Neuer Shopping-Trend ausprobiert – davon rate ich ab

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Der Black Friday steht kurz bevor. Doch wie finde ich die besten Schnäppchen? Um das herauszufinden, habe ich eine neue und bereits beliebte Methode getestet. Das hätte mich beinahe viel Geld gekostet.
Hand hält Handy, andere zeigt Daumen nach unten
Dieser neue Shopping-Trend ist nicht zu empfehlen. Ich habe ihn selbst getestet.Bildquelle: Marie Gimborn/inside digital

Der Black Friday steht bald an und ich würde gerne ein paar gute Schnäppchen schlagen dieses Jahr. Darum habe ich eine neue und beliebte Methode ausprobiert, um wirkliche Deals zu entdecken. Dieser Versuch ging allerdings so richtig schief. Fast hätte ich für eine Heißluftfritteuse 60 Euro zu viel ausgegeben. Was du aus meinen Fehlern lernen kannst.

Der Selbsttest: Ich lasse KI Angebote finden

Laut einem aktuellen YouGov-Report wollen immer mehr Deutsche zum Black Friday KI nutzen, um die richtigen Schnäppchen für sich zu finden. Jeder Zweite plant das auch in diesem Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser Anteil bereits mehr als verdoppelt (von 23 Prozent). Es handelt sich offenbar um eine beliebte Methode, echte Angebote zu finden. Das möchte ich unbedingt auch einmal ausprobieren.

Für den Test habe ich mir ein Beispielprodukt aus der Kategorie Airfryer herausgesucht: eine Doppelkorb-Heißluftfritteuse von Ninja. Zunächst habe ich die drei Chatbots gefragt, ob das Produkt für 119 Euro (zuletzt bei Lidl im Angebot, Stand 17. Oktober) ein gutes Angebot wäre. Später habe ich sie direkt angewiesen, mir den besten Deal herauszusuchen. Die Antworten habe ich dann jeweils mithilfe von Vergleichsportalen wie Geizhals und guenstiger.de gegengecheckt und auch über die Händlerwebseiten selbst überprüft. Nachfolgend findest du die Ergebnisse je nach KI-Modell und >> hier den passenden Deal-Artikel zur Ninja-Heißluftfritteuse.

ChatGPT

Auf die erste Frage „Sind 119 Euro für die Doppelzonen-Heißluftfritteuse DZ300EU von Ninja ein guter Preis?“ hat ChatGPT sofort mit Ja geantwortet. Ein „richtig guter Preis“ für ein neues Gerät bei einem seriösen Händler, räumt die KI jedoch kurz ein und verweist noch auf mögliche Versandkosten oder Unterschiede bei der Gewährleistung bei den verschiedenen Händlern. Der aktuelle Preisvergleich läge bei 114 bis 119 Euro, bei den meisten Händlern sei die Heißluftfritteuse jedoch für 130 bis 140 Euro im Angebot.

Ein Angebot für 114 Euro kann ich im Preisvergleich jedoch nirgends finden, nur die 119 Euro von Lidl, auf die mich ChatGPT allerdings nicht hinweist. Weitere teurere Angebote bei eBay oder SharkNinja werden allerdings korrekt ausgepreist. Auch wird ein altes Angebot von 110 Euro erwähnt, das es laut guenstiger.de auch wirklich gab (21. September). Das hilft dabei, die aktuellen Preise einzuordnen. Es gibt auch ein Fazit: „Für 119 € neu ist die Ninja eine gute Wahl, gerade wenn du regelmäßig für zwei oder mehr Personen kochst.“

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Im zweiten Schritt habe ich dann den Prompt geändert, um konkrete Angebote mit Links zu erhalten. „Zeige mir das beste Angebot für die Doppelzonen-Heißluftfritteuse DZ300EU von Ninja.“ Jetzt weist ChatGPT auch auf das Lidl-Angebot hin und auch auf Euronics, nennt hier aber einen viel zu günstigen Preis (129 Euro statt 189,99 Euro). Dann erwähnt die KI noch ein günstigeres Angebot aus der Vergangenheit von 99,99 Euro. Dieses galt zuletzt im Januar 2026. „Darauf zu warten lohnt sich nur, wenn du es nicht eilig hast“, empfiehlt der Chatbot.

