Blutdruckmessung direkt vom Handgelenk aus? Das klingt erst einmal nach einem echten Komfortgewinn. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Nicht jede Smartwatch misst gleich. Und die Unterschiede sind tatsächlich größer, als in der Allgemeinheit weithin bekannt ist. Während der eine Hersteller auf optische Sensoren setzt, geht ein anderer den Umweg über eine echte Manschette. Wir haben uns angeschaut, wie Apple, Samsung und Huawei das Thema angehen, und wo die eigentlichen Stärken und Schwächen der Systeme liegen.
Blutdruck messen: So wichtig ist es wirklich
Der Blutdruck gehört zu den wichtigsten Gesundheitswerten überhaupt. Und zwar weil ihn viele Menschen über Jahre kaum im Blick haben. Ein einzelner Messwert beim Arzttermin zeigt dabei immer nur eine Momentaufnahme. Wie sich dein Blutdruck aber über einen ganzen Tag und in der Nacht verhält, bleibt oft im Dunkeln. Dabei schwankt er je nach Stress, Bewegung oder Tageszeit teils erheblich. Genau hier setzen die aktuellen Ansätze zur Messung des Blutdrucks von Huawei, Apple und Samsung an, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise.

Samsung setzt auf PPG-Sensorik
Samsung setzt bei seinen entsprechend unterstützten Galaxy-Watch-Modellen auf einen optischen PPG-Sensor (Photoplethysmographie). Dabei erfasst die Uhr über Lichtsignale Veränderungen im Blutvolumen und schätzt daraus algorithmisch deinen Blutdruck. Praktisch ist: Du benötigst keine zusätzliche Manschette, die Messung geht schnell und diskret. Der Haken dabei ist aber, dass du die Galaxy-Smartwatch regelmäßig mit einem klassischen Blutdruckmessgerät kalibrieren musst, damit die Werte einigermaßen verlässlich bleiben. Ohne Kalibrierung wird aus der Messung schnell eine grobe Schätzung statt eines belastbaren Werts.
Apple schätzt und warnt
Bei Apple wird damit geworben, dass die Apple Watch Series 11 Anzeichen für chronischen Bluthochdruck erkennen kann. Aber: Eine direkte Blutdruckmessung gibt es bei der Apple Watch Series 11 nicht. Weder über eine Manschette noch über PPG-Schätzwerte mit konkretem Zahlenwert. Stattdessen wertet Apples Smartwatch Daten des optischen Herzsensors über rollierende 30-Tage-Zeiträume aus und schlägt Alarm, wenn sie ein Muster erkennt, das zu chronischem Bluthochdruck passt. Einen konkreten Wert siehst du dabei aber nie, nur eine Warnung. Und die ist nicht einmal besonders treffsicher. Apples eigene Validierungsstudie kommt auf eine Sensitivität von rund 41 Prozent. Heißt umgerechnet: Die Apple Watch übersieht also knapp sechs von zehn Personen mit unerkanntem Bluthochdruck, bei einer Falsch-Alarm-Quote von etwa 8 Prozent. Als grobe Trendbeobachtung mag das tauglich sein, als verlässliches Frühwarnsystem ist es unserer Einschätzung nach eher nicht geeignet.
Huawei misst wirklich
Huawei wiederum geht mit der neuen Watch D3, genauso wie bei den beiden schon am Markt platzierten Vorgängern, einen komplett anderen Weg. Ein mechanischer Airbag, der in das Armband der Uhr integriert ist, komprimiert das Handgelenk gezielt. Ein hochpräziser Sensor und ein adaptiver Algorithmus werten die Werte anschließend aus. Die Uhr arbeitet also nach dem gleichen oszillometrischen Prinzip, das auch klassische Blutdruckmessgeräte aus der Arztpraxis nutzen.

Der Aufpumpvorgang des Armband-Airbags läuft dabei verblüffend leise ab. Leise genug, um nachts nicht aufzuwachen, verspricht Huawei. Aber ist das wirklich so? Ja! Die Lautstärke nimmt man tatsächlich kaum bis gar nicht wahr. Das Aufpumpen des Armbands als solches spürt man am Handgelenk aber natürlich schon. Und wacht davon mitunter auch auf. Zumindest während der ersten Tage. Möglich aber, dass mit der Zeit eine Gewöhnung eintritt.

