Suunto 9 Baro Titanium im Test: Multisport-Uhr kämpft mit Problemen

10 Minuten
Mit der Suunto 9 Baro Titanium bietet der finnische Hersteller eine neue Premium-Smartwatch an. Die Multisport-Uhr ist nicht nur wasserdicht, sondern auch mit einer hochwertigen Lünette aus Titan ausgestattet. Wir haben uns die Uhr im Test ganz genau angesehen.
Suunto 9 Baro Titanium an Handgelenk
Die Suunto 9 Baro Titanium hat das Zeug, ein waschechtes Luxusprodukt zu sein. Doch vor allem zwei Punkte sprechen dagegen.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Die wichtigste Botschaft vorweg: Wenn du dich für die Suunto 9 Baro Titanium entscheidest, kaufst du eine Sport-Smartwatch, die kaum Wünsche offenlässt. Denn der Alltagsbegleiter am Handgelenk liefert eine Fülle an Extras und sieht zudem ausgestattet mit einem runden Bildschirm und einer fast ausnahmslos hochwertigen Verarbeitung – Abstriche musst du beim Armband machen, doch dazu später mehr – auch noch richtig gut aus.

Suunto 9 Baro Titanium – Das steckt drin

Bedient wird das derzeit neueste Modell der Suunto 9 Reihe über drei Menütasten an der rechten Seite. Aber nicht nur das. Denn das stets eingeschaltete Matrix-Farbdisplay mit Saphirglas-Abdeckung, einer Auflösung von 320 x 300 Pixeln und LED-Hintergrundbeleuchtung lässt sich auch mit dem Finger bedienen. Allerdings wird der Touchscreen erst aktiviert, wenn eine der Seitentasten gedrückt wird. Das hochwertig verarbeitete Gehäuse ist aus glasfaserverstärktem Polyamid (Kunststoff) gefertigt, die Lünette aus Titan.

Ebenfalls wichtig zu wissen: Geliefert wird die Suunto 9 Baro Titanium mit einem Nylon-Textil-Armband in zwei Längen. Das allein wäre sehr erfreulich, doch leider mussten wir in unserem Test feststellen, dass beide Bänder anders als zum Beispiel jenes Textil-Armband der Garmin Enduro nicht gerade angenehm zu tragen sind. Das liegt vor allem an den recht scharfkantigen Enden, die direkt auf der Haut liegen. Hier wäre ein bisschen mehr Liebe zum Details bei der Verarbeitung wahrlich wünschenswert gewesen.

Suunto 9 Baro Titanium Armband
Die abgeschnittenen Enden des Armbands der Suunto 9 Baro Titanium sind ziemlich scharfkantig. Das sorgt teilweise für Kratzgefühle auf der Haut.

Kopplung mit dem Handy ist sinnvoll aber kein Muss

Damit die Uhr ihre ganzen Stärken ausspielen kann, ist eine Kopplung zu einem Smartphone sinnvoll – aber nicht zwingend erforderlich. Wenn du die Suunto 9 Baro Titanium mit einem iPhone oder Android-Smartphone verbindest, ist es nicht nur möglich, auf dem Handy eingehende Benachrichtigungen ans Handgelenk zu spiegeln; wahlweise nur mit einem leichten Vibrationsalarm oder auch mit einem zusätzlichen Signalton. Allerdings gewährt die Uhr keine größere Individualisierbarkeit. Entweder du empfängst auf der Uhr alle Benachrichtigungen vom Handy oder gar keine.

Die Smartwatch kann darüber hinaus nach einer erfolgreichen Kopplung mit dem Handy auf eingehende Anrufe am Handgelenk hinweisen – und diese auch annehmen. Aber es ist leider nicht möglich, mit der Uhr direkt am Handgelenk zu telefonieren. Dafür muss am Ende dann doch das Handy aus der Tasche gezogen werden. Alternativ lässt sich ein eingehender Anruf mit nur einem Fingertipper natürlich auch ablehnen.

