Kabel-TV: Anbieter schalten Hunderttausende Anschlüsse ab

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Seit dem Ende des Nebenkostenprivilegs im Kabel musst du dich selbst um deinen TV-Empfang kümmern. Jetzt zeigen aktuelle Zahlen, wie stark Kabelanbieter durchgreifen, wenn du kein Kabel-TV mehr gebucht hast.
Ein Schreiben von Vodafone an Kabel-TV-Nutzer
Ein Schreiben von Vodafone an Kabel-TV-NutzerBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Es sind nun schon mehr als 18 Monate vergangen, seit die radikale Änderung im Kabel-TV in Kraft trat: Das Nebenkostenprivileg, bei dem das Kabelfernsehen einfach über die Miete abgerechnet werden konnte, ist abgeschafft. Seitdem muss sich in der Regel jeder selbst um seinen Kabel-TV-Vertrag oder eine andere Empfangsart kümmern. Eine neue Erhebung der AGF Videoforschung zeigt, wie stark Kabelanbieter inzwischen durchgreifen, wenn sie kein Geld mehr bekommen. Die AGF macht aber auch deutlich, warum das TV-Signal mancherorts trotzdem noch ohne Vertrag anliegt.

Schwarzsehen wird seltener, aber es ist nicht komplett verschwunden

Laut AGF haben 74,4 Prozent der betroffenen Haushalte inzwischen einen neuen Kabelvertrag abgeschlossen. Das ist nur ein kleines Plus gegenüber der Vorwelle (72,4 Prozent). Dabei gilt es zu beachten: Die aktuell mitgeteilten Zahlen wurden im Sommer, also nur etwa ein Jahr nach der Abschaffung des Nebenkostenprivilegs, erhoben.

Interessant ist vor allem die Restgruppe ohne neuen Vertrag: 25,6 Prozent haben keinen neuen Kabelvertrag. Von ihnen können den Zahlen zufolge immer noch 33,4 Prozent trotzdem weiter Kabel-TV empfangen, ohne dafür zu zahlen. Das klingt nach viel. Doch ein halbes Jahr zuvor lag dieser Anteil bei 45,9 Prozent. Übersetzt heißt das: „Schwarzsehen“ über die Kabeldose wird deutlich schwieriger, ist aber eben nicht vollständig unterbunden. Dabei muss man berücksichtigen, dass die Kabelnetzbetreiber zur Abschaltung jedes einzelne Haus anfahren müssen. Bei einer vor allem in älteren Häusern üblichen Baumverkabelung müssen die Techniker zudem in der Regel Zugang zur Wohnung haben oder können alternativ nur ein ganzes Haus komplett abschalten. Auch Internet per Kabel kann bei der Abschaltung mitunter ein Hindernis sein. Auffällig: 52,6 Prozent der betroffenen Haushalte geben an, nach dem 1. Juli 2024 vom Kabelanbieter kontaktiert worden zu sein.

Internet-TV wird für viele zur Alternative

Parallel wächst der Anteil der TV-Haushalte mit internetbasiertem Empfang deutlich: 17,7 Prozent statt 11,3 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig verlieren klassische Wege wie Kabel (36,2 Prozent statt 40,0 Prozent), Satellit (43,4 Prozent statt 45,2 Prozent) und Antenne (2,8 Prozent statt 3,5 Prozent).

Was das für dich praktisch heißt

Wenn du bisher „einfach so“ über die Kabeldose fernsiehst und nicht dafür bezahlst, solltest du nicht damit rechnen, dass das so bleibt. Die Zahlen zeigen klar: Die Abschaltungen gehen weiter, die Lücken werden kleiner. Wer keinen Kabelvertrag will, wechselt häufiger die Empfangsart: 15,9 Prozent der betroffenen Haushalte haben sich eine neue Empfangsart zugelegt (zuvor 12,6 Prozent) – oft läuft das dann über IPTV und damit über das Internet.

Das Kabel-TV ist offenbar ohnehin nicht mehr das TV-Übertragungsmedium der Gegenwart. Sky hat angekündigt, seine Kabel-TV-Sender in den kommenden Wochen bis auf wenige Ausnahmen abzuschalten.

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