Bekannte Elektronik-Händler macht dicht: Das sind die Gründe

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Wer Elektronik nicht im Internet kaufen will, landet schnell bei Media Markt oder Saturn. Doch es gibt noch andere, teils spezialisierte Ketten. Eine von ihnen macht nun für immer dicht. Davon sind 400 Mitarbeiter betroffen.
Gravis macht seine Shops dicht
Gravis macht seine Shops dichtBildquelle: Gravis

Gravis, seit 2013 Bestandteil der freenet-Gruppe, ist auf den Handel und den Service rund um Apple-Produkte spezialisiert. Diese Spezialisierung war lange der Pluspunkt der Kette, jetzt fällt die ihr auf die Füße. Noch im vergangenen Jahr versuchte Gravis, das eigene Konzept auf links zu drehen. Zwar blieb man dem Apple-Konzept treu, doch man versuchte, andere Stellschrauben zu drehen. Bargeld verschwand aus den Filialen. Man versuche mit einer neuen Markenidentität und Zielgruppenansprache verstärkt jüngere, technikbegeisterte Kunden zu erreichen. Auch die Kreativbranche und Start-Ups sollten auf das geschärfte Produktportfolio rund um Apple Produkte aufmerksam werden, wie es in Pressemitteilungen des vergangenen Jahres heißt.

Gravis-Läden schließen noch dieses Jahr

Doch das alles nutzte wohl nichts, um die Shop-Kette aus den roten Zahlen zu bekommen. Diese Zahlen wurden dem Vernehmen nach von Monat zu Monat roter. Vergangene Woche zog man dann die Notbremse. Am Mittwoch, so ist zu erfahren, informierte man alle Mitarbeiter des Unternehmens über das bevorstehende Aus von Gravis. Die Kette wird abgewickelt, die Shops geschlossen. Spätestens Ende 2024 soll sich das letzte Mal eine Ladentür mit dem Logo für Kunden öffnen. In vielen Läden wird schon eher Schluss sein. Betroffen sind 400 Mitarbeiter, denen man aber nach eigenem Bekunden Abfindungen anbieten will.

Die Information der Mitarbeiter am vergangenen Mittwoch folgte auf das Aus von Gesprächen einen Tag zuvor. „Wir haben lange gehofft und bis am späten Dienstagabend mit unserem österreichischen Partner McShark, der 18 Filialen betreibt, verhandelt«, sagte Christoph Vilanek dem „Spiegel“. Vilanek ist Chef der freenet-Gruppe und gleichzeitig einer von zwei Geschäftsführern der Gravis. Auch eine Zusammenlegung hätte das Geschäft nicht gerettet, so Vilanek weiter. „Wir müssen anerkennen, dass sich das nicht mehr lohnt.“ Gravis hatte der McShark-Mutter, der österreichischen Anatara-Holding, bereits zuvor Anteile verkaufen wollen, das Bundeskartellamt hatte seit Ende 2023 wegen der möglichen Fusion ein Kontrollverfahren eingeleitet.

Im Gespräch mit dem Spiegel machte Vilanek auch deutlich, dass Apple ein Teil des Problems sei. Immer wieder habe er mit Apple telefoniert, doch die erhoffte Unterstützung für die ausschließlich auf diese Marke ausgerichteten Gravis-Geschäfte sei ausgeblieben. Das Konditionsmodell des iPhone-Herstellers war für die mittelständische Einzelhandelskette offenbar zu strikt. „Es ist kein Geheimnis, dass Apple auch Nachfrageprobleme hat, die Lebensdauer der Produkte wird immer länger.“ Aber auch hier spielten natürlich generelle Probleme des Einzelhandels nach der Pandemie sowie das zunehmende Onlinegeschäft eine Rolle. Gravis selbst bietet auch einen Onlineshop, der aktuell noch uneingeschränkt geöffnet ist.

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