Sony Xperia 1 II: Der 4 Monate lange Test deckt die Schwächen auf

6 Minuten
Wie gut ist das Sony Xperia 1 II wirklich? Genau das wollte ich wissen und machte einen vier Monate langen Test. Die Unterschiede zu Labortests waren in der Praxis gravierender als ich dachte. Und das ist die Abrechnung.
Sony Xperia 1 II
Sony Xperia 1 IIBildquelle: Blasius Kawalkowski

Anfang November tauschte ich nach anderthalb Jahren im Test das Huawei P30 Pro gegen das Sony Xperia 1 II. Nicht, weil ich von Huawei und dem P30 Pro nicht überzeugt war. Im Gegenteil: Das Smartphone der Chinesen ist bis heute eines der besten, das ich je hatte. Und es kann auch heute noch locker mit Modellen wie dem Samsung Galaxy S21 Ultra mithalten. Aber zurück zum Sony Xperia 1 II: Ich wollte wissen, was sich bei Sony seit dem Xperia Z getan hat. Ein Test im Labor vermittelt zwar tolle Werte, die in einem Augenblick gemessen werden. In der Praxis weichen diese Werte dann aber hier und da ab. Auch beim Xperia 1 II.

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Das Sony Xperia 1 II und die Akkulaufzeit

Schnell musste ich mich daran gewöhnen, dass der Akku des Sony Xperia 1 II nicht so lange durchhält, wie der des Huawei P30 Pro. Ich war geradezu verwöhnt. Beim Huawei-Modell waren am Ende des Tages zwischen 30 und 60 Prozent auf der Akkuskala übrig. Das Xperia 1 II zeigte mir schon kurz vor dem Tagesende an, dass es gerne in Not-Modus schalten würde. Sony nennt die Funktion STAMINA. Hierbei werden Hintergrundaktivitäten und Funktionen mit hohem Energiebedarf abgeschaltet, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Schaltete ich den Modus nicht ein, der sich bei 15 Prozent Akkurestladung meldet, kam ich keine weitere Stunde aus.

Am Ende kann ich sagen: Da ich mein Smartphone-Verhalten nicht verändert habe, ist die Akkulaufzeit des Sony Xperia 1 II deutlich schlechter als die des Huawei P30 Pro. Zwar kommt man auch mit dem Sony-Flaggschiff einen ganzen Tag aus. Es darf aber nichts Unvorhersehbares passieren, wie etwa eine Stunde lang Google Maps nutzen zu müssen. Denn dann muss ein Ladegerät oder eine Powerbank her.

Die Kamera: von „Kolossal“ bis …

Auch wenn sich mit günstigen Smartphones – bei ausreichend Licht – richtig gute Fotos machen lassen: Wer ein Handy der Oberklasse hat, der merkt, was in dem Bereich wirklich möglich ist – oder auch nicht. Samsung etwa wirbt beim Galaxy S21 Ultra mit einer Space Zoom Kamera. Sterne und Mond fotografieren wie mit einem 2.000-Euro-Teleobjektiv auf einer Vollformatkamera? Eher nicht, wie unser Test zeigt.

Was aber leistet das Xperia 1 II? Da ich leidenschaftlicher Fotograf und Filmer bin, wollte ich wissen, was die Kamera-Experten von Sony in einem Smartphone unterbringen können. Einerseits haben mich die Ergebnisse überrascht. Vor allem bei Tageslicht entstehen tolle Porträts mit fantastischer Schärfe und einem grandiosen Bokeh. Die Farben sind realitätsgetreu und machen fast jedes Foto zu einer Augenweide.

Sony Xperia 1 II: Die Kamera hat zwei Gesichter
Sony Xperia 1 II: Die Kamera hat zwei Gesichter

…“Hmm…, das geht nicht besser?“

Wird es aber dunkel, bekommt die Kamera des Xperia 1 II Probleme. Fotos von sich bewegenden Objekten wie Kindern oder Hunden sind dann nur selten scharf. Neben einer sehr ruhigen Hand muss die abzulichtende Person ohne Bewegung verharren. Dabei spreche ich nicht von absoluter Dunkelheit. Dieses Szenario wird auch schon in Innenräumen mit Glühlampenlicht Realität. Fast identisch verhält sich die Kamera bei Videos. Hier macht sich zusätzlich ein unschönes Farbrauschen bemerkbar.

