Mate.Bike im Test: Was macht man mit diesem E-Bike zum Klappen?

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E-Bikes liegen voll im Trend. Der Markt explodiert und das Fahrrad erlebt, dank Elektromotor, einen neuen Frühling. Eine Unterkategorie ist das Elektrofahrrad als Klapprad. Wie gut das funktioniert, oder auch nicht, zeigt der Test des Mate-Bike.
Mate.Bike im Test
Mate.Bike im Test: Elektrofahrrad zum Klappen mit tollem Akku, aber ...Bildquelle: Blasius Kawalkowski

Man könnte meinen, jeder Radfahrer will ein E-Bike. Ob Klapp- oder Hollandräder, ob Mountain- oder Gravelbike: Es gibt kein Modell, in das die Hersteller derzeit keinen Motor verbauen. Selbst vor dem Rennrad machen sie nicht halt. Dabei ist letztgenanntes doch eigentlich eher ein Sportgerät. Mit E-Antrieb verkommt es zum Sport für Faulpelze, die sich am Berg zurücklehnen und den Motor die Arbeit machen lassen. Das Mate.Bike ist aber ein Klapprad und damit verfolgt es ein ganz anderes Ziel.

Bei einem Klapprad ergibt ein Motorantrieb deutlich mehr Sinn, da das Rad vor allem in der Stadt zu Hause ist oder als Pendlerfahrrad benutzt wird. Schnell zusammengeklappt, in die Bahn oder den Kofferraum des Autos rein, am Zielort wieder raus und die letzten Meter mit dem Klapprad zur Arbeit. Doch hier wird es bei dem E-Bike „Mate.Bike“ bereits das erste Mal brenzlig.

Ist das der Sinn und Zweck eines Klapprads?

Mit fast 30 Kilogramm ist das E-Bike zum Falten unheimlich schwer. In einen hohen Kofferraum heben? Für den einen oder anderen Radfahrer unmöglich. Die Treppen zum Gleis hinauftragen? Wenn es keine Rolltreppen gibt, sollte man hin und wieder ein paar Hanteln bewegen, um ausreichend Kraft dafür zu haben. Wer in einer Altbauwohnung im dritten Stock wohnt, der wird, sollte er das Mate.Bike in seine Bude bugsiert haben, sich erst einmal ein Päuschen gönnen oder unter die Dusche springen.

E-Bike zum falten: das Mate.Bike lässt sich zwar zusammenklappen, aber nur schwer heben und tragen.
E-Bike zum falten: das Mate.Bike lässt sich zwar zusammenklappen, aber nur schwer heben und tragen.

Zudem wird es vermutlich das erste und letzte Mal gewesen sein, dass das E-Bike den Weg ins Haus gefunden hat. Dadurch, dass der Akku herausnehmbar ist, kann man das E-Bike aber auch im Hinterhof abstellen und den Akku in der Wohnung aufladen. Bei einem Preis von mindestens 1.500 Euro sollte man den E-Drahtesel aber ordentlich festketten.

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Das Mate.Bike ist ein E-Bike zum Flanieren – auch im Gelände

Wer das E-Bike nicht schleppen muss, kann sich treiben lassen. In der Stadt, oder aufgrund der dicken und profilstarken Reifen auch im Wald, lassen sich entspannte Spazierfahrten machen. Leicht in die Pedale getreten und der Motor des Mate.Bike erledigt die Arbeit. So ist man mit bis zu 25 km/h unterwegs, ohne dass man verschwitzt ankommt. Schneller fahren, als bis dahin, wo der Motor unterstützt, wird dagegen zur schweißtreibenden Mammutaufgabe. Aufgrund der fetten Reifen ist der Rollwiderstand extrem hoch. Zum eigenen Körpergewicht kommen noch einmal 30 kg Fahrradgewicht dazu. Die Masse konstant über 25 km/h zu halten ist – trotzt 8-Gang-Schaltung – nicht ganz einfach. Schnell stellt man die vergeblichen Versuche ein und lässt den Motor die Arbeit verrichten. So kommt man schließlich deutlich entspannter ans Ziel.

Der Akku des Mate.Bike ist top, die Schaltung eher flop.
Der Akku des Mate.Bike ist top, die Schaltung eher flop.

Hinzu kommt, dass das Schaltwerk ab und an zickt. Die Kette schlängelt sich unpräzise über die Ritzel, rasselt und hat Probleme, den richtigen Zahnkranz zu finden. So kommt es immer wieder vor, das sie 20 Meter nach dem Schaltvorgang und einigem Geknatter sich dann doch noch einmal dafür entscheidet, auf einem anderen Ritzel zu laufen. Vor allem der erste Gang bleibt nicht konstant drin. Die Kette springt früher oder später immer auf das nächstkleinere Ritzel. Das mag auch am unterdimensionierten Schaltwerk von Shimano liegen, die bei dem E-Bike zum Einsatz kommt. Die Altus-Einheit ist im Einsteigersegment verortet und wird auch bei deutlich günstigeren Fahrrädern verbaut. Bei einem Preis von bis zu 2.100 Euro für das E-Bike wäre ein Griff in ein höheres Regal deutlich besser gewesen.

Das Display lässt sich bei Sonneneinstrahlung schlecht ablesen und blendet bei Dunkelheit.
Das Display lässt sich bei Sonneneinstrahlung schlecht ablesen und blendet bei Dunkelheit.

Auch beim Display, das Informationen über die Geschwindigkeit, den Ladezustand des Akkus und die gefahrenen Kilometer anzeigt, hätte es etwas mehr sein dürfen. Während es in der Dunkelheit blendet und ablenkt, ist es bei Sonneneinstrahlung kaum ablesbar – und das trotz zwei Helligkeitsstufen.

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Fazit: E-Bike zum Cruisen mit Style-Faktor

Keine Frage: das Mate.Bike macht unglaublich viel Spaß. Ob auf Feldwegen, in der Stadt oder im Sand: Das E-Bike fühlt sich fast überall wohl und verleitet zum Cruisen. Doch wenn der Akku unterwegs leer geht, wird die Rückfahrt zur Tortur für untrainierte Beine. Apropos Akku: Er ist eines der Highlights des faltbaren Elektrofahrrads. Nach etwa 100 Kilometern im Test wies der enorm schwere Energieträger immer noch 25 Prozent seiner Ladung auf. Klar ist aber auch: Der Motor hat nicht über die volle Distanz mit 100 Prozent seiner Leistung unterstützt. Aber wann fährt man schon 100 Kilometer bergauf?

Das E-Bike der Dänen will vor allem eines: auffallen.
Das E-Bike der Dänen will vor allem eines: auffallen.

Hinzu kommt, dass das E-Bike die Blicke von Passanten und Autofahrern wie ein Monstermagnet auf sich zieht. Nicht nur aufgrund der dicken Schlappen inklusive lautem Abrollgeräusch und des breiten Rahmens. Das Unternehmen aus Dänemark verkauft das Mate.Bike in knalligen Farben wie Orange oder Pink. Wer sich weniger auffällig an der Rheinuferpromenade fortbewegen möchte, für den gibt es das Mate.Bike aber auch in Schwarz.

Bildquellen

  • Mate.Bike im Test: Blasius Kawalkowski
  • Mate.Bike im Test: Blasius Kawalkowski
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