Montblanc Summit 2+ im Test: Luxus pur - und ein großes Problem

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Sie kostet geschmeidige 1.140 Euro und bietet neben einer WLAN-Schnittstelle auch die Möglichkeit, eine Mobilfunk-Verbindung per LTE herzustellen. Netzpartner in Deutschland ist dafür Vodafone. Die Rede ist von der Smartwatch Montblanc Summit 2+. Wir haben die Luxus-Armbanduhr getestet.
MontBlanc Summit 2 Plus
Luxus-Smartwatch für über 1.000 Euro im Test: die MontBlanc Summit 2+.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Rund einen Monat lang war es uns möglich, die Summit 2+ von Montblanc genau unter die Lupe zu nehmen. Es ist nicht die erste Smartwatch des deutschen Herstellers von Luxus-Lifestyle-Artikeln. Aber es ist die erste Computeruhr von Montblanc mit Anbindung an das LTE-Netz von Vodafone – sofern du dir die in der Uhr verbaute eSIM freischalten lässt. Wer daran kein Interesse hat, kann sich auch für das etwas preiswertere Modell Montblanc Summit 2 entscheiden. Aber hier und jetzt soll es um das hochwertigere Plus-Modell gehen.

Montblanc Summit 2+ – Das steckt drin

Wirft man einen Blick auf die technischen Details der Montblanc Summit 2+, wird eines schnell deutlich: viel besser ausgestattet geht es aktuell nicht. Denn auf Basis von Googles mobilem Smartwatch-Betriebssystem Wear OS kommt im Inneren beispielsweise der Qualcomm Snapdragon Wear 3100 zum Einsatz. Das ist aktuell die beste CPU-Power, die am Smartwatch-Markt erhältlich ist. Allerdings nicht mehr lange. Denn Ende Juni ist von Qualcomm der Snapdragon Wear 4100+ Chip vorgestellt worden. Und diese CPU wird Smartwatches in naher Zukunft auf ein noch leistungsstärkeres Level heben. Eines der ersten erwarteten Modelle mit diesem Herzstück ist die TicWatch 3 Pro von Mobvoi.

Zur weiteren Ausstattung der Montblanc Summit 2+ gehören unter anderem ein rundes 1,28 Zoll großes Touch-AMOLED-Display, 1 GB Arbeitsspeicher und 8 GB Speicherplatz – zum Beispiel für Apps, zusätzliche WatchFaces oder auch deine Lieblingsmusik. Auf der Rückseite der Uhr ist ein Herzfrequenzmesser zu finden, dank integriertem GPS-Empfänger ist es möglich, deine Sport-Workouts auch losgelöst von einem gekoppelten Smartphone zu protokollieren. Doch damit nicht genug. Auch ein Höhenmesser, ein Barometer zum Messen des Luftdrucks, ein digitaler Kompass und ein Beschleunigungsmesser sind an Bord. Du kannst also unterwegs auch deine aktuelle Geschwindigkeit überprüfen. Was bei einer solchen Smartwatch wie der Summit 2+ jedoch ziemlich verwundert: Ein Schlaftracker fehlt der Uhr.

MontBlanc Summit 2+ im Test
Nicht zu leicht, nicht zu schwer: die Montblanc Summit 2+ fühlt sich sehr hochwertig an.

Wiederum positiv zu bewerten: Die hochwertige Verarbeitung der Uhr. Im Test hatten wir die Möglichkeit, die Edelstahl-Variante in Schwarz mit Kautschuk-Armband auf die Probe zu stellen. Und im Vergleich zu so manch anderer Smartwatch fällt sofort das vergleichsweise hohe Gewicht auf. Rund 100 Gramm bringt die Summit 2+ auf die Waage. Ob das nun zu schwer ist oder ob eine Uhr durchaus etwas wiegen darf, ist sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Klar ist aber: Wer die Montblanc-Smartwatch trägt, spürt sie auch. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen.

