Neue WhatsApp-Falle: Polizei warnt vor gefährlicher Fake-Abstimmung

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"Hallo, könntest du bitte für Sophia abstimmen?" So harmlos klingt eine neue WhatsApp-Betrugsmasche, vor der jetzt Verbraucherschützer und sogar die Polizei warnen. Wer einen in der Nachricht hinterlegten Link anklickt, verknüpft unwissentlich sein Konto mit einem fremden Gerät. Das ist gefährlich.
WhatsApp-Logo in der Nahaufnahme auf einem Smartphone-Display.
WhatsApp-Nutzer sind in Gefahr. Dieses Mal durch kuriose Abstimmungen auf dem Handy. Bildquelle: Habanero Pixel / ShutterStock.com

Eine kurze, freundliche Bitte im WhatsApp-Chat: Ein Bekannter fragt, ob du für „Sophia“ abstimmen kannst. Die Tochter von Freunden nehme an einem Wettbewerb teil, ein Stipendium stehe auf dem Spiel, jede Stimme zähle für eine gesicherte Ausbildung. Wer das liest, klickt schnell auf den mitgeschickten Link. Genau das ist aber der Fehler. Ein Fehler, der schwerwiegende Folgen haben kann. Denn hinter der vermeintlichen Abstimmung steckt keine wohltätige Aktion, sondern der Versuch, dein WhatsApp-Konto komplett zu übernehmen.

Aktuell warnen gleich mehrere Stellen vor der Masche, darunter die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Name des angeblichen Kindes wechselt dabei ständig. Zuletzt kursierten unter anderem die Varianten „Sophia“ und „Eliska“. Das Grundprinzip bleibt aber immer identisch, und genau deshalb lohnt es sich, den Ablauf einmal genau zu verstehen.

So funktioniert die neue WhatsApp-Masche

Die Nachricht kommt von einer Nummer, die in deinem Adressbuch als bekannter Kontakt gespeichert ist. Sie kommt also von einem Freund, einem Verwandten oder Bekannten oder vielleicht von einem Arbeitskollegen. Sie bittet dich, über einen Link für ein Kind abzustimmen, das angeblich an einem Wettbewerb oder Casting teilnimmt. Der Link führt auf eine gefälschte Voting-Seite, die oft zwei „Kandidatinnen“ mit knappem Punkteabstand zeigt. Hier wird also ein psychologischer Trick angewandt, der Zeitdruck erzeugen soll.

Um „abzustimmen“, sollst du zunächst deine Handynummer eingeben. Diese Eingabe hat mit der Abstimmung nichts zu tun. Aber sie löst im Hintergrund eine nicht erkennbare Geräteverknüpfung zwischen deinem Handy und einem fremden Computer aus. Kurz danach zeigt dir die App auf deinem Handy einen Bestätigungscode an. Gibst du diesen Code unbedacht auf der Fake-Seite ein, koppelst du in Wahrheit ein fremdes Gerät an dein eigenes WhatsApp-Konto. Ab diesem Moment können die Täter deine Chats mitlesen. Und sie können in deinem Namen Nachrichten verschicken.

5 Warnzeichen, an denen du die Falle erkennst

  1. Emotionaler Druck statt sachlicher Information: Die Geschichte um ein Kind, ein Stipendium oder einen Wettbewerb soll dich schnell und unüberlegt handeln lassen.
  2. Das Kind kennst du nicht persönlich: Es wird bewusst als Tochter oder Sohn „guter Freunde“ beschrieben. So kannst du die Geschichte kaum überprüfen.
  3. Knapper Vorsprung auf der Abstimmungsseite: Zwei Kandidatinnen liegen nur wenige Stimmen auseinander. Das soll dich zum sofortigen, schnellen Klick verleiten.
  4. Plötzliche Anmeldung per Handynummer: Für eine normale Online-Abstimmung benötigt niemand deine Telefonnummer.
  5. Aufforderung, einen Code in WhatsApp einzugeben: Sobald von „Verknüpfte Geräte“ oder einem Bestätigungscode die Rede ist, hat das nichts mehr mit Abstimmen zu tun.

Schon geklickt? Das solltest du jetzt sofort tun!