Gemini

Google Gemini geht noch etwas weiter als ChatGPT und bezeichnet das Angebot von 119 Euro für den Ninja-Airfryer als „hervorragenden Preis“ und als „aktuellen Tiefstpreis“ mit Verweis auf die UVP. Die ist allerdings wenig ausschlaggebend, da die Heißluftfritteuse bereits seit Monaten weit unter der UVP von 199,99 Euro angeboten wird. Gemini zieht den Vergleich, dass das Gerät im regulären Handel zurzeit zwischen 135 und 170 Euro angeboten würde. Das stellt sich aber schnell als etwas hoch heraus. Somit erscheint jedes Angebot darunter gleich als guter Deal.

Im Gegensatz zu ChatGPT verlinkt Gemini schon bei der ersten Anfrage auf das Lidl-Angebot, dafür aber auf keine alternativen Angebote. Die KI fragt nur, ob mir die Größe des Airfryers reicht oder ich alternativ ein größeres Modell von Ninja möchte. Erst beim zweiten Prompt erhalte ich weitere Preise zum Vergleich. Diese sind allerdings überwiegend falsch. Die 119 Euro plus Versandkosten bei Lidl stimmen, bei Expert kostet das Gerät aber nicht 119 Euro, sondern 139 Euro plus Versand und ist damit nicht günstiger als Lidl (wie Gemini fälschlicherweise anpreist).

Claude

Claude ist als einziger Chatbot nicht begeistert von dem Preis. „Kein Knaller“, sagt die KI und analysiert, dass es sich dabei um den normalen Marktpreis handele. Wie bereits gesehen, war die Heißluftfritteuse in den vergangenen Monaten tatsächlich das ein oder andere Mal günstiger als jetzt. Das 99-Euro-Ebay-Angebot Anfang des Jahres sei allerdings schnell ausverkauft gewesen, räumt Claude ein. Der Chatbot könne allerdings nicht den vollständigen Preisverlauf abrufen und weist daher auf Lücken bei der Angebotsauswahl hin.

Aber auch Claude macht Fehler und gibt an, das Angebot bei Expert sei dank kostenlosem Versand noch günstiger als bei Lidl. Allerdings liegt der Verkaufspreis laut Händlerwebseite höher und die Versandkosten kommen noch hinzu. Die weiteren Angebote sind jedoch korrekt ausgepreist. Claude betont sogar, den Lidl-Preis aktuell heute auf der Seite des Discounters nachgesehen zu haben. Beim zweiten Prompt ändert Claude dann plötzlich den Expert-Preis und hebt ihn an (immer noch zehn Euro zu niedrig), dafür werden jetzt jedoch die Versandkosten aufgeführt.

So habe ich ChatGPT & Co. auflaufen lassen

Dieser kurze Test zeigt bereits, dass ChatGPT, Gemini und Claude mit den Preisen oft daneben liegen, unvollständige Preisverläufe analysieren und Deals daher nicht sicher einordnen können. Wirklich schwierig wird es allerdings für die Chatbots, wenn Angebote bereits online vergriffen sind. Das habe ich bei einem weiteren Testlauf mit dem Modell SL300EU von Ninja ausprobiert, einer Stacked-Doppelkorb-Heißluftfritteuse. Das Gerät ist für den günstigsten Preis von 119 Euro bei Lidl bereits seit Tagen ausverkauft.

