Solarstrom am Handgelenk war bisher immer ein Deal mit Haken. Wer die Sonne mit seiner Smartwatch anzapfen wollte, musste ein eher blasses Display in Kauf nehmen. Amazfit bricht jetzt mit dieser Regel. Die neue Amazfit T-Rex Dual Solar kombiniert als waschechte Outdoor-Smartwatch einen hellen AMOLED-Bildschirm (1,32 Zoll) mit gleich zwei Solarflächen. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von den Solar-Uhren, die du vielleicht von Garmin kennst.
Zwei Solarflächen: vorn fürs Tragen, hinten für die Pause
Das Konzept der T-Rex Dual Solar ist schnell erklärt. Die erste Solarfläche sitzt vorne im Displaybereich und sammelt Energie, während du die Uhr ganz normal trägst. Das zweite Solarmodul steckt im Gehäuseboden der Amazfit T-Rex Dual Solar aus Keramikglas und ist laut Hersteller mehr als doppelt so groß wie das vordere. Der Haken: Die große Fläche arbeitet also nur, wenn du die Uhr abnimmst. Etwa bei einer Rast, wenn du sie mit der Rückseite nach oben in Richtung Sonne legst.

Für die Laufzeitangaben nutzt Amazfit dieselbe Messgröße wie die Konkurrenz: drei Stunden Licht pro Tag bei 50.000 Lux. Das entspricht grob einem sonnigen Tag mit ein paar Wolken. Bei den GPS-Modi geht Amazfit dagegen von durchgehender Beleuchtung aus. Wir haben dir in einer Tabelle die von Amazfit angegebenen Daten zusammengetragen.
| Szenario | ohne Solar | mit Frontmodul | mit Rückseitenmodul |
|---|---|---|---|
| Typische Nutzung | bis 25 Tage | bis 34 Tage | bis 51 Tage |
| Intensive Nutzung | bis 13 Tage | bis 15 Tage | bis 18 Tage |
| Outdoor-Extremmodus | bis 40 Tage | bis 47 Tage | bis 180 Tage |
| Sportmodus (Wandern, Klettern, Trairun etc.) | bis 48 Stunden | bis 57 Stunden | – |
| GPS-Genauigkeitsmodus | bis 41 Stunden | bis 47 Stunden | – |
Wichtig: Die maximal mögliche Laufzeit von 180 Tagen gilt nur im stark eingeschränkten Outdoor-Extremmodus, in dem die Uhr lediglich einmal pro Stunde deine Position bestimmt. Außerdem müsste die Rückseite dafür dauerhaft im Licht liegen. Das ist natürlich nicht sonderlich realistisch und zeigt, dass die bis zu 180 Tage Laufzeit eher ein Marketing-Gag sind. Trotzdem sollte mit dieser Smartwatch bei ausreichend Sonnenschein problemlos eine Nutzung über einen vollen Monat möglich sein.
Der entscheidende Unterschied zu Garmin
Doch was macht Amazfit anders als Garmin? Bei Modellen wie Instinct 3 Solar oder Fenix 8 Solar sitzt die Solartechnik auf der Vorderseite. Kombiniert wird das stets mit einem MIP-Display (Memory-in-Pixel). Diese Technik spiegelt Umgebungslicht, statt selbst zu leuchten, und benötigt deswegen extrem wenig Strom. Wer bei seiner Garmin-Smartwatch hingegen ein AMOLED-Display wünscht, muss bisher auf Solar verzichten. Ein Solarmodul auf der Rückseite hat Garmin bislang bei keiner Uhr verbaut.
Die Amazfit T-Rex Dual Solar unterscheidet sich damit in drei Punkten:
- Display: Du bekommst Solarladen und ein farbstarkes AMOLED-Panel mit bis zu 3.000 Nits in einer Uhr.
- Ladefläche: Die Rückseite liefert eine zweite, größere Fläche, die aber nur abseits des Handgelenks punktet.
- Notreserve: Amazfit erwähnt auch einen Solar-Priority-Modus. Er versetzt die Uhr in einen Sparzustand, in dem sie möglichst viel Licht sammelt. Selbst eine leere Uhr soll so wieder genug Energie für Karten und Navigation bekommen.

