WhatsApp führt neue Kontrollmöglichkeiten für Eltern ein

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WhatsApp gibt Eltern neue Werkzeuge an die Hand, um die Konten ihrer jugendlichen Kinder zu steuern. Chats mitlesen können sie damit aber nicht – und dürften das hierzulande ohnehin nur in Ausnahmefällen.
WhatsApp-Logo auf einem Smartphone, das auf einer Tastatur liegt.
WhatsApp gibt Eltern mehr Kontrolle über das WhatsApp der Kinder.Bildquelle: miss.cabul / ShutterStock.com

Die neue Kontrollfunktion in WhatsApp richtet sich an Familien mit Kindern ab 13 Jahren. So alt muss man in der EU nämlich mindestens sein, um den Messenger nutzen zu dürfen. Das Feature ist freiwillig und wird gemeinsam eingerichtet: Auf dem Smartphone des Teenagers startest du den Vorgang in den Einstellungen, gibst das Geburtsdatum ein und scannst mit deinem eigenen Gerät einen QR-Code. Danach legst du eine Eltern-PIN fest.

WhatsApp: Das können Eltern jetzt neu einstellen

Über dein WhatsApp-Konto bestimmst du danach, wer das Profilbild deines Kindes sieht und wer deinen Nachwuchs zu Gruppen hinzufügen darf. Tritt dein Kind einer Gruppe bei, verlässt es eine oder wächst eine Gruppe deutlich, wirst du benachrichtigt. Zudem lässt sich festlegen, wie Kanäle genutzt werden und wessen Status-Updates sichtbar sind.

Im Kern gibt es bei der neuen WhatsApp-Funktion zwei Stufen. Die Standardeinstellung ab 13 oder eine strengere Variante mit eingeschränkten Inhalten. Das Prinzip: Strenger stellen kann dein Kind die Einstellungen jederzeit selbst. Wer sie lockern will, benötigt die PIN der Eltern. Weitere Funktionen sollen folgen. Bis die Option bei allen Nutzern tatsächlich ankommt, kann es aber noch dauern.

Lesen Eltern die WhatsApp-Nachrichten ihrer Kinder mit?

Auch wenn es mehr Kontrolle gibt, bleibt der Datenschutz bei WhatsApp hoch. Nachrichten und Anrufe bleiben Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Die Inhalte sehen weder Eltern noch WhatsApp. Meta setzt also auf Begleitung statt auf lückenlose Überwachung. Damit liegen die WhatsApp-Macher überraschend nah an der deutschen Rechtslage.

Ein Gesetz, das ausdrücklich regelt, ob Eltern die Chats ihrer Kinder lesen dürfen, gibt es nicht. Es kommt nämlich auf eine Abwägung an: Auf der einen Seite steht das Sorgerecht, zu dem laut § 1631 BGB auch die Aufsicht über das Kind gehört. Jedoch haben auch Minderjährige ein Persönlichkeitsrecht. Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention schützt sie zudem vor willkürlichen Eingriffen in Privatleben und Schriftverkehr. Und nach § 1626 BGB sollen Eltern die wachsende Selbstständigkeit ihres Kindes berücksichtigen und Erziehungsfragen, soweit möglich, mit ihm besprechen.

Daraus ergibt sich eine Faustregel: Je älter das Kind, desto weniger Kontrolle ist angemessen. Bei Grundschülern ist enge Begleitung normal, bei 15- oder 16-Jährigen lässt sich anlassloses Durchstöbern des Handys kaum rechtfertigen. Fachleute halten einen Eingriff in die Privatsphäre in der Regel nur bei konkretem Anlass zur Sorge für vertretbar. Etwa bei Hinweisen auf Cybergrooming, Mobbing, Drogen oder Erpressung.

Heimlich installierte Spionage-Apps bewegen sich bei Minderjährigen in einer rechtlichen Grauzone. Strafrechtliche Folgen drohen Eltern eher selten, weil ihnen das Sorgerecht weitreichende Befugnisse gibt. Ein Freibrief ist das aber trotzdem nicht. Und zu berücksichtigen ist auch: Man liest immer auch die Nachrichten der Chatpartner mit, die einer Überwachung nie zugestimmt haben.

WhatsApp Elternkontrolle: Gemeinsame Einrichtung, aber kein Scan der Inhalte

Die neuen WhatsApp-Optionen passen gut in diesen rechtlichen Rahmen, weil sie offen eingerichtet werden und Inhalte unangetastet lassen. Das Gespräch mit dem eigenen Nachwuchs über Gefahren bei der Nutzung ersetzen sie aber nicht. Es ist ratsam, Regeln gemeinsam festzulegen und dem Kind zu signalisieren, dass es sich bei Problemen melden kann, ohne gleich ein Handyverbot fürchten zu müssen.

Profilbild von Hayo Lücke

Kommentar

Von Hayo Lücke

WhatsApp macht mit der Möglichkeit, Eltern mehr Kontrolle über die Chats der eigenen Kinder zu geben, vieles richtig. Statt zum heimlichen Mitlesen zu verleiten, setzt die Funktion auf Transparenz. Du richtest sie gemeinsam mit deinem Kind ein, die Chats bleiben aber privat. Damit greift WhatsApp nicht in die Privatsphäre ein, die Jugendlichen auch rechtlich zusteht, gibt Eltern aber sinnvolle Stellschrauben gegen Fremdkontakte und ungewollte Gruppen. Ein Allheilmittel ist das nicht. Das Gespräch mit deinem Kind bleibt unersetzlich. Als Werkzeug dafür ist die Funktion aber genau richtig.

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