Dacia Spring Electric (2026) Test: Endgegner hoher Benzinkosten!

8 Minuten
Du suchst nach einem Elektroauto, das nicht gleich dein gesamtes Erspartes auffrisst? Dann ist der Dacia Spring Electric genau das richtige Thema. Vergiss das Image des lahmen Stadthüpfers – mit dem neuen Motor wird der Spring endlich erwachsen. Schnall dich an, wir gehen auf Testfahrt!
Hayo Lücke hinter dem Dacia Spring Electric 100.
Was kann der kleine Elektro-Flitzer Dacia Spring? Wir haben es getestet.Bildquelle: Wolfgang Groeger-Meier

Bisher war der Dacia Spring vorwiegend eines: vernünftig. Mit 45 oder 65 PS war er der König der Parklücke, aber auf der Landstraße eher der zurückhaltende Typ, der bloß nichts überholen möchte. Das ändert sich jetzt mit der neuen Version, die 75 kW (102 PS) auf die Straße bringt. Plötzlich haben wir ein Leistungsgewicht, mit dem man sich mehr traut – im Zweifel auch auf der Überholspur, um einen Trecker oder einen langsam fahrenden Lkw zu überholen. Warum? Weil der Spring immer noch ein absolutes Leichtgewicht ist. Er bringt nämlich ein Leergewicht von 1.070 Kilogramm auf die Waage.

Design & erster Eindruck: kantiger, cooler, digitaler

Bevor wir den Gang einlegen, schauen wir uns den kleinen Stadtflitzer mal genauer an. Das aktuelle Facelift hat dem Spring richtig gutgetan. Er wirkt jetzt robuster, fast wie ein kleiner SUV-Abenteurer. Vor allem in der Extreme-Ausstattung mit den kupferfarbenen Akzenten macht er ordentlich was her. Die Ausstattung bleibt trotzdem sehr "basic". Abzulesen unter anderem an der manuellen Klimaanlage, die im günstigsten Basismodell sogar ganz fehlt.

Dacia Spring Electric Front.
Dacia Spring Electric in der Variante 100 mit Kupfer-Elementen zum Beispiel an den Seitenspiegeln.

Im Innenraum merkst du sofort: Es wurde investiert. Das alte, etwas triste Cockpit ist Geschichte. Du blickst jetzt auf ein 7-Zoll-Digitaldisplay hinter dem Lenkrad und, falls du dich für das aufpreispflichtige Infotainment-Paket entscheidest, auf einen 10,1-Zoll-Touchscreen. Die Bedienung ist intuitiv, Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos. Ergänzend dazu stehen vorn zwei USB-C-Anschlüsse zur Verfügung (nur in der Extrem-Version, sonst ein USB-Anschluss), um etwa Smartphones aufladen zu können. Die Gänge werden im Dacia Spring über einen Schalter tief unten auf der Mittelkonsole eingelegt.

Klar, überall ist Hartplastik verbaut – aber hey, wir reden hier über den günstigsten Vollstromer auf dem Markt. Die Verarbeitung wirkt solide und klappert nicht. Allerdings fallen sofort die beim Schließen sehr blechern klingenden Türen auf. Das wirkt leider viel zu billig. Auch Windgeräusche bei schnelleren Fahrten sind unüberhörbar und ein Zeichen dafür, dass an der einen oder anderen Stelle eben doch stark gespart werden musste. Dazu kommt, dass du auf eine durchgehende Mittelkonsole verzichten musst. Stattdessen blickst du auf eine manuelle Handbremse. Wünschst du dir eine Mittelarmlehne, musst du dafür 103 Euro Aufpreis zahlen.

Dacia Spring Electric Interieur.
Einfach gehalten: das Cockpit im Dacia Spring Electric.

Und ganz wichtig: Der Dacia Springt ist Gift für langgewachsene Menschen. Nicht nur im Fond, wo das Platzangebot sehr beschränkt ist, sondern auch auf den vorderen Plätzen. Bei mehr als 1,90 Metern Körperlänge ist das Einsteigen eine Qual. Selbst wenn das Lenkrad auf seiner höchstmöglichen Position steht, fällt es schwer, die Beine unter dem Lenkrad vorbeizuschieben. Das ist auf Dauer alles andere als praktikabel.

