Nokia 1.3 im ersten Test: „So viel mehr“ ist da nicht

5 Minuten
Das neueste Einsteiger-Smartphone von Nokia wurde wenig überraschend auf den Namen Nokia 1.3 getauft. Laut Hersteller soll das Handy nicht nur leistungsstark und solide verarbeitet, sondern auch mutiger sein – was auch immer das bedeuten mag. Wir haben das Smartphone unter die Lupe genommen und verraten dir, ob das Nokia 1.3 seiner Werbebeschreibung gerecht wird.
Das Smartphone Nokia 1.3
Nokia 1.3 im TestBildquelle:

Das nagelneue Nokia 1.3 bietet einen großen Vorteil, bei dem sogar High-End-Giganten wie das Samsung Galaxy S20 oder das Huawei P40 nicht mithalten können: Es verfügt über einen auswechselbaren Akku. Somit ist die potenzielle Lebensdauer des Smartphones sehr viel größer als die der Konkurrenz – inklusive der aus dem Hause Apple. Allerdings fiel dem austauschbaren Akku (3.000 mAh) ein anderes nützliches Feature zum Opfer.

So verzichtete Nokia auf eine IP-Zertifizierung und entsprechend auch auf einen guten Schutz vor Wasser und Staub. Wer sich für das Nokia 1.3 interessiert, muss mit einer ganzen Reihe solcher Kompromisse leben. Denn auf der anderen Seite der Waage findet sich ein sehr tiefer Preis von lediglich 109 Euro. Welche Kompromisse das sind und was das Einsteiger-Vollblut sonst noch drauf hat, zeigt unser Kurztest.

Nokia 1.3 im ersten Test: So sieht’s aus

Wenn man das Nokia 1.3 aus der Verpackung holt, fühlt es sich zunächst wegen des geringen Gewichts nach einem Spielzeug für Kinder an. Der Akku des Smartphones wird nämlich extern gelagert und muss zunächst in das Nokia-Handy eingesetzt werden. Nachdem dies – nicht ohne größere Mühen – erledigt war, zeigte sich das Gerät von seiner guten Seite.

So sieht die Frontseite dank eines 5,71 Zoll großen HD+-Displays (720 x 1.520 Pixel) und eines tropfenförmigen Stegs recht modern aus. Etwas getrübt wird der erste positive Eindruck allerdings durch die vergleichsweise breiten Ränder und einen aus der Zeit gefallenen Gehäusestreifen unterhalb des Bildschirms. Dafür liegt des eher kompaktere Nokia 1.3 gut in der Hand und auch die geriffelte Plastik-Rückseite fühlt sich nicht unangenehm an – jedoch auch nicht hochwertig.

Die Ausstattung des Nokia 1.3

Wer einen Blick unter die Haube des Nokia 1.3 wirft – was bei diesem Modell sogar nicht nur rhetorisch möglich ist –, der findet einen laut Nokia „leistungsstarken“ QM215-Chip von Qualcomm. Dieser besteht aus vier Kernen und wird von 1 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Zusammen reicht das Setup, um das Smartphone benutzen zu können. Auf ein Adjektiv vor dem „benutzen“ wurde an dieser Stelle absichtlich verzichtet, denn viel mehr als das gibt die verbaute Technik einfach nicht her. Selbst beim nagelneuen, gerade erst eingerichteten, Gerät kommt es zu merklichen Verzögerungen bei der Bedienung. Sobald die 16 GB Hauptspeicher, von denen ab Werk nur 10,97 GB frei verfügbar sind, belegt sind, dürfte die Reaktionszeit des Smartphones zudem noch einmal einen Sprung nach unten machen. Darum ist eine Micro-SD-Karte (bis zu 400 GB) nahezu Pflicht.

Nokia Nokia 1.3
Front des Nokia 1.3
Software Android 10
Prozessor Qualcomm Snapdragon QM215
Display 5,71 Zoll, 720 x 1.520 Pixel
Arbeitsspeicher 1 GB
interner Speicher 16 GB
Hauptkamera 3264x2448 (8,0 Megapixel)
Akku 3.000 mAh
induktives Laden
USB-Port 2.0 Micro-B
IP-Zertifizierung
Gewicht 155 g
Farbe
Einführungspreis 109 €
Marktstart April 2020

