KOMMENTAR

Dieser PayPal-Trick funktioniert seit Jahren

3 Minuten
Wir haben das Bezahlen so bequem gemacht, dass wir inzwischen kaum noch wissen wollen, was dahinter passiert. PayPal freut sich darüber. Wero möchte das ändern. Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Wir müssten dafür etwas tun.
PayPal wirkt kostenlos: Doch einer zahlt immer
Dieser PayPal-Trick funktioniert seit JahrenBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Wir bilden uns gerne ein, digitale Füchse zu sein, wenn wir beim Online-Shopping geschmeidig auf das bunte PayPal-Knöpfchen drücken. Es fühlt sich ja auch so herrlich gratis an, während wir uns einreden, dank des heiligen Käuferschutzes unbesiegbar zu sein. In Wahrheit hat der deutsche Michel aus hysterischer Angst vor Bösewichten im Netz und echten Kreditkarten sein Seelenheil schlicht einem US-Konzern überschrieben, der sich dieses Vertrauen seit zwei Jahrzehnten fürstlich bezahlen lässt. Denn natürlich ist hier gar nichts kostenlos.

Die Händler wälzen die Gebühren der Zahlungsanbieter einfach versteckt auf die Produktpreise ab, weshalb am Ende alle mehr zahlen. Auch die Oma an der Supermarktkasse, die ihre Brötchen noch passend mit Münzgeld abzählt, und vermutlich nicht einmal weiß, was PayPal ist. Während Google unsere Konsumspuren für Werbeprofile absaugt und Apple als digitaler Wegelagerer bei jeder Transaktion Maut kassiert, freuen wir uns naiv über die gesparten drei Sekunden Lebenszeit.

PayPal? Wero soll es richten

Genau in diese Bequemlichkeitsfalle stolpert nun Wero, der deutlich verspätete Rettungsversuch der europäischen Finanzindustrie. Jahrelang haben die heimischen Banken däumchendrehend zugeschaut, wie ihnen das lukrative Bezahlgeschäft vor der eigenen Haustür weggekapert wurde, um nun krampfhaft mit der Flagge der „europäischen Souveränität“ zu winken.

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Die Idee klingt auf dem Papier sympathisch: keine US‑Datengier, keine gierigen Zwischenhändler, das Geld wandert direkt von Girokonto zu Girokonto. Doch den titanischen Netzwerkeffekt von PayPal bricht man nicht mit Datenschutz-Paragraphen und patriotischen Appellen. Der Mensch hat nämlich eine bemerkenswerte Schwäche für Dinge, die bereits funktionieren. Er nimmt lieber den bekannten Knopf als den neuen, besseren Knopf. Selbst dann, wenn er sich anschließend darüber beschwert, dass der alte Knopf ihn Geld kostet.

Die Sollbruchstelle

Zudem hat der Wero-Motor eine eingebaute Sollbruchstelle: das irre Tempo. Geld fließt per SEPA-Echtzeit in wenigen Sekunden unwiderruflich ab. Wer auf einen fiesen Fake-Shop oder Schockanruf hereinfällt, sieht sein Geld nie wieder, weil es schlichtweg weg ist. Wo PayPal mit dem Knüppel der Kontosperrung Händlern sofort die Beute entzieht und Geld (in der Regel) kulant zurückbucht, schickt Wero den geschädigten Kunden erst einmal auf einen bürokratischen Hindernislauf über die eigene Hausbank. Der versprochene Wero-Käuferschutz ist noch ein Papiertiger, der im echten Betrugsfall erst beweisen muss, dass er nicht an der eigenen Schwerfälligkeit erstickt.

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Am Ende haben wir die Wahl zwischen dem bequemen US-Überwachungs-Schlaraffenland und einem hölzernen europäischen Verteidigungsprojekt. Wer seine Daten nicht nach Übersee schaufeln will, müsste eigentlich morgen umsteigen. Doch die Realität wird lachhaft nüchtern bleiben: Die meisten werden aus reiner Faulheit beim Online-Shopping weiter das gewohnte US-Logo anklicken und sich dabei einreden, die digitale Welt geschenkt zu bekommen.