Suunto 9 Baro Titanium signalisiert einen eingehenden Anruf.
So signalisiert die Suunto 9 Baro Titanium einen eingehenden Anruf auf dem Smartphone.

Die gut lesbaren Benachrichtigungen vom Smartphone sammelt die Suunto 9 Baro Titanium in einer Mitteilungs-Zentrale. Man erreicht sie, indem man vom Homescreen einmal nach links und dann weiter über das Display nach unten wischt. Es ist aber leider nicht möglich, gelesene Benachrichtigungen direkt auf der Uhr auch als solche zu kennzeichnen oder gar zu löschen. Das muss alles auf dem Smartphone erfolgen. Umgekehrt klappt die Synchronisation der Nachrichten besser. Auf dem Smartphone gelöschte Benachrichtigungen verschwinden unverzüglich auch von der Uhr.

Viele, viele Trainingsmodi

Ein echtes Allround-Talent ist die Suunto 9 Baro Titanium hinsichtlich ihrer Sport-Funktionen. Für die Protokollierung deiner Trainings kannst du schon auf den ersten Blick auf 17 vorinstallierte Sportprofile zugreifen: Zum Beispiel Basic-Workouts wie Wandern, Laufen und Radfahren, aber auch Skilanglauf, Krafttraining, Pool- und Freiwasserschwimmen sowie Triathlon. Und hinter dem Menüpunkt „weitere“ verbergen sich noch unzählige weitere Profile für Workouts wie Fußball, Tennis, Golf, Bowling, Trailrunning oder auch Cheerleading. Insgesamt sind mehr als 80 Sportmodi nutzbar. Das ist beachtlich.

Während des Trainings protokolliert die Uhr deine zurückgelegten Strecken nicht nur mithilfe eines eigenständigen GPS-Empfängers, sondern bezieht ganz wie du es wünschst auch die GPS-Alternativen Glonass, Galileo, QZSS oder Beidou mit ein. Das klappt mit einer ordentlichen Genauigkeit. Du selbst kannst über den von dir gewählten Akkumodus vor jedem Training bestimmen, wie genau das Tracking tatsächlich ausfallen soll. Allenfalls solide funktioniert während deines Trainings leider der rückseitig verbaute Pulsmesser. Während mehreren Workouts mussten wir leider zu ungenaue Werte feststellen – vor allem in hohen Pulsbereichen.

Pulsmesser liefert (zu) oft falsche Werte

Die Folge: Die Suunto 9 Baro Titanium zeigte uns wiederholt trotz eines straff sitzenden Armbands viel zu hohe Pulswerte an. Und das, obwohl sie zu Trainingsbeginn noch absolut nachvollziehbare Werte signalisierte. Statt etwa 150 bpm waren vom Display der Uhr dann völlig abnormale Werte jenseits von 200 bpm abzulesen. Das verfälscht auf der einen Seite die Analyse deiner Trainings, sorgt zudem aber auch dafür, dass die Uhr nicht korrekte Belastungs- und Erholungsstatus anzeigt. Hier muss der Hersteller dringend nachbessern. Entweder per Software-Update oder mit insgesamt besser funktionierender Sensorik.

Suunto 9 Baro Titanium Pulsmessung
Mit einem Puls von 219 wäre man vermutlich kurz vor einer Einlieferung in die nächstgelegene Klinik.

Vor jedem Training hast du wie erwähnt die Möglichkeit, aus vier Batterielaufzeiten auszuwählen: „Leistung“ für maximale Qualität der Protokolle, „Ausdauer“ für eine längere Akkulaufzeit, „Ultra“ für eine lange Akkulaufzeit und „Tour“ für eine maximale Batterielaufzeit mit bis zu 7 Tagen GPS-Tracking aber sonst stark eingeschränkten Funktionen. Vor dem Start einer Aufzeichnung wird die noch verbleibende Akkulaufzeit in den vier Akkulaufzeit-Modus auf dem Display der Uhr angezeigt. Gut ist das insbesondere dann, wenn du längere Sport-Sessions vor der Brust hast.