Fahrspaß: Wenn 102 PS auf 1.000 Kilo treffen

Jetzt wird es spannend: Schlüssel drehen (ja, ganz klassisch, es gibt keinen Start-Stopp-Knopf!), auf "D" stellen und ab geht’s. Der Unterschied zum bisherigen 65-PS-Motor ist gewaltig. Während man früher den Sprint auf 100 km/h eher im Kalender als mit der Stoppuhr gemessen hat, knackt der Electric 100 die Marke nun in immerhin 9,6 Sekunden. Natürlich ist auch das nicht rasant, aber ausreichend. Für den Vortrieb kannst du zwischen einem D- und einem B-Modus wählen. Im B-Modus verzögert das E-Auto per Rekuperation stärker, wenn du den Fuß vom Strompedal nimmst. Sogar 1-Pedal-Fahren ist dann möglich.

  • Stadtverkehr: Hier fühlt sich der Dacia besonders wohl. Auch wenn er kein Sprintweltmeister ist, fühlt sich der Start an jeder Ampel mit immerhin 137 Nm Drehmoment gut an. Und dank seiner kompakten Abmessungen (er ist nur 3,70 Meter lang!) sind viele kleine Parklücken dein großer Freund.
  • Landstraße: Überholen ist kein Angstszenario mehr. Der Durchzug zwischen 50 und 90 km/h ist knackig.
  • Autobahn: Bei 125 km/h ist zwar bereits Schluss, aber der Weg dorthin fühlt sich deutlich souveräner an. Er liegt dank der leichten Überarbeitung des Fahrwerks auch bei höheren Geschwindigkeiten etwas stabiler, wenngleich er bei Seitenwind bauartbedingt immer noch etwas nervös reagiert.
Dacia Spring Electric Frunk.
Optional nachrüstbar: Ein Frunk im Dacia Spring Electric.

Assistenzsysteme sind natürlich auch mit an Bord. Aber nur das, was wirklich notwendig ist. Du kannst dich auf einen aktiven Notbremsassistenten für Fußgänger mit Fahrraderkennung freuen. Ebenso auf eine Spurhalteassistenten mit Spurhaltewarner. Auch eine Verkehrszeichenerkennung mit Geschwindigkeitswarner ist natürlich an Bord, weil es von der EU so gewünscht ist. Ebenso ein einfacher Tempomat. Aber nicht in adaptiver Form.

Dacia Spring Electric Heckansicht.
Breite Schultern bei einem kleinen Auto. Der Dacia Spring Electric in der Heckansicht.

Akku, Reichweite & Laden: Die Realität auf der Straße

Dacia setzt beim neuen Modell auf einen LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) mit einer Kapazität von rund 25 kWh. Das ist im Vergleich zu anderen E-Autos natürlich extrem wenig. Aber der Spring ist effizient unterwegs.

  • Verbrauch: Im Test lag ich bei moderater Fahrweise bei etwa 14 kWh auf 100 km. Echt gut! Auf der Landstraße und erst recht auf der Autobahn schnellt der Verbrauch aber ordentlich nach oben. Hier merkt man sofort: Der Spring ist primär für die Stadt gemacht!
  • Reichweite: Dacia gibt eine kombinierte WLTP-Reichweite von rund 225 Kilometern an. Im reinen Stadtverkehr sind sogar über 300 Kilometer drin, verspricht der Hersteller. Wir halten nach unserer Testfahrt eher 150 bis 200 Kilometer für machbar. Auf der Autobahn dürfte es hingegen schwierig werden, viel mehr als 100 Kilometer zu schaffen.
  • Laden: Hier gibt es beim Modelljahr 2026 ein wichtiges Upgrade. Endlich lädt er am Schnelllader (DC) über seinen Ladeanschluss an der Front etwas flotter. Wohlgemerkt: flotter, nicht flott! Denn von 0 auf 80 Prozent musst du noch immer 46 Minuten einplanen – unter optimalen Bedingungen! Das ist natürlich weiterhin alles andere als schnell. Zu Hause an der Wallbox lädt er mit knapp 7 kW (einphasig).

Und wie sieht es mit der Zuladung aus? Trotz seiner kompakten Außenmaße bietet der Kofferraum 308 Liter Volumen. Wenn du die Rücksitze umklappst, sind es sogar 1.004 Liter. Cooles Gadget: Es gibt jetzt für 191 Euro Aufpreis einen Frunk (ein Staufach unter der Fronthaube) für das Ladekabel. Endlich fliegen die Kabel nicht mehr im standardmäßig ohne Unterboden ausgelegten Kofferraum herum.

