Strompreise auf Allzeithoch – So teuer ist Strom jetzt wirklich

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Die Preise für Strom und Gas sind höher als jemals zuvor. Was im Herbst begann und in das Aus von Stromio mündete ist nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine noch lange nicht vorbei. Die Preise für Strom und Gas werden in den kommenden Monaten weiter ansteigen.
Stromzähler
StromzählerBildquelle: Alex Yeung / Schutterstock

Zahlreiche regionale Grundversorger haben bereits Preiserhöhungen angekündigt. Ein Ende der Preisrallye sei nicht abzusehen, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt. Demnach sind die Strompreise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent gestiegen. Im April hätte die Strompreise ein neues Allzeithoch erreicht, teilte der Preisvergleicher jetzt mit. Zahlten Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) vor 12 Monaten noch durchschnittlich 1.171 Euro im Jahr für Strom, sind es derzeit 1.737 Euro.

Wichtig: Dabei geht es primär um die Kosten für Neukunden. Diese sind aber relevant, sobald der bisherige Stromversorger die Preise erhöht oder du als Kunde umziehst. Der Verivox-Verbraucherpreisindex berücksichtigt die Preise der örtlichen Grundversorger sowie die Neukundenpreise der wichtigsten überregionalen Versorger.

„Die Großhandelspreise für die Stromversorger haben sich binnen Jahresfrist mehr als verdreifacht“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Die Abschaffung der EEG-Umlage zur Mitte des Jahres wird angesichts dieser Entwicklung den Anstieg der Stromkosten für die Haushalte nur leicht abmildern.“ Nach Angaben des Preisvergleichers haben die Grundversorger für Strom seit Jahresbeginn ihre Tarife in 496 Fällen erhöht. In den kommenden Wochen steigen die Preise weiter: Für die Monate April, Mai und Juni kommen 166 Preiserhöhungen hinzu – um durchschnittlich 19,5 Prozent. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden hat dadurch Mehrkosten von rund 235 Euro im Jahr. In den von Erhöhungen betroffenen Grundversorgungsgebieten liegen rund 13 Millionen Haushalte. Grundversorger sind jene Stromanbieter, die automatisch Strom liefern, sobald du eine Wohnung beziehst und keinen Stromanbieter beauftragst. Der Grundversorger springt auch über Nacht ein, wenn dein bisheriger Anbieter pleite geht oder die Lieferung einstellt.

Gaspreise mehr als verdoppelt

Noch deutlicher sei die Entwicklung bei den Gaspreisen. Zahlte eine Familie mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh im April 2021 noch 1.184 Euro im Jahr, sind es aktuell durchschnittlich 2.787 Euro. Das ist ein Anstieg um 135 Prozent.

Bereits seit Jahresbeginn gab es flächendeckende Gaspreiserhöhungen und dieser Trend setzt sich nun fort: Für April, Mai, Juni und Juli wurden 118 Gaspreiserhöhungen der Grundversorger angekündigt – um durchschnittlich 42,3 Prozent. Mehr als sieben Millionen Haushalte liegen in den von Erhöhungen betroffenen Gebieten. Die Mehrkosten belaufen sich bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden auf 739 Euro.

„Alle Gasanbieter in Deutschland haben mit historisch hohen Einkaufspreisen zu kämpfen. Der Krieg in der Ukraine und ein möglicher Gas-Lieferstopp verschärft die Situation noch zusätzlich. Daher müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher auch in den kommenden Monaten auf weiter steigende Preise einstellen,“ sagt Thorsten Storck.

Steigende Strompreise & Gaspreise: So kannst du sparen

Die Politik ruft auch angesichts des drohenden Gas-Embargos zum Sparen in Sachen Energie auf. Jeder Einzelne könne seinen Betrag dazu leisten. Wirtschaftsminister Habeck sagte dazu vor einigen Wochen wörtlich: Jede Kilowattstunde zählt.

Einige Tipps, wie du gleich mehrere Kilowattstunden Strom sparen kannst, haben wir dir in einem Ratgeber zusammengestellt.

Sparen kannst du unter Umständen auch, wenn du deinen Stromanbieter wechselst. Je nachdem, wie dein aktueller Preis ist, lohnt sich der Wechsel – oder eben auch nicht. Stromwechselservice-Anbieter wie remind.me unterstützen dich dabei.

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4 KOMMENTARE

  1. Karsten Frei

    Es wird halt wieder umverteilt.
    Preise steigen, danach steigen die Löhne und irgendwann, pendelt sich das ganze ein.
    Jeder soll selbst entscheiden, will er in einem hoch entwickelten Land leben, oder doch lieber ein Mal pro Woche duschen und an restlichen Tagen nur drei Teile seines Körpers waschen, wie es die Blöd-Zeitung vorschlägt.
    Die Menschen haben Grün gewählt, jetzt kommt die Rechnung dafür.
    Muss ist eine harte Nuss. Wer A sagt, muß auch B sagen.

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    • Thomas pavicsits

      Wer hat dreissig jahre die energiewende verschleppt? Jetzt müssens die grünen ausbaden! Nachdenken!

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  2. Paul

    Super, ganz toll, großes Lob an die Politik in DE und EU. Bin im Februar in eine Altbau-Wohnung gezogen und zahle monatlich über 300€ für Erdgas; beim Vormieter waren es noch 100€. Nein, Putin oder der Ukraine-Konflikt sind nicht dran Schuld (die sind lediglich das i-Tüpfelchen); die Preise waren bereits zum Jahreswechsel extrem gestiegen.

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  3. PV verrückter

    Wenn für Herrn Habeck tatsächlich jede kWh zählen würde, dann würde er dringend dafür sorgen, dass ich meinen Strom diskriminierungsfrei (wie von der EU längst beschlossen und zur Umsetzung in Nationales Recht aufgefordert) mittels (z.B.) PV-Anlage erzeugen kann. Statt dessen droht mir als Anlagenbauer Bürokratie und Kosten. Somit kann man nur attestieren: auch Herr Habeck von den Grünen ist vor allem der Wirtschaftslobby verpflichtet, denn die haben im Osterpaket eine höhere Einspeisevergütung für Volleinspeisungsanlagen bekommen, während ich, der vor allem Auf Eigennutzung und gar nicht mal auf Überschusseinspeisung abziehlt, noch Umsatzsteuer auf selbsterzeugten Strom zahlen muss und eine Einspeisevergütung unter den Erzeugungskosten bekommen würde und dafür Messeinrichtungen (und den dafür nötigen Umbau) bezahlen muss.

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