Telefónica Deutschland, Betreiber des O2-Netzes, nennt damit erstmals einen festen Endtermin für GSM im eigenen Netz. GSM ist der Mobilfunkstandard hinter 2G. Er war vor allem für Telefonie und SMS gedacht. Telefónica kündigt die Abschaltung für die zweite Jahreshälfte 2028 an. Freiwerdende Frequenzen will der Anbieter künftig für 4G und 5G nutzen. Zuvor hatten bereits die Deutsche Telekom und dann auch Vodafone die Abschaltung von GSM angekündigt – ebenfalls für Mitte 2028. O2 hatte sich bislang bedeckt gehalten.
Welche Handys du jetzt prüfen solltest
Für die meisten Nutzer ändert sich zunächst wenig. Ein aktuelles Smartphone nutzt 4G oder 5G und führt Anrufe über VoLTE. Die Abkürzung steht für Telefonie über das 4G-Netz. Damit braucht das Handy für Gespräche keine alte 2G-Verbindung mehr.
Geräte, die ausschließlich über 2G funken, funktionieren nach der Abschaltung im O2-Netz nicht mehr – und auch nicht bei Telekom und Vodafone. Beispiele dafür sind nicht zwingend Jahrzehnte alt: So verfügt beispielsweise das Nokia 105 aus dem Jahre 2023 nur über GSM. Aber auch 2000er-Jahre-Klassiker wie das Nokia 3210, 3310 oder 6310i sowie Handys von Siemens oder das Klapphandy Motorola RAZR V3 sind betroffen.
Auch ältere Smartphones können betroffen sein, wenn sie zwar mobile Daten über 4G nutzen, Gespräche aber weiterhin über 2G führen. Entscheidend ist dann, ob das Modell VoLTE unterstützt und die Funktion eingeschaltet ist. Telefónica empfiehlt, die Geräteangaben des Herstellers zu prüfen. In den Einstellungen kann die Funktion je nach Modell als „VoLTE“, „LTE-Anrufe“ oder „4G-Anrufe“ auftauchen. Beim iPhone 5, iPhone 5c oder iPhone 5s beispielsweise ist diese VoLTE-Funktion nicht zu finden.
Betroffen sind auch Nutzer, die nicht bei O2 Kunde sind, aber das O2-Netz nutzen. Beispielsweise Nutzer von Aldi Talk und Blau, oder aber der alten Marken E-Plus und simyo, die möglicherweise seit Jahrzehnten ihre Handys und Tarife nutzen.
Auch unsichtbare Funkgeräte können ausfallen
Das größere Problem steckt oft nicht in der Hosentasche. Viele Geräte arbeiten jahrelang im Hintergrund und nutzen eine eingelegte SIM-Karte. Dazu zählen Alarmanlagen, Tracker, Telemetriesysteme, fest verbaute Notruftechnik oder andere vernetzte Anlagen. Und auch im Auto wird das Thema auftauchen, denn das alte eCall-System auf GSM-Basis wird 2028 nicht mehr funktionieren.
Solche Systeme fallen im Alltag kaum auf, solange sie funktionieren. Nutzt ein Modul nur 2G, verliert es nach dem Abschalttermin die Mobilfunkverbindung im O2-Netz. Für Haushalte kann das etwa eine Alarmanlage betreffen. Für Unternehmen geht es auch um Flotten, GPS-Tracker, Automaten oder technische Meldesysteme. Telefónica nennt für solche Anwendungen 4G, 5G und spezialisierte Maschinennetze als Nachfolger. Welche Technik passt, hängt vom Gerät und seinem Zweck ab. Ein Wechsel ist bei fest installierten Systemen oft aufwendiger als bei einem Handy. Deshalb sollten Betreiber nicht bis kurz vor 2028 warten.
Warum O2 die alte Technik abschaltet
Der Grund für die Abschaltung ist simpel. Mobilfunkfrequenzen sind begrenzt. Nutzt ein Betreiber einen Teil davon noch für 2G, fehlt dieser Bereich für modernere Netze. Telefónica will die bisherigen GSM-Frequenzen nach der Abschaltung für 4G und 5G einsetzen. Ein Sprecher von Telefónica sagte auf Anfrage von inside digital, der Frequenzanteil von GSM sei regional unterschiedlich.
Ein weiterer Grund sind die Kosten für den Betrieb eines Netzes, das kaum noch genutzt wird. Denn mit der Antenne, die ein Funksignal abstrahlt, ist es nicht getan. Hinzu kommt: GSM ist mehr als 30 Jahre alt. Die Hersteller der Netztechnik lassen den technischen Support nach und nach auslaufen, sodass es ein Problem werden könnte, Ersatzteile zu bekommen, hieß es aus der Mobilfunkbranche auf Nachfrage.
Klar ist: Wer alte Funktechnik nutzt, muss handeln. Möglicherweise nicht erst 2028. Wie erst vor Kurzem durch die VATM-Marktstudie bekannt wurde, wird schon jetzt bei allen drei Netzbetreibern an ersten Sendemasten GSM abgeschaltet. Das erfolgt vor allem im Rahmen von Modernisierungen. Auch komplett neue Standorte bekommen nicht mehr in jedem Fall GSM, sodass sich die Netzabdeckung dann nur bei LTE und 5G verbessert.
