Revolution am Handgelenk: Amazfit löst großes Smartwatch-Problem

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Solarladen und AMOLED‑Display? Bei Smartwatches von Garmin ist das bisher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Beides gibt es nicht. Die Amazfit T-Rex Dual Solar bringt genau diese Kombination und setzt zusätzlich ein Solarmodul auf die Rückseite. Wir zeigen dir, was das bringt und wo der Haken liegt.
Amazfit T-Rex Dual Solar am Handgelenk von einem Bergsteiger.
Die Amazfit T-Rex Dual Solar ist in einer Disziplin eine bisher einmalige Smartwatch.Bildquelle: Amazfit

Solarstrom am Handgelenk war bisher immer ein Deal mit Haken. Wer die Sonne mit seiner Smartwatch anzapfen wollte, musste ein eher blasses Display in Kauf nehmen. Amazfit bricht jetzt mit dieser Regel. Die neue Amazfit T-Rex Dual Solar kombiniert als waschechte Outdoor-Smartwatch einen hellen AMOLED-Bildschirm (1,32 Zoll) mit gleich zwei Solarflächen. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von den Solar-Uhren, die du vielleicht von Garmin kennst.

Zwei Solarflächen: vorn fürs Tragen, hinten für die Pause

Das Konzept der T-Rex Dual Solar ist schnell erklärt. Die erste Solarfläche sitzt vorne im Displaybereich und sammelt Energie, während du die Uhr ganz normal trägst. Das zweite Solarmodul steckt im Gehäuseboden der Amazfit T-Rex Dual Solar aus Keramikglas und ist laut Hersteller mehr als doppelt so groß wie das vordere. Der Haken: Die große Fläche arbeitet also nur, wenn du die Uhr abnimmst. Etwa bei einer Rast, wenn du sie mit der Rückseite nach oben in Richtung Sonne legst.

Rückseite der Amazfit T-Rex Dual Solar.
Solarmodul auf der Rückseite der Amazfit T-Rex Dual Solar. Bildquelle: Amazfit

Für die Laufzeitangaben nutzt Amazfit dieselbe Messgröße wie die Konkurrenz: drei Stunden Licht pro Tag bei 50.000 Lux. Das entspricht grob einem sonnigen Tag mit ein paar Wolken. Bei den GPS-Modi geht Amazfit dagegen von durchgehender Beleuchtung aus. Wir haben dir in einer Tabelle die von Amazfit angegebenen Daten zusammengetragen.

Szenarioohne Solarmit Frontmodulmit Rückseitenmodul
Typische Nutzungbis 25 Tagebis 34 Tagebis 51 Tage
Intensive Nutzungbis 13 Tagebis 15 Tagebis 18 Tage
Outdoor-Extremmodusbis 40 Tagebis 47 Tagebis 180 Tage
Sportmodus (Wandern, Klettern, Trairun etc.) bis 48 Stundenbis 57 Stunden–
GPS-Genauigkeitsmodusbis 41 Stundenbis 47 Stunden–

Wichtig: Die maximal mögliche Laufzeit von 180 Tagen gilt nur im stark eingeschränkten Outdoor-Extremmodus, in dem die Uhr lediglich einmal pro Stunde deine Position bestimmt. Außerdem müsste die Rückseite dafür dauerhaft im Licht liegen. Das ist natürlich nicht sonderlich realistisch und zeigt, dass die bis zu 180 Tage Laufzeit eher ein Marketing-Gag sind. Trotzdem sollte mit dieser Smartwatch bei ausreichend Sonnenschein problemlos eine Nutzung über einen vollen Monat möglich sein.

Der entscheidende Unterschied zu Garmin

Doch was macht Amazfit anders als Garmin? Bei Modellen wie Instinct 3 Solar oder Fenix 8 Solar sitzt die Solartechnik auf der Vorderseite. Kombiniert wird das stets mit einem MIP-Display (Memory-in-Pixel). Diese Technik spiegelt Umgebungslicht, statt selbst zu leuchten, und benötigt deswegen extrem wenig Strom. Wer bei seiner Garmin-Smartwatch hingegen ein AMOLED-Display wünscht, muss bisher auf Solar verzichten. Ein Solarmodul auf der Rückseite hat Garmin bislang bei keiner Uhr verbaut.

Die Amazfit T-Rex Dual Solar unterscheidet sich damit in drei Punkten:

  • Display: Du bekommst Solarladen und ein farbstarkes AMOLED-Panel mit bis zu 3.000 Nits in einer Uhr.
  • Ladefläche: Die Rückseite liefert eine zweite, größere Fläche, die aber nur abseits des Handgelenks punktet.
  • Notreserve: Amazfit erwähnt auch einen Solar-Priority-Modus. Er versetzt die Uhr in einen Sparzustand, in dem sie möglichst viel Licht sammelt. Selbst eine leere Uhr soll so wieder genug Energie für Karten und Navigation bekommen.
Amazfit T-Rex Dual Solar Frontansicht.
Outdoor-Funktionen satt: die Amazfit T-Rex Dual Solar ist ein echtes Outdoor-Talent. Bildquelle: Amazfit

Teil der Wahrheit ist aber auch, dass Garmin bei der Instinct 3 Solar in 50 Millimetern unter denselben Bedingungen wie bei Amazfits Angaben (drei Stunden, 50.000 Lux) im Smartwatch-Modus eine unbegrenzte Laufzeit verspricht. Das ist bei Amazfit anders. Ohne Sonne sind es bei Garmin bis zu 40 Tage Laufzeit.

