China zieht die Reißleine bei einem Designtrend, der primär bei modernen Elektroautos als Symbol für Fortschritt galt. Versenkbare, rein elektrisch ausfahrende Türgriffe sollen ab 2027 bei neuen Fahrzeugen weitgehend verboten werden. Hintergrund ist eine Aktualisierung der Sicherheitsvorschriften durch das zuständige Industrie- und Technologieministerium, die festlegt, dass sich Türen auch bei Stromausfall oder Defekten zuverlässig und schnell öffnen lassen müssen. Die futuristischen Griffe, die während der Fahrt bündig in der Karosserie verschwinden, stehen im Verdacht, Rettungskräfte und Insassen im Ernstfall kostbare Sekunden zu kosten.
Autohersteller müssen umdenken
Aus technischer Sicht geraten hauptsächlich Systeme unter Druck, die ausschließlich elektrisch ausfahren und keine robuste mechanische Notentriegelung bieten. Hersteller müssen sicherstellen, dass sich Türen jederzeit mit einem klar erkennbaren, haptischen Griff öffnen lassen – unabhängig vom Bordnetz oder komplexer Sensorik. Für viele Premium-E-Auto-Modelle, bei denen die glatte Seitenlinie und der geringere Luftwiderstand Teil des Markenimages sind, könnte das tief ins Karosserie- und Türdesign eingreifen. Besonders betroffen sind Fahrzeuge, deren Türöffnungsmechanismus komplett in Software- und Steuergeräte-Logik eingebettet ist.
Brisant ist der Schritt, weil China nicht nur der weltweit größte Automarkt ist. Sondern auch eine zentrale Produktions- und Entwicklungsbasis für internationale Hersteller. Viele Automarken, von globalen Konzernen bis zu heimischen Newcomern, haben versenkbare Türgriffe als Design- und Aerodynamikmerkmal etabliert. Nicht zuletzt inspiriert von Vorreitern wie Tesla. Müssen diese Lösungen nun für China angepasst werden, stellt sich sofort die Frage nach globalen Plattformstrategien: Entwickelt man zwei unterschiedliche Türsysteme oder folgt man den strengeren Vorgaben weltweit, um Komplexität zu vermeiden?
Versenkbare Türgriffe auch in Europa und den USA vor dem Aus?
Für die Autoindustrie ist die Entscheidung ein weiteres Signal, dass Komfort- und Showeffekte im Zweifel hinter Robustheit und Sicherheitslogik zurückstehen. Zugleich dürfte der Druck auf andere Märkte wachsen, ähnliche Regelungen zu prüfen. Etwa in Europa oder in den USA, wenn Unfälle oder Testdaten vergleichbare Risiken belegen. Für Nutzer könnte das mittelfristig das Comeback klassischer, gut greifbarer Türgriffe bedeuten. Möglicherweise kombiniert mit smarter Sensorik im Hintergrund, aber ohne dass der wichtigste Kontaktpunkt zum Auto aus reinen Designgründen verschwindet. Auch sogenannte „Door-Wings“, wie sie jüngst beim neuen Volvo EX60 vorgestellt wurden, könnten schon wieder vor dem Aus stehen, ehe sie überhaupt groß eingeführt wurden.
