Das Flurlicht soll warmweiß angehen, wenn die Haustür aufgeht. Aber nur, wenn es draußen schon dunkel ist. Und am Wochenende darf der Bewegungsmelder ruhig anders reagieren als unter der Woche. Wer diese Automationen in der Hue-App nutzen wollte, musste aufgrund von Limitationen in der Hue-App in der Regel auf Drittanbieter-Apps setzen. Ab sofort steht Version 6.4.0 der Hue-App im App Store bereit, die diese Ärgernisse bereinigen soll. Hinter der unscheinbaren Versionsnummer steckt nämlich eine Funktion, die Signify schon vor Wochen versprochen hatte.
Warum Hue ausgerechnet hier jahrelang passen musste
Hue gilt bei smarter Beleuchtung als Maßstab. Bei den Automationen war das System aber erstaunlich eng gestrickt. Das Menü arbeitet mit festen Vorlagen wie „Aufwachen“, „Timer“ oder Nach Hause kommen“. Eine Regel, die mehrere Bedingungen verknüpft, ließ sich damit nicht bauen.
Wer das wollte, musste ausweichen: auf Drittanbieter-Apps oder Smart-Home-Systeme wie Apple Home. Das funktioniert, verteilt die Steuerung aber auf mehrere Apps. Änderst du etwas an deiner Beleuchtung, ziehst du im Zweifel an zwei Stellen nach. Signify hatte die Lösung Anfang September zur IFA angekündigt und für Anfang Oktober versprochen. Der Termin verstrich ohne Update. Jetzt ist es mit gut drei Wochen Verspätung da.
Endlich da: Lichtregeln in deinen eigenen Worten
Was die Bridge Pro jetzt kann, nennt Signify „Custom AI Behaviors“. Gemeint sind Automationen, die du nicht mehr zusammenklickst, sondern in einem Chatfenster beschreibst. Ein KI-Assistent zerlegt deinen Satz in drei Bausteine: einen Auslöser (die Tür geht auf), eine Bedingung (die Sonne ist untergegangen) und eine Aktion (der Flur leuchtet warmweiß). Das Szenario vom Anfang ist damit nur noch ein Satz.
Laut Signify entstehen so Abläufe, die in der Hue-App bisher nicht möglich waren. Als Beispiele nennt der Hersteller Sensoren, die am Wochenende anders reagieren als werktags, eine Szene zum Start der TV-Synchronisation oder eine individuelle Morgenroutine. Wie du dem Screenshot entnehmen kannst, gehört Deutsch zu den unterstützten Sprachen. Den Einstieg findest du an drei Stellen: über eine KI-Schaltfläche auf den Übersichten für Zuhause, Räume und Zonen, im Reiter „Automationen“ und in den Einstellungen des jeweiligen Zubehörs.
Im direkten Gespräch mit Hue-Verantwortlichen auf der IFA wurde mir versichert, dass auch Automationen via Hue-Bewegungsmelder umfangreich sein sollen. Ja, du kannst Lampen auf diese Weise anschalten. Einen Trigger für das Ausschalten gab es nach einer langen Zeit. Hier war bislang ein Präsenzmelder, wie der Aqara FP300 (Test) eine bequeme Alternativlösung. Ob diese Automation nun wirklich mit den neuen AI Behaviors klappt, werde ich mir zeitnah im Test genauer anschauen.
Der Haken: Nicht jeder Hue-Nutzer bekommt die neue Funktion
Auch die große Neuerung läuft ausschließlich mit der Bridge Pro. Die alte, weiße Hue Bridge bleibt außen vor, egal wie aktuell ihre Software ist. Zusätzlich braucht die Bridge Pro die Firmware, die Signify seit dem 23. Oktober verteilt. Laut Versionshinweisen bereitet erst sie die Zentrale auf die Funktion vor.
Damit setzt Hue einen Kurs fort, der sich seit Monaten abzeichnet. Auch MotionAware, das Hue-Lampen selbst zum Bewegungsmelder macht, gibt es nur mit der Pro-Zentrale. Für Besitzer der alten Bridge wird die Liste der Funktionen, die an ihnen vorbeigehen, stetig länger. Und die Bridge Pro ist teurer geworden. Signify hat die UVP im September von 99,99 auf 149,99 Euro angehoben. Zum Marktstart im September 2025 lag sie noch bei 89,99 Euro. Das ist ein Plus von rund zwei Dritteln.
Was die Hue-Version 6.4.0 sonst noch bringt
Neben der großen Neuerung nennen die Versionshinweise drei kleinere Punkte. Die Szenen-Galerie schlägt passende Lichtszenen jetzt auch abhängig von der Tageszeit vor. Bisher richteten sich die Empfehlungen nur nach Raum oder Zone.
Außerdem soll die Einrichtung von Screen Sync, der Kamera-Lösung für die TV‑Synchronisation , einfacher werden. Die Bildschirmecken setzt du jetzt per Zwei-Finger-Zoom. Und die App zeigt an, wann die automatische Abstimmung auf den Bildinhalt abgeschlossen ist. Bisher musstest du das eher nach Gefühl beurteilen.
Der dritte Punkt betrifft SpatialAware. Die Funktion optimiert Lichtszenen anhand der Position jeder Lampe im Raum und funktioniert jetzt auch in Zonen, also über mehrere Räume hinweg. Für einen offenen Wohn- und Essbereich ist das praktisch. Allerdings gibt es SpatialAware nur mit der Hue Bridge Pro.
