Crowdfunding: So funktioniert die digitale Schwarmfinanzierung – einfach erklärt

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Den Begriff Crowdfunding haben die meisten schon irgendwo gehört. Doch was steckt hinter Crowdfunding und wie funktioniert es? Macht es vielleicht sogar Sinn, sich aktiv an Kampagnen zu beteiligen oder ist es eine reine Zeitverschwendung? Wir haben die Antworten.
Schwarmfinanzierung
CrowdfundingBildquelle: Tumisu / Pixabay

Den Begriff Crowdfunding hört man in letzter Zeit immer häufiger – sei es im Fernsehen, im Radio oder bei einem Gespräch mit den Freunden. Doch während der Ausdruck selbst laut dem Crowdfunding Barometer 2021 in Deutschland bereits einen Bekanntheitsgrad von 74,3 Prozent erreicht hat, gaben nur 44,4 Prozent der Befragten an zu wissen, was sich wirklich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. In diesem Artikel erfährst du genau das, und zusätzlich auch zahlreiche andere, nützliche Infos rund um das Thema Crowdfunding.

Crowdfunding Definition: Was ist Crowdfunding?

Grundsätzlich handelt es sich bei Crowdfunding um eine Art Schwarmfinanzierung. Wer früher Geld für eine Unternehmensgründung oder sonstige Projekte benötigte, musste es durch beispielsweise Fördergelder oder Kredite beschaffen. Erstere sind jedoch meist ziemlich schwer zu bekommen, während bei Krediten verständlicherweise Zinsen anfallen. Crowdfunding eröffnet jedoch eine weitere Möglichkeit: Die Finanzierung durch gleichgesinnte Geldgeber.

Und so funktioniert es: Zunächst muss der Bittsteller (manchmal ist es sogar ein größeres Unternehmen) seine Idee präsentieren. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Eine Start-up-Gründung, ein Buch, ein Videospiel oder gar eine Weltreise – solange es nicht illegal ist und man die Crowdfunder für sein Vorhaben begeistern kann, ist alles möglich. Diese spenden ihrerseits unterschiedlich hohe Geldbeträge, mit dem Ziel, eine bestimmte, im Rahmen der Kampagne festgesetzte Summe zu erreichen. Ist dies geschehen, kann die Umsetzung des Crowdfunding-Projekts starten.

Gegenleistung für Crowdfunder?

Grundsätzlich gibt es keine konkreten Vorgaben, die beim Crowdfunding erfüllt werden müssen. Theoretisch ließe sich die eigene Idee auch mit einem einzelnen Satz erläutern, doch in diesem Fall würde die Crowdfunding-Kampagne höchstwahrscheinlich keine Früchte tragen. Je mehr Infos man bereitstellt – wie ausführliche Erläuterungen, Businesspläne, Werbevideos et cetera –, umso höher sind die Erfolgschancen. Zudem ist ein Anreiz in Form einer Gegenleistung eine gute Idee. Bei dieser handelt es sich meist nicht um eine finanzielle Rückerstattung oder Rendite (zumindest abseits des sogenannten Crowdinvestings), sondern eher um Sachgüter oder Privilegien.

Ein Beispiel: Crowdfunder, die ein Buch mitfinanziert haben, erhalten eine signierte Fassung des Werks. Oder wenn am Ende der Kampagne ein umweltfreundliches Smartphone in den Verkauf geht, dann könnten die Geldgeber einen Preisnachlass erhalten. Weiterhin variiert die versprochene Gegenleistung oftmals je nach Höhe der Spende. Auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hauptsache man ist in der Lage, die seinen „Investoren“ versprochene Leistung auch wirklich zu erbringen.

