Zehn Jahre für eine Stadt: Telekom baut Glasfaser-Netz aus

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Bis Deutschland flächendeckendes schnelles Internet über Glasfaserleitungen hat, wird es noch sehr lange dauern. Wie lange, das macht eine Ankündigung der Telekom deutlich. Sie will eine komplette Stadt ausbauen – in zehn Jahren Bauzeit.
Ein Bauhelm und Glasfaser-Speedpipes liegen auf einem Tisch
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Obwohl sich die Deutsche Telekom mit den Stadtwerken Münster bereits einen Partner gesucht hat, der die Stadt gut kennt, wird der Ausbau des FTTH-Netzes in der Stadt Münster bis zum Jahr 2030 dauern. 160.000 Haushalte wollen die beiden Unternehmen zusammen versorgen. Damit sind dann 80 Prozent der Haushalte oder 40.000 Gebäude erreicht.

In einem ersten Schritt haben die Stadtwerke und die Telekom jetzt erst einmal eine Absichtserklärung zu diesem Projekt unterzeichnet. Das zeigt aber auch: Es wird dauern, bis es überhaupt losgeht mit den Bauarbeiten. Bei den Stadtwerken Münster geht man vom ersten Spatenstich in 2021 aus. In welchem Stadtteil ist unklar.

Stadtwerke graben, Telekom schaltet

Die Stadtwerke wollen sich im Rahmen dieser Partnerschaft auf ihre Kompetenz der passiven Infrastruktur konzentrieren. Das bedeutet: Sie werden die Leitungen bauen. Sinnvoll ist das insofern, als dass sie über viele Infrastrukturen verfügen und diese möglicherweise mitnutzen können. Die Telekom bringt die aktive Technik in das Netz ein, also die eigentliche Dienstleistung. Telekom und Stadtwerke wollen gleichermaßen auf Kundenfang für die Glasfaserleitungen gehen. Und auch anderen Anbietern wollen die beiden Unternehmen ihre Leitungen anbieten.

„Mit den Stadtwerken Münster haben wir einen erstklassigen Partner gefunden, um die Region mit einem superschnellen Breitbandnetz zu versorgen“, sagt Telekom Deutschland Privatkunden-Chef Michael Hagspihl, der selbst in Münster lebt. Diese Partnerschaft passe perfekt in die Ausbau-Strategie der Telekom.

Der Fokus der Zusammenarbeit liege zunächst auf dem gemeinsamen Aufbau und Betrieb einer gigabitfähigen Infrastruktur auf Basis der Glasfasertechnologie. In zwei Stadtvierteln Münsters betreiben die Stadtwerke bereits ein Glasfasernetz. Mit der Erschließung des Stadtteils Amelsbüren und der Umsetzung des Bundesförderprogramms Breitband beginnt das Unternehmen noch in diesem Jahr. Zusammen mit den 80 Prozent, die durch die Kooperation erschlossen werden sollen, gehen die Unternehmen davon aus, dass in zehn Jahren ganz Münster Zugang zu einer direkten Glasfaserleitung haben wird.

Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Glasfaserausbau sei auch die entsprechende Nachfrage der Bevölkerung, die im Rahmen von Vorvermarktungen verbindlich abgefragt wird.  Hier bleibt nur zu hoffen, dass die Vorvermarktung nicht mit zu viel Vorlaufzeit erfolgt. Wer weiß schon, ob er in zehn Jahren noch in derselben Wohnung wohnt? Telekom-Chef Höttges jedenfalls hatte vor kurzem erst versprochen, das jeder in Deutschland Glasfaser-Leitungen bekommen soll.

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4 KOMMENTARE

  1. Ich kann nur jedem abraten einen Glasfaseranschluss bei der Telekom zu beantragen. Ich selbst habe im Jahr 2018 einen Glasfaseranschluss für meinen Neubau beantragt. Zwei Jahre später (Juli 2020) habe ich immer noch keinen Telefonanschluss. Ich bin mittlerweile nur noch genervt und frustriert, weil die Telekom einen so hängen lässt. Allen anderen in unserem Neubaugebiet geht es genauso. Zwei Nachbarn verklagen mittlerweile die Telekom auf Schadensersatz, weil sie beruflich auf eine Internetverbindung angewiesen sind. Lasst die Finger davon. Geht zu irgendeinem anderen Telefonanbieter aber bloss nicht die Telekom.

  2. Deutschland hinkt in der Digitalisierung total hinter her!
    Wer hier 10 Jahre noch braucht lebt wohl auf einem anderen Planeten!

  3. 10 Jahre sind in der aktuellen Marktlage mit den zur Zeit verfügbaren Tiefbauunternehmen absolut realistisch. Das Problem ist das sich die Big Player wie die DTAG oder eine Deutsche Glasfaser große Tiefbaukapazitäten für viele Jahre im Vorfeld sichern und lokale Carrier oft das Nachsehen haben. Hier haben meiner Meinung nach die Stadtwerke Münster eben die Schwierigkeit an bezahlbare, zeitlich verfügbare und auch fähige Tiefbauer zu kommen.

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