Dass Garmin bisher AMOLED nicht mit Solar verbindet, hat einen einfachen Grund. Ein AMOLED-Display verbraucht deutlich mehr Energie als ein MIP-Panel. Die große Rückseite ist damit auch der Weg, auf dem Amazfit diesen Nachteil ausgleicht. Im Endeffekt tauschst du bei Amazfit etwas Solar-Autarkie am Handgelenk gegen ein spürbar besseres Display.

Titan, Saphirglas und Taschenlampe

Auch abseits der Solartechnik ist die T-Rex Dual Solar auf harte Einsätze ausgelegt. Die Lünette und die vier Tasten bestehen aus Titan, das AMOLED-Display schützt kratzfestes Saphirglas. Die Uhr ist bis 10 ATM wasserdicht und auch für Apnoe-Tauchen bis 50 Meter und Freizeit-Scuba-Tauchen ausgelegt. Laut Amazfit funktioniert sie zwischen -30 und +70 Grad Celsius und erfüllt Militärstandards für Robustheit. Ein Leichtgewicht ist sie aber nicht. Ohne Armband wiegt sie 69 Gramm.

Ein kleiner Kompromiss: Das Display fällt kleiner aus als bei der T-Rex 3 Pro in 48 Millimetern, die 1,5 Zoll bietet. Auch die T-Rex Ultra 2 (51 mm) bietet einen solch großen Touchscreen. Beim neuen Solar-Modell ist auch eine LED-Taschenlampe mit weißem Licht (200 Lux, im Boost-Modus 300 Lux), Rotlicht für die Nacht und SOS-Signal an Bord.

Navigation und Training

Für die Ortung nutzt die Uhr Dual-Band-GPS mit sechs Satellitensystemen. Vorinstalliert sind farbige Karten. Topografische Karten mit Höhenlinien und Skikarten kannst du nachladen. Dazu kommen Turn-by-Turn-Navigation, Wegpunkte, ein farbiges Höhenprofil und eine Rückkehrfunktion. Karten sollen laut Amazfit 2,5-mal schneller laden als bei bisherigen Modellen. Der integrierte Speicher fasst stattliche 64 GB.

Beim Training setzt Amazfit auf Hybrid-Training, also die Kombination aus Ausdauer und Kraft. Funktionen wie Training Balance und Weekly Focus zeigen dir, ob beide Bereiche im Gleichgewicht sind. Es gibt über 180 Sportmodi, darunter Wandern, Bergsteigen, Golf und HYROX. Die Uhr misst außerdem die Blutsauerstoffsättigung, was zum Beispiel in großen Höhen hilfreich ist.

Im Alltag beherrscht die T-Rex Dual Solar zudem Bluetooth-Telefonie, Offline-Musik und -Podcasts sowie die Sprachsteuerung Zepp Flow. In der europäischen Version ist NFC zum kontaktlosen Bezahlen über Zepp Pay an Bord. Über die Zepp-App lassen sich zusätzliche Apps installieren, allerdings ist die App-Auswahl noch recht überschaubar.

Amazfit T-Rex Dual Solar
Amazfit T-Rex Dual Solar Bildquelle: Amazfit

Preis und Verfügbarkeit

Die Amazfit T-Rex Dual Solar kostet 649,90 Euro (UVP). Vorbestellen kannst du sie über die europäischen Amazfit-Websites und ausgewählte Händler. Auslieferungen sollen ab Mitte Oktober starten. Zum Vergleich: Garmins Fenix 8 Solar kostet aktuell mindestens knapp 900 Euro. Amazfit greift seinen Wettbewerber also frontal mit einem Kampfpreis an.

Profilbild von Hayo Lücke

Kommentar

Von Hayo Lücke

Ich finde den Ansatz der Amazfit T-Rex Dual Solar clever, weil er ein echtes Problem löst: Garmin zwingt dich bisher, zwischen hellem Display und Solarstrom zu wählen. Amazfit gibt dir beides. Ehrlich gesagt ist das Frontmodul am Handgelenk aber eher ein Bonus als ein Gamechanger, die Garmin Instinct 3 Solar holt dort mehr heraus. Der eigentliche Trumpf ist die Rückseite für Pausen. Ob 649,90 Euro dafür gerechtfertigt sind, muss die Uhr im Test beweisen.

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