Motorola Moto G9 Plus im Test: Kaventsmann mit Stärken, aber auch einigen Schwächen

6 Minuten
Geht es um die Moto-G-Serie, lässt Motorola nichts anbrennen. Regelmäßig und lückenlos erweitert der Hersteller die Reihe, unter anderem zuletzt durch das Moto G9 Plus. Was das neue Modell besser macht als das Moto G8 Plus und wo Schwächen versteckt sind, zeigt der Test.
Motorola Moto G9 Plus im Test

Das Moto G9 Plus ist ein Kaventsmann – und das sieht man schon von weitem. Das Aussehen des neuen Motorola-Smartphones orientiert sich an seinem Vorgänger, zeigt sich durch das große Display und schwere Gehäuse aber nicht als anmutiges Gerät. Insgesamt bringt das Smartphone 223 Gramm auf die Waage, trotz Kunststoffgehäuse, was den ersten Eindruck erneut bestätigt. Eine IP52-Zertifizierung, die sich durch ein wasserabweisendes Design äußert, schützt das Moto G9 Plus vor geringen Mengen Nässe.

Moto G9 Plus: Die Hardware-Wertung

Dennoch hat Motorola im direkten Vergleich zwischen dem Moto G8 Plus und Moto G9 Plus an einigen Stellschrauben gedreht. Das Display der neuen Version wächst von 6,3 auf 6,8 Zoll an und bietet auch eine geringfügig bessere Auflösung (1.080 x 2.400 Pixel). Dementsprechend wird auch das Gehäuse größer und das Smartphone insgesamt schwerer.

Erwähnenswert ist übrigens auch, dass Motorola nicht auf das gehärtete Glas von Corning zurückgreift. Stattdessen ist das Display mit Panda Glass überzogen, das Pendant einer chinesischen Firma. Deutliche Veränderung lässt sich auch beim Akku feststellen: Anstatt 4.000 mAh kann das Moto G9 Plus auf einen 5.000 mAh großen Energielieferanten zurückgreifen. Schlussendlich bietet nicht nur der interne Speicher mehr Fassungsvermögen; auch die Hauptkamera mehr Megapixel – das muss aber nicht für bessere Bilder sprechen.

Aus dem 2019er-Modell schaffen es die meisten Anschlüsse und Verbindungsmöglichkeiten in gleicher Form in das Modell dieses Jahres. Dazu zählt etwa Bluetooth in der Version 5.0, NFC und USB 2.0 Typ C. Nicht zu vergessen: Ein FM-Radio und die 3,5 Millimeter Klinkenbuchse, die beide mittlerweile wahre Raritäten bei Smartphones geworden sind. Ein Micro-SD-Kartenslot ist auch beim Moto G9 Plus wieder mit an Bord – ebenso wie die Hybrid-Dual-SIM-Option. Der Fingerabdrucksensor sitzt beim neuen Motorola-Handy nicht unter dem Display, sondern rechts im Power-Button. Die Treffsicherheit ist hier im Vergleich deutlich höher als bei jenen, die unter dem Panel angebracht sind.

Motorola Moto G9 Plus
Motorola Moto G9 Plus
Software Android 10
Prozessor Qualcomm Snapdragon 730G
Display 6,8 Zoll, 1.080 x 2.400 Pixel
Arbeitsspeicher 4 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 9248x6936 (64,1 Megapixel)
Akku 5.000 mAh
induktives Laden
USB-Port 2.0 Typ C
IP-Zertifizierung (Schutz gegen Spritzwasser (Regen))
Gewicht 223 g
Farbe Gold, Blau
Einführungspreis 270 €
Marktstart Oktober 2020

Die reine Hardware ergibt folgende Bewertung:

  • Gehäuse: 3,5 von 5 Sternen
  • Display: 3,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 3,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 3 von 5 Sternen
  • Software: 4 von 5 Sternen
  • Akku: 4,5 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Sternen

Großer Akku mit großem Versprechen

Typisch für diese Geräteklasse ist der große Akku, den vor allem hochpreisige Smartphones in der Regel nicht bieten. Auf satte 5.000 mAh kommt das Moto G9 Plus, was in Anbetracht der weiteren verbauten Technik ein ausdauerndes Nutzererlebnis verspricht. Und dieses Versprechen kann das Smartphone auch im Praxistest einhalten: Nach intensiven acht Stunden in Dauerbenutzung – sprich Spielen, Surfen, Videos schauen und Ähnlichem – verbleiben noch 73 Prozent Akkuladung. Nach einer Nacht im Standby-Modus sind es noch 70 Prozent. Demnach genug, um einen weiteren Tag ohne Ladezeit zu verbringen.

Ist der Akku doch leer, kann man ihn mithilfe des beiliegenden 30-Watt-Netzteils im Schnellladeverfahren wieder aufladen. Innerhalb von fast anderthalb Stunden ist das Moto G9 Plus wieder bei 100 Prozent. Auf Qi, also kabelloses Laden, musst du hingegen verzichten. Das ist aber keine Überraschung in dieser Preis- und Geräteklasse.

Hicksende Performance, behäbiges Display

Der Qualcomm Snapdragon 730G soll laut Herstellerangaben 57 Prozent schneller und 20 Prozent effizienter arbeiten als noch sein Vorgänger, der im Moto G8 Plus zu finden ist. So weit, so gut. Menüwischerei und das Surfen im Netz sind kein Problem für das Moto G9 Plus. Verzögerungen sind nicht erkennbar. Allerdings verschluckt sich der Chipsatz hier und da, vor allem wenn es um das Laden von Apps oder anderen Inhalten geht. Hier braucht das Smartphone teilweise recht lang; auch wenn man zwischen verschiedenen Apps (schnell) hin- und herwechseln will.

