Huawei Watch Ultimate im Test: Sportuhr fast ohne Kompromisse

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Das nächste beeindruckende Wearable von Huawei hat das Licht der Welt erblickt: die Huawei Watch Ultimate. Ausgestattet mit einem 1,5 Zoll großen AMOLED-Touchscreen (466 x 466 Pixel / 1.000 Nits) ist sie nicht nur optisch ein Hingucker, sondern auch technologisch. Wir haben sie getestet.
Huawei Watch Ultimate

Kann die Huawei Watch Ultimate im Test überzeugen?

Das Wettrennen um Luxus-Smartwatches ist eröffnet. Garmin hat schon länger hochpreisige Wearables für Preise von rund 1.000 Euro im Angebot. Etwa die Garmin Enduro 2 (Test) oder die Garmin Fenix 7X Sapphire Solar (Test). Apple hat im vergangenen Herbst mit der Apple Watch Ultra nachgelegt. Jüngst überraschte selbst Zepp Health mit der Amazfit T-Rex Ultra, die zwar „nur“ knapp 470 Euro kostet, für Verhältnisse des chinesischen Herstellers aber sehr hochpreisig ist. Zum Vergleich: Die normale Outdoor-Smartwatch Amazfit T-Rex 2 (Test) kostet nur 230 Euro. Und jetzt bringt sich auch Huawei in Stellung: mit der nagelneuen Huawei Watch Ultimate, die im Test in vielen Segmenten zu punkten weiß.

Huawei Watch Ultimate Test: Hochwertige Verarbeitung

In den Augen des chinesischen Elektronikkonzerns ist diese neue Luxus-Smartwatch die neue (konzerneigene) Definition einer Super-Uhr. Nicht nur wegen der Vielzahl an nutzbaren Funktionen, sondern auch, weil Huawei auf eine besondere Art der Fertigung setzt. Das Gehäuse besteht nämlich aus sogenanntem Liquid Metal mit Zirkoniumlegierung. Dadurch ist die Smartwatch selbst im Vergleich zu Smartwatches mit robustem Titangehäuse besonders widerstandsfähig, versichert der Hersteller. Die nicht drehbare Lünette im 360-Grad-Kompassdesign ist aus Nano-Tech-Keramik gefertigt.

Optisch ist die Huawei Watch Ultimate ein echter Hingucker.

Nachteil: Die Huawei Watch Ultimate ist nicht gerade ein Leichtgewicht. Im Test haben wir mit Silikonarmband ein Gewicht von 97 Gramm gemessen und das ist am Handgelenk auch spürbar. Genau das ist es aber auch, was sich manche Nutzer von einer Luxus-Armbanduhr wünschen. Über allen Zweifeln erhaben ist die neue Huawei-Smartwatch hinsichtlich Verarbeitung. Sie sieht nicht nur hochwertig aus, sondern fühlt sich mit ihrem großen AMOLED-Touchscreen auch so an. Fabelhaft! Vor etwaigen Beschädigungen wird das Display übrigens durch besonders dickes Saphirglas geschützt. Es ist laut Herstellerangaben 2,35 Millimeter dick.

Ein Ass kann Huawei im Vergleich zu etwa Garmin aber nicht aus dem Ärmel ziehen: topografisches Kartenmaterial. Wer mit seiner Smartwatch unterwegs navigieren möchte, wird aber trotzdem nicht im Regen stehen gelassen. Denn auf Umwegen steht Kartenmaterial trotzdem zur Verfügung. Zum Beispiel per Dateiexport über die App Komoot.

Kompakter Tauch-Computer

Eine der aber wichtigsten Botschaften ist: Du kannst du Huawei Watch Ultimate nicht nur beim Freiwasserschwimmen nutzen, sondern auch für Sporttauchen und Technisches Tauchen. Theoretisch sogar bis zu einer Tauchtiefe von 100 Metern. Die entsprechenden Zertifizierungen (10 ATM, ISO 22810 und EN 13319) machen es möglich. Selbst ein Modus für Freitaucher ist verfügbar.

Die Uhr verfügt über verschiedene Tauchmodi und zeigt neben Basiswerten wie Tauchzeit und Tauchtiefe auch andere wichtige Informationen an. Etwa Details dazu, in welcher Tiefe man wie lange einen Dekompressionsstopp einlegen sollte. Sowohl akustisch als auch unter Zuhilfenahme eines Vibrationsalarms weist die Uhr unter Wasser auf wichtige Informationen hin. Im Nachgang ist es über die Huawei Health App möglich, den persönlichen Tauchgang näher zu analysieren.

