Weltneuheit: In diesem DE-Flughafen können Passagiere entspannen

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Ein Flughafen ist nicht nur das Tor zur Welt, sondern bedeutet vor allem auch eines: Stress. Wo fliegt was ab? Hat das Boarding schon begonnen? Man ist durchgehend angespannt und muss akribisch auf alle Gate-Durchsagen achten. Überall dasselbe, mit Ausnahme des Flughafens Frankfurt.
Ein Flughafen
Weltneuheit: In diesem DE-Flughafen können Passagiere entspannenBildquelle: Artem Sandler / inside digital

Hektische Passagiere, Durchsagen aus Nah und Fern, eine lautstark diskutierende Menschenmenge. Ein Flughafen, wie man ihn kennt, und ich mittendrin in all dem Chaos. Nur ist diesmal etwas anders, nicht so wie immer. Ich trage Kopfhörer und habe dennoch keine Angst, wichtige Gate-Durchsagen zu verpassen. Im Gegenteil, ich höre sie klar und deutlich – direkt in meinen Ohren. Ermöglicht wird das durch das neue Auracast Broadcast Audio, bei dessen Einführung am Flughafen Frankfurt ich zugegen war. Eine Premiere, denn bisher nutzt kein anderer Flughafen diese Technologie. Und zwar weltweit nicht. Ein Umstand, der sich schon bald radikal ändern könnte. Denn die Vorzüge von Auracast für Reisende sind vielfältig und überzeugend.

Frankfurter Flughafen startet Auracast an zwei Gates

Vergangene Woche nahm der Flughafen Frankfurt eine Vorreiterposition ein, indem er Auracast Broadcast Audio für Passagiere in Betrieb nahm. Zunächst nur an den Gates A16 und A17 im Terminal 1, doch aller Anfang ist bekanntlich schwer. Gute Neuigkeiten, also. Es bleibt lediglich die Frage: Was zum Teufel ist Auracast eigentlich?

Auracast Broadcast Audio ist ein System, das auf Bluetooth-Basis umgesetzt wird und sowohl an Flughäfen als auch sonst viele Vorteile bietet. Denn damit können einzelne Geräte Audio an eine unbegrenzte Anzahl verbundener Kopfhörer, Smartphones und Hörgeräte übertragen. Zumindest, sofern diese den nur wenige Jahre alten Standard unterstützen. Ein Beispiel aus dem Alltag: Mit Auracast Broadcast Audio kann jeder sein Tablet zücken, einen Film starten und das Audio per Bluetooth zeitgleich an alle seine Freunde übertragen. Und auch im öffentlichen Raum bringt das neue System viele Vorteile mit sich: etwa als Audio-Guides im Museum oder als praktische Lösung für bisher stumme Bildschirme in Sportbars.

Obwohl die Technologie noch vergleichsweise neu ist, nimmt die Etablierung langsam Fahrt auf. Mittlerweile findet sich Auracast im Großen Saal sowie im Kammermusiksaal in der Berliner Philharmonie. Und in München sollen ab 2028 gleich 90 neue S-Bahnen mit Auracast-Ansagen zum Einsatz kommen. Doch zurück zum Flughafen Frankfurt.

Banddurchschneidung am Frankfurter Flughafen
Alexander Laukenmann,
Senior Vice President Aviation der Fraport AG, und Louisa Solonar-
Unteransinger, CIO des Landes Hessen, Hessisches Ministerium für
Digitalisierung und Innovation

Wie funktioniert Auracast am Flughafen Frankfurt?

Zwischen November 2025 und Januar 2026 erfolgte am Flughafen die Installation von Sendern direkt in die bestehende Gate-Sprechstellen-Infrastruktur. Anschließend wurden in einer internen Testphase Fehler ausgemerzt. Beispielsweise soll ein Hotdog-Stand zeitweise für unvorhersehbare Störungen gesorgt haben. Doch inzwischen scheinen die Anfangsschwierigkeiten überwunden zu sein und ein öffentlicher Pilotversuch ist im vollen Gange.

Passagiere mit Auracast-fähigen Geräten können QR-Codes am Terminal scannen oder diese unmittelbar per Smartphone mit dem benötigten Gate verbinden. Anschließend erfolgen alle automatisierten und manuellen Durchsagen unmittelbar über die Kopfhörer oder Hörgeräte. Man kann also entspannt Musik hören und verpasst dennoch keine wichtigen Informationen.

Smartphone mit AUracast
Das Smartphone ist per Auracast mit dem Gate verpunden

Ein weiterer Vorteil ergibt sich für fremdsprachige Passagiere. Diese werden sich später mit einem Kanal verbinden können, der Durchsagen in ihrer Muttersprache übermittelt. Und zwar ausschließlich in ihrer Sprache. Mehrfachdurchsagen wären folglich passé.

Darüber hinaus verbessert Auracast Broadcast Audio die Inklusion an Flughäfen. So zeigten sich mehrere Hörgeräteträger, mit denen ich im Rahmen des Events gesprochen habe, begeistert von den Möglichkeiten von Auracast. „An die Medienvertreter im Raum: Bitte verbreitet das“, hieß es dazu vonseiten einer Betroffenen.

Nächster Schritt bereits im März

Die öffentliche Testphase soll noch bis März 2026 anhalten. Anschließend wird das Feedback ausgewertet. „Bisher ist unbekannt, wie es weitergeht“, so Marcel Brühne, zuständig für Passenger Solutions bei Fraport. Ob das System weiter ausgebaut wird, hängt folglich von der Resonanz ab. Angesichts der rapiden Verbreitung an Auracast-fähigen Geräten scheint dies allerdings durchaus wahrscheinlich. Auch mit Blick auf weitere Flughäfen.

Auracast Broadcast Audio am Flughafen Frankfurt
Auracast Broadcast Audio am Flughafen Frankfurt

An dem Auracast-Projekt beteiligten sich neben den Leitern Fraport, Sitting Technologies und der Frankfurt University of Applied Sciences auch zahlreiche weitere Akteure wie GN, Google, Samsung, und die Bluetooth Special Interest Group (SIG).

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