Samsung Galaxy Note 20 Ultra im Test: Gut, aber nicht gut genug

7 Minuten
Ist das Galaxy Note 20 Ultra das beste Smartphone, dass Samsung je in den Handel gebracht hat? Mit einem Preis von gut 1.200 Euro ist es zumindest das teuerste Modell der Koreaner. Im Test werden zwei Schwächen deutlich.
Samsung Galaxy Note 20 Ultra
Samsung Galaxy Note 20 UltraBildquelle: Blasius Kawalkowski

Seit August 2020 ist das Samsung Galaxy Note 20 Ultra im Handel erhältlich. Handynutzer haben bislang noch kein deutliches Interesse an dem High-End-Smartphone gezeigt. So ist es etwa in unserer Liste der 25 beliebtesten Smartphones nicht vorhanden. Und auch bei Amazon, dem hierzulande größten Onlineshop, sind bislang vergleichsweise nur wenige Bewertungen aufgelaufen. Trotzdem ist das Handy Samsungs neue Aushängeschild im Smartphone-Segment. Ist der extrem hohe Preis aber gerechtfertigt? Nein, wie sich im Test herausgestellt hat.

Die Hardware des Galaxy Note 20 Ultra im Test

Wirft man einen kurzen Blick auf die Eckdaten des Galaxy Note 20 Ultra wird schnell deutlich: In nahezu jeder Hinsicht gehört das Smartphone zur Spitzenklasse. Ob der 12 GB große Arbeitsspeicher, das riesige 6,9-Zoll-Display mit Super-AMOLED-Plus-Technologie und 120 Hz oder die Kameraausstattung mit drei Brennweiten: Kaum ein anderes Smartphone kann dem neuen Note das Wasser reichen. Doch eines verärgert die Nutzer hierzulande.

Während das Gerät in Südkorea, den USA und in anderen Ländern mit dem pfeilschnellen Snapdragon 865+ erhältlich ist, können Nutzer hierzulande nur die Version mit dem hauseigenen Exynos 990 kaufen. Zwar ist der Prozessor keine lahme Krücke, dennoch ist er bei Weitem nicht so schnell wie das Pendant von Qualcomm. Und das hat auch Auswirkungen auf die Akkulaufzeit. Doch dazu gleich mehr.

Samsung Galaxy Note 20 Ultra
Samsung Galaxy Note 20 Ultra
Software Android 10
Prozessor Exynos 990
Display 6,9 Zoll, 3.088 x 1.440 Pixel
Arbeitsspeicher 12 GB
interner Speicher 512 GB
Hauptkamera 12032x9024 (108,6 Megapixel)
Akku 4.500 mAh
induktives Laden
USB-Port
IP-Zertifizierung (kein Schutz)
Gewicht 208 g
Farbe
Einführungspreis 1.299 €
Marktstart 21. August 2020

Zur weiteren technischen Ausstattung gehören Bluetooth 5.2, USB 3.2 und ein 4.500-mAh-Akku mit Schnellladetechnologie. Es gibt jedoch auch Merkmale, die fehlen. So gibt es weder Klinkenanschluss noch eine Benachrichtigungs-LED. In Zeiten von Always-On-Displays und kabellosen Kopfhörern sind die Kritikpunkte für viele aber wohl zu verschmerzen. Nachfolgend die Hardware-Wertungen im Einzelnen:

  • Gehäuse: 4 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 4,5 von 5 Sternen
  • Software: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 4 von 5 Sterne

→ Gesamtwertung: 4,5 von 5 Sternen

Das Design

Zwar hat Samsung das Design des Galaxy Note 20 Ultra gegenüber dem Vorgängermodell aufgefrischt. Dennoch ist der Note-Look vorhanden und unverwechselbar. Insbesondere die kantigeren und somit markanteren Ecken grenzen das Note-Modell von der S-Serie ab. Zudem hat Samsung den Kamerabereich auf der Rückseite verändert. Er ist zwar ebenfalls sehr dominant und ragt ein gutes Stück aus dem Gehäuse hervor, wirkt aber nicht so monströs wie beim Galaxy S20 Ultra.