Gute Akkulaufzeit

Mit Blick auf die Akkulaufzeit lässt sich festhalten, dass die Suunto Baro 9 Titanium rund eine Woche bei permanenter Pulsmessung und drei etwa halbstündigen Workouts inklusive GPS-Tracking nutzbar ist. Ein guter Wert. Das Wiederaufladen von unter 10 Prozent auf 100 Prozent Akkukapazität dauert über das mitgelieferte magnetische Ladekabel knapp zwei Stunden.

So oder so gilt: Alle Informationen kannst du in aller Regel, also auch bei starker Sonneneinstrahlung, gut vom recht großen Bildschirm ablesen. Nur in den Batteriemodus Ultra und Tour musst du bei richtig heller Umgebung vielleicht zweimal hinsehen. Suunto selbst gibt übrigens an, dass das Display 1,97 Zoll groß ist. Damit ist allerdings der Durchmesser der kompletten Front gemeint, die nicht vollständig aus einem Bildschirm besteht. Tatsächlich ist das Display also etwas kleiner, weil rund herum noch ein recht üppiger schwarzer Rand verläuft.

Suunto 9 Baro Titanium sichtbarer Display-Rand
Das eigentliche Display der Suunto 9 Baro Titanium ist etwas kleiner als man es auf den ersten Blick meinen könnte.

So sieht die Suunto App aus

Sehr intuitiv und übersichtlich gehalten ist die zugehörige Suunto App. Sie steht für iPhones und Android-Smartphones zur Verfügung und fasst auf der Startseite die Trainings der laufenden Woche, der vergangenen 30 Tage oder des aktuellen Monats zusammen. Auch kannst du auf einen Blick die wichtigsten Parameter zu deinen letzten Workouts einblicken.

Suunto App Startseite
So sieht die zusammenfassende Startseite der Suunto App aus.

Deutlich tiefer kannst du über den Tagebuch-Reiter in die Analyse deiner Trainings eintauchen. Hier kannst du nicht nur deine Aktivitäten unter die Lupe nehmen, sondern auch die Anzahl der zurückgelegten Schritte und deinen Kalorienverbrauch. Zudem besteht die Möglichkeit, die Schlafqualität zu überprüfen. Das aber natürlich nur dann, wenn du deine Suunto 9 Baro Titanium auch nachts trägst.

Suunto App Tagebuch
Das Tagebuch gestattet in der Suunto App Einblick in tiefergehende Analysen.

Ein weiterer Pluspunkt der Suunto App: Du kannst darin deine nächsten Routen planen. Egal ob die nächste Radtour, die nächste Jogging-Runde oder das nächste Trailrunning-Abenteuer: Einfach in der App die gewünschte Route mit Start- und Zielort sowie etwaigen Wegpunkten einrichten und mit der Suunto 9 Baro Titanium synchronisieren. Schon kannst du dich über deine Uhr zum Ziel navigieren lassen. An jeder Kurve erhältst du einen passenden Hinweis, in welche Richtung du deinen Lauf fortsetzen solltest. Gleiches funktioniert übrigens mit der Navigation zu POIs.

Suunto App Training
Trainingsanalyse in der Suunto App.

Alternativ kannst du die Suunto-Smartwatch auch mit der in Deutschland sehr beliebten App von Komoot koppeln und die dortige Turn-by-Turn-Navigation auf deiner Smartwatch nutzen. Auch eine Schnittstelle zur Sport-Community Strava ist vorhanden.