Software und Kamera

Wer rechnen kann, wird schnell feststellen, dass der interne Speicher des Nokia 1.3 bereits beim Verkauf mit etwas über 4 GB belastet ist. Schuld daran ist das vorinstallierte Android-Betriebssystem, das beim Nokia 1.3 allerdings recht kompakt ausfällt. Das Handy des finnischen Herstellers HMD Global verfügt nämlich nicht über das normale Android 10, sondern dessen Go-Edition. Dabei handelt es sich um eine abgespeckte Version, die bei Geräten mit einer geringen Leistung dafür sorgt, dass diese dennoch voll funktionsfähig sind. Interessant ist zudem, dass der Hersteller bereits jetzt versprochen hat, das Nokia 1.3, sobald die Zeit gekommen ist, auf Android 11 (Go-Edition) aufzurüsten. Das ist bei Einsteiger-Modellen nicht unbedingt selbstverständlich.

Die Single-Hauptkamera des Nokia 1.3 soll dank künstlicher Intelligenz insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen dennoch helle und gute Bilder aufnehmen können. Allerdings lässt sich dies bezweifeln, denn was die Hardware nicht hergibt, kann die Software auch nicht richten. Das beweist auch unser Test. Darin wirkt das aufgenommene Foto zwar tatsächlich recht hell; dafür gibt es jedoch eine ganz einfache Erklärung: Die KI hat schlicht den ISO-Wert hochgeschraubt. Als Folge war das Foto nicht nur hell, sondern auch sehr rauschig. Technisch bietet die Hauptkamera des Nokia 1.3 lediglich eine f/2.0-Blende und eine Auflösung von 8 Megapixeln. Selfies lassen sich mit einer Auflösung von 5 Megapixeln aufnehmen.

Nokia 1.3 im Test: Preis-Leistung und Fazit

Auf seiner Website bewirbt HMD Global das nagelneue Einsteiger-Smartphone Nokia 1.3 mit den Worten „so viel mehr“. Aus einem dazugehörigen Video geht hervor, dass sich dieser Spruch auf die Aussage „alles, was du brauchst“ bezieht. Nach dem ersten Kurztest können wir Nokias Werbeansage so nicht unterschreiben. Nahezu alle Facetten des Nokia 1.3 – von der Kamera, über die Reaktionszeit, bis hin zur Displayauflösung – lassen sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben: zweckmäßig.

Wer das neue Einsteiger-Smartphone an dieser Stelle abschreibt, macht jedoch unter Umständen einen großen Fehler. Denn es ergibt nur wenig Sinn nur anhand der Technik über ein Handy zu urteilen und die Variable „Kaufpreis“ nicht mit in die Gleichung aufzunehmen. Und bei dieser Variable kann das Nokia 1.3 ordentlich punkten. So ist die unverbindliche Preisempfehlung von 109 Euro selbst unter Einsteiger-Smartphones etwas Besonderes. Noch interessanter wird es, wenn du einige Wochen warten kannst. Dank des Android-typischen Preisverfalls dürfte das Nokia 1.3 schon bald unter die 100-Euro-Marke rutschen. Dann lohnt sich der Kauf auch – zumindest sofern du keine sonderlich hohen Ansprüche hast.

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7 KOMMENTARE

  1. Absoluter Müll was bringt ein wechselbarer Akku wenn man nur 1GB ram hat und man das Gerät maximal als Briefbeschwerer nutzen kann

  2. Hallo Akin, nach reiflicher Überlegung haben wir uns für das Modell Nokia 1.3 entschieden. Danke für den Hinweis 😉

  3. Letzte Woche gekauft (Angebot bei real schon unter 100€) und bisher völlig zufrieden. Ich will nicht zocken, ich fotografiere praktisch nicht, ich will mich nicht mit meiner Technik unterhalten, ich stöpsele noch bereitwillig 3,5er Klinke ein. Nur der google-Button links nervt mich als praktizierenden Grobmotoriker.

  4. Schon nach kurzer Verwendungszeit tritt ein Fehler bei der Verwendung der bordeigenen Kamera auf:

    1. Wenn ein Foto aufgenommen wurde, wird bei der Anzeige in der Fotogallerie die Nachricht unter einem Dummy-Foto eingeblendet: „Nicht unterstütze Medien“. Vom Foto wird nur ein Rahmen gezeigt, kein Bild.

    2. Wenn dann versucht wird, weitere Fotos aufzunehmen, kommt die Meldung:
    „Das Foto wurde nicht gespeichert. Versuche es noch einmal“. Weitere Versuche führen zum gleichen Ergebnis.

    Anfragen beim NOKIA-Support blieben bisher unbeantwortet.

    Fazit: Ein nicht ausgereiftes Handy-Modell !

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