause läuft, noch welche Geschwindigkeit im Vertrag steht. Die Logik dahinter ist simpel: Hauptsache, es funktioniert. Das ist für die meisten Kunden das Wichtigste. Genau deshalb kann Kabel im Alltag künftig häufiger enttäuschen, resümiert die Studie – nicht, weil es grundsätzlich „schlecht“ wäre, sondern weil es stärker von Betriebsqualität und Störanfälligkeit abhängt.

Reine Geschwindigkeit ist nicht das Problem

Viele Haushalte nutzen ihren Anschluss vor allem für Surfen, E-Mail und Streaming. Dafür brauchst du selten die maximal mögliche Bandbreite. Böcker betont in diesem Zusammenhang vor allem die Stabilität. Er appelliert an die Anbieter, dass Kunden nicht „25 Vorteile“ wollen, sondern wenige Kernpunkte – mehr Geschwindigkeit und mehr Stabilität. Das ist eine direkte Ansage an den Kabelmarkt, in dem Tarife oft über „bis zu“-Werte verkauft werden, während das Ergebnis am Ende durch Überbuchung in einem Shared Medium deutlich geringer ausfallen kann.

So schneidet Kabel bei Zufriedenheit und Vertragstreue ab

In der Befragung liegt Glasfaser bei den „sehr Zufriedenen“ deutlich vor Kabel und DSL. Bei der Geschwindigkeit sind 48 Prozent der Glasfaserkunden „sehr zufrieden“, bei Kabel 29 Prozent, bei DSL 25 Prozent. Bei der Stabilität: Glasfaser 45 Prozent, Kabel 32 Prozent, DSL 29 Prozent. Und bei der Einhaltung der zugesagten Bandbreite: Glasfaser 42 Prozent, Kabel 27 Prozent, DSL 26 Prozent.

Auch bei der Weiterempfehlung wird der Abstand groß: Glasfaser erreicht in der einfach zu messenden Weiterempfehlungsrate, dem Net Promoter Score, einen Wert von 28, Kabel liegt bei minus 13, DSL bei minus 22.

Darum wird die Kabel-Qualität abnehmen

Böcker geht davon aus, dass die Qualität im Kabelnetz weiter abnehmen wird. Denn es handelt sich um ein aktives Netz. Das heißt, es gibt auf dem Weg zu dir viele aktive Komponenten, die Strom brauchen und kaputtgehen können, während Glasfasernetze passiv sind und nur Strom am Modem und in der Vermittlungsstelle benötigen. Daraus leitet Böcker ab, dass in einem Kabelnetz mehr Technik ausfallen kann und die Wartung aufwendiger sei. Störungen träten im Kabelbereich „15- bis 20-mal“ häufiger auf als in Glasfasernetzen. Nebenbei wird auch ein Kosten- und Effizienzargument genannt, das indirekt auf die Nutzererfahrung wirkt: Beim Energieverbrauch nennt Böcker 2,3 Watt pro Haushalt für Glasfaser versus 6,4 Watt für Kabelnetze. Bringt man das mit den sinkenden Anschlusszahlen im Kabel zusammen, so geht er davon aus, dass der Kostendruck bei den Kabelnetzbetreibern weiter steigt, die Qualität weiter sinkt.

Wichtig ist dem Studien-Auftraggeber BUGLAS, dass die Kernaussage der Studie nicht sei: „Kabel geht nie“, sondern: Kabel funktioniert dann gut, wenn Netzqualität und Abschirmung stimmen. Wenn nicht, spürst du das eher und schneller als bei robusteren Strukturen. Böcker geht davon aus, dass die Kosten für die Kabelnetze durch steigende Wartungskosten zunehmen werden. Gleichzeitig bieten die Kabelnetze ihre schnellen Internetanschlüsse zu deutlich geringeren Kosten an und machen so den Glasfasernetzen die Vermarktung schwer.

Warum viele trotzdem kein Glasfaser buchen

Trotz besserer Werte bei Glasfaser bleibt die Wechselbereitschaft begrenzt: 44 Prozent wollen ihren bisherigen Anschluss behalten, 31 Prozent wären zu einem Wechsel bereit, 25 Prozent sind unentschlossen, so die Studie. Die Hürden sind typisch: 33 Prozent nennen die monatliche Gebühr als zu hoch, 31 Prozent die Installation, 24 Prozent den Installationsaufwand. 16 Prozent haben Zweifel, ob der Wechsel reibungslos klappt und ob der Anschluss danach zuverlässig läuft.

Dazu kommt ein Punkt, der aus Nutzersicht oft wichtiger ist als jede Technikfrage: die Kundenerfahrung rund um Bau und Anschluss. Böcker sagt, er werde regelmäßig mit Fällen konfrontiert, in denen Kunden „vor drei Jahren unterschrieben haben und da ist nichts passiert“. Sein Urteil: „Das geht nicht.“ Er zieht einen Vergleich aus den USA: Dort sei nach 30 Tagen der Anschluss da. Unabhängig davon, ob dieser Maßstab hier realistisch ist, bleibt die Aussage klar: Wenn Anbieter Glasfaser als Premium verkaufen wollen, dürfen sie Kunden beim Anschluss nicht hängen lassen – und schon gar nicht ohne Information.

Wichtig ist aus Glasfaser-Betreibersicht, Kunden von den Vorteilen von Glasfaser zu überzeugen. Das sind nicht nur die hohen Datenraten im Up- und Downstream, sondern vor allem eine höhere Stabilität und Zuverlässigkeit sowie eine deutlich niedrigere Latenz. Denn die Netze, so heißt es aus der Branche, müssen heute gebaut werden, damit sie zur Verfügung stehen, wenn die hohen Datenraten wirklich gebraucht werden.

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