Fazit

Eine hochwertige Verarbeitung des Uhrengehäuses, eine intuitive Bedienung und smarte Extras wie ein Barometer, digitaler Kompass und Navigationsfunktionen im Zusammenspiel mit der hübsch gestalteten Suunto-App machen die Suunto 9 Baro Titanium zu einem wahrlich cleveren Begleiter im Alltag. Positiv auch: Über einen auf Knopfdruck in den Einstellungen der Uhr aktivierbaren Energiesparmodus kannst du die Laufzeit der Sportuhr auf längeren Exkursionen spürbar verlängern – musst dann aber auf manch sinnvolle Funktion wie die Hintergrundbeleuchtung oder die permanente Pulsmessung verzichten.

Leider hat Suunto aber an zwei ziemlich wichtigen Stellen nicht so professionell gearbeitet wie es bei aller finnischer Gelassenheit zu erwarten wäre: Das mäßig verarbeitete, zuweilen kratzige Armband ist nämlich alles andere als komfortabel. Und die falschen Werte, die der Pulsmesser während so mancher Trainingseinheit liefert, sorgen eher für Frust als für Freude mit dem smarten Alltagsbegleiter. Möglicherweise kann der Hersteller zumindest beim zweiten Punkt mit einem Software-Update noch nachjustieren.

Rückseite der Suunto 9 Baro Titanium
Größer Schwachpunkt: Die Pulsmesser-Sensorik auf der Rückseite.

Wichtig auch: Für den einen oder anderen mag die moderne Multisport-Smartwatch vielleicht zu groß ausfallen. Viel entscheidender dürfte aber sein, dass die Uhr kein Schnäppchen ist (Details unten). Aus diesen Gründen ist die Suunto 9 Baro Titanium für alle Sport-Fans nur eingeschränkt eine gute Alternative zu ähnlich ausgestatteten Modellen wie der Garmin Fenix 6 Sapphire.

Vorteile

  • großes, gut ablesbares Touch-Display (für Frauen-Hände ggf. zu groß)
  • umfangreiche Ausstattung inklusive Barometer und Kompass
  • permanente Herzfrequenzmessung möglich
  • ordentliche Akkulaufzeit von etwa einer Woche
  • Uhr informiert über Belastungs- und Erholungsstatus
  • Routen-Erstellung in der Suunto-App synchronisiert sich automatisch mit der Smartwatch
  • 100 Meter wasserdicht
  • Unwetterwarnungen sowie Benachrichtigungen zu Sonnenauf- und Sonnenuntergang

Nachteile

  • teilweise recht scharfkantiges Armband
  • leider oft ungenaue Pulsmessung
  • kein mobiles Telefonieren am Handgelenk möglich
  • keine Blutsauerstoffmessung möglich
  • Schlaftracker erkennt Wachphasen nicht immer zuverlässig
  • kein NFC; kein WLAN

Was kostet die Suunto 9 Baro Titanium?

Kaufen kannst du die Suunto 9 Baro Titanium in der von uns getesteten blauen Variante zu einem Preis von knapp 600 Euro. Unter anderem kannst du sie bei Amazon bestellen. Alternativ kannst du sie dort auch in Schwarz kaufen. Weil es sich noch um eine brandneue Smartwatch handelt, ist erst im Laufe der kommenden Wochen damit zu rechnen, dass die Uhr zu reduzierten Konditionen angeboten wird.

Hinweis: Dieser Testbericht basiert auf Firmware-Version 2.14.12 der Suunto 9 Baro Titanium und Version 2.2.2 der Suunto App. Updates kannst du übrigens nicht über die Uhr selbst installieren, sondern nur über die zugehörige Desktop-Software.

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Bildquellen

  • Suunto 9 Baro Titanium Armband: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto 9 Baro Titanium Anruf: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto 9 Baro Titanium Pulsmessung: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto 9 Baro Titanium Display-Rand: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto App Startseite: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto App Tagebuch: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto App Training: Suunto
  • Rückseite der Suunto 9 Baro Titanium: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto 9 Baro Titanium an Handgelenk: Hayo Lücke / inside digital
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