90 Tage Laufzeit lassen Konkurrenz erblassen: Garmin Enduro 4 ist da

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Diese Daten sind eine echte Ansage: 320 Stunden GPS, 90 Tage Smartwatch-Betrieb. Die Garmin Enduro 4 will die Ausdauer-Königin unter den Smartwatches sein. Doch die Werte gelten nur bei viel Sonne, sind identisch mit dem Vorgänger und haben ihren Preis. Für wen sich die Uhr trotzdem lohnt.
Garmin Enduro 4 in der Nahaufnahme am Handgelenk eines Sportlers.
Die Garmin Enduro 4 ist fast schon das Nonplusultra dessen, was man von einer Sportuhr erwarten kann.Bildquelle: Garmin

Garmin hat die Enduro 4 vorgestellt. Die – Achtung, Marketingsprech – Ultra-Performance-Smartwatch soll mit wahrlich beeindruckenden Akkulaufzeiten durchhalten. Es gibt aber auch zwei Haken: Die Top-Laufzeiten gelten nur unter idealen Solarbedingungen. Und sie sind exakt so hoch wie beim Vorgänger. Bei einem Preis von knapp 900 Euro solltest du deshalb genau hinschauen, ob die Uhr zu dir passt.

Akkulaufzeit Garmin Enduro 4: Was hinter den 320 Stunden steckt

Die Enduro-Reihe steht seit jeher für ein Versprechen: Ausdauer. Auch die Enduro 4 setzt dafür auf ein 1,4 Zoll großes MIP-Display, das sehr wenig Strom benötigt und in der Sonne gut ablesbar bleibt. Und das kombiniert mit einer Solar-Ladelinse auf der Vorderseite. Laut Garmin reicht das für bis zu 320 Stunden GPS-Aufzeichnung im Modus „Extended Battery“ und für bis zu 90 Tage im Smartwatch-Betrieb. Du kannst diese Outdoor-Smartwatch also bis zu drei Monate mit einer Akkuladung nutzen.

Doch Vorsicht, ein Blick in das Kleingedruckte ordnet die Werte etwas anders ein. Denn die 320 Stunden setzen voraus, dass die Uhr während der gesamten Aktivität bei 50.000 Lux im Freien ist. Das entspricht einem hellen Sonnentag. Und die 90 Tage basieren auf drei Stunden, die die Uhr täglich draußen unter denselben Bedingungen zu tragen ist. Wer im deutschen Herbst und Winter unterwegs ist, im dichten Wald läuft oder die Uhr unter dem Jackenärmel trägt, wird die in Aussicht gestellten Werte also nicht erreichen.

Garmin Enduro 4 am Handgelenk eines Sportlers.
Die Garmin Enduro 4 ist ganz klar für Sportler gemacht. Bildquelle: Garmin

Akkulaufzeit lässt sich noch erweitern

Ohne Sonnenhilfe nennt Garmin bis zu 120 Stunden Laufzeit im Modus „Extended Battery“ und bis zu 36 Tage im Smartwatch-Modus. Selbst das ist für eine Smartwatch mit integrierter Kartennavigation aber ein Spitzenwert. Selbst im genauesten Modus „Max Accuracy“ mit Mehrband-GPS sind bis zu 60 Stunden drin, verspricht der Hersteller. Mit Solar bis zu 90 Stunden. Ein 100-Meilen-Lauf, der selbst ambitionierte Läufer meist mehr als einen ganzen Tag beschäftigt, ist damit ohne Nachladen machbar.

Für Expeditionen gibt es zusätzlich den Modus „Max Battery“, der ohne Solar bis zu 210 Stunden schafft und mit genug Sonne theoretisch unbegrenzt läuft. Allerdings sind dann auch einige Funktionen auf der Uhr ausgeschaltet. Statt einzelne Satellitensysteme zu konfigurieren, wählst du bei der Enduro 4 voreingestellte Energiemodi, die Genauigkeit und Laufzeit gegeneinander abwägen. Wie stark die Enduro ist, zeigt auch Garmins eigener Vergleich: Die Fenix 9 Pro Solar Inreach in 51 mm kommt mit Solar auf 211 Stunden GPS und 57 Tage im Smartwatch-Modus. Sie erreicht also im Vergleich mit der Enduro 4 eine deutlich kürzere Laufzeit.

Was ist neu gegenüber der Enduro 3?

Wer im Vergleich mit dem Vorgänger, der Enduro 3, auf einen Akku-Sprung gehofft hat, wird enttäuscht: Laut Garmins eigenem Datenblatt sind die Laufzeiten identisch mit denen der Enduro 3 aus dem Jahr 2024, und auch Gehäuse (51 x 51 x 15,7 mm), Display (280 x 280 Pixel), Power-Sapphire-Glas und Titan-Lünette bleiben gleich. Die Neuerungen spielen sich vorwiegend im Inneren ab: 50 Prozent mehr Arbeitsspeicher und eine neue Karten-Engine sollen das Verschieben der TopoActive-Karten um 30 Prozent beschleunigen. Dazu kommt eine Perspektivansicht, und der interne Speicher verdoppelt sich von 32 auf 64 GB.

Bei der Software kommen eine an die Steigung angepasste Rolling Pace und Pace-basierte Trainingsziele, erweiterte Stamina-Analysen mit Zonen und Kurve sowie verbesserte Ruder- und Rucking-Profile hinzu. Garmin Epic, das mehrtägige Aktivitäten zu einer zusammenhängenden Geschichte bündelt, läuft jetzt direkt auf der Uhr. Bei der Enduro 3 gab es die Funktion nur in der zugehörigen Connect-App auf dem Smartphone.