Bei Bedarf verwandelt sich die Huawei Watch Ultimate in einen modernen Tauchcomputer.

GPS-Sportuhr unter freiem Himmel

Natürlich ist die Huawei Watch Ultimate aber nicht nur im Wasser, sondern auch unter freiem Himmel nutzbar. Dann als klassische Multisport-GPS-Smartwatch, die nicht nur fünf Ortungssysteme unterstützt, sondern auch Dual-Band GPS für eine besondere hohe Präzision während des Sporttrackings. Insbesondere bei schnellen Kurvenläufen und auf dem Rad bei Kurvenfahrten vergisst das GPS-Tracking aber ein paar Meter zu zählen; ein Problem, das aber fast alle Sportuhren haben.

Eine zusätzliche (dritte) Taste links oben erlaubt es, einen Expeditionsmodus zu starten. An der rechten Seite ist neben einer drück- und drehbaren Krone ebenfalls ein kleiner Drücker zu finden. Er ist frei belegbar. Somit hast du an dieser Stelle die Möglichkeit, eine besonders häufig genutzte Funktion zu hinterlegen. Beispielsweise den Tauchmodus, die allgemeine Trainingsauswahl oder auch Extras wie Stoppuhr, Wecker, Kompass oder Barometer.

Bei Bedarf ist im Expeditionsmodus sogar ein neuer Nachtmodus verfügbar. Dann erscheinen nach Sonnenuntergang oder manuell per Tastendruck die wichtigsten Daten für eine optimierte Ablesbarkeit ohne Weißtöne in einem Orangeton auf dem Display. Auf diese Weise wird verhindert, dass die Augen bei dunklen Verhältnissen zu stark geblendet werden. Neben Zeit, Kilometern und Schritten zeichnet der Expeditionsmodus unter anderem auch die durchschnittliche Geschwindigkeit und die Höhe auf.

Expeditionsmodus bei Tag auf der Huawei Watch Ultimate.
Der Expeditionsmodus der Huawei Watch Ultimate im Nachtmodus.

Letzteres aber leider nicht zuverlässig. Trotz manueller Konfiguration ist es uns nicht gelungen, den Höhenmesser so einzustellen, dass er korrekte Werte anzeigt. Fortlaufend und auch trotz Rücksetzen der Uhr auf Werkeinstellungen wurden uns im flachen Münsterland selbst bei normalen Trainings (mehr als 120 Sportprofile stehen zur Verfügung) falsche Werte angezeigt; bis zu -225 Meter. Würde das stimmen, wäre die Stadt Münster wohl längst in der Nordsee versunken.

Praktisch: Jederzeit ist es etwa während einer Wanderung oder eines Trail-Runs möglich, sich von der Huawei Watch Ultimate auf dem zuvor zurückgelegten Weg zurück zum Ausgangspunkt des Workouts leiten zu lassen. Ferner bietet die Uhr aber auch die Möglichkeit, über manuell gesetzte Wegpunkte eine Rückführung auf möglichst geradem Weg zu nutzen.

Großer Bildschirm erlaubt das Ablesen von vielen Inhalten auf einen Blick

Aufgrund der Größe des Displays macht das Ablesen von sämtlichen gemessenen Strecken- und Vitalwerten übrigens noch einmal mehr Spaß. Denn das 1,5 Zoll große Panel zeigt viele wichtige Daten auf einen Blick und in einer ausreichenden Größe an. Selbst bei grellem Licht ist ein Ablesen aufgrund der enormen Leuchtkraft des Bildschirms jederzeit gut möglich.

Ein EKG erstellen? Mit der Huawei Watch Ultimate ist das kein Problem.
So zeigt die Huawei Watch Ultimate das Ergebnis zur EKG-Messung an.
Auch das Messen der Arterienverhärtung ist mit der Huawei Watch Ultimate Ergebnis.
Ergebnis der Messung zur Arterienverhärtung mit der Huawei Watch Ultimate.

Der rückseitige 8-Kanal-Herzfrequenzmesser protokolliert nicht nur deinen Puls, sondern auch andere Gesundheitsdaten wie Blutsauerstoffsättigung (SpO2) und Stresslevel. In weiten Teilen klappte das im Test zuverlässig. Phasenweise mussten wir aber feststellen, dass auf den ersten 500 bis 1.000 Metern ein (deutlich) zu niedriger Pulswert angezeigt wurde. Erst danach berappelte sich die Messung und lieferte durchweg ein Tracking auf Oberklasse-Niveau. Möglicherweise lag die Diskrepanz zwischen tatsächlichem und gemessenem Puls an einem zu lasch festgezogenen Armband, wir können es aber nicht mit Sicherheit sagen.

