Vor allem in Städten zeigt sich der Wandel deutlich. Wege werden kürzer, Alternativen vielfältiger. Wer zu Fuß geht, Rad oder E-Scooter fährt oder den öffentlichen Personennahverkehr nutzt, ist oft schneller und stressfreier unterwegs. Das Auto steht derweil die meiste Zeit ungenutzt am Straßenrand – ein teures Verkehrsmittel mit geringer tatsächlicher Nutzung, wie Mobilitätsforscher Andreas Knie in einem Interview mit der Zeitung „Die Zeit“ analysiert. Und weil die Bedeutung immer stärker bröckelt, könnte die Akzeptanz für ein Tempolimit auf Autobahnen steigen. Knie: „Ein Tempolimit entlastet nicht nur die Infrastruktur, sondern verbessert auch den Verkehrsfluss. Und mit dem kulturellen Bedeutungsverlust wird es politisch leichter, so etwas durchzusetzen.“
Vom Statussymbol zur Notlösung
Auch auf dem Land bleibt das Auto zwar wichtig, aber nicht mehr alternativlos. Homeoffice, Lieferdienste und neue Mobilitätsangebote reduzieren die Abhängigkeit vom eigenen Fahrzeug. Selbst dort wächst die Erkenntnis: Ein Auto ist kein Statussymbol mehr, sondern eine Notlösung, wenn andere Optionen fehlen. Stark ausgeprägt ist diese Erkenntnis vor allem bei jungen Menschen. Knie sagt: „Umfragen zeigen, dass junge Menschen das Auto zwar noch nutzen, aber keine emotionale Bindung mehr haben.“ Auch eine enge Markenbindung gebe es in dieser Zielgruppe kaum noch. „Viele kümmert es nicht mehr groß, welche Marke sie fahren.“
Die Industrie reagiert bislang vor allem technisch. Elektroautos sollen das Problem lösen, verändern aber wenig am Grundprinzip. Auch sie brauchen Platz, Infrastruktur und Ressourcen. Der gesellschaftliche Trend geht jedoch weg vom Besitz, hin zur Nutzung – flexibel, bedarfsgerecht und möglichst effizient. Carsharing-Angebote sind hier eine mögliche Lösung, oft aber nur in großen Städten verfügbar. Schlicht, weil hier die Nachfrage größer ist.
Im Kern steht Deutschland vor einem kulturellen Umbruch. Das Auto verliert seine emotionale Sonderstellung und wird zu dem, was es für viele bereits ist: ein Werkzeug unter vielen. Mobilität wird neu gedacht – leiser, geteilter und weniger autozentriert. Übrigens auch, weil der Führerschein immer teurer wird. Und das stellt gerade jene Jugendliche vor Herausforderungen, die aus weniger einkommensstarken Haushalten kommen. Sie können sich den Führerschein einfach kaum noch leisten.
Immer mehr Autos auf deutschen Straßen
Kurios ist in diesem Zusammenhang übrigens noch eine ganz andere Zahl. Denn auch wenn die Bedeutung des Autos immer geringer ausfällt, besitzen die Deutschen immer mehr Pkw. Laut ADAC waren Ende 2025 in Deutschland 49,3 Millionen Autos zugelassen – so viele wie noch nie.