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Hinzu kamen zwei Dinge, die im Alltag sehr nervig waren. Hin und wieder stürzte die Kamera-App ab. Das ist insbesondere dann ärgerlich, wenn man schnell ein Motiv fotografieren will, das in der nächsten Sekunde wieder verschwunden ist. Teilweise half nur ein Neustart des Xperia 1 II, um den Fehler zu beheben. Zudem reagiert die Kamera-App manchmal behäbig. Was aber wirklich nervt: Fotografiert man mit einer bestimmten Einstellung, beispielsweise mit dem Ultraweitwinkelobjektiv und angepasstem Weißabgleich, und schaut sich anschließend das Foto an, sind alle Einstellungen zurückgesetzt, sobald man zur Kamera zurückkehrt.

Das macht die Kamera-App „Photo Pro“ zwar besser. Jedoch sind die vielen Einstellungen, die man hier vornehmen kann, nichts für den Laien oder den Alltag. Bis man eine bestimmte Einstellung vorgenommen hat, hat sich das Motiv vielleicht schon in Luft aufgelöst. Nicht falsch verstehen: Die Möglichkeiten, die Sony hier bietet, sind toll. Aber auch am Normalnutzer vorbei entwickelt.

Noch mehr Kritik am Sony Xperia 1 II

Was mir im Laufe der vier Monate ebenfalls aufgefallen ist: Das Display war bereits nach kurzer Zeit schon ziemlich zerkratzt. Das bin ich von Top-Smartphones eigentlich nicht gewohnt. Eine Displayschutzfolie ist beim Sony Xperia 1 II also unbedingt anzubringen. Auffällig dabei: Die ebenfalls gläserne Rückseite weist im Vergleich dazu kaum Kratzer auf. Was mich insbesondere zu Beginn der Testphase gestört hat: der heftige und nicht einstellbare Vibrationsalarm. Er ist deutlich kräftiger als ich es von anderen Smartphones kenne. Vor allem, wenn das Sony-Smartphone auf einem Holztisch liegt, rutscht einem bei einem eingehenden Telefonat das Herz in die Hose.

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Ebenfalls Kritik erntet die automatische Helligkeitsregelung. Stellt man das Display auf die höchste Stufe ein, dimmt sich das Display ab, sobald man die Schnelleinstellungen wieder verlässt. Leuchtet es mal zu hell und man dimmt es manuell auf etwa 50 Prozent ab, dimmt es sich kurz darauf auf die niedrigste Stufe ab. Hier sollte Sony unbedingt mit einem Software-Update nachbessern.

Das Display des Sony Xperia 1 II ist hervorragend
Das Display des Sony Xperia 1 II ist hervorragend

Das Beste kommt zum Schluss

Doch trotz vieler Kritik gibt es auch Dinge, die mir am Sony Xperia 1 II enorm gut gefallen. Das Display etwa ist hervorragend. Es stellt Farben sehr natürlich dar und liefert eine brillante Auflösung. Es mag zwar Geschmackssache sein, mir aber gefällt das lang gezogene Format des Xperia 1 II.  Der Fingerabdrucksensor an der Seite des Smartphones ist schnell und präzise. Was mir besonders gut gefällt, ist der Sound der nach vor gerichteten Stereo-Lautsprecher.

Da ich das Always-On-Display zuliebe der Akkulaufzeit ausgeschaltet habe, freue ich mich über die Benachrichtigungs-LED, die Sony im Xperia 1 II eingebaut hat. Sie signalisiert mir mit einem dezenten Blinken, dass es etwas Neues gibt.

Fazit

Mit dem Xperia 1 II liefert Sony ein gutes, aber kein überragendes Smartphone ab. Die Akkulaufzeit könnte besser, die Kamera – vor allem bei Dämmerung und Dunkelheit – ausgereifter und die automatische Helligkeitsregelung besser justiert sein. Dafür ist das Display, von den Kratzern abgesehen, eine Augenweide. Und auch der Klang der Lautsprecher, etwa beim Ansehen von Filmtrailern bei YouTube, ist hervorragend. Am Ende bin ich eigentlich ganz zufrieden. Doch irgendwie auch nicht vollkommen.

