Jeder sechste Erwachsene in Deutschland hat in den vergangenen zwölf Monaten online eingekauft und erst später bezahlt. Das ergab eine Civey-Umfrage im April. Die meisten von ihnen nutzen einen von zwei Diensten: 59 Prozent zahlten mit PayPal später, 52 Prozent mit Klarna, viele mit beiden. PayPal selbst spricht von mehr als 15 Millionen Kunden in Deutschland, die „Bezahlung nach 30 Tagen“ oder die Ratenzahlung nutzen. Für Klarna ist Deutschland nach Volumen der größte Markt, fast ein Viertel der Konzernerträge kam 2025 von hier.
Das Ganze endet auch nicht mehr an der Bildschirmkante. Mit der PayPal-App zahlt man kontaktlos an der Ladenkasse und kann größere Einkäufe dort direkt in 3, 6, 12 oder 24 Monatsraten aufteilen. Klarna wirbt damit, im Geschäft ebenso zu funktionieren wie über Apple Pay und Google Pay.
PayPal & Klarna: Was ab dem 20. November gilt
An diesem Tag greift in Deutschland das neue Verbraucherkreditrecht. Der Bundestag hat es am 17. April beschlossen, der Bundesrat im Mai zugestimmt, umgesetzt wird damit eine EU-Richtlinie. Erstmals erfasst sind Kredite unter 200 Euro, zins- und gebührenfreie Kredite und Laufzeiten bis zu drei Monaten. Genau dort lag das Später-Bezahlen bisher: außerhalb der Schutzregeln für Kredite.
→ PayPal: App „nicht mehr nutzbar“
Bei PayPal fällt damit die „Bezahlung nach 30 Tagen“ neu unter das Gesetz. Die Ratenzahlung galt schon vorher als Kredit und bekommt zusätzliche Pflichten. Bei Klarna betrifft es vor allem den Kauf auf Rechnung. Gewährt ein Dienst wie Klarna oder PayPal den Zahlungsaufschub, greift die Ausnahme für den Rechnungskauf nicht. Die gilt nur, wenn der Händler selbst und kostenlos ein Zahlungsziel von bis zu 50 Tagen einräumt, bei großen Online-Händlern höchstens 14 Tage.
Konkret heißt das: Vor jedem Kauf auf Pump muss der Anbieter die Kreditwürdigkeit prüfen, egal wie klein der Betrag ist. Bestehende Verbindlichkeiten zählen mit, Daten aus sozialen Netzwerken und Gesundheitsdaten sind tabu. Vor dem Abschluss gibt es Informationen zu Kosten und Risiken samt Warnhinweis. Für zinsfreie Produkte lautet er bei PayPal: „Achtung! Kredite können bei Verzug zu Kosten führen.“ Lehnt der Anbieter ab, muss er das begründen können, auch wenn ein Algorithmus entschieden hat.
Warum der Gesetzgeber eingreift
Weil das bequeme „Später“ für einen Teil der Nutzer teuer endet. In einer BaFin-Umfrage vom April 2025 gaben 14 Prozent der Nutzer an, schon einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren zu haben, unter 30 waren es 24 Prozent. Zwölf Prozent hatten mehr als 500 Euro Schulden aus solchen Käufen. Von den Ratenzahlern sagten 29 Prozent, ihnen habe schlicht das Geld gefehlt.
→ Neue Konten für fast alle Deutschen: Maximal 3.000 Euro erlaubt
Kostenlos ist das „Später“ nur für die Pünktlichen. Klarna verbuchte 2025 konzernweit rund 227 Millionen Euro an Verwaltungsgebühren, Mahngebühren eingeschlossen. Das geht aus einer Auswertung des Jahresberichts durch das Fachportal Dr. Web hervor.
Was sich für Kunden ändert
Am Checkout wird man wenig merken. PayPal kündigt Händlern nur geringe sichtbare Änderungen an, vor allem den Warnhinweis und die Informationen vor dem Kauf. Bonitätsprüfungen mache man schon heute, das Gesetz schreibe sie nun fest. Die Später-Optionen bleiben im Angebot.
Spürbar wird die Reform eher für Kunden mit mehreren offenen Posten. Weil bestehende Schulden jetzt in die Prüfung einfließen müssen, kann die Später-Option für sie häufiger fehlen. Wer automatisch abgelehnt wird, kann eine Überprüfung durch einen Menschen verlangen. Käufe, die vor dem 20. November abgeschlossen sind, laufen nach altem Recht weiter. Der erste Härtetest folgt eine Woche nach dem Stichtag, am Black Friday.