Zudem geht der südkoreanische Hersteller den Trend mit und bietet das Note 20 Ultra mit einer matten Rückseite aus Glas an. Damit liegt das Handy deutlich samtiger in der Hand. Zudem ergibt sich der Vorteil, dass Fingerabdrücke nicht so deutlich zum Vorschein kommen, wie bei einer glänzenden Glasabdeckung.

Es gibt aber auch Nachteile: Mit 208 Gramm ist das Smartphone nicht gerade ein Leichtgewicht. Zudem hat Samsung den Schacht für den Bedienstift von der rechten auf die linke Seite verlagert. Das spielt zwar Linkshändern in die Karten. Wer aber mit der rechten Hand auf dem Display schreibt, für den ist das ein Nachteil, da der S-Pen immer am Handballen der linken Hand vorbeimuss.

Die Kameraausstattung: Tschüss, Space Zoom

Was als Erstes auffällt: Während Samsung beim Galaxy S20 Ultra den 100-fach Space Zoom in den Vordergrund gestellt hat, ist der Schriftzug beim Note-Modell nicht vorhanden. Die Erklärung dafür ist einfach: Das Note 20 Ultra verfügt maximal über einen 50-fach Zoom. Offenbar war der Space Zoom des Galaxy S20 Ultra nicht nur in unserem Test eine herbe Enttäuschung, sondern auch bei Samsung selbst, weshalb man beim Note 20 Ultra darauf verzichtet hat. Die übrige Kameraausstattung ist aber sehr ähnlich und setzt sich wie folgt zusammen:

  • Ultraweitwinkel: 12 Megapixel, f/2.2
  • Weitwinkel: 108 Megapixel, f/1.8, OIS
  • Teleobjektiv: 12 Megapixel, f/3.0
  • Frontkamera: 10 Megapixel, f/2.2
  • 5-fach optischer Zoom, digitaler Zoom bis zu 50-fach
  • Laser-Autofokus

Wie aber macht sich diese Kameraausstattung in der Praxis? Zunächst einmal: Auch wenn das Galaxy Note 20 Ultra „nur“ einen 50-fach Zoom und keinen Space Zoom hat – die Fotos sehen auch mit der Hälfte des digitalen Zooms nicht besonders gut aus. Selbst bei viel Licht erscheint das Motiv am Ende zwar großflächig auf dem Display. Die Bildqualität ist aber unterirdisch. Ein Beispiel:

Der 50-fach-Zoom des Samsung Galaxy Note 20 Ultra überzeugt ganz und gar nicht
Der 50-fach-Zoom des Samsung Galaxy Note 20 Ultra überzeugt ganz und gar nicht

Mit dem 20-fachem Digitalzoom steigt die Qualität zwar. Jedoch musst du wissen, dass das Ergebnis, das du mit dem Digitalzoom erreichst, nahezu dem entspricht, was du allein mit der Telekamera ohne Zoom bekommst, wenn du anschließend auf dem Smartphone-Display hineinzoomst. Kurz: Ein Foto mit dem Teleobjektiv und 5-fachem optischem Zoom genügt. Alle Zoomstufen darüber hinaus holen zwar das Motiv näher heran, aber eben nur digital, was zulasten der Bildqualität geht.

Kamera kann nicht vollends überzeugen

Mit der Telekamera macht man, auch ohne Digitalzoom, keine wirklich erstaunlichen aufnahmen. Selbst bei Sonnenschein fehlt die Schärfe im Detail. Wechselt man von Draußen nach Drinnen und fotografiert bei Tageslicht in Innenräumen, gesellt sich schnell noch mehr Unschärfe und Rauschen dazu. Nahaufnahmen hingegen überzeugen, wenn man das Galaxy Note 20 Ultra sehr ruhig in der Hand halten kann.

Mit der Hauptkamera erzielt man eindeutig bessere Ergebnisse. Die Ultraweitwinkelkamera hingegen reagiert wie das Teleobjektiv und bringt schnell Rauschen und Körnung ins Bild. Wer sich gerne selbst porträtiert, der kann mit der Frontkamera gute, scharfe und farbtreue Selfie machen.