Teil der Wahrheit ist aber auch, dass Garmin bei der Instinct 3 Solar in 50 Millimetern unter denselben Bedingungen wie bei Amazfits Angaben (drei Stunden, 50.000 Lux) im Smartwatch-Modus eine unbegrenzte Laufzeit verspricht. Das ist bei Amazfit anders. Ohne Sonne sind es bei Garmin bis zu 40 Tage Laufzeit.
Dass Garmin bisher AMOLED nicht mit Solar verbindet, hat einen einfachen Grund. Ein AMOLED-Display verbraucht deutlich mehr Energie als ein MIP-Panel. Die große Rückseite ist damit auch der Weg, auf dem Amazfit diesen Nachteil ausgleicht. Im Endeffekt tauschst du bei Amazfit etwas Solar-Autarkie am Handgelenk gegen ein spürbar besseres Display.
Titan, Saphirglas und Taschenlampe
Auch abseits der Solartechnik ist die T-Rex Dual Solar auf harte Einsätze ausgelegt. Die Lünette und die vier Tasten bestehen aus Titan, das AMOLED-Display schützt kratzfestes Saphirglas. Die Uhr ist bis 10 ATM wasserdicht und auch für Apnoe-Tauchen bis 50 Meter und Freizeit-Scuba-Tauchen ausgelegt. Laut Amazfit funktioniert sie zwischen -30 und +70 Grad Celsius und erfüllt Militärstandards für Robustheit. Ein Leichtgewicht ist sie aber nicht. Ohne Armband wiegt sie 69 Gramm.
Ein kleiner Kompromiss: Das Display fällt kleiner aus als bei der T-Rex 3 Pro in 48 Millimetern, die 1,5 Zoll bietet. Auch die T-Rex Ultra 2 (51 mm) bietet einen solch großen Touchscreen. Beim neuen Solar-Modell ist auch eine LED-Taschenlampe mit weißem Licht (200 Lux, im Boost-Modus 300 Lux), Rotlicht für die Nacht und SOS-Signal an Bord.
Für die Ortung nutzt die Uhr Dual-Band-GPS mit sechs Satellitensystemen. Vorinstalliert sind farbige Karten. Topografische Karten mit Höhenlinien und Skikarten kannst du nachladen. Dazu kommen Turn-by-Turn-Navigation, Wegpunkte, ein farbiges Höhenprofil und eine Rückkehrfunktion. Karten sollen laut Amazfit 2,5-mal schneller laden als bei bisherigen Modellen. Der integrierte Speicher fasst stattliche 64 GB.
Beim Training setzt Amazfit auf Hybrid-Training, also die Kombination aus Ausdauer und Kraft. Funktionen wie Training Balance und Weekly Focus zeigen dir, ob beide Bereiche im Gleichgewicht sind. Es gibt über 180 Sportmodi, darunter Wandern, Bergsteigen, Golf und HYROX. Die Uhr misst außerdem die Blutsauerstoffsättigung, was zum Beispiel in großen Höhen hilfreich ist.
Im Alltag beherrscht die T-Rex Dual Solar zudem Bluetooth-Telefonie, Offline-Musik und -Podcasts sowie die Sprachsteuerung Zepp Flow. In der europäischen Version ist NFC zum kontaktlosen Bezahlen über Zepp Pay an Bord. Über die Zepp-App lassen sich zusätzliche Apps installieren, allerdings ist die App-Auswahl noch recht überschaubar.

Preis und Verfügbarkeit
Die Amazfit T-Rex Dual Solar kostet 649,90 Euro (UVP). Vorbestellen kannst du sie über die europäischen Amazfit-Websites und ausgewählte Händler. Auslieferungen sollen ab Mitte Oktober starten. Zum Vergleich: Garmins Fenix 8 Solar kostet aktuell mindestens knapp 900 Euro. Amazfit greift seinen Wettbewerber also frontal mit einem Kampfpreis an.
Ich finde den Ansatz der Amazfit T-Rex Dual Solar clever, weil er ein echtes Problem löst: Garmin zwingt dich bisher, zwischen hellem Display und Solarstrom zu wählen. Amazfit gibt dir beides. Ehrlich gesagt ist das Frontmodul am Handgelenk aber eher ein Bonus als ein Gamechanger, die Garmin Instinct 3 Solar holt dort mehr heraus. Der eigentliche Trumpf ist die Rückseite für Pausen. Ob 649,90 Euro dafür gerechtfertigt sind, muss die Uhr im Test beweisen.