Zweite (kleine) Besonderheit: Rund um das mit Saphirglas geschützte Display verläuft eine schwarze Minuteneinteilung. Sie ist auch dann sichtbar, wenn der eigentliche Bildschirm der Uhr ausgeschaltet ist.

Montblanc Summit 2+ im Test – So schlägt sich die Smartwatch im Alltag

Für unseren Test haben wir die Montblanc Summit 2+ mit dem neuen Asus Zenfone 7 Pro (Test) gekoppelt. Und wie bei allen Wear-OS-Smartwatches klappt die erste Einrichtung flott und ohne Probleme. Einzige Voraussetzung ist, auf dem Handy die Wear OS App zu installieren. Anschließend durchläuft die Uhr innerhalb von etwa 20 bis 25 Minuten ihren Einrichtungs-Prozess. Ein Assistent zeigt darauf folgend im Schnelldurchlauf, was passiert, wenn man auf dem Touchscreen der Uhr in die verschiedenen Richtungen wischt oder die Krone beziehungsweise die beiden zusätzlichen programmierbaren Druck-Knöpfe an der rechten Seite der Uhr drückt.

MontBlanc Summit 2+ Krone
An der rechten Seite sind neben einer dreh- und drückbaren Krone noch zwei weitere Knöpfe zu finden – frei programmierbar.

Nicht ganz so intuitiv: Die Einrichtung der von Vodafone bereitgestellten eSIM. Hier mussten wir uns von Vodafone einen kleinen Leitfaden zur Verfügung stellen lassen, um die virtuelle SIM-Karte aktivieren zu können. Und auch das klappte erst in einem zweiten Versuch, nachdem wir die Uhr einmal auf Werkseinstellungen zurückgesetzt hatten. Hast du diese Hürde gemeistert, steht der Erkundung der Mobilfunk-Welt auf deiner Smartwatch aber nichts mehr im Wege. Dann ist es mit der passenden App unterwegs zum Beispiel auch ohne Smartphone möglich, deine Lieblingsmusik zu streamen.

Möglich macht es der optional erhältliche Vodafone-Tarif OneNumber. Mit ihm bist du für 5 Euro Aufpreis im Monat (zuzüglich einmalig 39,99 Euro Einrichtungsgebühr) über eine LTE-Smartwatch unter deiner gewohnten Vodafone-Nummer erreichbar. Aber nur wenn du einen der aktuellen Red-, Smart- oder Young-Tarife von Vodafone nutzt. Der Vorteil: Wenn dich jemand auf deiner Handynummer anruft, du hast aber dein Smartphone gerade nicht bei dir, macht sich stattdessen die Uhr am Handgelenk bemerkbar.

Mit der Summit 2+ telefonieren

Die Gesprächsqualität mit der Summit 2+? Nun, nennen wir es vorsichtig formuliert: durchschnittlich. Nicht nur die Tatsache, dass der in der Uhr verbaute Lautsprecher ziemlich blechern klingt, ist ein Telefonat verglichen mit einem Smartphone-Anruf eher mühsam. Auch der unschöne Begleiteffekt, dass die Uhr auftretende Hintergrundgeräusche so gut wie gar nicht filtert, sorgt beim Gesprächspartner für gewisse Probleme beim Verständnis des Gesprochenen. Unter anderem Windgeräusche störten unsere Test-Gespräche am anderen Ende der Leitung.

Zudem erstaunlich: Die Summit 2+ hat hier und da ein Empfangsproblem. In Gegenden mit eher schlecht ausgebautem Vodafone-Netz (wenn zum Beispiel nur Edge oder sehr schwacher LTE-Empfang zur Verfügung steht), war die Montblanc-Smartwatch oft nicht oder nur stark verzögert in der Lage, eine Verbindung zum Vodafone-Netz aufzubauen. Ärgerlich ist das aber nur, wenn du dein Handy nicht dabei hast. Trägst du es doch mit dir und besteht eine Kopplung zwischen Handy und Smartwatch, wird die gewünschte Verbindung einfach über das Smartphone hergestellt. Und ja, das Smartphone hatte im Rahmen unseres Tests im Münsterland mehrfach eine Netzanbindung, wenn dies bei der Uhr nicht der Fall war.

