Ich weiß noch, wie sich die mobile Zukunft früher anfühlte. Ein Handy mit Farbdisplay. Eine Kamera, die eher ahnte als fotografierte. Und dann dieser Moment: Man konnte ein Bild verschicken. Nicht als E-Mail. Nicht per Messenger. Sondern als MMS. Binnen einer Minute konnte ich ein Foto quer durch Deutschland schicken, von einem Handy zum nächsten. Im Jahr 2026 ist das eine Selbstverständlichkeit.
MMS: Heute aus der Zeit gefallen, zum Start eine Innovation
Das klang 2002 nach Fortschritt. Die Datenübertragung erfolgte über das GSM-Netz, UMTS war noch nicht gestartet, an LTE oder gar 5G dachte noch niemand. Das iPhone? Nicht einmal als Gerücht bekannt. Heute klingt die MMS eher wie ein gruseliger Kellerfund. Denn die MMS war nie wirklich bequem. Sie war teuer, langsam und oft erstaunlich hässlich. Wer ein Foto verschickte, bezahlte im Zweifel einzeln. Das Ergebnis sah trotzdem aus, als hätte jemand das Bild durch einen feuchten Waschlappen komprimiert. Wirklich genutzt habe ich sie eigentlich nur einmal: im Rahmen der WM 2006 als Live-Ticker per MMS – in einer Zeit, in der das mobile Internet noch nicht einmal in den Kinderschuhen, sondern eher in den Babyschühchen steckte.
Jetzt endet dieses Kapitel. Endlich! Die Telekom schreibt auf ihrer Hilfeseite, dass der Versand und Empfang von MMS nur noch bis zum 30. Juni 2026 möglich sind. Danach steht der Dienst nicht mehr zur Verfügung. Als Alternative nennt die Telekom RCS-Chat in der Nachrichten-App. 1&1 nennt ebenfalls den 30. Juni 2026 als Abschaltdatum und verweist auf RCS. Man muss sich wundern, dass 1&1 die MMS überhaupt noch in sein erst vor wenigen Jahren gestartetes Netz eingebaut hat. Und auch Telefónica Deutschland schaltet MMS zum 1. Juli 2026 ab. Praktisch ist nach dem 30. Juni Schluss.
Warum die MMS nie richtig geliebt wurde
Die MMS war die große Hoffnung nach der SMS. Endlich mehr als 160 Zeichen. Endlich Bilder, Töne und kurze Videos. Doch das Versprechen kam mit Haken. Die Technik brauchte passende Einstellungen. Die Dateien waren klein. Die Qualität war schwach. Und der Preis passte nicht zum Erlebnis.
39 Cent für eine Bildnachricht waren lange ein typischer Wert. Aber erst, als sie eigentlich schon unattraktiv war. Wer nicht aufpasste, hatte schon mal 59 Cent, 99 Cent oder auch 1,59 Euro auf der Rechnung stehen. Für eine MMS mit ein oder zwei Bildern. Im Ausland wurde es richtig teuer – auch wenn eine MMS ankam. Damals wirkte das noch halbwegs normal. Heute wirkt es absurd. Denn heute verschickst du Fotos über WhatsApp, Signal, iMessage, Telegram, RCS oder einfach per Link. Oft über WLAN. Oder per Datenflatrate. Natürlich zahlst du auch dort indirekt über Datenvolumen oder Anschluss. Aber du denkst nicht mehr bei jedem Urlaubsfoto an den Stückpreis.
Vodafone hat den Schlussstrich früher gezogen
Genau daran ist MMS gescheitert. Messenger waren einfacher. Smartphones hatten bessere Kameras. Mobiles Internet wurde normal. Die MMS blieb ein Dienst aus einer Übergangszeit. Vodafone ist schon seit Januar 2023 raus. Der Anbieter hatte den MMS-Service am 17. Januar 2023 abgeschaltet. SMS blieb weiter nutzbar. Vodafone begründete den Schritt auch mit Netzmodernisierung und dem Abbau alter Technik im Netz.
Spannend ist der Blick auf die Zahlen. Vodafone nannte den Dezember 2012 als Höhepunkt. Damals liefen im Vodafone-Netz rund 13 Millionen MMS. Zum Vergleich: Gleichzeitig waren es rund 1,5 Milliarden SMS. Die MMS spielte also selbst in ihrer stärksten Phase nur eine Nebenrolle.
Das passt zu meiner Erinnerung. SMS war Alltag. MMS war etwas, das man ausprobierte. Ein Geburtstagsgruß mit Clipart. Ein verwackeltes Foto vom Weihnachtsbaum. Vielleicht ein Bild aus dem Urlaub, bei dem man vorher überlegte, ob es das wirklich wert ist. Und dann kam WhatsApp.
Was sich für dich konkret ändert
Für die meisten Nutzer ändert sich wenig. Wer ein aktuelles Smartphone nutzt, verschickt Bilder längst anders. Die normale SMS bleibt nach den vorliegenden Angaben weiter erhalten. Betroffen sind vor allem Menschen mit alten Handys oder alten Routinen sowie Spezialfälle, in denen MMS noch genutzt wurde. Doch auch diese Uralt-Handys verschwinden bald: GSM wird 2028 abgeschaltet. Dann funktionieren diese Telefone gar nicht mehr.
Bei moderneren Telefonen kann RCS ein Ersatz für die MMS und eine Alternative zum Messenger sein. Der Standard bringt Funktionen wie Bilder, Videos, Dateien und Gruppenchats in die Nachrichten-App. Ganz so einfach ist es aber nicht. RCS hängt vom Gerät, vom Betriebssystem, von der App und vom Netz ab. Telefónica Deutschland weist selbst auf diese Voraussetzungen hin.
Werde ich der MMS nachtrauern? Keine Sekunde! Die MMS war teuer, kompliziert und technisch überholt. Ihr Abschied kommt spät. Aber er ist richtig.