ChatGPT hat das beste Angebot auf lidl.de identifiziert, jedoch nicht erwähnt, dass das Gerät dort bereits ausverkauft ist. Zudem verlinkt die KI nur auf die Homepage von Lidl, nicht direkt auf den Artikel. Dazu schreibt ChatGPT lediglich: „Prüfe vor dem Bezahlen, ob das Modell tatsächlich lieferbar ist.“ Andere alternative Angebote von MediaMarkt sind teils falsch ausgepreist. Ähnlich sieht es bei Gemini aus, nur dass der Chatbot Lidl nicht einmal erwähnt und mit den Preisen teils ganze 50 Euro daneben liegt. Nur Claude schreibt: „Eine passende Produktseite bei Lidl habe ich aber nicht gefunden.“ Zwar erwähnt die KI das Angebot, rät jedoch, es noch einmal selbst zu überprüfen. Die nächstbesten Angebote bei eBay und Amazon (129 Euro) hat Claude richtig identifiziert.

Update vom 23. Oktober: Mittlerweile ist auch die Doppelzonen-Heißluftfritteuse DZ300EU von Ninja auf lidl.de ausverkauft. Und trotzdem hat mir ChatGPT das Angebot für 119 Euro angezeigt. Erst auf Nachfrage gesteht die KI, dass es bei Lidl bereits ausverkauft ist. Ansonsten weist es mich nur auf Vergleichsportale und nicht auf konkrete Händler hin. Und auf weitere Nachfrage spuckt es mir ein Amazon-Angebot für 119 Euro aus, das es auch nicht gibt.

KI als Shopping-Assistent – warum das keine gute Idee ist

Doch wenn die KI oft dermaßen daneben liegt, warum wollen sie dann so viele für die Schnäppchenjagd nutzen? Laut der eingangs erwähnten Studie, trauen sich einfach viele nicht zu, echte Angebote von vermeintlichen Preisnachlässen zu unterscheiden oder den besten Deal zu finden. 66 Prozent bauen darauf, dass KI das kann, und vertrauen ihr damit mehr als Kundenbewertungen oder Online-Communitys (63 Prozent). Am meisten wollen die Befragten ChatGPT nutzen (56 Prozent), weniger Google Gemini (41 Prozent) oder Claude (elf Prozent).

Falls du noch einen Grund dafür brauchst, warum das keine gute Idee ist – hier ein Zitat aus der Studie von Christian Koch, Senior Consultant bei YouGov. „Für Marken und Händler eröffnet das neue Chancen, Konsumenten während ihrer Kaufentscheidung gezielt zu erreichen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Marken dürften sich daher vermehrt dafür interessieren, während der Angebotstage in KI-Empfehlungen sichtbar zu sein. So könnten sie die Kaufentscheidungen derer beeinflussen, die KI zum Identifizieren von Schnäppchen nutzen. Trifft das ein, fliegst du gleich doppelt mit ChatGPT und Co. auf die Nase.

Fazit: Vertraue KI nicht blind beim Kauf

Mein Test zeigt: ChatGPT, Gemini und Claude finden dir in Sekunden einen Überblick über die aktuellen Angebote. Verlassen kannst du dich darauf aber nicht. Alle drei Chatbots haben falsche Preise genannt, Versandkosten unterschlagen, auf bereits ausverkaufte Deals verwiesen und so Angebote günstiger dargestellt, als sie sind. Die Chatbots stützen sich oft auf Preisvergleichsseiten, anstatt direkt auf den Webseiten der Händler nach dem aktuellen Preis zu suchen. Zudem erhält man unterschiedliche Ergebnisse je nach Formulierung des Promptes.

Ich würde KI zum Black Friday daher nur als ersten Wegweiser empfehlen. Bevor du kaufst, solltest du drei Dinge selbst prüfen: Preisverlauf, Preis beim Händler und Verfügbarkeit. Das dauert ein paar Minuten länger, schützt dich aber vor vermeintlichen Schnäppchen, die keine sind. Es gilt nach wie vor im Umgang mit KI, stets alles selbst zu überprüfen und nicht blind der künstlichen Intelligenz zu vertrauen.

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