Dacia Spring Electric Kofferraum
Klein, aber für den Alltag in der Stadt ausreichend: der Kofferraum im Dacia Spring Electric.

Was kostet der Dacia Spring Electric?

Wenn du dich für den Dacia Spring interessierst, hast du die Wahl zwischen zwei Modellen. Das Basismodell Electric 70 mit 52 kW / 70 kW gibt es in der Basisvariante (Essential) ab 16.900 Euro zu kaufen, etwas besser ausgestattet (Expression) ab 18.700 Euro. Das von uns getestete Modell Electric 100 kommt in der Top-Ausstattung Extreme zum Kunden, die mindestens 19.700 Euro kostet. Davon kannst du aber noch die staatliche Förderung von aktuell bis zu 6.000 Euro abziehen, sodass der Preis noch deutlich sinkt.

Das normalerweise aufpreispflichtige Techno-Paket mit 10,1-Zoll-Touchscreen und Rückfahrkamera ist beim Dacia Spring Electric 100 bereits inklusive. Zusätzlich kannst du für 500 Euro ein City-Paket mit Navigationssystem und Einparkhilfe vorn bestellen. Hinten sind die Sensoren für das Rangieren in engen Parklücken in Serie verbaut. Und 650 Euro Aufpreis kostet ein Power-Paket, das CCS-Ladeanschluss und V2L-Unterstützung (Vehicle to Load / Anschluss von externen Elektrogeräten) samt passendem Adapter beinhaltet.

Ohne Aufpreis gibt es den Dacia Spring übrigens nur in Weiß zu kaufen. Vier optionale Lackierungen (Oliv-Grün, Schiefer-Blau, Brick-Red und Seafoam) sind mit einem Aufpreis in Höhe von 650 Euro verbunden. Immer an Bord: Stahlräder. Selbst gegen Aufpreis sind Leichtmetallfelgen nicht erhältlich. Hier geht es wirklich darum, bezahlbare E-Mobilität bereitzustellen. Das Basismodell ist übrigens auf 14-Zoll-Rädern unterwegs, ab der Ausstattungsvariante ist eine 15-Zoll-Bereifung ab Werk montiert. Garantie: drei Jahre bis 100.000 Kilometer.

Dacia Spring Electric mit Hayo Lücke.
Für die Stadt gemacht: der Dacia Spring Electric.

Fazit: Lohnt sich der "große" Spring?

Wenn du ein ehrliches Auto suchst, das dich günstig von A nach B bringt und dabei sogar Spaß macht, dann ist der Dacia Spring Electric 100 genau dein Ding. Die 75 kW machen aus dem einstigen Verzichtsmobil einen ernstzunehmenden Teilnehmer im täglichen Verkehr – auch außerhalb der Stadtmauern, wenn du auf die Pendelstrecke gehen musst.

Vorteile:

  • Agilität: Die 102 PS fühlen sich im leichten Auto nach deutlich mehr an.
  • Effizienz: Einer der sparsamsten Stromer überhaupt.
  • Technik: Modernes Infotainment und gegen Aufpreis nützliche V2L-Funktion.

Nachteile:

  • Fahrwerk: Auf holprigen Straßen etwas hölzern.
  • Ladeleistung: Für echte Langstrecken (Urlaub) immer noch unbrauchbar.
  • Platz beschränkt: Das Platzangebot ist auf allen vier Sitzen überschaubar.
Dacia Spring Electric
Dacia Spring Electric: Kompakte Abmessungen, kleine Reifen, robustes Auftreten.

Mein Tipp: Wenn du die Wahl hast, nimm auf jeden Fall die 75-kW-Version. Der Aufpreis ist fair und der Sicherheitsgewinn durch die bessere Beschleunigung sowie der deutlich höhere Spaßfaktor sind jeden Cent wert. Der Spring ist nicht mehr nur die "Notlösung", sondern eine echte, smarte Alternative zum teuren Elektro-Mainstream. Du musst dir aber im Klaren darüber sein, dass der Spring ein eher einfaches E-Auto ohne nennenswerte Extras bleibt.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein