„Am Ende werden alle Kabelnetze überbaut, alles wird irgendwann Glasfaser sein“, stellt Sven Baus von Teleste gleich zu Beginn seines Vortrags auf dem FRK-Breitbandkongress in Leipzig in dieser Woche klar. Teleste gilt als Ausrüster der Kabelnetzbetreiber. Doch dabei geht es nicht um einen Zeitraum von fünf oder zehn Jahren. Auch ist das Ende des Kabels weniger ein technisches als ein strategisches Thema. Teleste beobachtet aktuell drei Szenarien, die Baus genau definierte.
Kabelnetzbetreiber haben unterschiedliche Strategien
So gibt es die aggressiven Überbauer, etwa in Frankreich, Spanien oder Großbritannien. Sie wollen bis 2030 alle Koaxialnetze durch Glasfaser ersetzen. Der Vorteil: Die in diesen Ländern übliche oberirdische Verlegung senkt die Kosten. Diese Strategie verlangt aber Tempo und Risikobereitschaft. Denn wer seine Kunden zu schnell zwingt, auf Glasfaser umzusteigen, riskiert Fluktuation. „Wenn man da schlafende Hunde weckt, schauen sich die Kunden schnell nach anderen Anbietern um.“
Zweitens gibt es die mittelschnellen Überbauer, etwa in Skandinavien. Sie setzen noch bis 2035 oder länger auf DOCSIS, investieren aber nur dort in Glasfaser, wo kein Koax-Netz existiert. Ihre Devise: „So lange wie nötig, nicht so lange wie möglich.“ DOCSIS ist der verwendete Übertragungsstandard beim Internet per Kabel. Aktuell kommt in aller Regel DOCSIS 3.1 zum Einsatz. Mit DOCSIS 4.0 wären weitaus höhere Datenraten möglich, allerdings erfordert das massive Investitionen in die Netze.
Drittens gibt es Netzbetreiber, die klar auf DOCSIS setzen, etwa in den Benelux-Ländern, Österreich oder der Schweiz. „In DOCSIS we trust“ lautet hier die Haltung. Diese Betreiber investieren weiter in ihre Kabelnetze und wollen aktiv mit der Glasfaser konkurrieren. Hier wird dann auch DOCSIS 4.0 eingesetzt.
DOCSIS-Experten werden rar
Baus macht deutlich, dass DOCSIS-Netze nicht automatisch zum Auslaufmodell werden. „DOCSIS ist nach wie vor eine technisch und kommerziell wettbewerbsfähige Wahl.“ Voraussetzung sei aber, dass Netzstabilität und Servicequalität stimmen. Die Herausforderung: Es fehlt an Nachwuchs. „DOCSIS-Expertise wird seltener“, sagt Baus. An Universitäten finde sich kaum noch technischer Nachwuchs für die Technik.
Das heißt aber nicht, dass die Technik nicht weiterentwickelt wird. Im Gegenteil: Baus spricht von DOCSIS 4.0, 1,8-GHz-Verstärkern und sogar von „DOCSIS auf Steroiden“. Besonders in Nordamerika, dem Taktgeber der Branche, entstehen neue Standards. Dort, so Baus, wolle man die Kabelinfrastruktur „bis zum bitteren Ende“ ausreizen.
Der entscheidende Unterschied zur Glasfaser sei nicht die Bandbreite. „Es gibt heute keine Killerapplikation, die Glasfaser zwingend notwendig macht.“ Vielmehr komme es auf stabile Netze, intelligente Analysewerkzeuge und guten Kundendienst an. „Zufriedene Kunden wechseln nicht. Nicht ohne technische Notwendigkeit.“
Was passiert bei Vodafone und Tele Columbus
Abhängig vom gewählten Szenario variieren auch die Investitionen. Wer aggressiv überbauen will, muss sein bestehendes Netz nur noch warten und hoffen, dass die Technik durchhält, bis alle Kunden Glasfaser nutzen. Wer sich mehr Zeit lässt, muss investieren und gleichzeitig Glasfasernetze ausbauen. Und wer DOCSIS langfristig nutzen will, muss Netzintelligenz und Wartung auf ein neues Level heben.
Die Erkenntnis: Kabelnetze haben durchaus eine Zukunft – wenn man sie richtig betreibt. Glasfaser mag das Ziel sein, doch der Weg dorthin ist nicht alternativlos. Und wie sieht es in Deutschland aus? Baus ordnet Vodafone eher als „ambitionierten“ denn als konsequenten Überbauer ein. „Man möchte gerne ein aggressiver Überbauer sein“, formuliert er diplomatisch. Die Pläne für einen schnellen Glasfaser-Umstieg seien durch Partnerschaften wie mit Altice zwar formuliert, aber nicht stringent umgesetzt. Zusammen mit Altice hat Vodafone das Joint Venture OXG gegründet, das bis zu sieben Millionen Haushalte in Deutschland mit Glasfaser erreichen will. Vodafone selbst erreicht aber weit über 20 Millionen Haushalte.
Noch deutlicher ist die Lage bei Tele Columbus: Dort wollte man einst zum „Hyperchampion“ werden, musste diesen Kurs aber wegen fehlender Investitionen aufgeben, wie ein Mitarbeiter des Unternehmens berichtet. Die neue Strategie zielt nun darauf ab, mit dem vorhandenen Kabelnetz kostendeckend zu arbeiten. DOCSIS 4.0 in Deutschland wird es also wohl nicht geben. Zumindest zum Marktführer Vodafone war zu vernehmen, dass hier aktuell Ausschreibungen laufen, das Bestandsnetz auf Basis von DOCSIS 3.1 weiter auszubauen.

Ich habe mal Internet über Kabel und ich möchte es nie wieder haben.
Das war der größte Albtraum, stark schwankende Leistung, Ausfälle ohne ende, dass hatte ich mit Internet aus der Telefondose nie, seit 3 Jahren habe ich Glasfaser und bin begeistert.
Das liegt aber bestimmt auch am Wohnort und am Haus in dem man wohnt.
Habe seit 15 Jahren Internet über Kabel und bis auf 2-3 Ausfälle nie Probleme.
bei mir ist es genau andersrum,ich hatte früher über Telefonleitung und hatte nur Probleme ,nun bin ich seit fast 20 Jahren treuer überzeugter Kabelkunde.Derzeit Gigabit Anschluss mit realen 850-1100 Mbit je nach Auslastung und Ausfall ist bisher in all den Jahren nur wegen Verteilerhausbrand und Stromausfall gewesen, also nix wofür der Anbieter etwas kann und das für 39,99€ im Monat, für mich gibt es kein Grund zum überteuerten Glasfaser zu wechseln.
Ich habe hier zu Hause einen stabilen Kabelanschluss von VF mit 1 GBit für 45 € im Monat, der ohne Schwankungen stets volle Geschwindigkeit liefert. Trotzdem geben sich die Vertreter für Glasfaser (zuletzt Telekom) meine Türklinke in die Hand. Mit Ausnahme des schnelleren Uploads sehe ich derzeit und auch für nächsten ~5 Jahre keine nennswerten Vorteile für Glasfaser, zumal ein gleichschneller Anschluss deutlich teurer wäre.
Dennoch verunsichern mich die Planungen bzgl. DOCSIS in Deutschland und die Frage, ob ich dann – wenn das in 5…10 Jahren zu Ende geht – weiterhin schnell und unproblematisch auf Glasfaser wechseln kann.
Am liebsten wäre es mir, wenn ich den Anschluss auf eigene Kosten schon einmal legen lassen könnte – erstmal ohne Vertrag und als „Zukunftsinvestition“ für das eigene Haus. Leider bietet das kein Anbieter an – da geht nichts ohne (teuren) Vertrag.
Zudem besteht noch die Gefahr, dass ich mit einem Anbieter-/Anschlusswechsel mein „Anrecht“ auf eine öffentliche IPv4 Adresse verliere.
(Im Haus liegen übrigens schon so 2 leere durchsichtige Plastikrohre von außen – das scheint eine Art Vorbereitung für Glasfaser zu sein?)
In Cottbus am Dienstwohnsitz unter der Woche hab ich via Vodafone DSL 250 mit stets mehr, bis zu 285 Mbit/s für 45€ mit Festnetzflat, an meinem ländlichen Hauptwohnsitz kosten 50 Mbit/s von der Telekom mit Festnetzflat für 2 Leitungen schon 40€, Glasfaser ist beauftragt, kostet gleiches Geld und bringt dann 200 Mbit/s aufs Land mit 2 Festnetz-Leitungen und kann für maximal 70€ auf 1 Gbit/s erhöht werden… alles nicht teurer, als DSL und auf dem Lande wohl die bessere Wahl… Zumal Ausbau 2 Hausanschlüsse auf einem Vierseitenhof mit Fördermitteln ohne Kosten für mich… spart bis zu 3.000€ mal 2…