Huawei P20 Pro: Lohnt sich der Kauf selbst 2020 noch?

8 Minuten
Das Adjektiv "neu" oder sogar "aktuell" lässt sich nun wirklich nicht mehr auf das Huawei P20 Pro anwenden. Dennoch könnte sich der Kauf des früheren Flaggschiff-Smartphones auch heute noch lohnen. Denn es kostet nur noch einen Bruchteil, kann aber weiterhin technisch überzeugen. Allerdings…
Huawei P20 Pro
Bildquelle: inside digital

Als das Huawei P20 Pro im April 2018 auf den Markt kam, war das Smartphone ein echter Überflieger. In unserem Test erreichte das Huawei-Gerät eine fast perfekte Wertung von 4,5 von 5 maximal möglichen Sternen und setzte in puncto Kamera neue Maßstäbe. Und auch heute noch dürfte das Smartphone die Erwartungen von Durchschnittsnutzern, die nicht gerade 3D-Spiele auf den besten Grafik-Einstellungen spielen wollen, vollkommen erfüllen. Wobei es objektiv betrachtet in einigen Bereichen dann doch zu aktuellen Flaggschiffen aufschauen muss. Besonders kritisch ist jedoch ein anderer Aspekt, und dieser kann das bisher aufgeführte, positive Bild des Huawei P20 Pro ganz schnell irrelevant machen.

Huawei P20 Pro in der Übersicht

Das Huawei P20 Pro läuft mit dem hauseigenen Prozessor Kirin 970. Seither wurden zwei neue Generationen veröffentlicht, Kirin 980 und Kirin 990, doch wie bereits erwähnt: Für den alltäglichen Gebrauch ist das Smartphone nach wie vor in jeglicher Hinsicht geeignet. Dasselbe gilt auch für den Speicher. Hier kann das Handy 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Hauptspeicher vorweisen. Zum Vergleich: Das aktuelle Flaggschiff Huawei P40 Pro verfügt über 8 und 256 GB.

Ein größerer Nachteil, den die Hardware des P20 Pro mit sich bringt, ist die Konnektivität. So unterstützt das 2018er-Modell weder 5G noch Wi-Fi 6 (802.11ax). Doch auch hier spielt lediglich Wi-Fi 6 eine nennenswerte Rolle, denn es wird noch eine ganze Weile dauern, bis 5G in Deutschland flächendeckend (oder zumindest zu großen Teilen) verfügbar ist. Bis dato ist diese Funktion größtenteils zu vernachlässigen.

Software Android 8.1 Oreo
Prozessor Kirin-970
Display 5,8 Zoll, 1.080 x 2.240 Pixel
Arbeitsspeicher 4 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 4272x2848 (12,2 Megapixel)
Akku 3.400 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung (kein Schutz)
Gewicht 165 g
Farbe Schwarz, Roségold, Blau
Einführungspreis 649 €
Marktstart 06.04.2018

Display und Akku

Nun zum Display: Dieses ist mit 6,1 Zoll zwar nicht sonderlich groß, dafür ist allerdings auch das Gehäuse vergleichsweise handlich. Die Betonung liegt dabei auf „vergleichsweise“, denn dank eines breiten Gehäusestreifens unterhalb des Displays ist das Huawei P20 Pro länger, als es sein müsste. Ob das jedoch ein Nachteil ist, muss jeder für sich entscheiden. Denn auf besagtem Gehäusestreifen platzierte Huawei einen Touch-Sensor, der als Zurück-Button, als Fingerabdrucksensor und als Smart-Assistent-Taste fungiert. Ob dies jedoch wirklich praktisch ist, ist Geschmackssache. Zumindest die Auflösung bleibt mit 1.080 x 2.240 Pixeln (408 ppi) auf einem für Huawei-Geräte guten Niveau. Die Punktdichte übertrifft sogar die des Nachfolgers Huawei P30 Pro (398 ppi), unterliegt jedoch der Auflösung des Huawei P40 Pro (441 ppi).

Was den verbauten Akku angeht, so kann dieser mit 4.000 mAh ebenfalls auch heute noch überzeugen. Die beiden Nachfolgemodelle bieten mit jeweils 4.200 mAh auch hier keine deutliche Steigerung. Besonders, wenn man die größeren Displays und leistungsstärkeren Prozessoren in die Rechnung mit einbezieht. Allerdings ist die Schnellladefunktion der neueren Modelle mit 40 Watt der des Huawei P20 Pro (22,5 Watt) überlegen. Und wer es braucht: Kabelloses Laden unterstützt das P20 Pro ebenfalls nicht. Noch wichtiger ist allerdings, dass du das 2018 präsentierte Smartphone nicht gebraucht kaufen solltest. Denn die Leistung von Lithium-Ionen-Akkus nimmt mit der Zeit und abhängig von der Nutzung ab. Somit existiert keine Garantie, dass gebrauchte Geräte trotz der ursprünglich sehr guten Laufzeit, auch heute noch lange betriebsbereit bleiben.