Für eine korrekte Blutdruckmessung sollte die Uhr am Handgelenk getragen und die Messung gemäß den Anweisungen auf dem Bildschirm durchgeführt werden. Der Finger, der im Bild oben den Sensor berührt, dient lediglich der Veranschaulichung des aufblasbaren Airbags und seiner Struktur und stellt nicht den normalen Messvorgang dar.
Die Funktion des Blutdruckmessens ist übrigens die Voraussetzung für die zweite große Stärke der Smartwatch: die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung. Nach den Praxisleitlinien der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie misst die Huawei Watch D3 in Intervallen von 15 bis 30 Minuten. Tagsüber individuell anpassbar, nachts vollautomatisch. Am Ende steht damit kein einzelner Wert, sondern ein Verlauf, den man mit medizinischem Fachpersonal besprechen kann. Die Blutdruckmessfunktion trägt zudem eine CE-Kennzeichnung nach EU-Medizinprodukteverordnung. Und damit bieten sie eine Einordnung, die PPG-Systeme in dieser Form bislang nicht erreichen.
Was du sonst noch wissen musst
Ganz ohne Kompromisse kommt aber auch die Huawei Watch D3 nicht aus. Die Manschettentechnik benötigt schlicht etwas mehr Platz: Das Gehäuse ist 11,3 mm dünn und wiegt 40 Gramm, dazu kommt ein recht breites Airbag-Armband. Trotzdem bleibt die Uhr insgesamt kompakter gebaut, als man es bei dieser Messtechnik erwarten würde. Erhältlich ist die Blutdruck-Smartwatch in Schwarz, Blassgold und Mokka-Gold, farblich also eher dezent als auffällig sportlich. Die Messung selbst dauert außerdem länger als ein kurzer Blick aufs Handgelenk bei Samsung, schließlich muss die Manschette erst aufgepumpt werden. Ein kleiner Moment, den du im Alltag einplanen musst.

Über die reine Blutdruckmessung hinaus bündelt die Funktion Health Glance in rund 60 Sekunden einen Bericht mit bis zu elf Gesundheitsindikatoren, darunter Herzfrequenz, Blutdruck und Blutsauerstoffsättigung (SpO2). Health Insights verknüpft diese Werte langfristig mit Schlaf- und Aktivitätsdaten. Über Health Community lassen sich zudem ausgewählte Werte von Familienmitgliedern zentral einsehen, inklusive Echtzeit-Benachrichtigung bei auffälligen Messungen.
Fazit: Echter Mehrwert!
Wenn es dir vor allem um Bequemlichkeit und einen groben Trend geht, reicht der PPG-Ansatz von Samsung im Alltag oft aus. Solange du die nötige Kalibrierung nicht vergisst. Wer dagegen wirklich verlässliche, medizinisch eingeordnete Werte über 24 Stunden will und dafür auch mal ein paar Millimeter mehr am Handgelenk sowie eine etwas längere Messdauer in Kauf nimmt, kommt am manschettenbasierten Prinzip der Huawei Watch D3 aktuell kaum vorbei.

Die Huawei Watch D3 ist ab sofort zum Beispiel über den Huawei-Onlineshop verfügbar. Der Preis: 449 Euro. Wer schon eine Huawei Watch D der ersten Generation besitzt, kann sich über den Treuevorteil einen Rabatt in Höhe von 100 Euro sichern. Und bei einer Bestellung direkt über Huawei bekommst du bis zum 19. Oktober 2026 sogar noch eine Körperanalyse-Waage (Huawei Scale 3) oder die In-Ear-ANC-Kopfhörer Huawei FreeBuds SE 4 kostenlos dazu. Da lohnt sich die Anschaffung gleich doppelt.
Wer beim Blutdruck nur grobe Trends sucht, wird bei Samsung und Apple fündig – muss aber Fehlquoten und nerviges Kalibrieren in Kauf nehmen. Wenn es um echte Gesundheit geht, macht Huawei mit der Watch D3 aktuell als einziger Hersteller alles richtig. Die integrierte Manschette liefert medizinisch verwertbare 24-Stunden-Daten, die im Zweifel wirklich den Unterschied machen. Für mich die derzeit einzig vernünftige Wahl am Handgelenk, wenn es um Blutdruckmessung geht.