Einen Unterschied bemerkt man auch im Hinblick auf Smartphones mit 120-Hz-Panels: Das Moto G9 Plus ist mit der nicht verstellbaren Bildwiederholungsrate von 60 Hz merklich behäbiger. Das 6,8 große LTPS-Display ist für den Alltag ein solider Begleiter. Anders als beispielsweise OLED-Panels fehlt es dem Moto G9 Plus jedoch an Kontrast und einem tiefen Schwarzwert. Die Blickwinkelstabilität kann hingegen standhalten: Dargestellte Inhalte dunkeln nicht so schnell ab, auch die Farben bleiben weitestgehend erhalten.

Motorola Moto G9 Plus Display

Brillierende Software

Diesen gelegentlichen Schluckauf macht die Software jedoch wieder wett. Motorola hat ein Händchen dafür, Android sinnvoll durch eigene Feature zu ergänzen. Die geballte Moto-Power ist in der vorinstallierten App „Moto Actions“ zu finden, die etwa Funktionen wie den Spielmodus oder smarte Gesten beherbergt. Musikliebhaber können außerdem Musik, je nach Gusto, entweder satter, Basslastiger oder im Standardmodus hören. Die Software basiert auf Android 10, was ebenfalls als Betriebssystemversion – mit Aussicht auf Android 11 – installiert ist.

Die Hauptkamera

Waren die Objektive beim Moto G8 Plus noch einzeln auf der Rückseite des Smartphones eingelassen, entschied sich Motorola beim 2020er Modell für ein kompaktes, der Zeit entsprechendes Design. Alle vier Objektive befinden sich in einer Aussparung, die sich leicht vom Gehäuse abhebt. Faktisch befindet sich somit folgende Kameraausstattung im Moto G9 Plus:

  • Hauptkamera: 64 Megapixel, f/1.8, Quad-Pixel-Technik
  • Ultraweitwinkel: 8 Megapixel, 118 Grad, f/2.2
  • Makroobjektiv: 2 Megapixel, f/2.2, Fotos im Abstand von 2,5 Zentimetern
  • Tiefensensor: 2 Megapixel
  • Frontkamera: 16 Megapixel, Quad-Pixel-Technik
Motorola Moto G9 Plus Hauptkamera

Was heißt an dieser Stelle Quad-Pixel-Technik? Das bedeutet, dass die Kamera bei einer Fotoaufnahme vier Pixel zusammenrechnet. Effektiv besitzt sie also nicht eine Auflösung von 64, sondern von 16 Megapixeln.

Die Aufnahmen sind gut, haben im Detail aber ihre Schwächen. Bei guten Lichtverhältnissen schafft das Moto G9 Plus eine gute Ausbalancierung von hellen und dunklen Partien im Motiv. Farben kommen deutlich zur Geltung, wenn teilweise auch ein wenig matt. Strahlt das Licht direkter in das Objektiv, wird die Fläche – wie beispielsweise der Himmel – sehr grell und wirkt dadurch überzeichnet. Eine weitere Schwäche offenbart sich in der Schärfe der Bilder, denn sie wirken teilweise recht unscharf – vor allem zu den Seiten hin.

Der Makromodus kann überzeugen und stellt Motive scharf, auch wenn sie wirklich nah an der Kamera sind. Dabei schafft es die Kamera, auch Härchen herauszuarbeiten. Der Nachtmodus ist wie bei vielen Smartphones teilweise hilfreich, in vielen Fällen aber auch ein Störfaktor. Er belichtet das Foto letztlich über, sodass das Ergebnis weitestgehend unnatürlich aussieht. Gar nicht brauchbar ist indes der Zoom, der jedes Foto nur in erster Linie zerstört.

Fazit zum Moto G9 Plus

Mit dem Moto G9 Plus von Motorola kann man im Prinzip nichts falsch machen. Für einen Preis von rund 270 Euro bekommen Nutzer ein alltagstaugliches Smartphone zur Hand, das hauptsächlich im Detail Schwächen aufweist. Wer auf einen ausdauernden Akku wert legt, ab und an gern ein Spiel spielt und hauptsächlich alltägliche Aufgaben mit seinem Smartphone erledigen will, ist mit dem Moto G9 Plus gut bedient. Wunderwerke und Funktionen der Oberklasse darf man hingegen nicht erwarten.Motorola Moto G9 Plus Testsiegel

Pros des Motorola Moto G9 Plus

  • Ausdauernder Akku
  • Sinnvolle Software-Ergänzung
  • Gutes Gesamtpaket
  • FM-Radio und Klinkenbuchse

Contras des Motorola Moto G9 Plus

  • Teilweise schwächelnde Kamera
  • Teils behäbige Performance
  • Durchschnittliche Ausstattung

Bildquellen

  • Motorola Moto G9 Plus im Test: Simone Warnke
  • Motorola Moto G9 Plus im Test: Simone Warnke
  • Motorola Moto G9 Plus im Test: Simone Warnke
  • Motorola Moto G9 Plus Testsiegel: Simone Warnke
  • Motorola Moto G9 Plus im Test: Simone Warnke
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1 KOMMENTAR

  1. Motorola wirft weiterhin in sehr kurzen Abständen Phones in wildem Durcheinander auf den Markt, anstatt mehr Wert auf Modellpflege und Qualität zu legen. Ist das die einzige Antwort auf die chinesische Großoffensive? Neuerdings sind wir bei Tablets oder Phablets. Nicht besonders innovativ.

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