Uhrendesign individualisieren

Richtig viel Freude bereitet die Möglichkeit, das Ziffernblatt der Smartwatch den eigenen Wünschen entsprechend anzupassen. Denn ab Werk sind verschiedene Watchfaces vorinstalliert. Jedes dieser Ziffernblätter lässt sich zudem auf unterschiedlichste Art und Weise anpassen. Die Farbe des favorisierten Ziffernblatts oder das Design von Ziffern und Zeigern lässt sich individuell gestalten. Montblanc selbst spricht von über 1.000 Einstellungsmöglichkeiten. Und wenn das noch nicht reich: Im Google App Store stehen viele weitere WatchFaces zur Verfügung. Die meisten davon kann man aber nur dann vollständig nutzen, wenn man die Entwickler dafür bezahlt.

MontBlanc Summit 2+ WatchFaces
Das Design der Uhr lässt sich über Watchfaces nach dem eigenen Geschmack individualisieren.

Erhältlich ist die Summit 2+ aktuell in fünf Varianten:

  • Schwarzer Edelstahl mit Kautschukarmband
  • Bronzefarbener Edelstahl mit Lederarmband
  • Silberfarbener Edelstahl mit Lederarmband
  • Goldfarbener Edelstahl mit Lederarmband
  • Titan-Gehäuse mit Kautschukarmband (etwas günstiger)

Optional stehen zudem bei Montblanc im Onlineshop verschiedene Armbänder zur Verfügung, um das Design der Uhr noch weiter zu individualisieren.

Fallstrick: Akku-Laufzeit

Nun könnte man meinen, die Montblanc Summit 2+ bietet alles, was das Smartwatch-Herz begehrt. Dass dies nur eingeschränkt der Fall ist, haben wir mit Blick auf den fehlenden Schlaftracker und die eher mäßige Gesprächsqualität schon verraten. Doch wie sieht es mit der Akku-Laufzeit aus? Kann die Uhr hier punkten?

Die einfache Antwort: nein! Vor allem wenn du dich dafür entscheidest, dass das Display der Uhr dauerhaft leuchtet, musst du dich darauf einstellen, dass der Akku mit seiner Kapazität von 440 mAh nur mit viel Glück einen kompletten Tag (24 Stunden) durchsteht. Vor allem wenn du unterwegs bist und die integrierte eSIM mit dem Vodafone-Netz funkt, entleert sich der Akku ziemlich flott. Doch auch bei ausgeschaltetem Display, aktiviertem Herzfrequenzsensor und aktiver WLAN-Verbindung mussten wir über Nacht feststellen, das die Uhr nach rund sieben Stunden gerne mal 20 Prozentpunkte an noch verfügbarer Akkukapazität verlor.

Heikel wird es auch, wenn du den in die Uhr integrierten Workout Coach nutzt. Er greift – wie es sich gehört – auf den GPS-Empfänger zu und misst zudem durchgehend deine Herzfrequenz. Doch auch das saugt ziemlich flott reichlich Energie aus dem Akku. Im Test verlor die Uhr in etwa 30 Minuten Workout-Zeit satte 20 bis 25 Prozentpunkte an noch verfügbarer Akkuladung.

Wenn du also dein Workout startest – und ein solches kann ja durchaus auch mal länger als 30 Minuten dauern – solltest du sicherstellen, dass der Smartwatch-Akku satt aufgeladen ist. Sonst kann es dir schnell passieren, dass die Uhr bei zu geringer Akkukapazität in den Stormsparmodus schaltet und dein Lauf oder deine Radtour nicht zu Ende protokolliert wird.

Weitere Extras an Bord

Verwunderlich ist auch, dass der Workout Coach der Uhr nur die Möglichkeit gestattet, ein allgemeines (gut aufgezeichnetes) „freies Training“ zu starten. Du kannst von Seiten Montblanc innerhalb der Trainings-App aber nicht zwischen verschiedenen Trainings-Arten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen auswählen. Dafür steht dir allerdings alternativ die passende App von Google Fit zur Verfügung („Fit-Training“), sodass dieser Lapsus nicht so schwer ins Gewicht fällt.

