/News/Bargeld & Bezahlen/Bargeld für den Notfall: Wie viel man zu Hause haben sollte und ab wann es riskant wird

Bargeld für den Notfall: Wie viel man zu Hause haben sollte und ab wann es riskant wird

5 Min. Lesezeit Teilen/Speichern
Erst Freiburg, davor die Westküste Schleswig-Holsteins: Im Oktober saßen Zehntausende Haushalte ohne Strom und damit ohne Kartenzahlung und Geldautomat. Bargeld zu Hause ist deshalb keine Panikmache, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rät ausdrücklich dazu. Nur: Wie viel sollte man bunkern?
Bargeld für den Notfall: Wie viel man zu Hause haben sollte und ab wann es riskant wird
Bargeld für den Notfall: Wie viel man zu Hause haben sollte und ab wann es riskant wirdBildquelle: Ivan Vi / Pexels

Digitales Bezahlen hat in Deutschland gewonnen, zumindest in der Statistik. 2025 liefen laut Bundesbank erstmals mehr Einkäufe ohne Scheine und Münzen als mit, nämlich 55 Prozent. Was passieren kann, wenn ein ganzes Land auf Bargeld verzichtet, zeigt dieses Beispiel. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät trotzdem jedem Haushalt zu einem Bargeldvorrat. Die Begründung passt in einen Halbsatz: Bei einem Stromausfall funktionieren auch die Geldautomaten nicht. Digital heißt eben nicht automatisch zuverlässig.

Was ohne Strom wirklich passiert

Kein Strom, kein Netz, und plötzlich ist die Karte nur noch ein Stück wertloses Plastik. Supermärkte? Im Berliner Südwesten blieben sie Anfang Januar geschlossen, nachdem ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe vom Netz getrennt hatte. Tankstellen? Ohne Strom pumpt keine Zapfsäule. Das fühlt sich ziemlich schnell ziemlich steinzeitlich an. Die letzten Haushalte in Steglitz-Zehlendorf waren erst am Mittwoch danach wieder am Netz.

Der Berliner Senat hat später schriftlich bestätigt, dass die meisten Geldautomaten keine eigene Notstromversorgung haben. Banken hätten signalisiert, im Krisenfall Notfallkassen einzurichten. Eine Übersicht, wo solche Ausgabestellen entstehen würden, gibt es laut Senat nicht. Und die Bundesbank richtet ihre Notfallplanung für die Bargeldversorgung vor allem auf kurze Krisen von ein bis fünf Tagen aus.

→ Blackout: Das passiert, wenn der Strom ausfällt

Im komplett dunklen Viertel hilft Bargeld allerdings nur begrenzt, denn wo die Kasse keinen Strom hat, bleibt der Laden häufig zu. Seinen Wert spielt es dort aus, wo noch verkauft wird, aber nicht mehr per Karte: bei Händlern, die improvisieren und Ware nur gegen Bargeld herausgeben, und überall, wo zwar der Strom läuft, aber die Zahlungssysteme streiken. Beim großen Blackout in Spanien und Portugal im April 2025 brach die Nutzung der Geldautomaten ein, am Tag danach schnellten die Abhebungen nach oben. Die Europäische Zentralbank (EZB) vermutet, dass die Menschen in der Zwischenzeit von ihren Reserven zu Hause gelebt haben.

Zur Einordnung: Im Schnitt war jeder Stromkunde in Deutschland 2024 laut Bundesnetzagentur 11,7 Minuten ohne Strom. Das deutsche Netz gehört zu den zuverlässigsten in Europa. Nur hilft die Statistik niemandem, der gerade im Dunkeln steht.

Bargeld: In kleinen Scheinen und Münzen

Wie viel Bargeld sollte also in der Sockenschublade liegen? Das BBK legt sich nicht fest. Die Niederländer schon: Ihre Zentralbank DNB empfiehlt gemeinsam mit dem Finanzministerium und Branchenverbänden rund 70 Euro pro Erwachsenem und 30 Euro pro Kind. Berechnet hat das das Budgetinstitut Nibud. Der Betrag soll 72 Stunden überbrücken, mehr nicht. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern sind das 200 Euro.

Ein Aufsatz im Wirtschaftsbericht der EZB vom September 2025 nennt ähnliche Richtwerte aus den Niederlanden, Österreich und Finnland: 70 bis 100 Euro pro Person, genug für etwa drei Tage. Der Oberösterreichische Zivilschutz rechnet pauschal mit 500 Euro pro Haushalt. Das ist die großzügige Variante, für die meisten Haushalte liegt sie deutlich über dem Drei-Tage-Bedarf.

→ Tschüss Bargeld, die Deutschen lieben dich nicht mehr

Und ja: Wer drei Kinder hat, braucht mehr als jemand, der allein lebt und zu Fuß einkaufen geht. Nach der niederländischen Formel kämen zwei Erwachsene mit drei Kindern auf 230 Euro.

Der wertvollste Tipp bleibt die Stückelung. Große Scheine lassen sich in einer Krise kaum wechseln, und niemand möchte einen Liter Milch mit einem Hunderter bezahlen, wenn die Kasse kein Wechselgeld hat. Die DNB rät zu kleinen Scheinen und etwa 50 Münzen in verschiedenen Werten. Und sie bittet ausdrücklich darum, nicht sofort zum Automaten zu rennen: Es reiche, über ein paar Monate Wechselgeld beiseitezulegen. Keine Panikmache also, nur Vorsorge.

Diese Grenze lieber nicht überschreiten

Ob unter der Matratze oder in einem anderen Versteck: 43 Prozent der Menschen in Deutschland bewahren laut Bundesbank zusätzlich zum Portemonnaie Bargeld zu Hause auf, etwa als Notreserve oder zum Sparen. Im Portemonnaie selbst stecken im Schnitt 98 Euro. Eine Bundesbank-Erhebung für das Jahr 2018 kam auf durchschnittlich 1.364 Euro pro Person, zu Hause oder im Bankschließfach.

→ Neue Regeln fürs Bezahlen: Ab 2027 wird das zur Pflicht

Viel mehr ist auch nicht zu empfehlen. Verboten ist es nicht, größere Summen in den eigenen vier Wänden zu verstecken. Aber Bargeld zählt in der Hausratversicherung zu den Wertsachen, und dafür gelten eigene Höchstgrenzen. Laut Versicherungsverband GDV liegt die Grenze für Bargeld häufig bei 1.000 bis 2.000 Euro. Wird mehr gestohlen oder verbrennt mehr, bleibt man auf dem Rest sitzen. Höhere Summen sind meist nur abgesichert, wenn das Geld in einem Tresor liegt, der die Vorgaben des Versicherers erfüllt, etwa ein Mindestgewicht oder eine feste Verankerung. Welche Grenze gilt, steht in den eigenen Vertragsbedingungen.

Dazu kommt: Geld im Schrank arbeitet nicht. Die Bundesbank rechnet für 2026 mit einer Teuerung von fast 3 Prozent. Wer mehr als die Notreserve beiseitelegen will, ist mit einem Tagesgeldkonto besser bedient.

1 Kommentar

  1. Tom Hofmann , D
    170.- Dealergeld in der Wohnung beschlagnahmt, stand im Polizeibericht. Darum, Bargeld immer ausserhalb der Wohnung aufbewahren. Wenn schon 170.- in bar verdächtig sind, dann klicken bei dir aber gleich die Handschellen.....
[-AMP Version-]