Sound

Ob Galaxy S9, S20 Plus oder Galaxy Note 20 Ultra: Der Klang der Lautsprecher nahezu aller Top-Modelle von Samsung ist hervorragend. Beim Note kommt der Ton aus zwei Lautsprechern, die selbst bei hoher Lautstärke einen guten Klang liefern.

Einer der beiden Lautsprecher des Samsung Galaxy Note 20 Ultra befindet sich an der unteren Kante
Einer der beiden Lautsprecher des Samsung Galaxy Note 20 Ultra befindet sich an der unteren Kante

Leistung

Auch wenn Samsung beim Galaxy Note 20 Ultra hierzulande erneut auf den eigenen Exynos-Prozessor setzt, liefert dieser eine gute Leistung. Zwar wird das Gerät beim Fotografieren und Filmen merklich warm. Hinsichtlich der Performance gibt es im Alltag aber keine Probleme. Mit Spitzenmodelle anderer Hersteller, die auf Qualcomm-Chips setzen, kann das Note 20 Ultra aber nicht mithalten.

In unserem Test mit dem Benchmark-Tool von AnTuTu erreichte das Smartphone 532.737 Punkte. Sowohl das Oppo Find X2 Pro, als auch das OnePlus 8 Pro sowie das Asus ROG Phone 3 kommen im gleichen Test auf über 600.000 Punkte. Wenig überraschend: Diesen Spitzenwert erreicht auch das Galaxy Note 20 Ultra mit dem Qualcomm-Prozessor Snapdragon 865+. Jedoch ist diese Version den Amerikanern und Koreanern vorbehalten.

Akkulaufzeit

Auffällig ist der hohe Stromverbrauch im Standby-Modus des Galaxy Note 20 Ultra. Man kann beinahe dabei zusehen, wie die Kapazität schwindet. Der Benchmark-Test bestätigt unsere Beobachtungen hinsichtlich einer eher schwachen Performance. Mit einer durchschnittlichen Akkulaufzeit von 8,38 Stunden rangiert das Spitzenmodell von Samsung derzeit nur auf Platz 12. Das Huawei P40 Pro kommt im gleichen Test auf sechseinhalb Stunden mehr. Und selbst das iPhone 11 Pro, dessen Akku rund 1.500 mAh weniger aufweist, erreicht eine Laufzeit von 11,81 Stunden.

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Fazit

Mit dem Galaxy Note 20 Ultra liefert Samsung ein Smartphone das gut, aber nicht gut genug ist. Ob hinsichtlich der Akkulaufzeit, bei der Performance oder der Kamera: In nahezu allen Kategorien gibt es alternative Modelle der Spitzenklasse, die besser abschneiden. Dementsprechend fehlen dem Galaxy Note 20 Ultra am Ende zehn Prozent, um alle fünf Sterne einsacken zu können.

Der Schuldige ist schnell ausgemacht und heißt: Exynos 990. Ein Schlag ins Gesicht der deutschen Käufer ist zudem, dass Samsung das Galaxy Note 20 Ultra auf dem Heimatmarkt in Korea mit dem Snapdragon 865+ verkauft.

Auch im Detail finden sich hier und da Ungereimtheiten. Der Stift etwa, der auf die andere Seite wandert, ist für Rechtshänder weniger praktisch. Auch die extrem aus dem Gehäuse herausragende Kamera sieht nicht nur wuchtig aus, sie macht das Smartphone an dieser Stelle auch deutlich dicker als ein Zentimeter. Zu allem Übel ist das Handy schwer wie kaum ein anderes.

Überzeugen hingegen können Display und Lautsprecher. Wer auf einen Bedienstift, den Samsung im Detail verbessert hat, nicht verzichten will, der kommt am Galaxy Note 20 Ultra kaum vorbei.

Pro

  • Brillantes Display mit 120-Hz-Technologie
  • Toller Klang der Lautsprecher
  • USB 3.2

Contra

  • Akkulaufzeit könnte besser sein
  • Schwer und groß
  • Kameraausstattung kann nicht vollends überzeugen

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