Kamera des Huawei P20 Pro

Zu guter Letzt wäre da noch die Kamera des Huawei-Senioren. Diese besteht aus drei Modulen: Einem Teleobjektiv mit 8 Megapixeln (f/2.4), einem Hauptsensor mit 40 Megapixeln (f/1.8) und einem lichtstarken Monochrom-Sensor mit 20 Megapixeln (f/1.6). Damit konnte das Huawei P20 Pro seinerzeit nicht nur überzeugen, sondern begeistern, doch diese Zeiten sind vorbei. So gibt es aktuell zahlreiche Smartphones, die dem einstigen Überflieger überlegen sind. Für Alltags-Photographie reicht das Setup des Huawei P20 Pro allerdings auch heute noch allemal aus.

Huawei P20 Pro: Software & USA-China-Handelskrieg

Nun, nachdem die technischen Besonderheiten des Huawei P20 Pro ausreichend beleuchtet wurden, kommen wir zur Achillesferse des chinesischen Smartphones: der Software. Und diese kann gleich in mehrfacher Hinsicht kritisiert werden. Zum einen hat das Handy nach seiner Vorstellung bereits zwei große Versionsupdates (Android 9 Pie und Android 10) erhalten. Damit ist das Gerät zwar auf dem neuesten Stand, weitere größere Aktualisierungen werden allerdings höchstwahrscheinlich nicht mehr verteilt.

Noch schlimmer sieht die Software-Situation mit Blick auf den Handelskrieg zwischen den USA und China aus. Zwar unterstützt das Huawei P20 Pro alle Google-Dienste und steht anderen Android-Geräten somit in nichts nach, jedoch könnte sich dies schon bald ändern. Denn eine 90-tägige Schonfrist, die bereits mehrmals verlängert wurde und dank der Huawei Android-Updates für ältere Modelle liefern konnte, ist vor kurzem ausgelaufen. Niemand weiß, was das für Nutzer von Smartphones wie dem Huawei P20 Pro bedeutet, doch die Folgen könnten von einem Stopp von Sicherheitsupdates bis hin zur Einstellung von Google Pay und Banking-Diensten reichen. Genaueres ist derzeit ungewiss und ebendiese Ungewissheit stellt das größte und wichtigste Argument gegen den Kauf des P20 Pro dar.

Preis-Leistung

Als das Huawei P20 Pro das Licht der Welt erblickte, kostete es noch satte 899 Euro. Seither ist jedoch bereits viel Zeit verstrichen, sodass das Gerät heute bei namhaften Händlern nur noch knapp 442 Euro auf die Preiswaage legt – also fast genau die Hälfte. Das klingt zwar gut, doch tatsächlich befindet sich der Preis schon seit vielen Monaten auf diesem Niveau. Das Smartphone wird höchstwahrscheinlich auch nicht mehr günstiger werden, sondern irgendwann einfach von den Ladentheken verschwinden. Daraus ergibt sich folgende Schlussfolgerung: Wenn du das Huawei P20 Pro kaufen möchtest und dich die unklare Update- beziehungsweise Software-Situation nicht stört, solltest du lieber jetzt zugreifen. Warten lohnt sich bei dem Gerät nicht mehr – es wird höchstens noch älter.

Alternativen zum Huawei P20 Pro

Huawei P30 Pro

Die einzige sinnvolle Huawei-Alternative zum P20 Pro stellt das direkte Nachfolgemodell Huawei P30 Pro dar. Es verfügt über alle Google-Dienste, sieht sich jedoch ebenfalls mit der aktuellen, unklaren Situation rund um Huawei-Smartphones konfrontiert. Zudem ist es mit bestenfalls rund 586 Euro deutlich teurer als der Vorgänger. Dafür erhielt das Gerät eine sogar noch etwas bessere Testwertung als das 2018er-Gerät und wird (voraussichtlich!) noch ein weiteres großes Android-Versionsupdate erhalten.