Zudem kannst du mit der Uhr ein Elektrokardiogramm (EKG) deines Herzens erstellen und die aufgezeichneten Daten bei Bedarf mit einem Arzt deines Vertrauens teilen. Außerdem an Bord: Ein Luftdrucksensor, der es ermöglicht, sich von der Uhr vor heranziehenden Unwettern warnen zu lassen. Auch ein Temperatursensor ist verbaut, zudem ein Umgebungslichtsensor, der das Display nur in jener Helligkeit erstrahlen lässt, wie es notwendig ist. Das spart Energie. Bei Bedarf kannst du die Helligkeit des Bildschirms aber auch stufenlos manuell anpassen.

Startseite der Huawei Health App
Trainings-Übersicht in der Huawei Health App.
Schlaftracker in der Huawei Health App.

Die Akkulaufzeit: Stark!

Im Durchschnitt hält der Akku der Huawei Watch Ultimate mit einer Kapazität von 530 mAh 14 Tage. Das verspricht zumindest der Hersteller. Wir konnten im Rahmen unseres Tests ermitteln, dass wir die Uhr fast neun Tage ununterbrochen verwenden konnten. Dabei hatten wir die Smartwatch unter anderem so eingestellt, dass eine kontinuierliche Messung der Herzfrequenz erfolgte, das Stresslevel protokolliert wurde und auch die TruSleep-Schlaftracker-Funktion aktiv war; parallel zu automatischer SpO2-Messung. Mit aktiviertem Always-On-Display reduzierte sich die Akkulaufzeit auf knapp fünf Tage.

Allerdings ist die tatsächliche Akkulaufzeit davon abhängig, wie intensiv und mit welchen Einstellungen sie ihr Träger verwendet. Zudem ist zu berücksichtigen, wie viele GPS-unterstützte Workouts absolviert werden. In unserem Fall waren es drei etwa halbstündige Trainings pro Woche. Eine Wiederaufladung der Uhr ist über das mitgelieferte Ladekabel an einem USB-A-Anschluss in rund einer Stunde möglich.

Auf der Rückseite der Huawei Watch Ultimate ist auch der magnetische Ladeanschluss zu finden.

Gar nicht gefallen hat uns der hohe Strombedarf der Huawei Health App auf einem gekoppelten iPhone. Im Schnitt war die App so sehr mit Hintergrundaktivitäten beschäftigt, dass sie während einer zehntägigen Nutzung des Smartphones für rund 10 Prozent des benötigten Strombedarfs des Apple-Smartphones verantwortlich war. Entschieden zu viel. Die Folge: Es war schneller notwendig, das iPhone mit neuer Energie zu versorgen, als eigentlich gewohnt. Dieses Problem sollte sich aber per Software-Update beheben lassen, wenn es die Huawei-Techniker wollen.

Was kostet die Huawei Watch Ultimate?

Angeboten wird die Huawei Watch Ultimate ab sofort in zwei Versionen. Einerseits in der von uns getesteten Variante mit Silikonarmband, andererseits aber auch mit einem Titanarmband. Der Preis liegt bei 749 respektive 899 Euro. Wer sich für das hochpreisigere Modell entscheidet, darf sich im Lieferumfang zusätzlich über ein Sportarmband freuen. Bei beiden Uhren ist zudem ein extralanges Taucharmband inklusive.

Huawei Watch Ultimate mit Silikonarmband (links) und Titanarmband (rechts).

Mit den aufgerufenen Preisen ist die Huawei Watch Ultimate natürlich ein pures Luxusobjekt. Der nachfolgende Preisvergleich zeigt dir, wo du die Smartwatch im Online-Handel aktuell schon mit etwas Rabatt kaufen kannst.

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Fazit zur Huawei Watch Ultimate: Viel besser geht’s nicht

Wer sich für die Huawei Watch Ultimate entscheidet, wird von seiner neuen Armbanduhr sicher nicht enttäuscht sein. Sie ist zwar alles andere als ein Schnäppchen, bietet dafür abgesehen vom nicht verfügbaren topografischen Kartenmaterial aber gefühlt alles, was man von einer modernen Luxus-Smartwatch erwarten kann. Und on top ist sie sogar als Tauch-Computer nutzbar und überzeugt mit einer hervorragenden Verarbeitung. Aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts ist sie im Alltag aber nichts für zierliche Handgelenke. Das riesige AMOLED-Display ist dafür mit seiner hohen Auflösung und immensen Leuchtkraft eine echte Augenweide.