Bildquellen

  • Sony Xperia 1 II: Blasius Kawalkowski
  • Sony Xperia 1 II: Blasius Kawalkowski
  • Sony Xperia 1 II: Blasius Kawalkowski
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13 KOMMENTARE

  1. Danke für den Test der im Vergleich zu den anderen Medien mal nicht nur totales Sony-Bashing ist. Deinen Kritikpunkten an der Kamera im Dunkeln kann ich zustimmen, hier bekomme ich auch häufig verwackelte Bilder. Dem Rest allerdings nicht. Ich nutze das Smartphone wirklich sehr häufig (auch auf maximaler automatischer Helligkeit und mit Always-On-Display) und komme locker über einen Tag. Häufig lade ich das Smartphone erst nach fast 2 Tagen, ich finde der Akku hält hier enorm lang. Auch das Display hat bei mir keinen einzigen Kratzer obwohl ich das Smartphone ohne Hülle oder Schutzfolie immer nur in der Hosentasche habe und häufig raushole. Bei der Helligkeitsregelung ist mir beim Xperia 1 II auch noch kein Problem aufgefallen, bisher nur bei anderen (günstigeren) Modellen von Sony.

    • Ich frage mich, wie es zu so enormen Akkulaufzeitunterschieden kommen kann. Das Problem mit der automatischen Helligkeitsregelung tritt nicht immer auf, aber immer wieder.

      • Meine Beobachtung war generell seit dem Xperia XZ,
        das Die Smartphones von Sony sich den Nutzergewohnheiten anpassen.
        Das soll heißen das nach etwa 2-3 wochen der Akku überraschend länger durchhält.
        Muss doch wohl anscheinend am Akkumanagment liegen. Jedoch muss man auch sagen das auch APPS die schlecht oder unzureichend Programiert sind dir den Akku leer saugen, nach einem update hielt dieser wieder länger.
        Deswegen finde ich diese Akku tests immer recht fraglich.
        Mfg Matthias

  2. Ich habe das Xperia 5 II und bin sehr zufrieden damit. Mit der Kamera im dunkeln kann gut sein was die schlechten Ergebnisse betrifft. Aber zum Glück kommen solche Fotos sehr selten vor. Da ich bereits eine Sony RX100 VII habe, liebe ich die Camera Pro App. Die normale benutze ich eigentlich nie. Kann aber absolut nachvollziehen, dass es nicht für jeden geeignet ist.
    Womit ich ebenfalls zu kämpfen habe ist die nervige Helligkeitsregelung. Im Dunkeln kann ich den egal wie oft auf die niedrigste Einstellung setzen und die Automatik setzt die Helligkeit wieder auf ca. 15-20%. Leider zu hell in einem abgedunkelten Raum. In die andere Richtung das gleiche, so wie im Test erwähnt. Abgesehen davon liebe ich den Formfaktor, FA-Sensor an der Seite gefällt mir so am besten. Für mich gibt es im Moment keine bessere Alternative am Markt. Ich bin überhaupt kein Fan von den großen und breiten Handys.

  3. Ich habe den Hobel nun auch seit November in Gebrauch und ehrlich gesagt bin ich nicht so glücklich damit. Grundlend nutze ich oft und viele Sony Produkte welche mich selten entäuschen, nicht so das 1II.

    Hier die Dinge welche mich am meisten nerven:
    Das Kameralicht ist unter aller Sau, als Taschenlampe untauglich, vom Blitzlicht ganz abgesehen.
    Die Breite des Phones ist so unpraktisch, bim Texten (vertikaler Modus) kommt es so andauernd zu Schreibfehler.
    Seit dem Update auf Android 11 können keine Gamepads mehr verbunden werden?!
    Fehlende Software Funktionen wie anständige Galerie, Dateibrowser, Videoschnittsoftware, etc.

    Kurz um für das Geld hätte wohl wo anders zwei Geräte gefunden welche mehr bieten würden.

    • Ja, die LED ist wirklich schwach. Hab dieses Manko im Test nicht erwähnt, da ich sie weder als Taschenlampe noch als Blitzlicht nutze. Aber du hast recht.