Samsung Galaxy A90 5G

Eine weitere interessante Alternative stellt derweil das Samsung Galaxy A90 5G dar. Das Smartphone kam im September 2019 auf den Markt und stellt die High-End-Variante der Mittelklasse-Handys von Samsung dar. Darum verfügt es über Qualcomms Oberklasse-Prozessor Snapdragon 855, der selbst 5G-Übertragungen unterstützt. Auch bei der Größe des Arbeitsspeichers steht das Gerät dem Huawei P20 Pro in nichts nach, während es mit 4.500 mAh sogar eine spürbar größere Akkukapazität vorweist. Letztere ist allerdings auch notwendig, da das Display des Galaxy A90 mit 6,7 Zoll das des P20 Pro deutlich überragt. Und was die Android-Versionsupdates angeht: Android 11 wird sicherlich noch aufgespielt und auch Android 12 stellt keinen unerfüllbaren Wunschtraum dar. Kostenpunkt: ab circa 463 Euro.

Fazit

Noch vor einem Jahr wäre das Huawei P20 Pro eine exzellente Wahl gewesen – und nicht viel teurer als jetzt. Inzwischen hat sich der Kaufpreis jedoch bereits seit Monaten nicht mehr zu Gunsten eines Interessenten verändert und auch die Updates nähern sich ihrem Ende – und das unabhängig der aktuellen Situation rund um den Handelskrieg mit den USA. Folglich solltest du lieber zwei Mal überlegen, ob nicht ein anderes Smartphone, wie das Huawei P30 Pro oder das Samsung Galaxy A90 5G, doch eine bessere Wahl darstellt. Andererseits hat das Huawei P20 Pro mit dem Touch-Sensor unterhalb des Displays und einem nicht gerundeten Bildschirm auch einige spezifische Merkmale, die das Gerät von einem Großteil der möglichen Alternativen abhebt. Und technisch veraltet ist das Huawei-Handy ebenfalls noch keineswegs, lediglich das Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht mehr ganz so gut wie noch vor einem Jahr.

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6 KOMMENTARE

  1. Ich weiß nicht, wie man damals dermaßen von dieser Kamera schwärmen konnte. Gestern ein paar Fotos draußen mit Abendsonne gemacht. Schärfe, Auflösung, Artefakte und Kontrastumfang sind wirklich mies schon im Normalmodus. Mit HDR wirds dann richtig übel.

  2. Ich hab noch Bilder die mit dem p20 Pro gemacht wurden und sie mit Bildern verglichen die ich mit einem Samsung S20 gemacht habe, da musste ich feststellen das die Bildqualität keinen Deut besser waren. Hab das S20 umgehend wieder verkauft. Im Vergleich zum P30 Pro ist das S20 höchstens Mittelklasse. Wie gesagt, meine eigenen Erfahrungen.

  3. Damals war Nokia das Maß aller Dinge und Snake das coolste game überhaupt… Aber Damals ist vergangen, denn die Erde dreht sich weiter und die Technik mit ihr.

  4. Der Artikel an sich ist Weltklasse 😂😂😂

    Ist es oder ist es nicht?
    Wenn der Redakteur doch das Fazit schon im vornherein wusste….. Warum schreibt man dann überhaupt einen solchen Artikel?

    Ich werd dann mal auch Redakteur…..

    Lohnt sich ein Sony Ericsson? Weil es ist günstiger als früher 😂😂😂😂😂😂😂😂

    Unglaublich…… Wie konnte sich ein so brillanter Artikel in meine Personifizierten Nachrichten einschleichen?
    🙈

  5. Hallo zusammen, ich habe mir im April 2018 sofort das P20 pro gekauft. Nach gut 2 Jahren habe ich mir zuerst das p30 pro und dann im Juli das p40 pro gekauft. Nach einem Monat hab ich das p40 pro wieder verkauft und mir wieder für 100 € ein sehr gutes gebrauchtes P20 pro zugelegt.
    Warum:
    – klar p40 pro macht etwas bessere Bilder, außer: bei 3x Zoom ist das P20 pro definitiv besser!!! Die Videos vom p40 pro sind klar besser, mache ich aber nicht so oft.
    – P20 pro hat leider keine Weitwinkel Funktion
    – ich finde die Gegenlicht Aufnahmen des P20 pro bisher unübertroffen
    – mag kein Handy mit runden Kanten, das geht auf Dauer definitiv kaputt. Die Bedienung ist mit Gestensteuerung mit runden Kanten besser.
    – ich habe beim P30 und P40 die Fotoaufnahme Funktion durch tippen auf den Bildschirm sehr sehr vermisst.
    – die Akkulaufzeit des P20 pro ist definitv besser.
    – das P20 pro ist deutlich leichter und handlicher.
    – ich hatte den Play Store beim P40 pro am laufen aber ohne Push Services und Google Assistent wollte ich das Handy dann nicht weiter betreiben.

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