Ferrari Luce: Zwischen Zukunft und Traditionsbruch

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Ferrari baut plötzlich Elektroautos – und viele Fans reagieren, als hätte Italien die Pasta verboten. Der neue Luce ist schnell, futuristisch und für manche offenbar alles außer ein echter Ferrari. Und das gar nicht mal zu Unrecht.
Ferrari Luce seitliche Frontansicht.
Ferrari Luce: Steht Ferrari drauf, aber ist es auch einer?Bildquelle: Ferrari

Der Moment, in dem Ferrari ein Elektroauto baut, ist ungefähr so natürlich wie ein Steakhaus mit Tofu-Sommelier. Jahrzehntelang stand die Marke aus Maranello für röhrende Zwölfzylinder, für Benzin im Blut und für das Geräusch, das irgendwo zwischen Opernarie und Vulkanausbruch lag. Und nun rollt der neue Ferrari Luce lautlos um die Ecke – und sieht dabei aus, als hätte ein iPhone einen Honda verschluckt.

Ferrari Luce: Fans wenig euphorisiert

Die Fans reagierten erwartungsgemäß nicht mit Begeisterung, sondern eher mit digitalem Schnappatmungs-Yoga. Kommentare wie „Das muss ein Witz sein“ oder „Schöner Honda“ machten schnell die Runde. Und ehrlich gesagt: Man versteht die Irritation. Ferrari war immer ein Auto für Menschen, die schon beim Anblick ihres Autos oder spätestens beim Gasgeben Gänsehaut bekommen wollten. Mit Ferraris erstem E-Auto fällt das schwer.

Natürlich ist der Luce technisch absurd beeindruckend: über 1.000 PS, 530 Kilometer Reichweite und schneller auf Tempo 100 als manche Menschen „Mamma Mia“ sagen können. Aber genau das ist das Problem moderner Elektroautos: Sie sind inzwischen alle brutal schnell. Ein Ferrari, der beschleunigt wie ein Tesla? Früher wäre das Blasphemie gewesen. Heute ist es gelebter Alltag.

Ferrari Luce
Ferrari Luce aus der Vogelperspektive. Image source: Ferrari

Design von einem anderen Stern

Besonders tragisch wirkt allerdings das Design. Der Wagen sieht weniger nach italienischer Leidenschaft aus als nach einem Konzeptfahrzeug, das nachts heimlich in Cupertino geparkt wurde. Ex-Apple-Designer Jony Ive war beteiligt – und genau das merkt man. Der Luce wirkt nicht wie ein Ferrari, sondern wie ein Luxus-USB-Stick auf Rädern. Kann man mögen, muss man aber nicht. Sicher nicht.

Ferrari wollte vermutlich die Zukunft bauen. Herausgekommen ist ein Auto, bei dem sich Traditionalisten fühlen, als hätte jemand heimlich Ananas auf ihre Pizza gelegt. Vielleicht fährt der Luce fantastisch. Vielleicht wird er sogar ein Erfolg. Aber im Moment wirkt er wie der Versuch, einen Espresso mit Hafermilch und WLAN-Anschluss zur italienischen Kulturrevolution zu erklären.

Der eigentliche Skandal ist ohnehin nicht der Elektroantrieb. Es ist die Tatsache, dass ein Ferrari erstmals aussieht, als könne er problemlos vor einem veganen Coworking-Space in Berlin-Mitte parken. Man kann nur hoffen, dass Ferrari sich für sein nächstes E-Auto mehr traut. Mehr Mut beweist, um ein Auto zu bauen, das das Blut in Wallungen bringt.

Kommentar

Von Hayo Lücke

Technisch mag der neue Ferrari Luce beeindruckend sein – optisch wirkt er jedoch eher wie ein futuristisches Konzeptfahrzeug als wie ein echter Ferrari. Genau darin liegt das Problem vieler Fans: Dem E-Sportwagen fehlt jene aggressive Eleganz, die die Marke jahrzehntelang unverwechselbar gemacht hat. Der Luce fährt vielleicht in die Zukunft, verliert dabei aber ein Stück seiner Identität.

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