Mitreden

2 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Ingbert Grimpe

    >> Auch die Oma an der Supermarktkasse, die ihre Brötchen noch passend mit Münzgeld abzählt, und vermutlich nicht einmal weiß, was PayPal ist. <<

    Weiß die Oma denn wenigstens, wie viel Geld es den Supermarkt kostet, das ganze Bargeld auch zu verwalten?

  2. Nutzerbild VielleichtDeinNachbar

    Brudi, bei dem Beitrag bekommt man ja gemischte Gefühle.
    Nummer eins im Online Handel:
    Alles was aussieht wie ein unschlagbarer Deal weil 90% im Sale auf irgendeiner komischen Seite ist fake. Wenn man online shoppen will sollte man sich mit gefahren und bekannten Maschen auskennen und ein bisschen Gefühl dafür haben. Wenn das nocht vorhanden ist, sollte man einen Kurs besuchen oder sich das Wissen aneignen. Ist man zu Alt sollte man sich Hilfe suchen, gibt genug die bei sowas gerne Helfen.
    sollte am Ende nichts davon gehen, lieber im Internet googeln, Recherchieren und kritisch hinterfragen.

    Ich bin im Internet kaum bekannt, googelt man meinen kompletten Namen findet man vielleicht einen Eintrag über meine Person. ohne von mir zusätzliche Infos zu bekommen weiß niemand wer ich bin. (Auch die hier genutze E-Mail ist eine verschleierte, warum auch immer das nicht normal sein kann)

    Man braucht diesen gesunden Menschenverstand um alle diese Dinge wahrzunehmen, zu verstehen und adäquat darauf zu reagieren. Wero oder Paypal? Egal! solange du weißt was du tust! Paypal hat deine Daten und verkauft sie (für Werbung) an irgendjemand? Was juckt dich das? Solange du kein Ziel von Interesse bist wirst du nie damit Probleme haben. Werbung ist müll, keine Frage, aber mit einem gesunden Menschenverstand weiß man das und kanns ignorieren.
    Windows gibt dir Werbung? Willst du auf Linux wechseln? Nein? bist ein einfacher Anwender aber nervt dich trotzdem? dann setz dich mit den kack sachen auseinander anstatt dich zu besaufen oder einzuräuchern oder sonstige Laster nachzugehen. Da lernt man was, man bildet sich weiter. Keine Lust, Keine Zeit? Dann heul nicht rum und sei nicht faul!
    Du bezahlst x Streaming Dienste und heulst rum das es teurer wird, mehr werbung gibt oder weniger Auswahl?
    PayTV ist gift, Serien/Filme gibts kostenlos, FreeTV ist… Free! Keine Lust/Zeit dich damit auseinander zu setzen? Dann heul nicht rum! Niemand ist dir etwas schuldig nur weil du nach der 5. Preiserhöhung, 3. Werbepause und 6. Inhaltsentfernung immernoch stur das bezahlst.
    Ich bekomm alles kostenlos, ALLES! vielleicht mit 1-2 Tagen verzögerung oder so, aber das juckt mich nicht! Serien/Filme/Sport/F1/etc. für nichtmal 50€ (und das auch nur weil ich daüfr Internet brauche, aber das ist ja für das andere auch Vorraussetzung).

    Ich kann immer wieder darüber lachen wenn ich jemanden über die Preise jammern höre.

    Paypal verursacht „mehr kosten“ die auf die Produkte drauf kommen? Ja aber das ist eigentlich ersichtlich beim Bestellvorgang und bringt kanaixh was.
    So habe fertig. Haut rein, wir sehen und nicht 2 mal im Leben, wie schön <3

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