Neu ist außerdem das ComfortFit-Textilarmband mit QuickFit-Verschluss. Die Kehrseite: Die Uhr wiegt damit 66 statt 63 Gramm, und das mitgelieferte Armband passt laut Datenblatt erst ab 145 statt bisher 127 Millimetern Handgelenkumfang. Wer ein schmales Handgelenk hat, muss eventuell die kurze Variante für 69,99 Euro nachkaufen.

Der Preis ist der größte Knackpunkt

Der Preis? Wow… Garmin verlangt für die ab sofort erhältliche Enduro 4 satte 899,99 Euro. Das ist viel Geld für eine Uhr, die in der vielleicht wichtigsten Disziplin keinen Schritt nach vorn macht. Hinzu kommt: Für diesen Preis verzichtest du auf einiges, was Garmin in seinen Fenix-Modellen bietet. Es gibt kein AMOLED-Display, kein Mikrofon und keinen Lautsprecher für Telefonate oder Sprachbefehle und keine LTE- oder Satellitenkommunikation. Das Gehäuse besteht aus faserverstärktem Kunststoff, nur die Lünette ist aus Titan.

Du zahlst also vorwiegend für Akkulaufzeit und geringes Gewicht. Das ist legitim, denn genau das ist die Kernkompetenz der Enduro. Das Problem ist der hauseigene Vorgänger. Die Enduro 3 bietet denselben Akku, dieselben Karten und dasselbe Gehäuse und ist im Handel aktuell ab 698 Euro zu haben. Einige der neuen Trainingsfunktionen könnten zudem per Update auch auf ältere Modelle der Enduro-Reihe kommen; auch wenn es dazu von Garmin bisher keine offiziellen Informationen gibt.

Für wen lohnt sich die Enduro 4 und für wen nicht?

Die Enduro 4 lohnt sich für dich, wenn du regelmäßig sehr lange draußen bist:

  • Ultraläufer und Trailrunner, die bei Wettkämpfen über 24 Stunden und mehr nicht an die Uhr denken wollen und von der steigungsangepassten Pace profitieren.
  • Mehrtageswanderer, Trekker und Bikepacker, die tagelang ohne Steckdose unterwegs sind und Offline-Karten am Handgelenk brauchen.
  • Alle, die ihre Uhr möglichst selten laden wollen, auch im Alltag. Selbst ohne Sonne sind bis zu 36 Tage möglich.

Eher nicht lohnt sie sich in diesen Fällen:

  • Du besitzt eine Enduro 3: Beim Akku gewinnst du nichts, schnellere Karten und mehr Speicher rechtfertigen den Aufpreis kaum.
  • Du läufst Strecken bis zum Marathon: Dafür reicht der Akku deutlich günstigerer Garmin-Uhren locker aus.
  • Du willst eine echte Alltags-Smartwatch: Ohne AMOLED, Mikrofon und Lautsprecher bist du mit anderen Modellen besser bedient.
  • Du hast ein schmales Handgelenk: Das 51-mm-Gehäuse ist vergleichsweise groß, die Uhr gibt es in nur einer Größe.
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Außerdem neu: Garmin Approach S72

Zeitgleich hat Garmin die Approach S72 vorgestellt, das neue Flaggschiff unter den Golf-Smartwatches. Sie kommt in 43 und 47 mm mit AMOLED-Touchdisplay, Titan-Lünette, Saphirglas und ebenfalls dem ComfortFit-Armband. Neu sind Golf-Vitaldaten, die zeigen, wie sich deine Herzfrequenz vor und nach einem Schlag verändert, sowie Schwungmetriken wie Handgeschwindigkeit, Rückschwunglänge und Handgelenksrotation. Eine Green-Reading-Funktion zeigt Break-Richtung und Hangneigung beim Putten an. Allerdings nur mit kostenpflichtiger Garmin-Golf-Mitgliedschaft, die auch für Satellitenbilder und Putt-Analysen nötig ist.

Garmin Approach S72 liegt auf einem Rasen.
Die Garmin Approach S72 ist speziell für Golfer entwickelt worden. Bildquelle: Garmin

Als erste Golf-Uhr von Garmin hat die S72 Mikrofon und Lautsprecher für Telefonate an Bord, dazu eine Taschenlampe. Das 47-mm-Modell hält laut Garmin bis zu 20 Stunden im Golf-Modus und bis zu 16 Tage im Smartwatch-Modus durch. Beim kleineren Modell sind es bis zu 15 Stunden im Golf-Modus und bis zu zehn Tage im Smartwatch-Modus. Die UVP liegt für beide Größen bei 799,99 Euro. Dass zentrale Funktionen bei diesem Preis zusätzlich ein Abo erfordern, ist ein klarer Minuspunkt.

Profilbild von Hayo Lücke

Kommentar

Von Hayo Lücke

Schon die erste Enduro im Jahr 2021 habe ich mit Begeisterung getestet. Und auch der vierte Vertreter der Reihe, die Enduro 4, ist beeindruckend. Nur ist sie eben nur in Teilen neu. Garmin verkauft hier im Kern eine Enduro 3 mit schnellerer Karte, mehr Speicher und frischer Software. Für Ultraläufer und Mehrtageswanderer bleibt sie trotzdem eine der besten Uhren am Markt, auch weil sie mit 66 Gramm angenehm leicht ist. Wer schon eine Enduro 3 trägt, sollte sein Geld aber behalten. Und wer neu einsteigt, sollte vor dem Kauf prüfen, wie günstig der Vorgänger inzwischen zu haben ist.

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