Da die Masche in der Vergangenheit in ähnlicher Form schon auf andere Weise zum Einsatz kam, ist es natürlich möglich, dass du schon in die Falle getappt bist. Dann ist jetzt schnelles Handeln gefragt. Und wir zeigen dir, was genau zu tun ist.

  • Noch keinen Code eingegeben? Dann schließe einfach die Seite. Solange du keine Telefonnummer oder keinen Verknüpfungscode bestätigt hast, ist nichts passiert.
  • Code oder Nummer schon eingegeben? Öffne sofort WhatsApp → Einstellungen → Verknüpfte Geräte und melde alle unbekannten Sitzungen ab.
  • Kein Zugriff mehr auf dein Konto? Nutze die Kontowiederherstellung im Hilfebereich von WhatsApp.
  • Warne deine Kontakte über einen anderen Kanal. Anruf, SMS oder persönlich, nicht im selben WhatsApp-Chat. Weise besonders darauf hin, dass Geldforderungen in deinem Namen nicht von dir stammen.
  • Kontrolliere auch archivierte Chats. Dort verschicken Täter ihre Nachrichten gerne unbemerkt weiter.
  • Zwei-Faktor-Verifizierung aktiv lassen. Sie verhindert diese spezielle Masche zwar nicht, schützt dein Konto aber vor anderen Angriffen.

Warum selbst Nachrichten von Freunden gefährlich sein können

Das Fiese an der Masche rund um Abstimmungen für Kinder: Die Nachricht kommt tatsächlich von der Nummer eines echten Kontakts. Geschrieben hat sie aber nicht diese Person. Sobald ein Account einmal per Geräteverknüpfung gekapert wurde, können die Täter über dieses Konto neue Opfer anschreiben. Etwa mit der nächsten Fake-Abstimmung oder auch mit dringenden Geldforderungen.

WhatsApp selbst wird dabei nicht gehackt und es wird auch keine technische Sicherheitslücke ausgenutzt. Die Täter bringen ihre Opfer lediglich dazu, die Geräteverknüpfung freiwillig zu bestätigen. Deshalb gilt: Skepsis auch bei Nachrichten von Personen, die du eigentlich kennst. Besonders, wenn ein Code oder eine ungewöhnliche Bitte im Spiel ist. Im Zweifel lieber kurz anrufen, statt im Chat zu antworten.

Diese WhatsApp-Sicherheitseinstellungen solltest du überprüfen

  • Verknüpfte Geräte prüfen: Einstellungen → Verknüpfte Geräte – kontrolliere regelmäßig, welche Geräte mit deinem Konto verbunden sind, und entferne alles, was du nicht selbst eingerichtet hast.
  • Zwei-Faktor-Verifizierung aktivieren: Einstellungen → Account → Zwei-Schritt-Verifizierung. Schützt zwar nicht vor dieser konkreten Masche, aber vor vielen anderen Kontoübernahmen.
  • Datenschutz-Einstellungen für „Zuletzt online“ und Profilbild einschränken, damit Betrüger weniger Informationen für persönliche Ansprachen sammeln können.
  • Benachrichtigungen für neue Geräteverknüpfungen im Blick behalten. WhatsApp zeigt eine Meldung an, sobald sich ein neues Gerät verbindet.
  • Niemals Bestätigungscodes weitergeben. Egal, wer danach fragt und über welchen Kanal.

Kommentar

Von Hayo Lücke

Als ich zum ersten Mal die Screenshots der Fake-Voting-Seite gesehen habe, wurde mir klar, wie perfide die Masche wirklich ist: Jeder Schritt fühlt sich harmlos an, bis plötzlich ein Code abgefragt wird. Und spätestens an dieser Stelle müssen bei jedem sofort die inneren Alarmglocken schrillen. Sobald WhatsApp einen Bestätigungscode anzeigt, den du irgendwo eingeben sollst, ist sofort Schluss. Ganz egal, wie dringend die Bitte klingt oder von wem sie kommt. Ein kurzer Anruf beim vermeintlichen Absender rettet dir in diesem Fall sogar im Zweifel dein WhatsApp-Konto. Egal, was im Internet oder auf deinem Smartphone passiert, immer vorsichtig sein.

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