Ist die Uhr per Bluetooth mit einem Smartphone verbunden, kannst du am Handgelenk übrigens auch telefonieren. Denn neben einem Mikrofon ist auch ein Lautsprecher verbaut. Gleichermaßen spiegelt die Uhr auf dem Smartphone eingehende Benachrichtigungen ans Handgelenk. Das klappt rundum zufriedenstellend. Allerdings nur in eine Richtung. Auf der Uhr gelöschte Smartphone-Benachrichtigungen müssen manuell ein zweites Mal auf dem Smartphone gelöscht werden. Diese Synchronisation von Push-Mitteilungen klappt beispielsweise auf Uhren von Garmin besser.

Ähnlichkeiten zur Apple Watch sind bei der Widget-Übersicht der Huawei Watch Ultimate nicht zu übersehen; auf Wunsch sind die Widgets aber auch in Listenform darstellbar.

Hinsichtlich der Leistung gibt es an der Huawei Watch Ultimate nichts auszusetzen. Flüssig und ohne Ruckler geht die Navigation auf Basis von HarmonyOS über die Bühne. Dass das Betriebssystem aber auch bei einer Premium-Smartwatch nicht in der Lage ist, mehr als sechs Widgets als Favoriten zugänglich zu machen – zu erreichen, indem man vom gewählten Ziffernblatt nach rechts oder links über das Display wischt – verwundert dann doch stark. Eine Einschränkung, die nicht so recht einleuchten mag, wenn man bedenkt, dass Huawei in Summe 18 Widgets zur Auswahl stellt.

Übrigens: In China ist die Uhr auch in der Lage, über das Satelliten-Netzwerk von Beidou Nachrichten per Satellit zu verschicken. In Deutschland und Europa ist dieses Feature bisher nicht freigeschaltet.

Vorteile der Huawei Watch Ultimate

  • brillantes LTPO AMOLED Display
  • (in der Regel) präziser Herzfrequenzsensor inklusive EKG-Funktion
  • starke Akkulaufzeit
  • hochwertige Verarbeitung
  • viele Funktionen

Nachteile der Huawei Watch Ultimate

  • sehr groß und schwer
  • kein topografisches Kartenmaterial nutzbar
  • ziemlich hochpreisig
  • in Europa trotz integriertem NFC keine Bezahlmethoden nutzbar
  • Huawei Health App verbraucht (auf einem iPhone) zu viel Strom

Hinweis: Die Huawei Watch Ultimate wurde uns für diesen Test vom Hersteller für mehrere Wochen kostenlos zur Verfügung gestellt. Anschließend erfolgte ein Rückversand an Huawei. Getestet wurde die Uhr auf Basis von Harmony OS-Version 3.0.0.109 in Kombination mit einem iPhone 14 Pro von Apple. Auf dem Smartphone kam dabei die Huawei Health App in Version 13.1.3.305 zum Einsatz.

Bildquellen

  • Huawei Watch Ultimate Test – Rückseite: Hayo Lücke / inside digital
  • Huawei Watch Ultimate im Test – Varianten: Huawei
  • Neue Smartwatches: Viel Uhr zum Kampfpreis: Zepp Health

1 Kommentar

  1. #Niemehrhuawei
    Da frage ich mich nur, ob die Pulsmessung bei verschiedenen wechselnden Workouts wie Rudern und Laufen bei diesem Teil auch tatsächlich funktioniert. Bei meiner HUAWEI Watch GT2 Pro waren diese Werte noch nicht einmal grobe Schätzwerte. Erst wurden VIEL zu niedrige Werte angezeigt, dann - nach ca. 12 Minuten (!) rudern - halbwegs realistische Werte. Kurz darauf schnellten die Werte explosionsartig nach oben und dieses Verhalten war reproduzierbar. Das lässt mich vermuten, dass hier softwareseitig eingegriffen wird, um eindeutige Schwächen der Sensoren zu kaschieren. Dieses Verhalten war immer dann besonders ausgeprägt, wenn zwischen Rudern, Laufen und Radfahren gewechselt wurde. Und hier bin ich nicht alleine betroffen, wie man in einschlägigen Foren nachlesen kann. Jedenfalls habe ich diesen Kernschrott nach fas 2 Jahren ständigen Ärgerns entsorgt und bin auf Garmin umgestiegen. Meine Venu 2 Plus funktioniert tadellos und liefert exakt die selben Werte wir mein Kontroll-Brustgurt, den ich - obwohl eine Kopplung mit Garmin im Gegensatz zur Huawei möglich wäre - nicht mehr benötige. Ich habe das Vertrauen in Huawei komplett verloren, daran ändern auch die überaus nützlichen Workouts wie Dart, Billard oder Hola Hoop (was für ein Schwachsinn) nichts.
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