  4. Guter Bericht, jedoch kann ich manchen Kritikpunkten nicht zustimmen. Ich selbst nutze das Xperia 1II seit Januar.
    Die Kamera ist wirklich gut, und ich rede nicht von der normalen App sondern von der PhotoPro und CinemaPro. Denn das sind die Apps die man bei diesem Handy nutzen kann und soll. Natürlich ist das Menü nichts für Laien. Du selbst als Hobby-Fotograf solltest jedoch keinerlei Probleme mit den Einstellmöglichkeiten haben da man sowas von Herkömmlichen Kameras kennt. Und das macht für mich auch den „PRO“ Effekt der Kamera aus, das sie nicht für Laien ist sondern für Leute die sich auskennen. Besonders die Filme finde ich sehr gut zu drehen da man sich wie ein kleiner Regisseur fühlt ^^.
    Thema Akkulaufzeit habe ich keine Probleme, ich bin Froh wenn ich das Akku zum Ende des Tages leer bekomme. Normalerweise bin ich am Ende etwa bei 40-50%. Liegt daran das ich es mir nicht leisten kann auf Arbeit viel mit dem Handy zu zocken und selbst wenn sinkt mein Akku auch nicht so rapide, bei Maps schon gar nicht 🤔 und das dein Display vorne zerkratzt ist seltsam und eigentlich unlogisch da das vorder und hintere Glas gleicher Qualität sein sollten. Natürlich sollte man das Handy, kein Handy, in eine Tasche mit Schlüsseln stecken 😃

    • Logo, ich weiß mit Photo Pro und Cinema Pro umzugehen. Mit der zweiten App sind sogar schon Video für unseren YouTube-Kanal entstanden. Dennoch nutze ich für Schnappschüsse eher die Standard-Kamera-App – also den Automatik-Modus, wenn man so will. Klar, wenn ich Zeit hab und ein tolles Motiv habe, schalte ich in den Pro-Modus.

      Das mit den Displaykratzern wundert mich auch – zumal das Gerät vorne wie hinten Gorilla Glass 6 hat. Demnach müsste die Rückseite eigentlich genau so zerkratzen – oder eben nicht – wie die Vorderseite. Kontakt mit scharfen Gegenständen hatte das Smartphone eigentlich nie. Und zur Akkulaufzeit: Vielleicht sollte ich einfach mal mein Smartphone-Verhalten infrage stellen 😀

  5. Dass Photo-Pro die Normalnutzer vorbei entwickelt ist sollte sich ja eigentlich schon aus dem Namen ergeben. Schließlich steht „Pro“ ja für „Professional“ und nicht für „Normalnutzer. Ist somit kein echter Kritikpunkt, dass sich die App die sich explizit an professionelle Nutzer richtet nicht von jedem Normalo bedienen lässt.

  6. Hab das Handy gleich am Anfang wo es raus gekommen ist geholt.
    Thema Akku kann ich nicht zustimmen, bei normaler Nutzung am Ende des Tages zwischen 50-60%.
    Weiß nicht wo das Problem mit der Kamera ist, aber bei mir stürzt die Kamera äußerst selten ab.normal oder pro App.
    Und das das Handy für Schnappschüsse nicht geeignet ist is wohl vom Anfang an Klar ggewesen
    Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit dem Handy.

  7. Die LED an Sony Smartphones war schon immer Mist! Ich verstehe auch nicht wie Sony mal eine QI Charge Funktion verbaut, im 5ll dann wieder nicht. Das Schlimmste und mein Abschied von Sony war aber das nach 2 Jahren Nutzung kein Android 11 mehr für mein Xperia XZ3 mehr angeboten wurde. Wenn ich mir überlege das Sony hier im absoluten premium Segment für über 1200€ ein Handy anbietet, welches in etwas über 2 Jahren kein Support mehr angeboten wird, absolutes no go !!!!

  8. Guter Test, der recht objektiv und sachlich wirkt.
    Ich war Besitzer des Xperia 1 und hatte nach 9 Monaten ca keine Lust mehr auf das Gerät. Nach 7 Jahren Sony Smartphones hab ich der Marke dann doch den Rücken gekehrt.

    Am 1 hat mich ebenfalls dieses Helligkeitsproblem gestört, dazu kam eine unterdimensionale Akkulaufzeit, viele nicht für den Bildschirm optimierte Apps und eine allgemein billige Verarbeitung für ein 1000 € Smartphone. Sony lehnt sich in dem Segment einfach zu weit aus dem Fenster obwohl sie es sich nicht leisten können wenn man bedenkt welchen Marktanteil sie haben.

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