Crowdfunding-Plattformen

Natürlich lässt sich Crowdfunding nicht mithilfe einer Facebook-Gruppe umsetzen. Damit Gründer, Start-ups und sonstige Bittsteller die Geldgeber auch wirklich erreichen, wurden zahlreiche Crowdfunding-Plattformen geschaffen. Dabei gehören die folgenden drei Seiten zu den beliebtesten:

 KickstarterIndiegogoStartnext
Provision5 Prozent5 Prozentfreiwillige Provision
Transaktionsgebühr3 Prozent + 0,2 Euro (über 10 Euro)
5 Prozent + 0,05 Euro (unter 10 Euro)
3 Prozent + 0,2 Euro4 Prozent
Transfergebühr--25 Euro--
Linkzur Kickstarter-Seitezur Indiegogo-Seitezur Startnext-Seite

Solche Plattformen sind keine gemeinnützigen Organisationen. Bei einer erfolgreichen Finanzierung eines Projekts (dafür muss das Funding-Ziel erreicht sein) erhalten Crowdfunding-Plattformen einen gewissen Prozentsatz des Gesamtbetrags. Bei Kickstarter sind es 5 Prozent. Zudem fällt hier eine Transaktionsgebühr von ungefähr 3 bis 5 Prozent pro Unterstützung an. Indiegogo verlangt von seinen Nutzern ebenfalls 5 Prozent Provision. Allerdings beträgt Transaktionsgebühr hier „lediglich“ drei Prozent; doch dafür müssen Nutzer zusätzlich bei Indiegogo eine feste Transfergebühr in Höhe von 25 Euro bezahlen. Bei Startnext findet man derweil einen anderen Ansatz: Die Crowdfunding-Plattform verlang keine Provision für ihre Dienste, doch sie appelliert an Nutzer, einen freiwilligen Betrag für die Finanzierung der Seite zu spenden. Laut den Betreibern kommt so im Durchschnitt eine Provision in Höhe von 3 Prozent zustande. Die Transaktionsgebühr beträgt bei Startnext derweil 4 Prozent.

Crowdfunder werden: Darauf solltest du achten

Grundsätzlich empfiehlt es sich, Crowdfunding genauso zu betrachten, wie ein Investment. Zwar bekommen Spender in den meisten Fällen keine Zinsen oder Dividenden, aber selbst in diesem Fall wollen die „Investoren“ sicherlich nicht, dass ihr Geld sinnlos verschwendet wird. Darum solltest du dich vor einer (größeren) Spende ausführlich mit den Crowdfunding-Zielen der jeweiligen Kampagne vertraut machen. Wirken sie realistisch? Gibt es einen Business-, einen Finanzierungs- oder einen Zeitplan? Es ist wichtig sich ein Bild davon zu machen, ob das Projekt auch wirklich umsetzbar ist. Und wenn die Antwort „ja“ lautet, dann kann man getrost mitfinanzieren.

An dieser Stelle bleiben nur noch zwei praktische Fragen, die es zu klären gilt:

  • Was geschieht mit dem Geld, wenn das Projekt scheitert oder gar nicht erst zustande kommt?
  • Gibt es eine Spendenquittung? (Sie kann für steuerliche Vorteile genutzt werden.)

Crowdfunding in Deutschland

Im Crowdfunding Barometer wurde die Entwicklung des Crowdfunding in Deutschland seit 2015 festgehalten. Damals belief sich die Beteiligung der Bevölkerung (ab 18 Jahren) auf nur 7,3 Prozent. Mittlerweile ist diese jedoch auf über 17 Prozent angestiegen – und dazu hat offensichtlich auch die Covid-19-Pandemie ihren Beitrag geleistet. So sind die Beteiligungs-, Verständnis- und Bekanntheitswerte von Crowdfunding in Deutschland im vergangenen Jahr enorm angestiegen. In nächster Zeit dürfte sich das Wachstum folglich wieder spürbar reduzieren. Und dennoch ist unverkennbar, dass Crowdfunding-Projekte auch unter der deutschen Bevölkerung immer mehr Interesse wecken.

Crowdfunding
Crowdfunding Barometer 2015 – 2021

Unterm Strich stellt Crowdfunding für Gründer, Kreative, Start-ups und sogar etablierte Unternehmen eine Chance dar, die eigenen Ideen zu verwirklichen. Geldgeber erhalten derweil die Möglichkeit, sich an interessanten oder innovativen Projekten zu beteiligen und gegebenenfalls als erste vom fertigen Produkt zu profitieren. Es ist also eine Win-win-Situation.

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