Weil die Montblanc Summit 2+ vor allem Business-Menschen ansprechen soll, hat der Hersteller aus Hamburg noch einige praktische Apps ab Werk vorinstalliert. Etwa die Timeshifter-App, die helfen soll einen möglichen Jetlag besser zu meistern. Die Travel Info App hilft dir auf deiner nächsten Reise in extrem umfangreicher Hinsicht. Sie gibt dir Tipps und Tricks, was du in dem Land, in dem du dich gerade aufhältst, tun solltest und was besser nicht. Auch welches Trinkgeld angemessen ist und einige hilfreiche Wörter in der jeweiligen Landessprache listet die App auf. Und wenn du eine Internetverbindung nutzen kannst, steht der (etwas träge) Google Übersetzer hilfreich zur Seite.

MontBlanc Summit 2+ Rückseite
Auf der Rückseite der MontBland Summit 2+ ist unter anderem der optische Herzfrequenzsensor zu finden.

Fazit: Verarbeitung top, aber viel Raum für Verbesserungen

Über 1.000 Euro für eine Smartwatch auf den Tisch zu legen, keine Frage, das ist Luxus pur. Und dass man Luxus am Handgelenk trägt, spürt man bei der Montblanc Summit 2+ auch. Denn sie gehört nicht zu den Smartwatch-Leichtgewichten. Das Edelstahl-Gehäuse samt dreh- und drückbarer Krone zur Menüsteuerung ist rundum top verarbeitet; eine echte Augenweide.

Der Hersteller hat aber vor allem was die Akkulaufzeit betrifft, noch Luft nach oben gelassen. Gegebenenfalls könnte es sogar ausreichen, die Uhr etwas dicker zu machen, um mehr Raum für einen größeren Energiespeicher zu haben. Losgelöst von der Akku-Frage sind aber auch an anderer Stelle (Workout-Coach, fehlender Schlaftracker) bei einer vielleicht folgenden Smartwatch-Generation noch Verbesserungen möglich.

Übrigens: Wenn du auf die LTE-Funktionalität verzichten kannst, wäre die Montblanc Summit 2 eine Alternative für dich. Der Preis für diese Smartwatch liegt aktuell bei 945 Euro. Unterschiede zur Plus-Variante sind zudem, dass das Display etwas kleiner ausfällt (1,19 Zoll) und der Akku nur 340 mAh groß ist.

Doch egal für welches Modell du dich am Ende entscheidest: In jedem Fall setzt du ein Zeichen und trägst ein echtes Smartwatch-Statussymbol an deinem Handgelenk. Eines, mit dem du dank integrierter NFC-Technik übrigens auch mobil bezahlen kannst.

Hayo Lücke

Kommentar

Von Hayo Lücke

Die Montblanc Summit 2+ will mit LTE-Anbindung an das Vodafone-Netz vor allem eines sein: Ein luxuriöser Alltagsbegleiter in allen Lebenssituationen. Und diesem Anspruch wird sie durchaus gerecht - wenn man mit der Einschränkung leben kann, dass man seine Armbanduhr am Ende eines jeden Tages ans Ladegerät hängen muss. Denn der Akku ist die große Achillesferse der Summit 2+. Das ist schade, denn wenn man mehr als 1.000 Euro für eine Digitaluhr ausgibt, sollte eigentlich auch die Akkulaufzeit stimmen.

Bildquellen

  • MontBlanc Summit 2+ am Handgelenk: Hayo Lücke / inside digital
  • MontBlanc Summit 2+ Seite: Hayo Lücke / inside digital
  • MontBlanc Summit 2+ WatchFaces: Hayo Lücke / inside digital
  • MontBlanc Summit 2+ Rückseite: Hayo Lücke / inside digital
  • MontBlanc Summit 2+: Hayo Lücke / inside digital
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